Es ist nicht gut für die Nerven, wenn man Geldsorgen hat. Seitdem die Bankenkrise die Zeitungen zu täglich neuen Pleitemeldungen zwingt, gehen ihnen allmählich die Schreckensvokabeln aus: Krise, Krach, Katastrophe, Kollaps, Erdrutsch. Mittlerweile ist von Weltkrise die Rede, zwar von Weltuntergang noch nicht, doch die Angst vorm Tag X, an dem der letzte Superlativ aufgebraucht sein wird, zeigt sich an einer zunehmenden Überreiztheit des Stils. Von "breit gestreuten Schmiergeldern" berichtete neulich ein Blatt, anstatt schlicht über Bestechung zu schreiben. Wie darf man sich das vorstellen? Erst geschmiert, dann gestreut? Metaphern wie Schmiergeld sind in ihrer Bildhaftigkeit eigentlich verblasst, aber mit einem anderen metaphorischen Ausdruck kombiniert, tritt ihre wörtliche Bedeutung wieder zutage. Schmieren wird im übertragenen Sinn von Bestechen übrigens seit dem 14. Jahrhundert verwendet. Um den Eindruck eines Schmierenjournalismus zu vermeiden, sollte man gerade in Krisenzeiten sparsam mit Metaphern umgehen. Rhetorische Lockerheit lässt sich bei Erich Kästner lernen, der den vorletzten Börsenkrach mit frohgemutem Sarkasmus quittierte: "Sie hatte kein Geld / Und er hatte keins. / Da machten sie Hochzeit / Und lachten sich eins." Evelyn Finger

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