US-Wahl
Die Erde rutscht ...
... aber Obama bangt. Warum McCain noch eine Chance hat, erklärt Josef Joffe
Stanford/Kalifornien - Es gibt so viele Gründe wie Sterne auf dem amerikanischen Banner, warum Barack Obama am 4.November das Weiße Haus erobern wird. Hier sind fünf: George W., zwei Kriege, das Billionen-Debakel (auf Englisch klingt’s noch schlimmer: trillions), die Rezession und ein Gegner, der jedermanns Opa sein könnte, ein Kriegsheld aus Vietnam, der wie ein Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg wirkt.
Jeden Tag hagelt es heftiger gegen John McCain: Das konservative Kommentariat geht ihm von der Fahne. Selbst die Republikanische Partei – die »Grand Old Party« – scheint zu zerbrechen. Derweil die eine Bastion der Partei – »Wall Street« – praktisch Staatseigentum wird, zahlt die andere – »Main Street« – die Zeche mit Arbeits- und Hausverlust. McCains Mannen scheinen auf drei Haufen zusammenzuschrumpfen, die keine Mehrheit ergeben: die Country-Club-Republikaner, die weißen Südstaatler, die Blaumänner aus den siechenden Industriestädten.
Nun hat sich auch noch der große Colin Powell, Bushs Außenminister bis 2004, öffentlich für Obama ausgesprochen. Und dem fließen Wahlkampfgelder zu, als wäre er eine (kleinere) marode Bank am Tropf des Bundes: 150 Millionen Dollar im September, doppelt so viel wie im August. Letzte Woche konnte Obama 39 Millionen für TVSpots ausgeben, McCain nur zwölf – Dagobert Duck gegen Hartz IV.
Wer sich in diesen Tagen mit Republikanern unterhält, hört nur noch Nachtgedanken. Ein langer Winter des Exils stehe bevor. Sie erinnern sich an das Schicksal der Tories in England. Anderthalb Jahrzehnte mussten nach Thatcher vergehen, bevor sie unter ihrem neuen Chef David Cameron wieder eine echte Chance auf 10 Downing Street bekamen.
Und doch stimmt etwas an diesem Bild nicht. Obama hatte vor einer Woche noch einen Vorsprung von sieben Punkten (im Durchschnitt); der ist zwischenzeitlich um zwei geschrumpft. Im Vergleich: Al Gore lag am 21. Oktober 2000 5,5 Punkte hinter George Bush, so weit wie heute McCain hinter Obama. Am Wahltag (5. November) hatte Gore ihn knapp überholt (in der Zahl der Stimmen, aber nicht der Wahlmänner).
»Vorsprung-Vernichtung« ist ein vertrautes Problem westlicher Politik – siehe die Schmelze, die Angela Merkel 2005 fast die Kanzlerschaft kostete. Die Sache in Amerika aber geht tiefer. In diesem Jahr ist die Zahl der Unentschiedenen doppelt so hoch wie 2004 und 2000. Gravierender: Knapp die Hälfte der Wähler (45 Prozent) streitet Obama heute wie vor einem halben Jahr die Eignung für die Präsidentschaft ab. Ergo das Flächenbombardement der TV-Spots. Aber Obama wäre nicht der Erste, dem Geld allein keinen Sieg verschafft. John Kerry hat 121 Millionen mehr als Bush ausgegeben und 2004 trotzdem verloren.
Schließlich: Was ist, wenn sich die Börsen- und Bankenkatastrophe tatsächlich beruhigt? Vor dem Ausbruch lag McCain bekanntlich vorn. Es wäre das größte Comeback seit Harry S. Truman 1948, als sein Rivale Thomas E. Dewey siegestrunken ins Bett ging und als Verlierer aufwachte.
- Datum 22.1.2009 - 15:30 Uhr
- Serie opi
- Quelle DIE ZEIT, 23.10.2008 Nr. 44
- Kommentare 62
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Warum McCain noch eine Chance hat, erklärt Josef Joffe.
Nein. Tut er nicht! Nur weil andere ihren Vorsprung nicht halten konnten? Sehr dünn. und ganz sicher keine hinreichende Erklärung. Das nächste Mal bitte mit mehr Substanz oder gar nicht.
...warum Herr Joffe sich bemüßigt fühlt, ausgerechnet HIER in Deutschland unermüdlich Propaganda für McCain zu machen...entweder gibt es hier so viele Exil-US-Wähler, oder hört ihm in den USA vielleicht keiner zu?
Trotzdem wird dieses penetrante "Wunsch-der-Vater-des-Gedankens"-Repetieren von McCains "Chancen" langsam peinlich. Zur passiven Triebabfuhr empfehle ich...ach, lassen wirs. Wird eh gestrichen.
Denn wenn all sein unken nicht hilft, dann bleiben ja noch Jeb Bush und die Lochkarten. Die werden seinem Dreamteam schon zum Sieg verhelfen, wenn es der seltsame Wahlmodus schon nicht schafft, den Wählerwillen in seinem Sinne zu berichtigen.
Ach ja, Herr Joffe, was ist eigentlich aus ihren Entzückungen für Miss Palin geworden?
Dieu me pardonnera, c'est son metier.(Heine)
"Obama hatte vor einer Woche noch einen Vorsprung von sieben Punkten (im Durchschnitt); der ist zwischenzeitlich um zwei geschrumpft."
CNN: Niemals weniger als 6 Punkte Differenz seit 16.10.08. Der aktuelle Poll of Polls (Durchschnitt aller Umfragen) liegt bei 51:42 - also bei 9 Punkten Unterschied.
Welche durchschnittlichen Umfrage wurden denn obigem Zitat zugrundegelegt?
vieleicht lässt Herr Joffe sich von Pippi Langstrumpf beraten?
Dieu me pardonnera, c'est son metier.(Heine)
Die schwankenden Gefühle der Wähler in den letzten Tagen sind nicht zu erfassen.
Wenn man sich ansieht wie die Wahlkampfveranstaltungen besucht sind, spricht das eine deutliche Sprache. In St.Louis waren es vor einigen Tagen 100.000 Besucher. Zahlen von denen McCain nur träumen kann. Die demokratische Basis ist hoch motiviert. Das repblikanische Wahler Obama wählen ist unwahrscheinlich.
Die Wahl wird über die republikanischen Nichtwähler entschieden.
ich war grad im urlaub in den usa und hätte mir gerne mal eine veranstaltung angeschaut. die einzige, die in erreichbar war, war eine von mccain. voraussetzung für den besuch war allerdings eine registrierung als supporter: that means: mindestens 50 leute anrufen und von mccain überzeugen. ich hab dann davon abstand genommen .... :-)
Aus dem gleichen Grund, warum Bush 2000 und 2004 eine Chance hatte.
Darum:
http://www.rollingstone.c...
Die massive Wahlfälschung wurde 2000 vom Supreme Court legalisert, 2004 wurde sie mit Hilfe der Medien und der Demokraten erfolgreich unter den Teppich gekehrt.
Ich bin sehr gespannt, wie es diesmal ausgeht. Obama wird jedenfalls mindestens 5-7% mehr Stimmen brauchen, wenn er - anders als Gore und Kerry - wirklich Präsident werden will.
Naja, selbst in diesem Fall bleibt Joffe und Konsorten ein Trost: zumindest der GWOB wird unter Obama weiter gehen.
v.
was immer herrn joffe hier vorgeworfen wird kann ich nicht kommentieren, weil ich zu wenig über ihn weiß, aber ich finde, dass alle obama-fans (zu denen ich ausdrücklich gehöre) sich noch längst nicht in sicherheit wiegen können, genau wie es rabenfeder gesagt hat. wir haben noch knapp 2 wochen wahlkampf vor uns, da kann noch viel passieren und viel korrumpiert werden. obama hat für mich allerdings schon längst den moralischen sieg errungen, was man wie ich finde eindeutig in der letzten tv debatte beobachten konnte.
Diese ganzen Umfragen sind doch nur übertriebene "Fieberkurven"-Analythik, wie auch an den Börsen teilweise über den Kursverlauf entschieden wird, ob Aktien verkauf werden, nicht über Inhalte und Aussichten des Unternehmens.
Gerade in den USA - eine Wahlbeteiligung von ca. 50% - ist die Motivation der Wähler alles. Glauben die Demokraten sie haben es im Sack und bleiben zu Hause, dann verlieren sie. Gleiches gilt für die Republikaner.
Im Moment denke ich ist die Motivation bei den Demokraten besser, die Menschen wollen den Wechsel, sie wollen eine Änderung, weil das "Jetzt" crashte, aber es gibt auch viele die Angst vor Veränderung haben.
Wichtig ist, das die Demokraten zur Wahl gehen und zwar alle!
Im Moment - gerade auch dank Palin und Powell - glaube ich ist die Wahlmotivation bei den Republikanern schlechter, es sei den der Trotz Obama aufzuhalten treibt sie in die Wahllokale.
Eine Anmerkungen: Konservative sind nicht für "Events", die sind häuslich, die haben längst ihre Meinung und gehen einfach wählen.
Man erinnere sich an die Nominierung von Sarah Palin. Amerika war begeistert und die republikanische Basis hoch motiviert. Davon ist nichts übrig geblieben. Ich glaube viele republikanische Wähler werden frustriert zu Hause bleiben.
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