Susanne Gaschke geißelt in ihrem Artikel Die Neunmalklugen (ZEIT Nr. 43/08) die "neoliberale Gehirnwäsche" und sieht die Vorzüge der freien Marktwirtschaft durch die gegenwärtige Finanzkrise endgültig widerlegt.

Aber zeigt sich nicht gerade jetzt, dass ein Versagen oder besser: ein Scheitern von Geschäftsmodellen auf dem freien Markt deutlich frühzeitiger offenbar wird als bei jeder staatlichen Aktivität? In nicht einmal einem Jahrzehnt wuchs die zunehmende Verbreitung innovativer Finanzprodukte zu einer tickenden Zeitbombe ungeheuren Ausmaßes heran, die jetzt explodiert ist. (Es muss hier gar nicht erwähnt werden, dass staatliche Interventionen wie etwa die Bereitstellung billigen Geldes oder aber staatlicher Bürgschaften dieses Aufblähen erst ermöglichten.)

Gerade weil mehr und mehr skeptisch gewordene Bankmanager frei in ihrem Handeln waren, haben sie sehr schnell auf den Wertverfall US-amerikanischer Immobilien und der mit ihnen verbundenen "Wertpapiere" reagieren können: Jeder zweifelte an der Liquidität des anderen und… der Rest ist bekannt.

Ganz anders verhält es sich bei so manchen ordnungspolitisch ungerechtfertigten staatlichen Aktivitäten: Gerade weil uns in einigen wichtigen Bereichen des Lebens die Freiheit zum Handeln verwehrt bleibt, ist das staatliche Versagen dort seit Jahrzehnten so vernebelt, dass es von manchen gänzlich negiert wird.

In dem widersinnig konstruierten System der Sozialversicherungen beispielsweise konnte eine tickende Zeitbombe noch weit größeren Ausmaßes heranwachsen, weil hier der staatlich vorgegebene Mitgliedszwang deren vorübergehendes (!) Weiterbestehen sichert.

Ebenso verhält es sich bei der Staatsverschuldung, die mittlerweile Ausmaße annimmt, die schon lange nicht mehr mit Verweis auf künftige Generationen gerechtfertigt werden können.

Benedikt Langner ist "bekennender Neoliberaler" und ZEIT-Leser in Freiburg