1945 geboren, gehört zu den wichtigsten deutschen Regisseuren der Nachkriegszeit. Durch sein experimentelles Erzählen, eine stilisierte Bildsprache und eine assoziative Montage blieb er ein großer Außenseiter. Neben 35 Spiel- und Dokumentarfilmen inszenierte er auch etwa 70 Theaterstücke und Opern. Für seinen Palermo oder Wolfsburg (Foto rechts), die Geschichte eines italienischen Arbeiters, der in Deutschland auf dramatische Weise scheitert, erhielt er 1980 den Goldenen Bären der Berlinale. Schroeters neuer Film Diese Nacht (Foto unten) , eine Parabel über den Untergang einer Diktatur, erlebt Ende des Monats auf den Hofer Filmtagen seine Deutschlandpremiere. Das Wiener Kinofest Viennale ehrt ihn vom 17. Oktober an mit einer Filmreihe.

Beim Gespräch fühlt sich Schroeter schwach, er spricht leise. Die Postproduktion seines neuen Films in Berlin hat ihn ausgelaugt, außerdem leidet er an den Folgen einer Krebserkrankung. Er sitzt in der kleinen Küche einer Charlottenburger Wohnung, die ihm während der Zeit in Berlin zur Verfügung steht, die Beine in eine Decke gehüllt, am Kopf die üblichen Markenzeichen: langes Haar, Spitzbart, schwarzer Hut. Er trinkt Mandarinen- und Kirschsaft und fingert dabei lange an einer Zigarette herum – bis er sich endlich ein paar Züge gestattet.

Fotos: defd(o.), Viennale 2008 (u.)