Christoph Ploss, 23, studiert im fünften Semester Geschichte und Politik auf Bachelor an der Universität Hamburg

Mein Studium ist ein Fulltimejob – und das ist vollkommen okay so. Schließlich habe ich mich bewusst dafür entschieden, und meine beiden Fächer machen mir Spaß. Ich muss weder bis mittags schlafen noch fünf Kneipentouren pro Woche unternehmen. Das fänden die Steuerzahler, die meine Ausbildung zu großen Teilen finanzieren, ja auch sicherlich nicht so lustig.

Dass man neben der Lernerei zu nichts anderem mehr kommt, seit das europäische Studiensystem eingeführt wurde, stimmt nicht. Sicher: Man muss seine Tage schon effektiv planen – aber mit etwas Zeitmanagement gelingt es auch im straff organisierten Bachelorstudium, seinen Interessen und Verpflichtungen nachzugehen. Neben einem Studentenjob bleibt mir jedenfalls immer noch ausreichend Zeit, um ein politisches Mandat auszuüben, nebenbei Sprachen zu lernen und Sport zu treiben. Ich besuche kulturelle Veranstaltungen, gehe regelmäßig joggen und treffe meine Freunde auch mal auf ein Bierchen – ohne dass meine Noten oder Nerven darunter zu leiden hätten.

Die Konzeption der neuen Studiengänge gefällt mir auch deshalb so gut, weil sie enge Bezüge zur Arbeitswelt vorsehen. Ein sechswöchiges Praktikum, das ich gerade absolviere, ist in mein Studium schon integriert und bringt mir wertvolle Kreditpunkte ein. Sogenannte ABK-Kurse schulen uns in Projektmanagement und anderen berufsqualifizierenden Fähigkeiten – speziell für Geisteswissenschaftler. Und meine Noten fließen vom ersten Semester an in die Endnote ein. Das erzieht uns Bachelorstudenten zu einer stringenten und zielorientierten Arbeitshaltung – und macht uns meiner Meinung nach vielen Diplom- und Magisterstudenten überlegen.

Wenn jemand behauptet, dass wir ein Schmalspurstudium absolvieren, kann ich nur lachen. Die Hamburger Universität hat die Bologna-Vorgaben jedenfalls gut für uns umgesetzt. Meine Kurse und Seminare sind nach wie vor streng wissenschaftlich ausgerichtet. Innerhalb der Pflichtmodule habe ich etliche Wahlmöglichkeiten, die mir eine individuelle Studienausrichtung ermöglichen. Und letzten Endes soll der Bachelor ja auch nur ein erster berufsqualifizierender Abschluss sein. Ich habe mehrere Freunde, die nach drei Jahren froh sind, ein Traineeprogramm in der Wirtschaft zu belegen, schon erstes eigenes Geld zu verdienen. Später wollen sie weiterstudieren.

In ernsthafte Konkurrenz zu den Absolventen der "alten" Studiengänge treten erst einmal nur die fertigen Masterstudenten – und die können auf dem Arbeitsmarkt mehr als nur mithalten. Wer sich nach sechs Semestern und reiflicher Überlegung auf ein Fachgebiet spezialisieren und dieses zwei weitere Jahre vertiefen konnte, muss sich im Berufsleben nicht verstecken. Und bis ich die ersten Bewerbungsgespräche führe, werden die europäischen Abschlüsse schon akzeptierter sein als die vorherigen.

Auch in Sachen Mobilität bin ich zufrieden mit dem neuen System: Wenn ich weiter gute Noten schreibe, kann ich zum Masterstudium nach Berlin wechseln. Und einen dreimonatigen Italienaufenthalt lege ich direkt nach der Bachelor-Thesis ein. Passt doch alles. Mein Fazit? Wer ein Ziel vor Augen hat, muss sich von den aktuellen Debatten über die angeblichen oder tatsächlichen Unzulänglichkeiten des neuen Systems nicht verrückt machen lassen – und sollte einfach selbstbewusst seinen Weg gehen.