Es ist nicht ungewöhnlich, dass Parteien vor der Wahl Geld für Sozialleistungen versprechen, die nachher doch nicht eingeführt werden. Zu den Überraschungen von Angela Merkels ersten Regierungswochen gehörte die Tatsache, dass das Gegenteil geschah: Eine der weitreichendsten Reformen der Großen Koalition, die Einführung des einkommensabhängigen Elterngeldes und insbesondere die Förderung von sogenannten Vätermonaten, kam ohne jedes Wahlgetrommel. Bleiben beide Elternteile nach der Geburt eines Kindes beim Nachwuchs, zahlt der Staat mehr, so das Prinzip.

Dass sie sich dermaßen in die Lebensplanung der Familien einmischt, hätten viele Experten einer unionsgeführten Regierung nicht zugetraut. Für das Elterngeld warb nur die SPD, nicht die Union im Wahlkampf. Die Vätermonate hatte keine der Volksparteien im Programm. Nun steht beides im Gesetz – und noch immer haben sich nicht alle Unionswähler an die Idee gewöhnt. Auch deshalb hat Familienministerin von der Leyen eine erste, bislang unveröffentlichte Bilanz des Elterngeldes erstellen lassen.

Abgesehen von einem erwartbar positiven Gesamturteil kommt der Bericht zu einigen bemerkenswerten Ergebnissen. So sorge das Elterngeld dafür, dass Mütter im Jahr nach der Geburt eines Kindes länger und häufiger zu Hause blieben. So ein Befund könnte den unionsinternen Streit über die richtige Familienpolitik verändern. Schließlich war das Elterngeld bisher gerade von der CSU vor allem deshalb kritisiert worden, weil es Frauen vernachlässige, die sich ausschließlich um ihre Familie kümmern wollen. Gerade konservativen Politikern behagte die Vorstellung nicht, ihre Regierung trage dazu bei, dass Mütter kleine Kinder wegen ihres Jobs allein ließen.

Doch offensichtlich gibt es eine ganze Menge Frauen, die ohne die neue staatliche Leistung schon nach sechs oder zehn Monaten in den Job zurückgekehrt wären, so aber beschließen, den maximal geförderten Zeitraum auszuschöpfen. "Das Elterngeld bietet Familien den finanziellen Rückhalt, um im ersten Jahr nicht arbeiten zu müssen", heißt es in dem Bericht. Zumindest in den ersten Monaten bringt die neue Geldleistung Mutter und Kind also näher zusammen, statt sie zu trennen.

Die Untersuchung widerlegt auch die gängige Behauptung, das Elterngeld sei in erster Linie ein Instrument für gut verdienende Akademikerinnen. Mehr als die Hälfte aller Frauen, die Elterngeld beziehen, bekommen weniger als 500 Euro vom Staat. Nicht einmal jede zwanzigste erhält mehr als 1500 Euro im Monat.

Bei den Männen ist das allerdings anders. Die sogenannten Vätermonate sind also für den Staat teurer: Jeder fünfte Mann bekommt zwischen 1500 und 1800 Euro. Dafür wird das Geld meistens nur zwei Monate gezahlt. Das gängigste Partnerarrangement lautet: Sie bleibt die ersten zwölf Monate beim Kind, er die folgenden zwei Monate. Aber immerhin jeder dritte Elterngeld-Vater verabschiedet sich für mehr als zwei Monate, jeder sechste sogar für die Höchstdauer von zwölf Monaten.

Das Familienministerium hat für die Untersuchung auch erfragen lassen, warum sich Väter gegen Elterngeld-Monate entscheiden. Ergebnis: Nur jeder fünfte findet, dass sich besser die Frau um das Kind kümmern sollte. 68 Prozent behaupten, dass sie ihre Arbeitszeit aus beruflichen oder finanziellen Gründen nicht verkürzen könnten. Die Regierungsstudie gibt aber natürlich keine Auskunft darüber, wie häufig diese Antwort stimmt.