Das graue Haar ist leicht zerzaust. Die Augen zwinkern durch eine Hornbrille, die man in Deutschland Kassengestell nennen würde. Der Mann auf der Bühne sieht aus wie ein älterer Schuhverkäufer.

Aber Warren Buffett ist ein Superstar. Er ist der erfolgreichste Investor seit Generationen. Sein Anlagegeschick hat ihn laut der Forbes-Liste mit über 60 Milliarden Dollar zum reichsten Mann der Welt gemacht. Der von ihm geführte Mischkonzern Berkshire Hathaway hat mittlerweile einen Marktwert von 185 Milliarden Euro.

Als er ans Mikrofon tritt, jubelt die Menge. Ein Soundcheck: »Test: eine Million, zwei Millionen, drei Millionen…« Warren Buffett ist in seinem Element. Und dann gibt der begeisterte Ukulelespieler zusammen mit den Quebe Sisters, einer Band aus Texas, seinen Aktionären auch noch ein Country-Ständchen. »Ich werde mich bald nach einem Job umsehen, und dies ist mein erstes Vorsingen«, scherzt er, »damit lande ich hoffentlich bei American Idol« (dem US-Pendant zu Deutschland sucht den Superstar).

Der Auftritt war im Mai 2007, vor Beginn der großen Finanzkrise. Wie jedes Jahr versammelte Buffett in der Sportarena in Omaha im US-Bundesstaat Nebraska Zehntausende Miteigner seines Konzerns.Sie reisen aus aller Welt an. Manche haben eine Aktie gekauft, nur um ihn live zu erleben. Mit einem gewöhnlichen Aktionärstreffen hat dieses Happening nichts gemein. Buffett selbst spricht selbstironisch von einem »Woodstock für Kapitalisten«.

Ihm gelingt, was der Finanzminister nicht schafft: Vertrauen auszustrahlen

Gegenwärtig spielt Buffett auf der ganz großen Bühne. Und nicht nur Kleinanleger bauen auf seinen Rat: Von Kongressabgeordneten bis hin zu Ministern wenden sich derzeit die Mächtigen des Landes hilfesuchend an den 78-Jährigen. Präsidentschaftskandidat Barack Obama (dessen Kampagne Buffett schon länger unterstützt) nannte »Warren« als seinen Favoriten für den Posten des Finanzministers. Aber auch der Republikaner John McCain könnte sich Buffett in seinem Kabinett vorstellen.

Für die Finanzgemeinde ist Buffett seit Jahren ein Idol. Im Zuge der großen Bankenkrise ist er nun auch zum Volkshelden geworden. Amerika findet seinen Superstar. Während sich im Mutterland des Kapitalismus Zweifel am System regen, stellt Buffett all das dar, was richtig ist am freien Unternehmertum. Ihm gelingt, worum sich Finanzminister Henry Paulson und Notenbankchef Ben Bernanke so verzweifelt bemühen: Vertrauen auszustrahlen.