Das European Credit Transfer System (ECTS) entstand Ende der achtziger Jahre, fast ein Jahrzehnt bevor der Begriff "Bologna-Prozess" erfunden war. Die Punkte wurden von Professoren ersonnen, die Studenten die Anrechnung ihrer Auslandssemester erleichtern wollten. Zwischen den am Studentenaustauschprogramm Erasmus beteiligten Unis funktioniert das System auch bis heute weitgehend reibungslos: Sie bescheinigen ihren Studenten die erbrachten Studienleistungen in Kreditpunkten, die europaweit denselben Wert haben.

Erst durch die Hochschulreform wandelte sich das ECTS, was sich auch in seinem Namen bemerkbar machte: Offiziell steht ECTS jetzt für European Credit Transfer and Accumulation System. Es geht also nicht mehr nur um den Transfer von einer Hochschule an die andere, sondern seit sämtliche Abschlüsse auf Bachelor und Master umgestellt werden, ist das ECTS zur entscheidenden Rechnungseinheit für Studienleistungen schlechthin geworden: Für 30 Stunden Arbeit bekommt der Student einen Punkt. Eine große Chance und Herausforderung zugleich – wenn Fachbereiche ihre Studiengänge ECTS-tauglich machen, müssen sie ganz neu über die Strukturierung der Inhalte diskutieren: Wie viele ECTS-Punkte verdient ein Vorlesungsmodul? Ist es in der vorgesehenen Zeit tatsächlich zu schaffen, und wie viele Veranstaltungen sollte man in ein Semester packen? Kurzum: Die Kreditpunkte führen zu einer sinnvolleren Studienorganisation und, hoffentlich, einer besseren Studierbarkeit.

Doch seit bei der hochschulinternen ECTS-Planung nicht mehr der Auslandsaustausch im Vordergrund steht, leidet seine internationale Vergleichbarkeit. Das Problem ist endlich erkannt: Die Europäische Union entwirft neue Regeln für die Notenvergabe, das Bologna-Zentrum der Hochschulrektorenkonferenz arbeitet an praxisnahen Empfehlungen zur Anerkennung ausländischer ECTS-Punkte.