Ruanda: Zu arm, um etwas zu verlieren

Abstürzende Börsenkurse in New York, Tokyo oder London? Das bekümmert im Peace-Saloon niemanden. Die Kurven sind auf dem flackernden Bildschirm ohnehin schlecht zu erkennen, und so richtig versteht man die globale Panikstimmung auch gar nicht, hier, in der einzigen Kneipe von Ntarama, Ruanda. Die Leute in dem kleinen Dorf haben nichts zu verlieren, wer sich im Peace-Saloon eine Flasche warmes Primus-Bier leisten kann, gehört schon zu den Gewinnern.

Auch in Kigali, in der 25 Kilometer entfernten Hauptstadt, verfolgt man die Turbulenzen auf den Weltfinanzmärkten gelassen. "Wir haben keinen einzigen Dollar in faule Kredite gesteckt", sagt Theogene Turantsinze, der Direktor der Banque Rwandaise de Développement. "Denn wir tätigen keine spekulativen Investitionen, sondern nur produktive, um die Wertschöpfung unserer Volkswirtschaft voranzubringen und Arbeitsplätze zu schaffen." Das Motto seiner Bank steht auf einem grünen Banner, gleich unter dem Porträt von Präsident Paul Kagame. "Ist das nicht eine schöne Ironie?", fragt Turantsinze. "Wir sind nicht in das Weltfinanzsystem integriert. Jetzt bewahrt uns gerade diese Benachteiligung vor Schaden." Gerade die ärmeren, seit Jahrzehnten marginalisierten Staaten spüren bislang nur wenig von der Krise, denn als Hochrisikoländer war und ist ihnen der Zugang zu den Kreditmärkten versperrt.

Anders ist es in dem vergleichsweise hoch entwickelten Schwellenland Südafrika. Der Stock Exchange in Johannesburg ist genauso eingekracht wie die Börsen in Europa, Amerika und Asien. Nun befürchtet man die Auswirkungen einer weltweiten Rezession. Eine solche Wirtschaftskrise würde am Ende auch das arme Ruanda treffen. John Rwangombwa, Generalsekretär des Finanzministeriums, befürchtet, dass demnächst die Entwicklungshilfe massiv einbricht. "Wenn im Norden Zigmilliarden zur Rettung des Finanzsektors ausgegeben werden, könnte manche unserer Quellen versiegen." Es wäre ein schmerzhafter Rückschlag für sein Land, dessen Haushalt zu 49 Prozent von internationalen Gebern finanziert wird. Bartholomäus Grill