Vergewaltigungsopfer 60 Jahre Schweigen

Erstmals wird das Schicksal von Frauen erforscht, die während des Zweiten Weltkriegs missbraucht wurden. Die Untersuchung soll ein Tabu brechen und eine kollektive Erinnerungskultur fördern

"Dreiundzwanzig Soldaten hintereinander. Ich musste im Krankenhaus genäht werden. Nie wieder will ich etwas mit einem Mann zu tun haben." So beschreibt die Publizistin Ursula von Kardorff in ihren Berliner Aufzeichnungen die Erlebnisse einer Freundin im September 1945.

Kriegsvergewaltigungen gehören bis heute zu den großen Tabus des Zweiten Weltkrieges. Nur vereinzelt wurden sie in literarischen Werken und Tagebuchaufzeichnungen angesprochen. Von Donnerstag an läuft nun der Film Anonyma im Kino und rückt das Thema in die Öffentlichkeit.

"Eine systematische wissenschaftliche Aufarbeitung der durch Vergewaltigungen ausgelösten Traumatisierungen und der Langzeitfolgen fehlt bis heute", sagt der Psychiater Philipp Kuwert von der Universität Greifswald. Erstmals soll jetzt das Schicksal deutscher Frauen, die während des Zweiten Weltkrieges vergewaltigt wurden, wissenschaftlich untersucht werden. Historiker schätzen, dass allein von Januar bis Juni 1945 bis zu 1,9 Millionen Frauen missbraucht wurden. Genaue Zahlen gibt es nicht.

Nicht nur die Täter schwiegen, auch die Opfer redeten nicht – aus Scham oder Angst. Zudem war in der DDR eine Diskussion über Vergewaltigungen durch Rotarmisten staatspolitisch nicht gewollt. Doch Kuwert ist sich sicher: "Kriegsvergewaltigungen waren ein Massenphänomen und nicht nur in der Roten Armee zu finden." Seit Montag befragt das Team der Universität Greifswald im Rahmen einer mehrmonatigen Studie mit dem Kölner Verein medica mondiale Vergewaltigungsopfer des Zweiten Weltkrieges.

Monika Hauser, die Leiterin von medica mondiale, wurde für ihren 15-jährigen Hilfseinsatz für kriegsvergewaltigte Frauen in aktuellen Kriegsgebieten mit dem Alternativen Nobelpreis 2008 ausgezeichnet . Sie will mit der Studie ein Tabu brechen und den betroffenen Frauen das Stigma nehmen. Nur so würden eine individuelle Verarbeitung und kollektive Erinnerungskultur möglich. Die Frauen erführen dadurch eine – wenn auch minimale – Gerechtigkeit, sagt Hauser. Sie zieht Parallelen zwischen den Vergewaltigungen in heutigen Kriegen und denen während des Zweiten Weltkrieges. "Vergewaltigungen haben kriegsstrategische Bedeutung. Soldaten üben Macht und Rache aus. Sie verletzen den Feind, indem sie ihm die Frau nehmen."

Die Greifswalder Wissenschaftler knüpfen an frühere Forschungen zur Traumatisierung von Kindersoldaten und Kriegskindern an. Demnach leiden einige Betroffene bis heute unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Ihr Erinnerungsdruck sei besonders stark, berichtet Philipp Kuwert. In Flashbacks erlebten sie die schrecklichen Situationen immer wieder. Die Opfer reagierten sogar auf harmlose Reize sehr negativ. "Das geht so weit, dass Frauen das Ticken einer Standuhr nicht ertragen oder Sexualität im späteren Leben vollkommen meiden", erklärt Kuwert.

Selbst 63 Jahre nach Kriegsende sei es für eine Therapie kriegsvergewaltigter Frauen nicht zu spät, meint der Psychiater. "Viele Traumatisierte haben am Ende ihres Lebens das Gefühl, nicht abschließen zu können." Allein das Sprechen über die Erlebnisse habe einen "heilenden Effekt". Die Initiatoren dringen auf die Entwicklung spezieller Therapien, auch in Pflege- und Altenheimen. Dort existiere das Tabu bis heute.

Die Studie konzentriert sich aus finanziellen Gründen zunächst auf Betroffene in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin-Brandenburg. Vergewaltigungen, so ist sich Kuwert sicher, habe es aber nicht nur in der russischen, sondern auch in den anderen Besatzungszonen gegeben. Im ukrainischen Donezk wollen die Forscher ein ähnliches Projekt starten, das die sexualisierte Gewalt von SS-Soldaten und Offizieren gegenüber osteuropäischen Frauen thematisiert.

Von Martina Rathke, dpa

 
Leser-Kommentare
  1. in der Bibel wird dies wohl als das Jüngste Gericht bezeichnet. Denn sicher, Vergewaltigungen und Kriege gab es immer wieder, sie ziehen sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte. Doch immer war man letztlich stolz auf den Sieg, wollte Niederlagen durch einen Sieg wieder wettmachen. Anders heute, da wird so lange analysiert und bewertet, -weil die Verbrechen und Verbrechenspotentiale halt unerträglich groß geworden sind(!) -, dass man quasi nicht mehr um die Weitergabe des Lebens wirklich kämpfen kann. Der Mensch liegt quasi immer noch, ja mehr denn je, im Kampf mit sich selbst, mit seiner Natur. Das kann er letztlich, bzw. auf Dauer, (wohl doch) nicht aushalten. Er kann seine Natur nicht mehr ausleben, weil er sonst apokalyptisch untergehen würde, was ihn, zu recht, traurig macht. So geht er halt friedlich dahin - in ständiger allgemeiner und tiefer Vergewisserung, dass es dazu keine Alternative gibt.

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    • Rahab
    • 20.10.2008 um 21:04 Uhr

    sexualisierte gewalt gegen weibliche - aber nicht nur, macht euch da nichts vor! - menschen ist NATUR?

    wollen Sie das uns und sich selbst wirklich glauben machen?
    woher wissen wir, dass es "schon immer so war"?

    ich frage so nicht nur deshalb, weil die bibel ja wohl nicht der referent-text für alles sein kann.
    sonder weil ich auch wissen möchte, mit welchem natur-begriff Sie operiert haben (wissentlich/unwissentlich).

    • Rahab
    • 20.10.2008 um 21:04 Uhr

    sexualisierte gewalt gegen weibliche - aber nicht nur, macht euch da nichts vor! - menschen ist NATUR?

    wollen Sie das uns und sich selbst wirklich glauben machen?
    woher wissen wir, dass es "schon immer so war"?

    ich frage so nicht nur deshalb, weil die bibel ja wohl nicht der referent-text für alles sein kann.
    sonder weil ich auch wissen möchte, mit welchem natur-begriff Sie operiert haben (wissentlich/unwissentlich).

    • Rahab
    • 20.10.2008 um 21:04 Uhr

    sexualisierte gewalt gegen weibliche - aber nicht nur, macht euch da nichts vor! - menschen ist NATUR?

    wollen Sie das uns und sich selbst wirklich glauben machen?
    woher wissen wir, dass es "schon immer so war"?

    ich frage so nicht nur deshalb, weil die bibel ja wohl nicht der referent-text für alles sein kann.
    sonder weil ich auch wissen möchte, mit welchem natur-begriff Sie operiert haben (wissentlich/unwissentlich).

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    und die Bibel ist halt auch (nur) eine besondere Art, ein antikes Geschichts- und Reflektionsbuch, ja das alte Testament ist halt die Geschichte des Volkes Israel. Weltuntergangsvisionen gibt es auch außerhalb der Bibel, die gab es auch in anderen Völkern, schon bei den alten Germanen, die gibt es auch bei atheistischen Jugendlichen, die noch nie in die Bibel geschaut haben. Aber sicher gibt es all dies erst, als die Welt besiedelt war, m.E. so richtig erst unter den Hochkulturen. Bis dahin konnte Mensch sich auch ohne Großverbrechen verbreiten, vermehren, also (sau)wohlfühlen. Wie stark unsere Sexualität reglementiert ist, gerade auch unser Fortpflanzungstrieb, das bekommen wir in zwei Tagen ja wohl in einer Wissens-Sendung im zdf erklärt. Titel:
    "Sex ist die natürlichste Sache der Welt"? Ein Irrglauben - zumindest was uns Menschen angeht. Kein anderes Lebewesen auf diesem Planeten hat sich so weit von der natürlichen Sexualität entfernt wie wir. Kulturelle, soziale und moralische Faktoren haben unsere Vermehrung immer komplizierter und unnatürlicher gemacht. Wie unnatürlich wir leben, und mit wieviel Gewalt, das sieht man an diesen Vergewaltigungen im Rahmen von Kriegen (aber auch im zivilen Bereich) und eben auch, hier in Form latenter, potentieller, (All-)Gewalt, an den riesigen A-Waffen- bzw. Massenvernichtungs-Bergen.

    Sicher entspricht es nicht unserer Natur, die Gewalt, bzw. unsere Gewaltpotentiale in einer Art Apokalypse entladen zu lassen, das sehe ich auch so. Gleichwohl ist es irgendwo auch etwas mächtig Gewaltiges, wenn die Menschheit -im Großen und Ganzen- wohlorganisiert-friedlich untergeht. Wenn es dazu kommt, ich denke, fühle und glaube, dass es so kommen wird, dann werden wohl auch Sie verstehen, dass die Gewalt, auch die latente, auch geistige Zwänge, in uns allen ist und wirkt wie noch niemals zuvor. Nicht wegen der Bibel, die Bibel ist aber auch ein sehr starker Hinweis dafür bzw. ein antiker (aber eben auch schon ein durchaus moderner) Ausdruck dessen, der, mit all seinen erheblichen Schwächen (gerade auch beim Endszenario) und mit großen Verdrehungen, bis in die Gegenwart weitergetragen worden ist. (Wohingegen noch ältere Beispiele eben aufgegeben oder verdrängt worden sind.)

    Die Natur des Menschen zeigt, dass er im Tierreich doch etwas ganz besonderes ist, es spricht so manches dafür, dass auch sein Ende ein ganz besonders sein bzw. werden könnte - wir haben halt eine besondere Natur, diese dürfte, ich wiederhole dies, auch in unserem Untergang sichtbar werden. Denn: Welches vernunftbegabte Wesen wird sich noch vermehren, wenn es genau sieht, dass seine Kinder nicht glücklich werden können!?!

    Ihrem zweiten Beitrag kann ich voll zustimmen.

    und die Bibel ist halt auch (nur) eine besondere Art, ein antikes Geschichts- und Reflektionsbuch, ja das alte Testament ist halt die Geschichte des Volkes Israel. Weltuntergangsvisionen gibt es auch außerhalb der Bibel, die gab es auch in anderen Völkern, schon bei den alten Germanen, die gibt es auch bei atheistischen Jugendlichen, die noch nie in die Bibel geschaut haben. Aber sicher gibt es all dies erst, als die Welt besiedelt war, m.E. so richtig erst unter den Hochkulturen. Bis dahin konnte Mensch sich auch ohne Großverbrechen verbreiten, vermehren, also (sau)wohlfühlen. Wie stark unsere Sexualität reglementiert ist, gerade auch unser Fortpflanzungstrieb, das bekommen wir in zwei Tagen ja wohl in einer Wissens-Sendung im zdf erklärt. Titel:
    "Sex ist die natürlichste Sache der Welt"? Ein Irrglauben - zumindest was uns Menschen angeht. Kein anderes Lebewesen auf diesem Planeten hat sich so weit von der natürlichen Sexualität entfernt wie wir. Kulturelle, soziale und moralische Faktoren haben unsere Vermehrung immer komplizierter und unnatürlicher gemacht. Wie unnatürlich wir leben, und mit wieviel Gewalt, das sieht man an diesen Vergewaltigungen im Rahmen von Kriegen (aber auch im zivilen Bereich) und eben auch, hier in Form latenter, potentieller, (All-)Gewalt, an den riesigen A-Waffen- bzw. Massenvernichtungs-Bergen.

    Sicher entspricht es nicht unserer Natur, die Gewalt, bzw. unsere Gewaltpotentiale in einer Art Apokalypse entladen zu lassen, das sehe ich auch so. Gleichwohl ist es irgendwo auch etwas mächtig Gewaltiges, wenn die Menschheit -im Großen und Ganzen- wohlorganisiert-friedlich untergeht. Wenn es dazu kommt, ich denke, fühle und glaube, dass es so kommen wird, dann werden wohl auch Sie verstehen, dass die Gewalt, auch die latente, auch geistige Zwänge, in uns allen ist und wirkt wie noch niemals zuvor. Nicht wegen der Bibel, die Bibel ist aber auch ein sehr starker Hinweis dafür bzw. ein antiker (aber eben auch schon ein durchaus moderner) Ausdruck dessen, der, mit all seinen erheblichen Schwächen (gerade auch beim Endszenario) und mit großen Verdrehungen, bis in die Gegenwart weitergetragen worden ist. (Wohingegen noch ältere Beispiele eben aufgegeben oder verdrängt worden sind.)

    Die Natur des Menschen zeigt, dass er im Tierreich doch etwas ganz besonderes ist, es spricht so manches dafür, dass auch sein Ende ein ganz besonders sein bzw. werden könnte - wir haben halt eine besondere Natur, diese dürfte, ich wiederhole dies, auch in unserem Untergang sichtbar werden. Denn: Welches vernunftbegabte Wesen wird sich noch vermehren, wenn es genau sieht, dass seine Kinder nicht glücklich werden können!?!

    Ihrem zweiten Beitrag kann ich voll zustimmen.

    • Vadis
    • 20.10.2008 um 21:14 Uhr

    unter Waffen zu stehen, um ihre weitgehende körperliche Unterlegenheit zu kompensieren, hätten wir eine Möglichkeit, diesen männlichen (Um)Trieben eine gehörige Richtung auf Ende von kavaliersdeliktischer Gewaltanwendung zu weisen. Da hätte sich auch damals blutrünstige Soldateska erst mal den Weg zum Glück freischießen müssen. Provokant – keine Frage.

    • Rahab
    • 20.10.2008 um 21:43 Uhr

    das eine ist das tabu: darüber wird nicht gesprochen. zieht sich bis in filme und bücher hinein; die frau, die vom liebsten den revolver in die hand gedrückt bekommt, um abzudrücken bevor es zum äußersten kommt. davon, den angreifer zu erschießen, war nicht die rede. sondern davon, rein zu sterben und erst postum geschändet zu werden.
    ... es wird natürlich doch gesprochen. aber bislang fand es niemand für wert, dazu eine studie mit frauen in deutschland zu machen. das ist das verdienst von medica mondiale!
    und was medica mondiale sonst noch zu sexualisierter gewalt und zunahme von prostitution auch im zuge von 'friedensmissionen' zu sagen hat, das kann sich ja jede/r über deren homepage raussuchen.

    das andere ist die vorstellung vom feind - und dessen verlängerung in den weiblichen körper hinein. denn: es geht nicht um trieb, es geht nicht um vergnügen, es geht um macht. nichts anderes. und um zestörung von person als persönlichkeit.
    ist übrigens bei vergewaltigungen im männerknast genauso. bei sexualisierter gewalt im rahmen von folter dito.

    ein drittes ist, dass es nach dem friedensschluß, der niederlage ungut ist, auch noch diesen übergriff in den nationalen körper des besiegten feindes, repräsentiert durch 'seine frauen' zu thematisieren. könnte gleich wieder ein krieg 'ausbrechen' (geschieht ja manchmal auch, wenn auch mit gewisser verzögerung). aber: es arbeitet untergründig.

    das nächste ist die vorstellung des "war immer so". und dazu habe ich gefragt: ach ja? woher wissen wir das? weil wir die bibel als referenz-text zu lesen gelernt haben? und wenn wir mit den erklärungen nicht mehr weiterkommen, die begründungen bei den Pavianen abholen? die rücken die natürlich nicht freiwillig raus, die Paviane. weshalb zu fragen ist, ob sich dies so zwangsläufig aus der abstammung des homo sapiens von den vorläufern (oder so ähnlich) der menschenaffen ergibt!

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    Zuweilen haben die Kontrahenten in der Frage, warum Männer vergewaltigen, einfach das Problem einer allzu puristischen Sichtweise: Sie schlagen einander die Schädel um die Frage ein, ob das etwas mit Sexualtrieb zu tun hat oder (natürlich ausschließend gedacht) mit Macht, Dominanz, Erniedrigung des Opfers etc. zu tun hat.
    Wie blöd, dies zu tun, der Streit ist überflüssig wie ein Kropf! Es bedarf keines übermäßig starken Verstandes, um sich denken zu können, dass die Motivlage erstens von Vergewaltigung zu Vergewaltigung verschieden sein dürfte und zweitens bei den meisten Taten mehrere Motive zusammenwirken.

    Feministinnen haben sich tierisch über das Buch "A natural history of rape" aufgeregt, weil sie die Autoren komplett missverstanden haben. Diese haben nämlich nie behauptet, Männer seien nun mal von Natur aus Vergewaltiger, weil sie "ihre Gene weitergeben wollen" - das ist den meisten Vergewaltigern vermutlich bestenfalls egal. Sie haben auch nie abgestritten, dass die inneren (proximaten) Motive eines Vergewaltigers eben in der Unterwerfung, Erniedrigung und ggf. sogar der Zerstörung der betroffenen Frau liegen können.
    Von diesen müssen aber die ultimaten Auswirkungen der Taten unterschieden werden, und die können in der Tat darin liegen, dass die Täter etliche Kinder in die Welt setzen.

    So könnte ein Junge ein Mädchen vergewaltigen, das ihn hat abblitzen lassen, um "es ihr zu zeigen", dabei ein Kind zeugen und womöglich von dem Mädchen sogar eine Abtreibung fordern, um nicht noch für das Kind aufkommen zu müssen.

    Auch außerhalb der menschlichen Rasse greifen Männchen zu Vergewaltigung: Nicht-dominante Orang-Utan-Männchen behalten ihre Jugendgestalt und werden so vom dominanten Männchen nicht attackiert. Bei den Weibchen indes haben sie mit dem "Baby-Face" keine Chance und können sich nur unter Gewaltanwendung mit ihnen paaren. Natürlich ist diese Form von Vergewaltigung, eigentlich ein typisches Loser-Verhalten, rein sexuell motiviert; die menschliche Abgründigkeit in Motiven und Ausführung ist den Tieren fremd.

    Unter diesem Link (http://www.aec.at/festiva...) habe ich einen Online-Artikel über das Buch gefunden. Es zeigt auf's neue, wie gründlich evolutionsbiologische Erklärungsversuche missverstanden werden.

    >>es geht nicht um trieb, es geht nicht um vergnügen, es geht um macht. nichts anderes. und um zestörung von person als persönlichkeit. ist übrigens bei vergewaltigungen im männerknast genauso. bei sexualisierter gewalt im rahmen von folter dito.<<

    Da greift wieder die Überschrift. Vergewaltigung ist eine sexuelle Verhaltensweise, die häufig (auch) außersexuell motiviert ist. Daneben gibt es aber auch das Umgekehrte, nämlich sexuelles Vergnügen an gewissen nicht primär sexuellen Dingen, im Extremfall dem gewaltsamen Tod eines Menschen; so erregte es Peter Kürten (hingerichtet 1930), seine Opfer verbluten zu sehen. Warum sollte hier nicht der Kreis geschlossen sein: Durch Vergewaltigung handelt man einerseits direkt sexuell, zweitens verstärkt das Gefühl von Macht, womöglich auch die Angst und der Schmerz des Opfers, die eigene sexuelle Erregung zusätzlich.
    Bei systematischen Folterungen steht der Trieb sicher nicht im Vordergrund, doch mag mancher Perverse die Möglichkeit schätzen, auf seine Art "das Angenehme mit dem Nützlichen" (mit seiner "Pflicht") zu verbinden.

    Bei etlichen der sowjetischen Täter dürfte das "Nützliche" darin bestanden haben, die Herrenmenschen "von ihrem hohen Ross zu holen" und ihnen zu demonstrieren, wer nunmehr Herr im Hause war. Das trifft natürlich keinesfalls auf die zu, die in soeben befreiten KZ und Arbeitslagern russische, anderere osteuropäische und auch jüdische Frauen vergewaltigten.
    Die meisten Übergriffe sollen übrigens nicht das Werk der direkt an vorderster Front kämpfenden Soldaten gewesen sein, sondern der Etappe, die nicht selbst das individuelle Erlebnis hatte, Hitlers Reich eigenhändig besiegt zu haben; dies passt zu meiner These von Vergewaltigung als Loser-Verhalten bzw. Verhalten zu kurz gekommener Männer.

    Zuweilen haben die Kontrahenten in der Frage, warum Männer vergewaltigen, einfach das Problem einer allzu puristischen Sichtweise: Sie schlagen einander die Schädel um die Frage ein, ob das etwas mit Sexualtrieb zu tun hat oder (natürlich ausschließend gedacht) mit Macht, Dominanz, Erniedrigung des Opfers etc. zu tun hat.
    Wie blöd, dies zu tun, der Streit ist überflüssig wie ein Kropf! Es bedarf keines übermäßig starken Verstandes, um sich denken zu können, dass die Motivlage erstens von Vergewaltigung zu Vergewaltigung verschieden sein dürfte und zweitens bei den meisten Taten mehrere Motive zusammenwirken.

    Feministinnen haben sich tierisch über das Buch "A natural history of rape" aufgeregt, weil sie die Autoren komplett missverstanden haben. Diese haben nämlich nie behauptet, Männer seien nun mal von Natur aus Vergewaltiger, weil sie "ihre Gene weitergeben wollen" - das ist den meisten Vergewaltigern vermutlich bestenfalls egal. Sie haben auch nie abgestritten, dass die inneren (proximaten) Motive eines Vergewaltigers eben in der Unterwerfung, Erniedrigung und ggf. sogar der Zerstörung der betroffenen Frau liegen können.
    Von diesen müssen aber die ultimaten Auswirkungen der Taten unterschieden werden, und die können in der Tat darin liegen, dass die Täter etliche Kinder in die Welt setzen.

    So könnte ein Junge ein Mädchen vergewaltigen, das ihn hat abblitzen lassen, um "es ihr zu zeigen", dabei ein Kind zeugen und womöglich von dem Mädchen sogar eine Abtreibung fordern, um nicht noch für das Kind aufkommen zu müssen.

    Auch außerhalb der menschlichen Rasse greifen Männchen zu Vergewaltigung: Nicht-dominante Orang-Utan-Männchen behalten ihre Jugendgestalt und werden so vom dominanten Männchen nicht attackiert. Bei den Weibchen indes haben sie mit dem "Baby-Face" keine Chance und können sich nur unter Gewaltanwendung mit ihnen paaren. Natürlich ist diese Form von Vergewaltigung, eigentlich ein typisches Loser-Verhalten, rein sexuell motiviert; die menschliche Abgründigkeit in Motiven und Ausführung ist den Tieren fremd.

    Unter diesem Link (http://www.aec.at/festiva...) habe ich einen Online-Artikel über das Buch gefunden. Es zeigt auf's neue, wie gründlich evolutionsbiologische Erklärungsversuche missverstanden werden.

    >>es geht nicht um trieb, es geht nicht um vergnügen, es geht um macht. nichts anderes. und um zestörung von person als persönlichkeit. ist übrigens bei vergewaltigungen im männerknast genauso. bei sexualisierter gewalt im rahmen von folter dito.<<

    Da greift wieder die Überschrift. Vergewaltigung ist eine sexuelle Verhaltensweise, die häufig (auch) außersexuell motiviert ist. Daneben gibt es aber auch das Umgekehrte, nämlich sexuelles Vergnügen an gewissen nicht primär sexuellen Dingen, im Extremfall dem gewaltsamen Tod eines Menschen; so erregte es Peter Kürten (hingerichtet 1930), seine Opfer verbluten zu sehen. Warum sollte hier nicht der Kreis geschlossen sein: Durch Vergewaltigung handelt man einerseits direkt sexuell, zweitens verstärkt das Gefühl von Macht, womöglich auch die Angst und der Schmerz des Opfers, die eigene sexuelle Erregung zusätzlich.
    Bei systematischen Folterungen steht der Trieb sicher nicht im Vordergrund, doch mag mancher Perverse die Möglichkeit schätzen, auf seine Art "das Angenehme mit dem Nützlichen" (mit seiner "Pflicht") zu verbinden.

    Bei etlichen der sowjetischen Täter dürfte das "Nützliche" darin bestanden haben, die Herrenmenschen "von ihrem hohen Ross zu holen" und ihnen zu demonstrieren, wer nunmehr Herr im Hause war. Das trifft natürlich keinesfalls auf die zu, die in soeben befreiten KZ und Arbeitslagern russische, anderere osteuropäische und auch jüdische Frauen vergewaltigten.
    Die meisten Übergriffe sollen übrigens nicht das Werk der direkt an vorderster Front kämpfenden Soldaten gewesen sein, sondern der Etappe, die nicht selbst das individuelle Erlebnis hatte, Hitlers Reich eigenhändig besiegt zu haben; dies passt zu meiner These von Vergewaltigung als Loser-Verhalten bzw. Verhalten zu kurz gekommener Männer.

  2. und die Bibel ist halt auch (nur) eine besondere Art, ein antikes Geschichts- und Reflektionsbuch, ja das alte Testament ist halt die Geschichte des Volkes Israel. Weltuntergangsvisionen gibt es auch außerhalb der Bibel, die gab es auch in anderen Völkern, schon bei den alten Germanen, die gibt es auch bei atheistischen Jugendlichen, die noch nie in die Bibel geschaut haben. Aber sicher gibt es all dies erst, als die Welt besiedelt war, m.E. so richtig erst unter den Hochkulturen. Bis dahin konnte Mensch sich auch ohne Großverbrechen verbreiten, vermehren, also (sau)wohlfühlen. Wie stark unsere Sexualität reglementiert ist, gerade auch unser Fortpflanzungstrieb, das bekommen wir in zwei Tagen ja wohl in einer Wissens-Sendung im zdf erklärt. Titel:
    "Sex ist die natürlichste Sache der Welt"? Ein Irrglauben - zumindest was uns Menschen angeht. Kein anderes Lebewesen auf diesem Planeten hat sich so weit von der natürlichen Sexualität entfernt wie wir. Kulturelle, soziale und moralische Faktoren haben unsere Vermehrung immer komplizierter und unnatürlicher gemacht. Wie unnatürlich wir leben, und mit wieviel Gewalt, das sieht man an diesen Vergewaltigungen im Rahmen von Kriegen (aber auch im zivilen Bereich) und eben auch, hier in Form latenter, potentieller, (All-)Gewalt, an den riesigen A-Waffen- bzw. Massenvernichtungs-Bergen.

    Sicher entspricht es nicht unserer Natur, die Gewalt, bzw. unsere Gewaltpotentiale in einer Art Apokalypse entladen zu lassen, das sehe ich auch so. Gleichwohl ist es irgendwo auch etwas mächtig Gewaltiges, wenn die Menschheit -im Großen und Ganzen- wohlorganisiert-friedlich untergeht. Wenn es dazu kommt, ich denke, fühle und glaube, dass es so kommen wird, dann werden wohl auch Sie verstehen, dass die Gewalt, auch die latente, auch geistige Zwänge, in uns allen ist und wirkt wie noch niemals zuvor. Nicht wegen der Bibel, die Bibel ist aber auch ein sehr starker Hinweis dafür bzw. ein antiker (aber eben auch schon ein durchaus moderner) Ausdruck dessen, der, mit all seinen erheblichen Schwächen (gerade auch beim Endszenario) und mit großen Verdrehungen, bis in die Gegenwart weitergetragen worden ist. (Wohingegen noch ältere Beispiele eben aufgegeben oder verdrängt worden sind.)

    Die Natur des Menschen zeigt, dass er im Tierreich doch etwas ganz besonderes ist, es spricht so manches dafür, dass auch sein Ende ein ganz besonders sein bzw. werden könnte - wir haben halt eine besondere Natur, diese dürfte, ich wiederhole dies, auch in unserem Untergang sichtbar werden. Denn: Welches vernunftbegabte Wesen wird sich noch vermehren, wenn es genau sieht, dass seine Kinder nicht glücklich werden können!?!

    Ihrem zweiten Beitrag kann ich voll zustimmen.

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    • Rahab
    • 20.10.2008 um 23:22 Uhr

    nach der natur bleibt! und wieso besondere natur?

    • Rahab
    • 20.10.2008 um 23:22 Uhr

    nach der natur bleibt! und wieso besondere natur?

    • Rahab
    • 20.10.2008 um 23:22 Uhr

    nach der natur bleibt! und wieso besondere natur?

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    denken Sie, haben wir Grund zur Annahme, dass Vertreter anderer Tierarten über ihren Untergang nachdenken? Gibt es irgendeine andere Tierart, die ihre Umgebung so massiv und so artifiziell manipuliert (hat) wie wir? Die z.B. Organe verpflanzt oder die an sich herumoperiert? Das sind schon Besonderheiten, (die wir damals, (zumindest in der DDR), schon in der "Realschule" gelernt bekommen haben.)

    denken Sie, haben wir Grund zur Annahme, dass Vertreter anderer Tierarten über ihren Untergang nachdenken? Gibt es irgendeine andere Tierart, die ihre Umgebung so massiv und so artifiziell manipuliert (hat) wie wir? Die z.B. Organe verpflanzt oder die an sich herumoperiert? Das sind schon Besonderheiten, (die wir damals, (zumindest in der DDR), schon in der "Realschule" gelernt bekommen haben.)

  3. Nur bei der Gegenwart, da hapert es bei manchen halt noch, ein wenig.
    Wie können wir klarer sehen, dass wir immer auch mit Gewalt gelebt und gearbeitet haben, als durch den Blick in unsere Geschichte, in unsere Geschichtsbücher!?! Man kann diese als Selbstdokumentation unserer Verhaltensbiologie ansehen, egal ob man bei Menschenaffen nun ähnliche Ansätze findet oder nicht. Hier haben wir eine vorzügliche Dokumentation unserer Natur, manchmal auch der Neigung zu ideologischer Verfremdung, zumindest ist dies die Dokumentation eines sehr bedeutsamen Teiles des Verhaltens unserer Art, also unserer Natur!

    Die andere Frage ist sicher die des Aussterbens. Ja, auch andere Tiere fressen oder töten sich halt schon mal, ohne deshalb Auszusterben, das friedlich-wohlorganisierte Aussterben ist hier sicherlich erstmal ein Postulat, etwas, woran man auch glauben muss, zumindst noch. Dass wir als Art aber mit Gewalt arbeiteten - und arbeiten bzw. leben, das kann kein Mensch, der halbwegs mit offenen Augen durch diese Welt geht, leugnen, auch nicht, dass die Gewaltpotentiale mit der Höhe der Entwicklung nicht abgenommen haben, sondern stets mit dieser zunahmen. Sicher hätten wir die heutigen Massen an Vernichtungsmitteln nicht, wenn wir diese irgendwie nicht doch brauchen würden, wenn wir irgendwo nicht den Trieb hätten, diese - falls erfolgversprechend - doch einmal einzusetzen. Es gibt mit diesen halt nur nicht mehr den gewünschten Erfolg, insofern können sie nur noch als Dokumentation und Manifestation unseres Machttriebes dienen, sicher können wir, wenn wir, wenn alle Menschen, dies verinnerlicht haben, auch auf diese verzichten, wenn wir alle wie Jesus leben und denken, und eben wie dieser auch bewusst aussterben. Alle die unter diesen Waffenbergen leben, ohne massiv etwas dagegen zu tun, die stimmen dem letztlich zu, sind Nutznießer dieser Gewaltpotentiale, so wie die Mitläufer der Deutschen irgendwo halt den Nazis, mehr oder weniger murrend oder begeistert, zugestimmt haben oder sich mit diesen eben arrangiert haben. Das hört mancher halt nur nicht gern, man kann es aber eben auch nicht wirklich leugnen.

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    Für unsere andere Seite, die Friedenssehnsucht, auch dafür gibt es so manche Zeugnisse und Beispiele. Es ist halt die Frage der Bedingungen. Und die Bedingungen in den Hochzivilisationen sind halt wie sie sind. Sie scheinen nicht so positiv zu sein, oder nur positiv zu sein, wie dies manchen von uns erscheint, ja wie es die (politische) Werbung uns weismachen will. Mit paradiesischen Zuständen verbinden wir solche, die uns angenehm sind, vor allem wohl solche, wo wir noch keinen größeren und bedrohlichen innerartlichen Streß hatten, zumindest nicht die Gesunden und Leistungsfähigen. Diese Zeit hat es vielleichtwohl auch gegeben, diese Bedingungen, in grauer Vorzeit. Da hat man so aggressiv halt noch nicht reagiert bzw. noch nicht so stark dazu geneigt, auch noch nicht zu Weltuntergangs-Visionen.

    Für unsere andere Seite, die Friedenssehnsucht, auch dafür gibt es so manche Zeugnisse und Beispiele. Es ist halt die Frage der Bedingungen. Und die Bedingungen in den Hochzivilisationen sind halt wie sie sind. Sie scheinen nicht so positiv zu sein, oder nur positiv zu sein, wie dies manchen von uns erscheint, ja wie es die (politische) Werbung uns weismachen will. Mit paradiesischen Zuständen verbinden wir solche, die uns angenehm sind, vor allem wohl solche, wo wir noch keinen größeren und bedrohlichen innerartlichen Streß hatten, zumindest nicht die Gesunden und Leistungsfähigen. Diese Zeit hat es vielleichtwohl auch gegeben, diese Bedingungen, in grauer Vorzeit. Da hat man so aggressiv halt noch nicht reagiert bzw. noch nicht so stark dazu geneigt, auch noch nicht zu Weltuntergangs-Visionen.

  4. denken Sie, haben wir Grund zur Annahme, dass Vertreter anderer Tierarten über ihren Untergang nachdenken? Gibt es irgendeine andere Tierart, die ihre Umgebung so massiv und so artifiziell manipuliert (hat) wie wir? Die z.B. Organe verpflanzt oder die an sich herumoperiert? Das sind schon Besonderheiten, (die wir damals, (zumindest in der DDR), schon in der "Realschule" gelernt bekommen haben.)

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  • Schlagworte Kriegsverbrechen | Vergewaltigung
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