Folklore

Tillmann Prüfer fragt: Warum kleidet man sich nun volkstümlich?

Auf den Laufstegen geht es derzeit zu wie beim Karneval der Kulturen: Kosaken-Looks aus Russland, Pailletten und arabisch anmutende Stickereien, Felljacken wie aus der Mongolei, Muster aus Afrika.

Von allen Basaren der Welt lassen die Mode- macher ihre Vorlagen einfliegen. Hermès setzt auf Indien, Prada näht Mäntel aus zottigem Fell, John Galliano verkauft Seidenkleider, die aussehen, als seien sie einer Hippiebraut aus Rishikesh abgeschwatzt worden. Der Eine-Welt-Gedanke hat sich offensichtlich nun auch in der Mode durchgesetzt. Während man früher mit seinem Outfit bezeugen wollte, dass man zur Elite zählt, will man heute beweisen, dass man überall in der Welt zu Hause ist – und zwar in den Hütten, nicht den Palästen. Niemand möchte mehr elegant aussehen, lieber möchte man einen Lifestyle präsentieren, wie ihn uns Angelina Jolie und Brad Pitt vorleben. Zu Hause in Kalifornien, geistige Heimat in Kambodscha, soziales Engagement in Afghanistan, Kinder kriegen in Namibia, Wohnung in Berlin.

Es gilt aber mittlerweile auch als schick, den ruralen Charme der eigenen Heimat aufzutragen. Und zwar ganz unabhängig davon, wie kleidsam er im Einzelfall ist.

Wer die Gelegenheit hatte, einen Fuß auf das Oktoberfest zu setzen, bekam genau das massenhaft bewiesen, weit und breit keine Frau ohne Dirndl. Frauen, die sonst Wert auf Vernunft, Geschmack und gemäßigtes Auftreten legen, ließen es sich nicht nehmen, über die Münchner Theresienwiese zu laufen, als wollten sie eine Gämse zwischen ihren Brüsten erdrücken.

Am schlimmsten trieben es natürlich die, die ohnehin kein Maß kennen, wie etwa die stellvertretende SPD-Vorsitzende Andrea Nahles. Sie demonstrierte in einem knallroten Dirndl, warum es auch etwas Gutes hat, dass der Bauern-Look sonst im Straßenbild nicht anzutreffen ist. Das war noch eine sozial-demokratische Bayern-Katastrophe.