Heute: 24.10.2008

Rotfrontkämpfer sehen anders aus. Auch wenn manch gescheiterter Spekulant sich jetzt vor der Weltrevolution fürchtet und als verfolgte Unschuld gebärdet ("Wir armen Neureichen haben die Börse doch selbst nicht mehr verstanden!"), scheint die Gefahr einer linken Massenerhebung wenig akut. Im Gegenteil. Die potenziellen Revolutionäre solidarisieren sich mit ihren Oberen. "Eine Bank, ein Team" lautete der Schlachtruf der Friedfertigen von der BayernLB, die Ende vergangener Woche für den Vorstandsvorsitzenden Michael Kemmer demonstrierten. Sklavenmoral hätte Nietzsche das genannt. Falsches Bewusstsein, hätte Ludwig Marcuse gewettert. Man könnte die Antidemo aber auch als Kundgebung mitmenschlicher Vernunft sehen, als Zeichen gegen die instrumentelle Gewalt nach zwei Jahrhunderten blutig entgleister Revolutionen. EF

Foto: Timm Schamberger/ddp