Manche Theologen glauben, der neue Atheismus sei das Beste, was dem Christentum widerfahren konnte. Denn die Bücher von Religionskritikern wie Richard Dawkins ( Der Gotteswahn) haben die Debatte um den religiösen Glauben angeheizt und damit ein Thema wieder intellektuell hoffähig gemacht, das im Herrgottswinkel oder in Esoterik-Buchhandlungen zu verstauben drohte. Doch die neueste Kampagne britischer Atheisten ist ein Geschenk, mit dem selbst gottesfürchtige Christen nicht gerechnet haben dürften.

Angekündigt war eine aufsehenerregende Aktion: Auf roten Autobussen sollte ein starkes antichristliches Statement durch London gefahren werden. Herausgekommen ist der verzagte Slogan "Es gibt wahrscheinlich keinen Gott", gefolgt von dem wohlmeinenden Ratschlag "Jetzt hören Sie auf, sich Sorgen zu machen, und genießen Sie Ihr Leben". Nun reiben sich Großbritanniens Christen verwundert die Augen. Wie bitte? Selbst Atheisten meinen nur noch, Gott existiere wahrscheinlich nicht? Zweifeln die Religionsgegner etwa an ihrem eigenen Unglauben?

Der Slogan solle "die Leute zum Denken bringen", kommentiert Richard Dawkins, der die Aktion mit 5500 Pfund unterstützt (www.atheistcampaign.org). Gut möglich, dass die Gedanken anders ausfallen als geplant. Schon loben Kirchenvertreter die Buswerbung, weil sie die "Menschen zum Nachdenken über Gott" ermutige, und fast könnte man das Ganze für einen christlichen PR-Coup halten.

Die Erklärung der Atheisten selbst ist freilich noch kurioser. Man habe sich an der Werbung der Brauerei Carlsberg orientiert, die vorsichtshalber auch nur für das "wahrscheinlich beste Bier der Welt" wirbt. Ach Gott. Friedrich Nietzsche dürfte sich im Grabe umdrehen.