Klimaschutz Weniger Wagen wagen

Bereits in 23 Alpengemeinden geben Gäste der Umwelt zuliebe die Autoschlüssel ab. Voran kommen sie mit Ski-Bus, Pferdekutsche und Nachttaxi

Peter Brandauer spielt in der Trachtenmusikkapelle das Tenorhorn, gehört der Österreichischen Volkspartei an und erhielt bei der letzten Bürgermeisterwahl 89 Prozent der Stimmen. Das Traumergebnis erzielte der 46Jährige, obwohl er seinem Dorf das Autofahren abgewöhnen will. Nicht von heute auf morgen, sagt Brandauer, »aber die Gemeinde ist sich klar darüber, dass es in diese Richtung gehen muss«.

Die Gemeinde heißt Werfenweng, hat 900 Einwohner und 1800 Urlauberbetten. Seit einigen Jahren gibt das Dorf nahe Bischofshofen im Salzburger Land die weit und breit überzeugendste Antwort darauf, wie sich klimafreundliche Mobilität in den Alpen in die Tat umsetzen lässt – jedenfalls für Urlauber. Wer hier ohne Pkw anreist oder seinen Autoschlüssel für die Dauer des Aufenthalts in einem Safe der Gemeinde deponiert, erhält eine Art Kurkarte, mit der er kostenlos alle Arten nachhaltiger Mobilität ausprobieren kann.

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Das beginnt mit dem Shuttle-Service vom Bahnhof Bischofshofen und reicht über Ski-Bus, Pferdekutschen und Nachttaxi bis hin zu einer Reihe elektrisch betriebener »Spaßmobile«: überdachte Dreiräder, motorisierte Fahrräder oder die »Bigas«, die antiken Streitwagen ähneln. Den Strom für diese Fahrzeuge liefert eine Solartankstelle, die nachts als Lichtinstallation den Dorfplatz erhellt. »Wir geben unseren Gästen, die auf das Auto verzichten, eine Mobilitätsgarantie«, sagt der Bürgermeister. In diesem Jahr bietet Werfenweng erstmals auch Skifahrern ein umfangreiches Ökoprogramm: Wer die neue Ski-Alpin-Pauschale bucht, erhält nicht nur den üblichen Skipass und das Nutzungsrecht für Spaßmobil und Co. Er kann auch gratis Schlittschuhe leihen und am Schneeschuhwandern oder Lamatrekking teilnehmen. So erhält er einen Anreiz, Aktivitäten auszuprobieren, die Flora und Fauna der Berge weniger belasten als der Abfahrtsski.

Für Werfenweng lohnt sich der Schwenk zur sanften Mobilität. »Ohne diese Initiative hätten wir den Ort sicher nicht in unseren Katalog aufgenommen«, sagt Bernhard Mosbacher vom Reiseveranstalter Ameropa. »Werfenweng hat sich eine eigene Nische geschaffen.« Seit dem ersten Modellversuch im Jahr 2000 hat sich die Zahl der Übernachtungen von 160.000 auf 210.000 erhöht. Der Anteil der Urlauber, die mit dem Zug anreisen, hat sich vervierfacht, allerdings nur von sechs auf 25 Prozent. »Autofrei ist unser Ort noch nicht«, räumt Brandauer ein. Aber was nicht ist, soll noch werden.

Der visionäre Bürgermeister und sein Dorf haben sich an die Spitze einer Initiative mit dem Namen »Alpine Pearls« gesetzt. Seit knapp drei Jahren stemmen sich 22 Gebirgsgemeinden von Slowenien bis Frankreich gegen Blechlawinen in historischen Ortskernen, gegen Großparkplätze an den Talstationen der Seilbahnen, gegen Krach und schlechte Luft. In Deutschland gehören Berchtesgaden und Bad Reichenhall zu den alpinen Perlen, in der Schweiz Arosa und Interlaken. Als weiteres Glied der Kette kommt in diesem Winter Mallnitz in Kärnten hinzu. Viele der Orte bieten günstige Pauschalen für umweltverträgliche Schneevergnügungen wie etwa den Langlauf an.

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