Rentenchaos
Die Rechnung kommt im Alter
Wenn Wissenschaftler von einem Land ins andere umziehen, riskieren sie ihre Rentenansprüche. Viele bleiben daher lieber zu Hause
Mit Kanada fing alles an, irgendwann in den Achtzigern war das, und Dagmar Meyer stand kurz vor ihrem Abitur. Sie legte es in einer kanadischen Highschool ab – und kommt seither nicht mehr los vom Reiz des Fremden. In sieben Ländern von den Philippinen bis nach Spanien lebte die Wissenschaftlerin für längere Zeit, heute arbeitet sie in Irland. »Am Anfang«, sagt die 41-Jährige, »denkt man einfach nur an seine Projekte und findet die Reisen spannend.« Inzwischen denkt sie vor allem an den Papierkram. Stapelweise füllen allein ihre Versicherungs- und Rentenunterlagen die Aktenordner, die sie bei jedem Umzug mit im Koffer hat.
Vor dem gleichen Problem stehen Tausende Wissenschaftler. Die Sozialsysteme sind in jedem Land anders aufgebaut. Ein gemeinsames Gerüst, das einen problemlosen Umzug von einem Staat in einen anderen ermöglichen würde, gibt es nicht. Es ist schon frappierend: Alle reden davon, wie wichtig die internationale Mobilität in der Wissenschaft ist. In der Praxis aber stolpern diejenigen, die ihre akademischen Freiheiten auch nutzen, über die bürokratischen Hürden des Sozialstaats.
Der Brief vom Amt war 16 Seiten lang
Es sind nicht nur Wissenschaftler, die unter den engen Beschränkungen leiden – aber sie sind besonders stark betroffen. Geht etwa ein Manager ins Ausland, wird er meistens von seiner heimischen Firma entsandt, deshalb kann er auch bei den alten Versicherungsunternehmen bleiben. Wenn aber ein Forscher den Ruf einer ausländischen Universität annimmt, wird er rein juristisch zu deren Mitarbeiter und muss sich deshalb vor Ort versichern. Geht er einige Jahre später wieder in ein anderes Land, enden diese Verträge automatisch, und er muss sich um eine neue Absicherung kümmern. »Für die Mobilität von Forschern ist das derzeit das größte Hindernis überhaupt«, sagt Michael Hartmer, Geschäftsführer des Deutschen Hochschulverbandes, der Berufsvertretung von Wissenschaftlern.
Besonders heikel ist die Situation in der Pensionskasse. Während sich eine Krankenversicherung relativ einfach wechseln lässt, summieren sich bei der Alterssicherung nach und nach viele verschiedene Ansprüche aus den unterschiedlichen Ländern. »Als Arbeitnehmerin muss ich natürlich meine Pflichtbeiträge in ein meist staatliches System einzahlen«, sagt Dagmar Meyer. »Und dann gibt es die Zusatzversicherung, die häufig auch staatlich gefördert ist – aber eben wieder nur in dem Land, in dem der Versicherungsvertrag besteht.« Für sie ist da schon einiges an Papierkram zusammengekommen, denn der bürokratische Aufwand ist gewaltig. »Als ich auf meiner Post-Doc-Stelle in Frankreich war, habe ich ein ganzes Jahr gebraucht, bis ich die Papiere auseinandersortiert hatte«, erinnert sie sich. Sie rechnete zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil herum, sie kalkulierte die Ansprüche aus alten Verträgen, sie suchte sich das beste Angebot für eine private Zusatzversicherung aus, sie musste die steuerlichen Aspekte im französischen System erst einmal verstehen. Und dann war da noch dieser Brief aus Deutschland, wo sie vorher als Beamtin gearbeitet hatte: Sechzehn Seiten war er lang, dicht beschrieben mit kurzen Sätzen voller Substantive und endlosen Zahlenkolonnen und Formeln. In dem Schreiben war aufgeschlüsselt, welche Rentenansprüche sie zwischen ihren viele Auslandsaufenthalten in der Heimat angesammelt hat. »Da habe ich jahrelang Mathematik studiert und sogar promoviert«, sagt Dagmar Meyer, »aber verstanden habe ich den Brief nicht.«
Gerhard Duda kennt das Problem. Er arbeitet in Bonn bei der HRK und ist Experte für internationale Forscherkarrieren. Seit drei Jahren beschäftigt er sich mit den europäischen Sozialversicherungssystemen. »Wer sich damit länger auseinandersetzt, erkennt, warum die ganze Angelegenheit in der Praxis so schwierig ist«, sagt Duda – und trotzdem stößt auch er immer wieder auf Fragen, zu denen er keine Antwort kennt. »Es ist zwar in der Europäischen Union vieles harmonisiert worden, aber gerade die Alterssicherungssysteme sind immer noch Ländersache«, sagt er. Einige Länder bauen auf eine stabile staatliche Grundrente, anderswo spielt nur die private Zusatzvorsorge eine Rolle. Bei so vielen verschiedenen Regelungen kann selbst die EU nichts vereinheitlichen. Es würde allerdings auch nicht besonders viel helfen, denn der Europäische Hochschulraum, der im Zuge der Bologna-Reform entstanden ist, hat 46 Mitgliedsländer. Dazu zählen auch Staaten wie Kasachstan, die Ukraine oder die Schweiz – und die sind allesamt keine EU-Mitglieder.
Wenn deshalb Forscher in fremden Ländern arbeiten, dann sind es heute vor allem junge Wissenschaftler. »Wer noch am Anfang seiner Karriere steht, macht sich über die Rente nicht so viele Gedanken. Gestandene Professoren aber lassen sich so kaum ins Ausland locken«, sagt Michael Hartmer vom Hochschulverband. Besonders kompliziert wird das System dann, wenn ein Professor in Deutschland verbeamtet war. Dann nämlich verliert er häufig seine aufgesparten Rentenansprüche komplett, wenn er kündigt. »Da wären großzügigere Regelungen eine große Hilfe«, sagt Michael Hartmer. Denn damit der angepeilte europäische Hochschulraum wirklich funktioniert, sind es gerade die erfahrenen Fachleute, die gebraucht werden.
Aus sieben Staaten kleckert Geld herein
»Was den Forschern am meisten bringen würde, ist ein zuverlässiges und schnelles Informationssystem«, sagt HRK-Präsidentin Margret Wintermantel. Spezielle Mobilitätszentren und speziell geschulte Fachkräfte in den Hochschulen könnten den Wissenschaftlern helfen, ihre Alterssicherungsansprüche zu berechnen und die beste Lösung für ihren nächsten Auslandsaufenthalt zu finden. »Wenn jemand für einige Jahre ins Ausland geht, dann ist das eine große Lebensentscheidung. Da genügt es nicht, wenn man sich nur per Internet informieren kann«, sagt Wintermantel. Bis jetzt scheitern solche Informationsangebote vor allem an der Geschwindigkeit. Bekommt ein Forscher eine gut dotierte Professur an einem ausländischen Institut angeboten, hat er meistens zwei Wochen Bedenkzeit. »Als ich meiner Familie bis dahin nicht sagen konnte, welche finanziellen Konsequenzen die Entscheidung hat«, sagt ein deutscher Wissenschaftler, »haben wir uns dagegen entschieden – die Unsicherheit ist einfach zu hoch, gerade wenn man Kinder hat.«
In den USA fällt den Wissenschaftlern ein Ortswechsel leichter. Der Grund dafür ist ein Verband mit dem komplizierten Namen Teachers Insurance and Annuity Association – College Retirement Equities Fund. Er geht zurück auf den Beginn des 20. Jahrhunderts, als der Mäzen Andrew Carnegie für die schon damals mobilen Forscher ein einheitliches Fondssystem geschaffen hat. In welchem US-Bundesstaat auch immer die Wissenschaftler forschen, bleibt ihnen ihr alter Ansprechpartner bei der Rentenversicherung erhalten.
So einfach sind die Lösungen in Europa nicht. Bei der EU arbeitet schon seit Jahren eine Expertengruppe an einem Ausweg aus der vertrackten Situation. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Zusatzversicherungen. »Bei den gesetzlichen Systemen klappt die Mitnahme ins Ausland schon jetzt, die Systeme arrangieren sich untereinander. So etwas auch für die Zusatz- und Betriebsrenten zu erreichen, das muss eines der Ziele sein«, sagt Gerhard Duda von der HRK. Ein einheitliches europäisches System allerdings, da ist er sicher, wird es so schnell nicht geben. Das dürfte allein schon an der Versteuerung scheitern: In einigen Ländern werden die Rentenbeiträge bei der Einzahlung besteuert, anderswo erst bei der Auszahlung – und überhaupt bleibt zu klären, in welchem Land welche Steuern fällig werden.
Auf Dagmar Meyer, die deutsche Wissenschaftlerin mit ihrer Stelle in Irland, kommen alle diese Fragen noch zu. »Ich werde meine Rente in kleinen Portionen aus mehreren Ländern beziehen, das weiß ich«, sagt sie. Was sie allerdings noch nicht weiß, ist, wie hoch ihre Rente dann eigentlich sein wird.
- Datum 1.11.2008 - 04:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 30.10.2008 Nr. 45
- Kommentare 17
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Das Wehklagen darüber wie Unfair das Leben zu den Akademikern ist hat bei der ZEIT offenbar einen Stammplatz bekommen. Letztens das Befürworten des reichlich abstrusen Vorschlages dass die Semesterferien in Europa vereinheitlicht werden sollen damit ja keinem Student Zeit "verloren" geht (man könnte ja etwas Zeit zur Selbstfindung haben zwischen Turboabi und Assessment-Center und würde vielleicht sogar in Frage stellen ob einen diese Karrierefixierung oder das Studienfach glücklich macht, oder Zeit um die neue Heimat in der man studiert beschnuppern und kennenlernen, ganz abgesehen davon dass viele ausländische Dozenten die Semesterferien-Unterschiede gerne nutzen um zB in Deutschland zu dozieren während in ihrem Heimatland gerade Semesterferien sind). Und was da immer für ein Popanz aufgebaut wird, Tenor: man redet gern mit viel Verve und einem latenten Lächeln über KULTUUUUUR und deren Unterschiede wenn es um handgemachte Touri-Souveniers in Nepal oder um die ewigen klischees von den herzlichen Südländern etc. geht aber sonst soll doch bitte alles gleich sein. Der Umzug um die halbe Welt - das selbe Unterfangen wie der Umzug von Köln nach Stuttgart. Konsumkultur, Mode, Freizeitverhalten und Speiseplan sind ja schon globalisiert, nun fehlt noch Bürokratie und am Ende die Sprache - das Commitment zählt. Aber hey, solang es noch Panflötenbands in der Fußgängerzone gibt und der Weltladen um die Ecke noch existiert ist die kulturelle Vielfalt ja noch in Ordnung gell.
Unterschiedliche Sozialsysteme sind der Ausdruck von unterschiedlichen Vorstellungen in den jeweiligen Gesellschaften. Für MICH ist es jedesmal ein kleines Abenteuer all die Eigenheiten und Details in einem anderen Land kennenzulernen, man muss es eben nehmen wie es ist. Im Übrigen ist der Hauptgrund für die Finanzkrise derzeit exakt diese globale Gleichmacherei. Systemkrisen wurden seltener durch die enge Verflechtung heutzutage, wenn es aber eine gibt dann ist sie sofort auf globaler Ebene und es gibt keinen stabilisierenden Pol mehr der nicht betroffen ist, wie zu früheren Zeiten. Bis vor kurzem war es noch DER Trend staatliche Rentensysteme abzuschaffen, alles auf die Kapitalmärkte zu bringen ("Eigenverantwortung"). Hätte man dies in einem Anflug von Modernität und Elan also zB auf europäischer Ebene durchgesetzt.. die Bankmitteilung über das geleerte Rentenkonto nach dem Aktienmarktcrash hätte freilich auch keine 16 Seiten gehabt, wie jenes vom Amt welches detailiert die Rentenansprüche auflistet.
Solche Probleme möcht ich auch haben..
Glauben sie mir, das møchten sie nicht...
Sich duch die Buerokratie, egal in welchem Land, zu wuehlen ist kein "kleines Abenteuer".
Was der Rest der Litanei mit dem Thema des Artikels zu tun hat, habe ich nicht verstanden.
"man könnte ja etwas Zeit zur Selbstfindung haben zwischen Turboabi und Assessment-Center und würde vielleicht sogar in Frage stellen ob einen diese Karrierefixierung oder das Studienfach glücklich macht"
Genau so ist es. Genau vor diesem Problem stand ich auch. Früh eingeschult, nie sitzengeblieben, Abitur gemacht, dank Ausmusterung direkt danach in den Hörsaal gewechselt, bis zur Zwischenprüfung dahinstudiert und festgestellt: Hoppla, hier bin ich. Nur was mach ich hier?
Das war der Punkt, an dem ich den Entschluß fasste, daß der Rest der Welt mir schlichterdings hinfürderkünftig am verlängerten Rückgrat vorbeigehen könne. Deswegen habe ich mich selbstständig gemacht und studiere nebenher trotzdem weiter (oder umgekehrt - wie man will). Wenn's jemandem nicht passt - auch recht. Darauf, daß es jemandem passt, bin ich jedenfalls nicht mehr angewiesen. Und ob mein Lebenslauf für den ein oder anderen Karriereweg zu "krumm" ist, interessiert mich auch nicht mehr.
Ich muß weder zu festgesetzten Zeiten in irgendeinem Zweckbau-Büro erscheinen, muß mir keine depperten Chef-Visagen antun, zu denen ich trotz allem gute Miene machen muß, da ich sonst der nächste bin, der fliegt, wenn's die Bilanz hergibt, und kann Urlaub machen, wann ich will und nicht, damit mir kein "Resturlaub" verfällt oder weil dann und dann die Kollegen schon Urlaub haben; zuguterletzt weiß ich noch, daß ich viel arbeiten kann - und mir selbst dafür jenseits eines feuchten Händedrucks auch mehr übrigbleibt. Der letzte Urlaub ist übrigens mittlerweile vier Jahre her - weil ich Urlaub generell nicht mag. Zum "Ausspannen" gibt's das Wochenende.
Im übrigen zeigt der angesprochene Artikel, wie richtig meine These war und ist: Daß nämlich die einzig verbliebene Integrationsideologie in diesem Lande die sozialen Sicherungssysteme sind. Was würde einen denn sonst hierhalten? Neuschwanstein? Die Sprache (welche Sprache?)? Die Kultur (welche?)? Nein - Rente, Pflege, Krankenhaus. Das hält uns hier zusammen und vor allem im Lande.
Und zwar nicht als Austauschstudent, sondern richtig mit ganz normaler Anstellung? Mit Kindern? Dann ist man froh um jedes bisschen weniger Buerokratie. Ausserdem: oft gelten (z.B. bei Zusatzversicherungen) Regelungen, dass manche Rechte erst nach einer gewissen Beitragszeit gewonnen werden. Da ist man eindeutig im Nachteil, wenn man immer wieder von Null anfangen muss. Insbesondere wenn man nicht als hochdotierter Professor sondern als befristet angestellter und mittellmaessig bezahlter Post-Doc angestellt ist. Dringend benoetigte Ruecklagen kann man naemlich so nicht bilden. Und: Post-Docs bilden den Grossteil der mobilen Forscher.
Glauben sie mir, das møchten sie nicht...
Sich duch die Buerokratie, egal in welchem Land, zu wuehlen ist kein "kleines Abenteuer".
Was der Rest der Litanei mit dem Thema des Artikels zu tun hat, habe ich nicht verstanden.
"man könnte ja etwas Zeit zur Selbstfindung haben zwischen Turboabi und Assessment-Center und würde vielleicht sogar in Frage stellen ob einen diese Karrierefixierung oder das Studienfach glücklich macht"
Genau so ist es. Genau vor diesem Problem stand ich auch. Früh eingeschult, nie sitzengeblieben, Abitur gemacht, dank Ausmusterung direkt danach in den Hörsaal gewechselt, bis zur Zwischenprüfung dahinstudiert und festgestellt: Hoppla, hier bin ich. Nur was mach ich hier?
Das war der Punkt, an dem ich den Entschluß fasste, daß der Rest der Welt mir schlichterdings hinfürderkünftig am verlängerten Rückgrat vorbeigehen könne. Deswegen habe ich mich selbstständig gemacht und studiere nebenher trotzdem weiter (oder umgekehrt - wie man will). Wenn's jemandem nicht passt - auch recht. Darauf, daß es jemandem passt, bin ich jedenfalls nicht mehr angewiesen. Und ob mein Lebenslauf für den ein oder anderen Karriereweg zu "krumm" ist, interessiert mich auch nicht mehr.
Ich muß weder zu festgesetzten Zeiten in irgendeinem Zweckbau-Büro erscheinen, muß mir keine depperten Chef-Visagen antun, zu denen ich trotz allem gute Miene machen muß, da ich sonst der nächste bin, der fliegt, wenn's die Bilanz hergibt, und kann Urlaub machen, wann ich will und nicht, damit mir kein "Resturlaub" verfällt oder weil dann und dann die Kollegen schon Urlaub haben; zuguterletzt weiß ich noch, daß ich viel arbeiten kann - und mir selbst dafür jenseits eines feuchten Händedrucks auch mehr übrigbleibt. Der letzte Urlaub ist übrigens mittlerweile vier Jahre her - weil ich Urlaub generell nicht mag. Zum "Ausspannen" gibt's das Wochenende.
Im übrigen zeigt der angesprochene Artikel, wie richtig meine These war und ist: Daß nämlich die einzig verbliebene Integrationsideologie in diesem Lande die sozialen Sicherungssysteme sind. Was würde einen denn sonst hierhalten? Neuschwanstein? Die Sprache (welche Sprache?)? Die Kultur (welche?)? Nein - Rente, Pflege, Krankenhaus. Das hält uns hier zusammen und vor allem im Lande.
Und zwar nicht als Austauschstudent, sondern richtig mit ganz normaler Anstellung? Mit Kindern? Dann ist man froh um jedes bisschen weniger Buerokratie. Ausserdem: oft gelten (z.B. bei Zusatzversicherungen) Regelungen, dass manche Rechte erst nach einer gewissen Beitragszeit gewonnen werden. Da ist man eindeutig im Nachteil, wenn man immer wieder von Null anfangen muss. Insbesondere wenn man nicht als hochdotierter Professor sondern als befristet angestellter und mittellmaessig bezahlter Post-Doc angestellt ist. Dringend benoetigte Ruecklagen kann man naemlich so nicht bilden. Und: Post-Docs bilden den Grossteil der mobilen Forscher.
anschliessend Kirschblüte in Japan, immer auf Achse, so global, och jo, könnte ich mir auch vorstellen, wenn ich als gestopfter Spross einer reichen Familie geboren wäre. Und vor allem: Dann als alter Knacker noch ein bisschen rumstänkern, das mir meine 18,75 Tage Resturlaub aus Miami Beach nicht ausbezahlt werden.
Nur: wo ist der Zusammenhang zum Artikel oder zu einem der Kommentare?
Wenn schon die Wissenschaftler, die ja aus höchst ehrenwerten privaten Motiven freiwillig in die weite Welt ziehen, stöhnen, wie ergeht es denn erst dem Normalo, der vor Hartz IV und der obligatorischen Stihl Motorsense ins Exil geflohen ist?
Ist ja heute nicht mehr so selten, dass wir Kretins uns im Ausland verdingen müssen um unsere Familien mit Arbeit zu ernähren. Das wird einem doch sogar von der Agentur für Arbeit schmackhaft gemacht.
Und man stelle sich vor, wir, die kaum lesen und rechnen können, bekämen einen 16-seitigen Versorgungsbescheid. Dem wäre in unserem Falle ja dann auch nur zu entnehmen, dass uns keine Versorgung zusteht. Aber wie sollen wir das jemals erkennen?
Ja liebe wissenschaftliche Gemeinde, wenn Ihr Euch die Katastrophe nicht vorstellen könnt, wer dann?
Gut, unser ganzes Mitgefühl gilt der Wissenschaft und ihren gebeutelten Dienern. Da sind wir ganz selbstlos mit der Zeit.
So "privat" oder freiwillig sind die Motive oft nicht, wegen denen man auswandert. In vielen Faechern ist die Stellensituation so angespannt, dass man sich nicht aussuchen kann, wo man arbeitet - da geht es dem Wissenschaftler, der von einem Forschungszentrum in Berlin zu einem mit aehnlichem Profil nach Chicago wechselt auch nicht anders, als einem Fernfahrer, der nach Norwegen oder Canada geht, weil er in Deutschland keinen adaequaten Arbeitsplatz mehr findet. Nur mit dem Unterschied, dass der Fernfahrer vermutlich nur einmal auswandert, waehrend sich fuer den Wissernschaftler nach 3-6 Jahren, wenn die Projektfinanzierung ausgelaufen ist, wieder dasselbe Problem stellt. Festanstellungen sind naemlich die absolute Ausnahme.
Was also soll die Haeme? Es ist durchaus eine unterschiedliche Problemlage, ob man seine Rente spaeter aus 2 Laendern anteilig bekommt, oder aus 6-8 Laendern jeweils kleine Beitraege ueberwiesen werden, die dann vermutlich permanent gegenseitig dokumentiert werden muessen.
Viel einfacher waere es vermutlich, wenn man sich sozusagen aus den jeweiligen nationalen Rentensystemen "freikaufen" koennte - wenn man eine Art internationales Sperrkonto fuer Rentenbeitraege eroeffnen koennte, auf das man erst im Alter von 65 Zugriff haette, in das dann die Laender mit kapitalgedeckten Renten die Beitraege abfuehren, waehrend die Laender mit Generationenvertrag zumindest eine kleine Abschlagszahlung (z.B. in Form der Rueckerstattung der Haelfte der bisher erbrachten Beitraege) leisteten. Ich bin sicher, dass viele Verluste in der Rentenhoehe hinnehmen wuerden, wenn sie stattdessen mehr Transparenz und Sicherheit bekaemen.
So "privat" oder freiwillig sind die Motive oft nicht, wegen denen man auswandert. In vielen Faechern ist die Stellensituation so angespannt, dass man sich nicht aussuchen kann, wo man arbeitet - da geht es dem Wissenschaftler, der von einem Forschungszentrum in Berlin zu einem mit aehnlichem Profil nach Chicago wechselt auch nicht anders, als einem Fernfahrer, der nach Norwegen oder Canada geht, weil er in Deutschland keinen adaequaten Arbeitsplatz mehr findet. Nur mit dem Unterschied, dass der Fernfahrer vermutlich nur einmal auswandert, waehrend sich fuer den Wissernschaftler nach 3-6 Jahren, wenn die Projektfinanzierung ausgelaufen ist, wieder dasselbe Problem stellt. Festanstellungen sind naemlich die absolute Ausnahme.
Was also soll die Haeme? Es ist durchaus eine unterschiedliche Problemlage, ob man seine Rente spaeter aus 2 Laendern anteilig bekommt, oder aus 6-8 Laendern jeweils kleine Beitraege ueberwiesen werden, die dann vermutlich permanent gegenseitig dokumentiert werden muessen.
Viel einfacher waere es vermutlich, wenn man sich sozusagen aus den jeweiligen nationalen Rentensystemen "freikaufen" koennte - wenn man eine Art internationales Sperrkonto fuer Rentenbeitraege eroeffnen koennte, auf das man erst im Alter von 65 Zugriff haette, in das dann die Laender mit kapitalgedeckten Renten die Beitraege abfuehren, waehrend die Laender mit Generationenvertrag zumindest eine kleine Abschlagszahlung (z.B. in Form der Rueckerstattung der Haelfte der bisher erbrachten Beitraege) leisteten. Ich bin sicher, dass viele Verluste in der Rentenhoehe hinnehmen wuerden, wenn sie stattdessen mehr Transparenz und Sicherheit bekaemen.
dass Normalos erst bei einer niederländischen Firma arbeiten, dann bei einer britischen und anschließend bei einer norwegischen. Es zieht ja nicht immer die Familie mit. Es ist ja nicht immer das neue Leben XXL.
Was heißt hier übrigens Häme? Ich kann mich erinnern, dass immer euphorisch von den tollen Arbeitsbedingungen für Wissenschaftler im Ausland geredet wurde. Also war das auch wieder nur Propaganda und bei den Deutschen Wissenschaftlern im Ausland handelt es sich um schnöde Arbeitsnomaden aus Not, die ebenfalls vor der obligatorischen Stihl Motorsense unseres neuen Reichsarbeitsdienstes in "richtig" bezahlte Arbeit geflohen sind?
Das von Ihnen angeregte Rentenmodell wäre ja bürokratisch und staatlich reguliert, das war doch noch vor wenigen Tagen undenkbar.
Ich würde zumindest für Deutschland ein Sonderversorgungssystem für Wissenschaftler vorschlagen. So wie es das bereits für Ärzte, Anwälte, Steuerberater, Parlamentarier und Beamte gibt. Dort werden gemessen am Rentenniveau deutlich höhere Renditen erzielt als bei den gesetzlichen Normaloversicherungen. Kranke, Behinderte, bildungsferne Schichten, Wiedervereinigungen und ähnliche die Rendite schwächende Faktoren sind in solchen System deutlich weniger vetreten. Bei den Politikern konzentrieren sich allerdings Versager, was der Rendite aber keinen Abbruch tut.
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