Duisburger Moschee
Ein Minarett mal ohne Streit
Wie engagierte Musliminnen in Duisburg Deutschlands größte Moschee bauten
Der Anruf aus der Türkei kommt ungelegen: Die Orchestermusiker aus Istanbul haben immer noch kein Visum. »Irgendjemand muss schnellstens zum Konsulat fahren!«, ruft Zülfiye Kaykin. Nicht dass es nicht auch so schon genug zu tun gäbe. Bagger rollen über das Gelände. Im Untergeschoss der Moschee fehlen Teppiche und Licht. Die Gästelisten sind noch nicht fertig. Kaykin und ihre Mitarbeiterinnen kämpfen gegen die Zeit.
An diesem Sonntag wird in Duisburg die Merkez Camii eröffnet, die größte Moschee Deutschlands. 23 Meter hoch wölbt sich ihre silberne Kuppel, 34 Meter misst das Minarett. Aus der Landeshauptstadt wird Ministerpräsident Jürgen Rüttgers anreisen, aus Ankara Ali Bardakoğlu, die höchste religiöse Autorität der Türkei. Bischöfe und Bürgermeister werden erwartet, um das »Wunder von Marxloh« zu feiern. Denn was in Berlin, Köln oder Frankfurt lokale Kulturkämpfe und bundesweite Diskussionen verursachte, gelang im Duisburger Norden nahezu geräuschlos.
Der Erfolg hat viele Ursachen. Die muslimische Gemeinde, die zum türkeinahen Ditib-Verband gehört, galt schon immer als liberal und ist seit Jahrzehnten fest im ohnehin durch Migranten geprägten Stadtteil verwurzelt. Hier hat eine junge pragmatische Generation die Geschicke übernommen, Männer und Frauen zwischen 30 und 40 Jahren, die im Ruhrgebiet aufgewachsen sind und die Spielregeln und Codes ihrer deutschen Heimat kennen. Als der Bau anstand, suchten sie frühzeitig Kontakt zu den Nachbarn und beriefen einen Beirat, in dem Nichtmuslime die Mehrheit haben. Hilfreich war auch, dass die Politiker der Stadt mit dem CDU-Bürgermeister an der Spitze sich von Beginn an hinter das neue Gebetshaus stellten. Und dass die Finanzierung transparent verlief: Den Bau einer interreligiösen Begegnungsstätte innerhalb der Moschee unterstützen Land und EU mit drei Millionen Euro. Der Rest des Baugeldes stammt aus Krediten und Tausenden von Kleinspenden, die Rentner der Gemeinde bei Hausbesuchen in ganz Deutschland gesammelt haben.
Der überraschendste Grund für das Gelingen war jedoch ist ein anderer: Es waren vor allem Frauen, die das Projekt vorantrieben. Das Wunder von Marxloh ist weiblich. Leyla Özmal, Duisburgs Integrationsbeauftragte, hatte die Idee, mit der Moschee für die Muslime eine öffentliche Begegnungsstätte aller Religionen zu bauen. Elif Saat leitet das interreligiöse Zentrum, das Bistro, Bildungswerk und Besucherräume vereint. Und natürlich Zülfiye Kaykin. Geschäftsführerin der Begegnungsstätte ist ihr offizieller Titel. Doch jeder, der mit dem Bauvorhaben zu tun hatte, weiß: Sie ist die eigentliche Macherin der Moschee.
Auch an diesem Morgen sitzt sie wieder in einem Baucontainer, gibt Anweisungen und empfängt Gäste. Drei Kolleginnen unterstützen sie. Derweil sitzen im Nebenraum ein halbes Dutzend Männer vor laufendem Fernseher, trinken Tee und lesen Zeitung. Dass der aus der Türkei entsandte Imam des Deutschen kaum mächtig ist und ohnehin in einigen Wochen durch einen türkischen Nachfolger ersetzt wird, das stärkt die Rolle der gut integrierten Moscheefrauen weiter.
Hohe Stiefel, halblanger Rock, der modische Kurzhaarschnitt unbedeckt – Zülfiye Kaykin sieht nicht aus, wie man sich eine typische Repräsentantin des Islams vorstellt. Besonders gläubig sei sie auch nicht, sagt Kaykin. Sie betet, aber nicht fünfmal am Tag, und im Ramadan fastet sie, so gut es eben geht. »Ich bin wie 80 Prozent der Muslime«, sagt die 39-Jährige. »Entwürdigend« fand sie es früher, so sagt sie, im Keller einer ehemaligen Kantine beten zu müssen, den die Gemeinde gemietet hatte. Für sie ist das neue Gebetshaus »ein Zeichen, endlich dazuzugehören«.
Auf den ersten Blick überrascht ein solcher Satz. Denn die Duisburgerin, die mit neun Jahren nach Deutschland kam, wäre auch ohne ihr Projekt ein Musterbeispiel gelungener Integration. Von der Hauptschule hatte sie sich hochgearbeitet zur Filialleiterin eines Schuhgeschäftes. Ihre Kinder besuchen das Gymnasium, für die SPD sitzt sie im Jugendhilfeausschuss der Stadt. Doch irgendwann, sagt Kaykin, habe sie begriffen, dass »Einzelne das Bild der Integration nicht verändern werden«, sondern dass es kraftvolle Symbole braucht, auf welche die Zuwanderer stolz sein können – und die der Mehrheitsgesellschaft zeigen, wie sehr sie sich verändert hat. Symbole wie eine große Moschee.
Nicht die Alten in der Gemeinde, sondern die Jungen bestanden deshalb auf einem traditionellen Bau im osmanischen Stil, mit Kuppel und Minarett, viel Blattgold und einem riesigen Kronleuchter im Zentrum der Gebetshalle, in dem die 99 Namen Gottes eingeritzt sind. »Wir Deutschtürken wollten etwas Klassisches«, sagt Zehra Yilmaz. Sie hat Germanistik und evangelische Theologie studiert und ist die Bildungsreferentin der Gemeinde. Ihren eigenen islamischen Glauben bekundet sie durch ein Kopftuch .
25000 Neugierige, darunter Minister, Botschafter und Kirchenfürsten, hat das Gotteshaus schon vor seiner Eröffnung angezogen. Die Stadt hat die Moschee ins obligate Besucherprogramm integriert. Und immer wieder trauen sich auch alteingesessene Duisburger durch die offenen Türen, ziehen die Schuhe aus und schauen staunend nach oben ins bunte Meer aus Kalligrafien und filigranen floralen Mustern.
Es war ein Vorschlag des Beirats, durch großzügig geschnittene Fenster und Türen einen Blick ins Innere der Moschee zu erlauben. Ein Zeichen der Transparenz. Die Ratschläge des Gremiums fänden in der Regel Gehör, sagt Michael Kemper, der als Pastor an der katholischen Nachbarpfarrei selbst dem Beirat angehört. Von Beginn an hatte die Gemeinde auf den öffentlichen Muezzinruf verzichtet und darauf geachtet, dass das Minarett die Türme der umliegenden Gotteshäuser nicht überragt.
Auch nach der Fertigstellung wird der Beirat mitreden. Er soll die Arbeit des interreligiösen Zentrums begleiten, in dem christlich-muslimische Dialogtreffen und Integrationskurse geplant sind, Deutschunterricht und Leserunden zu den heiligen Schriften. Vor allem aber will sich das Zentrum den muslimischen Frauen widmen. »Das ist die Gruppe, die am meisten ausgegrenzt ist«, sagen Zehra Yilmaz und Zülfiye Kaykin unisono – von den Mehrheitsdeutschen, die in ihnen nur Opfer sehen, wie von muslimischen Männern, die ihre Glaubensschwestern am liebsten aus der Öffentlichkeit verbannen würden. »Nirgendwo im Koran steht, dass der Vorstand einer Moschee immer ein Mann sein muss«, sagt Kaykin.
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- Datum 18.3.2009 - 16:31 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 23.10.2008 Nr. 44
- Kommentare 67
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In England hat man auch den Bau der Moscheen als ein Zeichen gelungener Integration gefeiert, bis man realisiert hat, was an diesen Orten gepredigt wird (siehe Link). Der Islam erschwert die Integration weil ein großer Teil seiner Lehren im krassen Gegensatz zu unseren westlichen Werten stehen.
http://video.google.com/v...
da wird jahrelang eine moschee geplant und gebaut - so was machen ja nicht die heinzelmännchen über nacht! - und es entsteht überhaupt keine aufregung.
und nun kommen, wie es aussieht, leute, welche unter diesem mangel an aufregung zu leiden scheinen. und versuchen, doch noch eine aufregung loszutreten. wie z.b. mit dem unter #1 geposteten link.
könnte es also sein, das manchen deutschen of all three+x sexes die integration in die vielfalt schwerer fällt als manchen muslimen of all three+x sexes?
dann wird es nämlich entweder so sein daß sie und wir entweder gemeinsame nachfahren haben oder nicht. nur ersteres ist gelungene intregration. ein moscheebau ist dagegen erstmal ein schritt zurück, denn er manifestiert die nicht vorhandene eingewöhnung an die neue umgebung. das ist menschlich, wie gesagt, wir sprechen uns in jahrhunderten. wenn es dann nicht friedlich bleibt, sind nicht nur die schuld dann daran beteilgt sind, sondern auch diejenigen in unserer zeit falsche vielfalt förderten (va. rassisten innerhalb der minderheiten mit wagenburgmentalität, die verhindern wollen daß ihre kinder in der neuen heimat ankommen) . vielfalt ist gut wenn sie integrativ wirkt. hier habe ich das gefühl handelt es sich um desintegrative maßnahmen.
wenn man wirklich ausländer integrieren wolllte, müssten alle kinder ab drei jahren wesentlich gemeinsam erzogen werden. und zwar laizistisch, bzw. iSv "liebe sonne liebe erde euer nie vergessen werde.".
ist die frage, ob man aus geschichte lernen will.
denn wenn man Berichten in der Presse glauben kann wohnen dort doch fast nur noch Muslime.Die werden eher sehr bald verlangen dass der Muezzin 5 mal am Tag zum Gebet ruft.
Ich stelle die Argumentation in dem Artikel in Frage.
Deswegen eine kleine Analogie: Wir brauchen vielleicht auch größere Kameradschaften in der Stadt! Es ist doch nicht gut, dass die NPD irgendwo in den Hinterhöfen ihre Versammlung abhält ... Wir können so doch gar nicht überprüfen, was die da treiben. Außerdem: wenn wir große, repräsentative Kameradschaften in den großen Innenstädten hätten, dann würden sich Anhänger der NPD besser in der Gesellschaft aufgenommen fühlen. Denn die Demütigung, sich immer verstecken zu müssen, immer als "Mensch zweiter Klasse" zu gelten, schafft natürlich Hass. Und nur aus dieser abwertenden Behandlung durch die Gesellschaft entsteht die Ablehnung derselben - denn nicht die NPD Ideologie stellt ein Problem dar: an die halten sich in dieser Strenge ja eh kein NPD Anhänger ...
auch analogien können in die hose gehen!
ist Ihnen entgangen, daß die NPD wegen der besseren Überprüfbarkeit bislang noch nicht verboten wurde? In gleich mehrerlei Hinsicht?
Gehören Sie auch zu den 'Märtyrern für die Meinungsfreiheit', denen man zu den Ereignisse rund um den Anti-Islamisierungskongress in Köln, bei jeglicher Diskussion über den Islam oder beim Heiligenschein-Basteln für den verunfallten Jörg Haider zur Zeit in der Zeit so zahlreich zusehen darf?
Darf Ihre Analogie eigentlich als Wunsch verstanden werden?
auch analogien können in die hose gehen!
dann wird es nämlich entweder so sein daß sie und wir entweder gemeinsame nachfahren haben oder nicht. nur ersteres ist gelungene intregration. ein moscheebau ist dagegen erstmal ein schritt zurück, denn er manifestiert die nicht vorhandene eingewöhnung an die neue umgebung. das ist menschlich, wie gesagt, wir sprechen uns in jahrhunderten. wenn es dann nicht friedlich bleibt, sind nicht nur die schuld dann daran beteilgt sind, sondern auch diejenigen in unserer zeit falsche vielfalt förderten (va. rassisten innerhalb der minderheiten mit wagenburgmentalität, die verhindern wollen daß ihre kinder in der neuen heimat ankommen) . vielfalt ist gut wenn sie integrativ wirkt. hier habe ich das gefühl handelt es sich um desintegrative maßnahmen.
wenn man wirklich ausländer integrieren wolllte, müssten alle kinder ab drei jahren wesentlich gemeinsam erzogen werden. und zwar laizistisch, bzw. iSv "liebe sonne liebe erde euer nie vergessen werde.".
ist die frage, ob man aus geschichte lernen will.
Lieber Waldkauz, diese Welt ist kein Waldorfkindergarten!
Ausgerechnet Duisburg-Marxloh!
Das ist kein Beispiel für Integration sondern für Desintegration.
Aber Geräuschlos ist die Sache schon verlaufen, das stimmt. Es wurde ja nur seit Jahren darüber berichtet.
Der einzige Grund warum es hier nicht zu den gleichen Problemen gekommen ist wie an allen anderen mir bekannten Stellen wo solche Großmoscheen gebaut wurden ist das die deutschen Bewohner dort keine Rolle mehr spielen.
Geräuschlos? Allerdings, Grabesstille auf dem Friedhof des Multikultitraums könnte man auch sagen.
Der Imam spricht kein deutsch, aber das macht ja nichts, er geht ja sowieso bald wieder in die Türkei zurück.
Da sind wir aber froh, damit ist das Problem doch gelöst. Der nächste ist ja vielleicht so nett sich einen Langenscheidt Sprachführer zu kaufen.
Die Ditib kontrolliert was mehreren Millionen Menschen in Deutschland gepredigt wird, der "Lider" Erdogan inspiziert in Köln die Invasionstruppen für die deutsche Innenpolitik und wir liefern nicht nur die Pässe dazu, sondern klatschen Beifall auch noch Beifall.
Denk ich an Deutschland in der Nacht....
Lieber Waldkauz, diese Welt ist kein Waldorfkindergarten!
deutsche oder solche, die es sein wollen, können nicht mal mehr lesen. und falls sie es schaffen, sich durch einen artikel durchzubuchstabieren(?), dann hapert es gewaltig am text-verständnis. ja, wie soll mann/frau/kind die erfassung noch weiterer zusammenhänge da erwarten können?
so - das war der unmut.
und nun fangen wir noch mal von vorne an.
was soll der beirat, von dem im artikel berichtet wird?
wozu wird da ein interreligiöses begegnungszentrum eingebaut?
ist das der richtige name? hätte der nicht vielleicht und besser um 'inter-kulturell' erweitert gehört?
und: wenn da keine deutschen mehr wohnen/leben - wer wohnt/lebt denn da noch? und ist alles, wo (vorausgesetzt, es verhielte sich so) keine deutschen mehr wohnen, bereits ein friedhof? von welchen deutschen soll hier die rede sein? bio-deutschen?
dann reden wir nochmal drüber...
Von 18.000 Marxlohern sind 6.000 zugewanderte und seit langem sesshafte Türken und andere, Malocher eben, wie man am Rande des Ruhrpotts sagt, oder Deutsche im Sinne des Staates.
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