War da was? In der Öffentlichkeit hat die Finanzkrise die Ölkrise als Schocker abgelöst. Aber auch wenn die gefühlte Energienot abgeklungen ist, hat sich am Problem wenig verändert. Obwohl der Ölpreis einbrach, kostet das Fass noch mehr als doppelt so viel wie vor fünf Jahren. Und sein Preis wird wieder steigen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es erneut heißt: Wer soll das bezahlen? Wann ist das Öl zu Ende? Was kommt nach dem Öl?

Niemand weiß es genau, und das macht die Menschen skeptisch. Im April 1977 prophezeite Jimmy Carter, damals amerikanischer Präsident, das baldige Ende des Öls. Er sprach davon, dass "Ende des nächsten Jahrzehnts" die dunkle Zeit anbreche, also spätestens 1990. Doch heute wird so viel gefördert und verbraucht wie nie zuvor.

So schwierig die exakte Prognose ist – das Problem ist sogar größer als ein Ölnotstand. Denn zur Knappheit der Ressourcen gesellt sich das größte Müllproblem aller Zeiten. Es manifestiert sich nicht im geplünderten Boden, sondern in der Luft, vollgepumpt mit Treibhausgasen. Das Problem ist geruchlos, unsichtbar, ungreifbar. Aber es ist politisch, sozial und wirtschaftlich hochexplosiv – und es wird millionenfach individuelle Tragödien verursachen.

Vier Fünftel ihres Energiekonsums bestreitet die Menschheit mit Öl, Kohle und Gas. Die Rohstoffe sind zwar endlich, sie sind zwar ungleich unter den Nationen verteilt, aber vorerst gibt es noch viel davon: mehr Gas als Öl und deutlich mehr Kohle als Gas. Rein physisch ist die Energieversorgung auf Jahrzehnte hinaus möglich. Doch abgesehen vom Preis, ließe die Verbrennung aller erreichbaren fossilen Energien die Temperaturen dermaßen ansteigen, dass weite Teile des Blauen Planeten unwirtlich würden, um nicht zu sagen: unbewohnbar.

Die norddeutsche Tiefebene droht abzusaufen

Die Finanzkrise und die Energiekrise haben denselben Ursprung: Der freie Markt versagt, weil er die Risiken nicht mit einem hohen Preis versieht. Doch es gibt auch einen gewaltigen Unterschied: Die Klimakrise wird bleiben! Global: Metropolen wie New York oder Shanghai sind gefährdet. Und national: Die norddeutsche Tiefebene mit ihren Häfen, Deutschlands Verbindung in die Welt, droht abzusaufen.

Was also könnte, was müsste dem Öl folgen und könnte gleichzeitig das Klima retten? Es kann, bei Lichte betrachtet, nur eine Energiequelle sein: die Sonne. Ihre Kraft lässt Pflanzen wachsen, den Wind wehen und das Wasser zwischen Himmel und Erde zirkulieren. Jahrtausendelang nutzten die Menschen ausschließlich diese Energien, bis vor nicht einmal 300 Jahren fossile Brennstoffe die Ära der ersten solaren Zivilisation beendeten. "Zeitalter der Sonne" klingt, als sei damals das Paradies untergegangen. Ist es nicht. Die Menschen führten Kriege, auch Kriege um Energie. Trotzdem: Die fossile Ära, die dem ersten Solarzeitalter folgte, kann nur ein Intermezzo sein. Denn Kohle, Öl und Gas regenerieren sich nicht und werden eines nicht zu fernen Tages tatsächlich verbraucht sein. Der Aufbruch ins zweite Sonnenzeitalter ist deshalb unvermeidlich. Die Innovationen dafür sind bereits da oder entwickeln sich rasch. Sie müssen indes genutzt werden – und zwar "jetzt oder nie", wie es sogar bei der Internationalen Energie-Agentur heißt.

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Diese IEA in Paris ist die zu einer Institution geronnene Angst der Industrieländer, auf dem Trockenen zu sitzen. Die Angst und die Behörde entstanden vor 35 Jahren, als die Ölscheichs erstmals die Fördermengen drosselten und damit den Preis in die Höhe trieben. Seitdem versucht die IEA penibel zu registrieren, wie es um Angebot und Nachfrage auf dem Ölmarkt steht.