Geld, Klima, Hunger Üben für die Weltregierung

Finanzcrash, Klimawandel, Nahrungsknappheit: Durch Krisen wächst die Menschheit zusammen. Endlich werden die Regeln der globalen Politik nicht mehr allein vom Westen bestimmt

Weltregierung

Eine Welt, in der alles mit allem zusammenhängt: Irakisches Schulmädchen in einem Sandsturm (links), die umweltbelastende Megacity Shanghai (rechts)

Angenommen, Sie haben sich ein paar Wochen Urlaub auf einer einsamen Insel gegönnt, ohne Fernsehen, Internet und Zeitung. Nach ihrer Rückkehr erfahren Sie, was während Ihrer Auszeit so alles passiert ist: Die Wall Street ist beinahe zusammengebrochen. In den USA und in Europa werden im Schnellverfahren Banken verstaatlicht. China, zweitgrößter Gläubiger der USA, redet der Bush-Administration offen in die Finanzpolitik hinein, Venezuelas Staatschef Hugo Chávez nennt den amerikanischen Präsidenten jetzt »Genosse George«. Peer Steinbrück erklärt Steueroasen den Krieg, die Bankenmanager dieser Welt gehören seit Kurzem zur Achse des Bösen, und europäische Regierungen wollen mit einem neuen Bretton Woods den Finanzkapitalismus zähmen. Ach ja, und aus der Arktis werden Rekordtemperaturen fünf Grad über dem Normalwert gemeldet.

Sie bestellen einen Whiskey gegen das aufkommende Schwindelgefühl, und plötzlich will Ihnen ein Song der Rockband R.E.M. nicht mehr aus dem Kopf:

It’s the end of the world as we know it – and I feel fine …

So gut fühlen Sie sich aber gar nicht!

Was genau ist denn nun zu Ende gegangen? Die Macht der Finanzmärkte über die Politik? Die »Selbstherrlichkeit des Irrationalen«, wie der Schriftsteller Friederich Dieckmann das Spekulationskarussell genannt hat? Möglich, aber nicht sicher. Sicher ist vorerst nur, dass Regierungen in Washington, Berlin oder Seoul das größte Carepaket der Geschichte für eine Finanzbranche geschnürt haben, die im Renditen-Vollrausch gegen die Wand gefahren ist und dabei leider die Weltwirtschaft auf dem Beifahrersitz hatte. Für viele Menschen in den reichen Ländern wird das den Verlust des Arbeitsplatzes bedeuten, viele Menschen in den armen Ländern werden diese Krise mit dem Leben bezahlen. Das zusammen ergibt eine dramatisch neue Ausgangslage, aber noch keine neue Politik, keine neue Ära. Eine Chance für einen Neuanfang – die freilich gibt es.

Schocks sind nicht zwangsläufig heilsam. Das weiß man spätestens seit den Terroranschlägen des 11. September 2001, die nicht etwa eine bessere Koordination internationaler Politik nach sich zogen, sondern den »Krieg gegen den Terror«. Dass es dieses Mal anders kommen könnte, ist bis auf Weiteres nur eine Hoffnung. Allerdings keine bloß fromme, sondern eine, die auf zwei Gründen beruht: auf dem geografischen Verlauf des Finanzbebens und auf den offensichtlichen Parallelen zur Klimakrise.

Überkonsum auf Pump kann keine Grundlage des Wirtschaftens sein

Dieser Beinahekollaps ist von den USA, der Heimat des sogenannten Washington Consensus, ausgegangen. Darunter versteht man die marktliberalen Bedingungen, die Weltbank und Internationaler Währungsfonds an Schuldnerländer stellen: unter anderem strikte fiskalische Disziplin und Staatsabbau. Im weiteren Sinne meint der Begriff den quasireligiösen Glauben, auf dem diese Konditionen basieren. Wirtschaftliche Globalisierung ist demnach per se gut, eine ökonomische »Schocktherapie«, ob in Russland oder Argentinien, automatisch reinigend, jede Debatte über ein globales Gemeinwohl und die dafür nötige Regulierung des Marktes folglich überflüssig. Auch dann, wenn es um so existenzielle Probleme wie Welternährung und Klimawandel geht. Europa hat dieser Ideologie nie applaudiert, es hat sie aber auch nie wirksam infrage gestellt, sondern im Zweifelsfall lieber still davon profitiert. In der Finanzkrise haben die USA nun vor aller Augen gegen diesen Washingtoner Konsens verstoßen, ihn damit womöglich politisch begraben und, wenn auch unfreiwillig, den Weg geebnet für eine neue Debatte über globales Gemeinwohl und globales Regieren.

Womit man beim zweiten Teil der Hoffnung wäre: Die Blase auf dem Finanzmarkt hat wie keine andere Krise gezeigt, dass Überkonsum auf Pump keine Grundlage des Wirtschaftens sein kann. Wer immer schneller immer mehr Kredite überzieht, wer immer schneller mehr Ressourcen verbraucht, als er wiederherstellen kann, der steuert ins Desaster – auf dem Finanzmarkt wie bei der Erderwärmung.

Wobei zwischen beiden Problemen ein gewaltiger Unterschied besteht: Der Kapitalismus verzeiht schwerwiegende Fehler von Politikern, Verbrauchern und Wirtschaftsmanagern. Er erlaubt, auch nach dem Desaster noch gegenzusteuern. Das Klima nicht. Wenn Lehman Brothers Bankrott anmeldet, muss das Finanzsystem nicht untergehen. Wenn die Arktis eisfrei wird, geht einiges unter – egal wie viele Rettungspakete die Staaten der Welt dann schnüren.

Warum also nicht aus dem akuten Finanzschock die Lehren für die weitaus bedrohlichere Krise ziehen und endlich die Weichen für einen ökologischen Umbau der Weltwirtschaft stellen? Warum »nur« den Finanzkapitalismus neu ordnen, »nur« Steueroasen schließen und Hedgefonds einzäunen? Wenn plötzlich ein »zweites Bretton Woods« in aller Munde ist, könnte doch auch ein »zweites San Francisco« denkbar sein. 1945 wurde dort die UN-Charta unterzeichnet. Es war der, wie wir inzwischen wissen, höchst unvollkommene Versuch, ein globales Gemeinwohl politisch zu verankern. Warum nicht auf ein zweites San Francisco hinarbeiten? Weil es naiv oder lächerlich klingt? Das galt bis vor Kurzem auch für die Idee, Banken zu verstaatlichen.

Ein globaler Leithammel ist vorerst nicht in Sicht

Man muss sich klarmachen, dass die Probleme und ihre Lösungen weitgehend erkannt und beschrieben sind. Ein Heer von Wissenschaftlern analysiert seit 20 Jahren mit Brief und Siegel von über hundert Regierungen den Klimawandel. Ihr aktuelles Szenario: Schaffen wir es, die Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts unter zwei Grad zu halten, bleiben ihre Folgen einigermaßen beherrschbar. Die Alternative möchte man sich lieber nicht ausmalen. Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) heißt diese multinationale Alarmanlage, auf Deutsch als Weltklimarat bekannt.

Mehrere Hundert internationale Agrar-und Entwicklungsexperten, gefördert von UN und EU-Kommission, leisten Ähnliches im Kampf gegen den Hunger. Internationale Bewertung der Agrarforschung und -technologie für Entwicklung, kurz IAASTD, nennt sich dieses Gremium. Der IAASTD-Bericht enthält so ziemlich alle Vorschläge, die man zur Bekämpfung der Ernährungskrise umsetzen müsste: Erhalt und Erneuerung natürlicher Ressourcen statt monokulturellem Intensivanbau, Förderung der Kleinbauern statt der Agrarkonzerne, lokal zugeschnittene Hilfen anstelle von global einheitlichen Saatgutmitteln und Pestiziden. »Weltsättigungsprojekt«, titelte die ZEIT im April diesen Jahres, als der Report von fast 90 Regierungen abgesegnet wurde – und dann umgehend in Vergessenheit geriet.

Das Problem ist nicht das Wissen. Noch nie in ihrer Geschichte war sich die Menschheit ihrer Probleme so bewusst. Das Problem sind die Akteure und der Mangel an geeigneten Bühnen. Hier stößt die Idee eines »zweiten San Francisco« auf ein Hindernis, das die aktuelle Finanzkrise mit aufgeworfen hat: Es ist vorerst kein globaler Leithammel in Sicht, keine Institution, die einen solchen Prozess anschieben könnte. Mit dem »Krieg gegen den Terror« und der Bankenkrise, mit Abu Ghraib und Lehman Brothers haben die westlichen Nationen und vor allem die Vereinigten Staaten zu viel geopolitisches und moralisches Kapital verspielt, um Reformprozesse zu dominieren. Daran kann so schnell kein Barack Obama etwas ändern, der im Fall seines Wahlsiegs ohnehin aufpassen müsste, dass ihm Gesten der Versöhnung auf internationalem Parkett im eigenen Land nicht als weitere Demütigung einer gekränkten Supermacht ausgelegt werden. Daran kann vermutlich auch die notorisch mit sich selbst beschäftigte EU vorerst nichts ändern.

Nur heißt das mitnichten, dass es keine Reformen geben wird. Auch ohne weise westliche Führung verändert sich die Welt. Die G-7-Gruppe der führenden Industriestaaten, der UN-Sicherheitsrat, der Internationale Währungsfonds (IWF) – all diese amerikanisch-europäisch dominierten Organe globalen Regierens werden ihr Profil vermutlich überraschend schnell verändern – nicht weil die USA und die EU sich dazu durchringen, sondern weil sie in den vergangenen Wochen so dramatisch an Führungsmacht eingebüßt haben. Aus G7 wird G14, vielleicht G20, die Vetomächte im Sicherheitsrat werden vermutlich sehr bald den Tisch für andere Nationen ausziehen, der IWF wird sehr viel mehr Platz für China und Indien schaffen müssen. Diese Länder wiederum werden ihre Einflusssphären ausdehnen. Die Finanzkrise wird also den Übergang in eine multipolare Welt enorm beschleunigen. Zugleich hat sie den politischen Spielraum aller Mächte schon jetzt enorm beschnitten. Denn die neuen Mitspie ler in der obersten geopolitischen Liga werden erst einmal genug mit den Folgen eben dieser Krise zu tun haben. Sie werden eher wenig Neigung zeigen, mit Brüssel oder Washington über ein globales Gemeinwohl zu verhandeln, das der Westen mangels Glaubwürdigkeit nicht allzu laut predigen kann. »Blockierte Multipolarität« nennt der deutsche Entwicklungsexperte Dirk Messner diesen Zustand. Man könnte auch sagen: multipolare Blockade.

Also doch keine Hoffnung? Fatalismus ist keine Politik, sondern ein Luxus, und der ist jetzt verpönt. Wenn die Blockade in der Sphäre der Regierungen so schnell nicht aufzubrechen ist, lohnt sich womöglich der Blick auf die Nichtregierungsorganisationen. Das Thema Klimawandel kam vor 20 Jahren auch nicht von allein, sondern durch den Druck einer internationalen Umweltschutzbewegung auf die politische Agenda. Gleiches gilt für den Kampf gegen Korruption, gegen Landminen oder »Blutdiamanten«. Effizienten Lobbyismus beherrschen die Globalisierungskritiker inzwischen ebenso gut wie die Globalisierungsverfechter. Den kreativen Einsatz von Anwälten ebenfalls. Unternehmen für Verletzung von Menschenrechten und Arbeitsschutzgesetzen juristisch haftbar zu machen erweist sich immer öfter als erfolgreiche Strategie. Besonders häufig übrigens in Indien, dessen Zivilgesellschaft zu einer der aktivsten und fantasievollsten gehört.

Was für den Arbeitsschutz gilt, kann auch beim Klimaschutz funktionieren. Die Hilfsorganisation Oxfam sucht in einem internationalen Juristen-Wettbewerb schlüssige Argumente für eine Klage gegen Industrienationen, die mit ihren CO₂-Emissionen die Menschenrechte von Bewohnern der Entwicklungsländer verletzen. Der Preis für den Sieger: 100 Pfund und die Chance, womöglich Rechtsgeschichte zu schreiben. Die deutsche Organisation medico international schlug schon vor Monaten Regierungen und internationalen Behörden einen »globalen Sozialvertrag« vor, der unter anderem beinhaltet, alle Wirtschaftsvereinbarungen auf ihre sozialen und gesundheitlichen Folgen für die betroffenen Menschen zu überprüfen.

Geldspritze für die grüne Modernisierung der Weltwirtschaft

All das mag auf den ersten Blick wie Stückwerk aussehen. Doch der Eindruck trügt. Ein globalisiertes Arbeits- und Umweltrecht wäre ebenso eine gewaltige Zäsur wie ein »globaler Sozialvertrag«. Und beide Strategien können sehr schnell zurück auf die große politische Bühne führen. UN oder EU, Weltwirtschaftsforum oder G-7-Gipfel – jede dieser Institutionen ist inzwischen offen, wenn auch keineswegs immer aufgeschlossen, für den Input der Nichtregierungsorganisationen und sozialen Bewegungen, ob sie nun amnesty international oder Attac heißen.

Erstaunlicherweise hat gerade dieses Spektrum bislang seltsam verhalten auf die Finanzkrise reagiert, vor der seine Vertreter doch am deutlichsten gewarnt haben. Noch fehlen die großen Auftritte – wenn’s sein muss mit Prominenz von Hollywood bis Bollywood –, die die drei großen Krisen Finanzen, Klima und Ernährung zusammenbinden, einen politischen Fahrplan aufstellen und die Öffentlichkeiten von Delhi über São Paulo bis Berlin mobilisieren. Eine Ausnahme ist bislang der Global Green New Deal, die ökologische Wirtschaftsinitiative, mit der die UN-Umweltbehörde Unep diese Woche in London immerhin schon mal eine Vision entworfen hat: Die UN-Mitgliedsländer sollen mit einer riesigen Geldspritze der grünen Modernisierung der Weltwirtschaft auf die Sprünge helfen und ihre Rettungspakete für den Finanzsektor mit Anreizen und Auflagen für das grüne Umsteuern versehen.

Da wird in den nächsten Monaten von Denkfabriken, Entwicklungsinstituten und NGOs noch einiges mehr kommen: ein zweiter Anlauf zur Reform der Vereinten Nationen? Trotz oder vielleicht gerade wegen der »multipolaren Blockade« ist das durchaus denkbar. Wird die Menschheitsmehrheit sich weiter damit abfinden, dass die Atommächte des Kalten Krieges anderen den Besitz von Nuklearwaffen verbieten wollen, selbst aber zur Abrüstung nicht bereit sind? Nach den Machteinbußen des Westens ist das immer weniger wahrscheinlich. Und in den Vereinigten Staaten formiert sich schon, mit Blick auf die Zeit nach der Präsidentschaftswahl, ein neuer politischer Konsens für die nukleare Abrüstung.

Ein reformierter IWF ohne Washington Consensus gehört in jede neue Finanzordnung. Ein internationaler Krisenfonds für fragile Staaten, die von allen drei Krisen am härtesten betroffen sind? Durchaus realistisch. Etwas Ähnliches hat sogar schon der Präsident der Weltbank und Ex-Neokonservative Robert Zoellick vorgeschlagen. Ein verbindliches Bekenntnis der Staaten, das »Recht auf Ernährung« umzusetzen? Warum nicht. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat sich da schon vorgewagt, nur leider den IAASTD-Bericht vergessen. Und was den Umweltschutz betrifft: Die Angst der Regierenden, es sich gerade jetzt in der Finanzkrise mit Autolobby und Industrieverbänden zu verderben, ist zweifellos hoch. Genauso groß ist aber auch die Angst, am Ende als Sargnagel des Weltklimas in die Geschichtsbücher einzugehen.

Unter dem Codewort »San Franciso II« kommt also mehr zusammen, als man vor Kurzem noch sich hätte vorstellen können. Und nach den vergangenen Wochen gilt ohnehin nur noch der Grundsatz: Nichts für selbstverständlich und alles für möglich halten.

 
Leser-Kommentare
    • gayorg
    • 25.10.2008 um 20:48 Uhr

    MEIN GOTT WAS IST DAS DOCH ALLES SCHÜN BEI DER ZEIT !!

  1. Hiermit ist die gesamte Menschheit der weisen Führung der illuminierten Götter unterstellt. Das Absolute ist ihren erleuchteten Geistern die Richtschnur. Diese neue Regierung ist daher ein ruhender Pol, der die Maßstäbe der Ewigkeit anzuwenden versteht. Jedweder Widerstand wird binnen kurzer Zeit aufgegeben werden.

  2. Herzlichen Dank fuer den kompetenten Artikel zu den Fragen, die alle diejenigen bewegen, die sich von der jetzigen Krise neue positive Impulse in allen hier angesprochenen Bereichen erhoffen. Eine wahre Rueckenmassage. Unsere politische Glaubhaftigkeit hat sich in dem Masse geschwaecht, in dem Macht- statt Sozialverhalten demonstriert wurde. Die Zukunft kann nur gedeihlich sein, wenn alle mit gleichen Rechten eingebunden werden, ganz besonders auch diejenigen, die durch die Doktrin des alles regelnden Privatinteresses und der unsichtbaren Hand die das Ganze zum Schluss in die Rictung streichelt geschaedigt sind. Wir als westliche Laender muessen lernen zu verstehen, dass wir unsere besondere Lage dem Umstand zu verdanken haben, an einer beguenstigten Stelle geboren worden zu sein. Wuerden wir die Leistungen sehen, die viele mit starken wirtschaftlichen Behinderungen belastete Personen vollbringen und diese mit unseren eigenen vergleichen, so kaemen wir zu dem Schluss, das wir moeglicherweise nur beguenstigt sind und viele Menschen deswegen brachliegen, weil ihnen der Zugang zu den meisten Dingen fehlt. Wenn wir sie einbinden koennten, geduldig und bescheiden, so wuerde der Menschheit ein grosses zusaetzliches Potential - auch wirtschaftlich - zur Verfuegung gestellt. Ich kann dies aus eigener Erfahrung in diesem konkreten Bereich bezeugen, wenn ich auch die Reaktionen derjenigen kenne, die Hoffnungen zur Utopie erklaeren. Vor der UNO, der IAO, der FAO, dem Internationalen Gerichtshof, dem Klimabericht, der Mutter Theresa von Kalkutta, San Francisko I waren alle diese eine Utopie. Der Internationale Waehrungsfond ist es aus anderen Gruenden noch heute, wenn er pro Forma auch existiert. Ein Artikel wie der Ihre staerkt die politische Willensbildung. Sie ist dringend notwendig.

  3. (entfernt. Die Redaktion/jk)

  4. Ein glänzender Artikel. Nur die Überschrift ist irreführend. "Weltregierung" löst berechtigte Ängste vor einer Diktatur aus ! Sei es vor der Diktatur einer "Supermacht" , vor einer "Ökodiktatur", vor einer "Diktatur der mächtigen Eliten", insbesondere der Finanzeliten usw..

    Der gesamte Artikel thematisiert auch gar nicht eine mögliche "Weltregierung",
    sondern viel mehr eine "Global Governance", eine "Weltinnenpolitik", in der nicht nur die Staaten angesichts der globalen Gefahren sich international abstimmen müssen, sondern auch die wertvollen Erfahrungen der Nichtregierungsorganisationeneinbezogen werden müssen. Die Instrumente für eine vernünftige, internationale, interkulturelle, multipolare Abstimmung liegen bereit:

    - Mit dem von Kofi Annan initiierten Manifest für den Dialog der Kulturen
    - Brücken in die Zukunft (Crossing the Divide) liegt seit 2001 ein interkulturell abgestimmter weltanschaulicher Konsens vor.

    - mit der Weltethoserklärung, der Menschenpflichtenerklärung des InterAction Councils und der Erdcharta liegt eine interkulturell abgestimmte, globale moralische Basis vor.

    - Kofi Annans UN-Reform-Vorschläge wurden 2005 zwar abgebürstet,
    nach dem drohenden Zusammenbruch des Weltfinanzsystems mit ungeheuren Auswirkungen für die Weltwirtschaft, nach der bewusst gewordenen Bedrohung durch die Klimakatastophe, nach den berechtigten Protesten der benachteiligten Länder gegen die ungleichmäßige Verteilung der Güter dieser Welt könnte eine international abgestimmte sinnvolle UN-Reform nun viel größere Aussichten auf Erfolg haben.

    - Das Ende des neoliberalen Wahns kann zur Besinnung führen, dass Konzepte für eine "Ökosoziale Marktwirtschaft" bereits seit Ernst Ulrich von Weizsäckers Erdpolitik (1989 !) vorliegen! Die Global Marshall Plan Initiative kämpft seit 2003 für eine weltweite Ökosoziale MArktwirtschaft.

    Die Zeit scheint reif gür ein "GlOBALl CHANGE" zu sein !

  5. stieg Indien erfolgreich in den erlesenen Club der Weltraumfahrer auf und plant ehrgeizige Programme für die Zukunft. Lange zuvor hat man schon den erfolgreichen (und sehr diskreten) Aufstieg in den erlesenen Club der Nuklearmächte vollzogen.
    Gleichzeitig erhöht Deutschland seine Entwicklungshilfe an Indien von 3XX Mio € auf 3YY Mio € (wegen der Armut im Subkontinent)! Für China, das heute größter Gläubiger der "größten Volkswirtschaft der Welt" ist, gibt es ähnliche Beispiele.
    Abgesehen von der Tatsache, daß Regierungen mit fremdem Geld gern großzügig Gutes tun, zeigt es doch deutlich, daß der ganze erlesene G-7-Verein geistig immer noch in den 80-er Jahren lebt und dem Zug der Zeit schon längst hinterher schaut. Hr.Berlusconi aus der Welt-Wirtschaftsmacht Italien versucht, den Asia-Staaten die Welt zu erklären ... großes Kino!
    Zum Klima: ob Öl aus Nahost, Gas aus Sibirien oder Steinkohle aus Mosambique, für Alle gilt, alleine brennen sie nicht und produzieren keine Energie! EineKleinigkeit ist noch von Nöten: Luft / Sauerstoff. Heute ist es kein Problem, die Länder der Welt in Lufterzeuger- und Verbraucherländer zu klassifizieren. Und die Verbraucher müßten, ganz nach den Regeln der Marktwirtschaft, den Erzeugern die Luft bezahlen. Die Apelle und Initiativen zum Schutz der Regenwälder in allen Ehren - es ginge einfacher, wenn der Wille da wäre. Da der aber nicht in Sicht ist, bleibt mir nur die andere Variante: ich trinke jetzt noch ein paar Flaschen Krombacher! (leider hat meine Frau wenig Vertändnis für mein Engagement für den blauen Planeten..!)

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    • keox
    • 26.10.2008 um 17:14 Uhr

    dürfen Sie nicht so eng sehen. EH ist traditionell eine Bestechung der so freundlich bedachten Länder, mit den Geldern der EH - natürlich abzüglich der Kosten aller Art -Aufträge an die Industrie der Spenderländer zu vergeben, manchmal werden so auch Verträge befördert - na ja, alles was Profit bringt eben.

    So bleibt das Geld wo es hingehört, Abhängigkeiten werden geschaffen, die heimische Industrie gefördert, und zwischen den Eliten der Spender- und Empfängerländern wird das für gute Geschäfte unabdingbare Vertrauen geschaffen.

    Vertrauen ist die Basis für Alles.

    • keox
    • 26.10.2008 um 17:14 Uhr

    dürfen Sie nicht so eng sehen. EH ist traditionell eine Bestechung der so freundlich bedachten Länder, mit den Geldern der EH - natürlich abzüglich der Kosten aller Art -Aufträge an die Industrie der Spenderländer zu vergeben, manchmal werden so auch Verträge befördert - na ja, alles was Profit bringt eben.

    So bleibt das Geld wo es hingehört, Abhängigkeiten werden geschaffen, die heimische Industrie gefördert, und zwischen den Eliten der Spender- und Empfängerländern wird das für gute Geschäfte unabdingbare Vertrauen geschaffen.

    Vertrauen ist die Basis für Alles.

  6. "... wer immer schneller mehr Ressourcen verbraucht, als er wiederherstellen kann, der steuert ins Desaster – auf dem Finanzmarkt wie bei der Erderwärmung."

    Aha. Es besteht eine religiöse Folgerichtigkeit, es gibt einen mystischen Zusammenhang zwischen Immobilienkrise und Erderwärmung ... Folgt die Autorin der New-Age-Ideologie, Karma - oder ist sie doch nur der Frankfurter Schule auf den Leim gegangen?
    Ist es nicht traurig, wie es inzwischen okay ist, einen Artikel in einer überregionalen Zeitung abzudrucken, der keine Argumentation benutzt, sondern nur noch Schlagworte lose miteinander in Verbindung setzt?

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    • keox
    • 26.10.2008 um 17:00 Uhr

    "... wer immer schneller mehr Ressourcen verbraucht, als er wiederherstellen kann, der steuert ins Desaster – auf dem Finanzmarkt wie bei der Erderwärmung."

    Dieser Satz ist doch so banal wie richtig.

    Was zum Teufel gibt es da zu fabulieren von religiösen Affinitäten über New Age bis hin zur Frankfurter Schule - die Sie anscheinend als links und damit als Chiffre des ganzen linken Übels erachteten?

    Legen Sie doch bitte dar, warum Ökonomie und Ökologie so rein gar nix miteinander zu tun haben.

    • keox
    • 26.10.2008 um 17:00 Uhr

    "... wer immer schneller mehr Ressourcen verbraucht, als er wiederherstellen kann, der steuert ins Desaster – auf dem Finanzmarkt wie bei der Erderwärmung."

    Dieser Satz ist doch so banal wie richtig.

    Was zum Teufel gibt es da zu fabulieren von religiösen Affinitäten über New Age bis hin zur Frankfurter Schule - die Sie anscheinend als links und damit als Chiffre des ganzen linken Übels erachteten?

    Legen Sie doch bitte dar, warum Ökonomie und Ökologie so rein gar nix miteinander zu tun haben.

  7. Es ist gut, zu sehen, dass die Zeit Journalisten zu Wort kommen laesst, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, ueber den Tellerand des taeglichen Nachrichtengeschaeftes hinausblicken zu koennen.

    Der o.g. Artikel beschreibt in sehr anschaulicher Weise, was noetig ist, um den Einsatz fuer das Gemeinwohl zu einer unverzichtbaren Groessenordnung der Politik auf unserem Globus zu machen.

    Da die notwendigen Institutionen wie UN, IWF, Weltbank schon exsitieren und in ihrer Funktionalitaet hier und da in der Vergangenheit effektiv gearbeitet haben, kommt es jetzt darauf an, diese Instituionen so an die 'Neue Weltordnung' anzupassen, dass das globale Gemeinwohl der zentrale Faktor wird.

    Bernd Kleinenkuhnen

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    • keox
    • 26.10.2008 um 17:23 Uhr

    "Da die notwendigen Institutionen wie UN, IWF, Weltbank schon exsitieren und in ihrer Funktionalitaet hier und da in der Vergangenheit effektiv gearbeitet haben, kommt es jetzt darauf an, diese Instituionen so an die 'Neue Weltordnung' anzupassen, dass das globale Gemeinwohl der zentrale Faktor wird."
    Bernd Kleinenkuhnen

    Was soll das?

    • keox
    • 26.10.2008 um 17:23 Uhr

    "Da die notwendigen Institutionen wie UN, IWF, Weltbank schon exsitieren und in ihrer Funktionalitaet hier und da in der Vergangenheit effektiv gearbeitet haben, kommt es jetzt darauf an, diese Instituionen so an die 'Neue Weltordnung' anzupassen, dass das globale Gemeinwohl der zentrale Faktor wird."
    Bernd Kleinenkuhnen

    Was soll das?

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