Energiesparen Meine grüne Wende Seite 3/3

Mit Umwelttechnik kann man schlecht angeben, das ist das Problem

Beim Auto bin ich emotionsfrei. Eine Schramme im roten Lack habe ich mit grauem Rostschutz zugepinselt. Das ist mir egal. Viele Leute finden das seltsam, aber das ist mir auch egal. Mein Auto ist neun Jahre alt und verbraucht sieben Liter auf hundert Kilometer. Meistens fahre ich ohnehin mit der U-Bahn. Natürlich könnte ich mir so einen modernen Toyota Prius mit sparsamem Hybridantrieb kaufen, aber wozu? Bei den paar Fahrten.

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Imagemäßig würde sich so ein it-car der Energiesparsymboliker sicher bestens rentieren. Sie können sich ein Hybrid- oder Elektroauto kaufen und keinen Meter fahren – die meisten Mitbürger werden Sie für einen coolen Umweltavantgardisten halten, auch wenn bei Ihnen daheim eine Heizung aus der Kaiserzeit vor sich hin kokelt. Mit Umwelttechnik kann man eben schlecht angeben, und vermutlich ist das das ganz große Problem mit dem Klimaschutz. Da kann Frau Kemfert die Kosten noch so weit runterrechnen, am Ende entscheidet der Protz-Faktor. Erzählen Sie auf einer Party mal von Brennwertkesseln und Perimeterdämmung; das beschert Ihnen einen einsamen Abend.

Selbstverständlich habe ich diese netten Spielchen mitgemacht, wie sie die Energieversorger anbieten. Bei Vattenfall habe ich mir neulich ein Strommessgerät ausgeliehen, um meine Haushaltsgeräte durchzutesten. Das ist ganz interessant, man stöpselt es zwischen Stecker und Steckdose und sieht dann zu, wie der Zählerstand klettert. Schöne Gleichungen tun sich auf: ein Tag Kühl-Gefrier-Kombi gleich 15 Liter Tee. Einmal Waschmaschine gleich 20-mal Kaffeekochen. Zwei Scheiben Toastbrot gleich fünfmal Handyaufladen. Glühbirnen gegen Energiesparlampen zu tauschen lohnt sich – aber den Tee gieße ich nicht mit kaltem Wasser auf.

Wobei es ja Ökoextremisten gibt, die einem genau damit kommen. Die wollen auch die ganze Welt zu Vegetariern erziehen, weil Rinder so viel rülpsen, deswegen am Klimawandel mit schuld sind und man sie deswegen besser nicht aufessen sollte. Andererseits ist immer nur Salat und außerdem kalt duschen auch keine Lösung. Und natürlich kann man sich statt einer sparsamen Brennwertheizung eine noch viel sparsamere Geothermieheizung anschaffen, die die Wärme aus dem Erdreich holt. Allerdings muss man dafür ein sehr großes, sehr tiefes und vor allem sehr teures Loch in den Garten bohren. Irgendwo hört’s auf. Energiesparen braucht eine gesunde Balance zwischen Vernunft und Gefühl, Wollen, Sollen und Bezahlenkönnen.

Neulich habe ich in einer Zeitung einen Aufsatz von Oliver Geden gelesen. Das war sehr interessant. Herr Geden arbeitet für eine Stiftung in Berlin, und genau wie Frau Kemfert schreibt er, dass jeder etwas tun könne. Er schreibt aber auch, dass es im Fall des Stroms überhaupt nichts bringe. Weil nämlich jedes Gramm CO₂, das ein Privathaushalt einspart, als Verschmutzungsrecht an die Industrie weitergereicht wird. Das habe die Politik so entschieden. Die Treibhausgase werden dann sozusagen nicht mehr von mir emittiert, sondern von einem Kohlekraftwerk. Was der Umwelt vermutlich herzlich egal ist und die Polkappen kaum am Tauen hindern dürfte. Das ist freilich nur die Kurzfassung, Herr Geden hat das etwas ausführlicher beschrieben. Aber wenn er recht hat, bringt zumindest mein Kampf gegen den Stromverbrauch dem Klima nichts.

Letztlich darf man den Nichtstuern aber keinen Rechtfertigungsgrund liefern. Schließlich geht es beim Energiesparen auch um persönliche Einstellung – und Verantwortungsgefühl. Soll Bremerhaven doch absaufen. Ich habe mein Möglichstes dagegen getan.

 
Leser-Kommentare
  1. Warum sollte es nichts bringen, weniger Strom zu verbrauchen? Zumindest spart es doch schonmal Geld. Um aber auch beim Strom eine wirkliche Veränderung herbeizuführen, sollte man als erstes den Stromanbieter wechseln. Es gibt inzwischen genügend Anbieter, die den Strom nicht mehr mit den Dinosauriertechniken Kohleverbrennung oder Kernspaltung erzeugen. Da sollte man überlegen, wem man sein Geld gibt.

    • Trutia
    • 08.03.2009 um 21:32 Uhr

    im Artikel steht:
    "Andererseits ist immer nur Salat essen ... keine Lösung"

    Das ist Quatsch. Vegane Küche ist nicht immer nur Salat. Es gibt zig tausende vegane rezepte, eines leckerer als das andere.
    Suchen sie einfach mal in der Suschmaschine ihrer Wahl nach "vegane rezepte".
    Sie werden Augen machen.

    Fleisch ist eine ziemliche Nahrungsmittelverschwendung.

    "Auf der Fläche eines Grundstückes, die benötigt wird, um ein Kilo Fleisch zu erzeugen, könnte man im selben Zeitraum 200 kg Tomaten oder 160 kg Kartoffeln ernten"
    "Um 1 kg Fleisch zu erzeugen, benötigt man 7–16 kg Getreide oder Sojabohnen. Dies kann ohne Übertreibung als die effektivste Form von Nahrungsmittelvernichtung bezeichnet werden."
    Quelle: vegetarismus.ch/info/oeko.htm

    Fleisch ist ohnehin ungesund:

    Darmkrebs:
    wissenschaft.de/wissenschaft/news/254238.html

    Brustkrebs:
    www.sdk.de/go_onmeda.php?...
    und
    www.curado.de/brustkrebs-...

    Magenkrebs:
    www.curado.de/Magenkrebs/...

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