Vielleicht erlischt das Augenlicht. Vielleicht tut’s ein Arm nicht mehr. Oder das Gehirn geht nicht mehr richtig. Wir werden Schmerzen haben. Früher oder später liegen wir im Bett. Tot sind wir dann noch lange nicht. Wenn wir alt sind, werden wir behindert sein. Zwei von drei Menschen über achtzig sind Pflegefälle, sagt das Statistische Bundesamt, und unsere Chancen, so alt zu werden, steigen von Jahr zu Jahr. Darum ist es schon sinnvoll, wenn die internationale "Fachmesse für Menschen mit Behinderungen und Pflegebedarf", die Rehacare, letzte Woche in Düsseldorf, sich nicht nur an Behinderte richtet, sondern mehr und mehr an Alte.

Unsere Zukunft liegt im Bett. Keine Möbelmesse zeigt uns so viele Betten wie diese Ausstellung. Am Kopf und im Kniebereich manuell oder elektrisch zu klappen, durch und durch motorisiert, damit wir automatisch bewegt werden. Der "Stehtrainer", ein Bett der Firma Sacon, stellt sich auf Knopfdruck gleich senkrecht. "Der Mensch ist ein Steher und ein Geher", erläutert der Kundenberater Jürgen Weiss. Er will sagen: Zum Liegen taugen wir nicht. Wer lange liegt, dessen Muskeln verkümmern, dessen Sehnen verkürzen sich, dessen Kreislauf geht in die Knie. Der Mensch muss dann "mobilisiert" werden, zum Beispiel durch das Aufstehbett.

Dann gibt es noch das "Posey Bett". Hübsch aus Holz, mit waldgrünem Stoff und transparenten Netzen oben und seitlich bespannt. Der Herstellerprospekt zitiert begeisterte Kunden, das sind in diesem Fall psychiatrische Einrichtungen und Pflegeheime.

In einem Nebensatz erfahren wir, das Posey Bett werde als "freiheitsentziehende Maßnahme" eingestuft, sein Einsatz müsse gerichtsverwertbar dokumentiert werden. Es lässt sich nämlich rundum verschließen und verhindert, dass wir im Alter unkontrolliert herumlaufen. Ein Knastbett! "Ich finde das Bett toll", sagt aber eine liebevolle Altenpflegerin am Messestand. "Wir müssen die Menschen dann nicht mehr anschnallen oder mit Medikamenten vollpumpen." Die Frau hat wohl recht.

Pflegepersonal ist knapp. Wo Menschen fehlen, muss Technik helfen, zum Beispiel beim Heben. Motorisierte Hebesysteme sind im Kommen. Zwei Pfleger, um schwache Alte umzubetten, gibt es oft nicht. Einer allein macht sich den Rücken kaputt. Also schafft man schicke Kräne an wie "Victor, den schnellsten Lifter der Welt". Elektrohydraulischer Antrieb, so was hat sonst keiner. Die Herkulesmaschinen wuchten auch Klienten, die 225 Kilo wiegen, aus dem Bett in die Wanne. Sie können ihre Last wassern und hinterher wieder ins Trockendock bringen.

Auch die Firma Assistive Innovations aus Holland hat bemerkenswerte Assistenzsysteme im Angebot. Bei einem drehen sich drei Plastikschalen im Kreis, ein Löffel taucht jeweils ein, hebt Erbsen oder Reis oder Quark hoch, reicht die Happen über den Rand, fährt zurück, kippt den nicht geschluckten Rest aus, taucht in die nächste Schale. Immer im Kreis. MTP – Mealtime Partner – erinnert an den Fütterautomaten in Charley Chaplins Moderne Zeiten. Schrecklich? "Wer keine Arme oder Hände mehr hat oder sie nicht mehr bewegen kann, ist froh über so was", sagt der Manager Arthur Blom. "Ein großer Vorteil ist, dass der User das Tempo auch selber steuern kann." So ein Fütterautomat zeigt möglicherweise mehr Geduld als überfordertes Pflegepersonal.

Herr Blom hat zudem einen Roboterarm im Angebot, mit dem Gelähmte oder Amputierte wieder selber Bier trinken können und die Tür der U-Bahn öffnen. Sie steuern das Gerät mit dem Kinn oder mit der Zunge. Bei den Alten wird schon ein Kuschelroboter eingesetzt: die Robbe Paro.