Gewebezüchtung Organe aus dem DruckerSeite 2/2
ZEIT: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Organe zu drucken?
Nakamura: Früher habe ich an künstlichen Herzen geforscht. Dabei habe ich mir oft vorgestellt, wie ein Herz Stück für Stück aufgebaut wird, ganz ähnlich wie ein Gebäude. Letztlich sind unsere Organe auch nichts anderes als kleine Gebäude aus biologischem Material. Sie bestehen bloß aus Zellen, Proteinen und Blutgefäßen statt aus Wänden, Stahlträgern und Glas.
ZEIT: Haben Sie am Anfang wirklich versucht, einen Bürodrucker mit Zellen zu befüllen?
Nakamura: Ja, das stimmt. Es hat aber leider nicht funktioniert.
ZEIT: Wann wird Ihre Technik so weit sein, dass sie echte Organe produzieren kann?
Nakamura: Es hängt davon ab, wie stark unser Forschungsgebiet in Zukunft gefördert wird. Bisher arbeiten auf der ganzen Welt nur wenige Wissenschaftler an dieser Technologie. In fünf Jahren könnten wir so weit sein, einfache Gewebe zu produzieren und in Tierversuchen zu testen, falls wir mehr finanzielle Unterstützung bekommen. Bis wir menschliche Organe herstellen können, wird es dann bestimmt noch einmal zwanzig Jahre dauern. Bisher konzentrieren sich die meisten Forscher bei der Gewebezüchtung darauf, dreidimensionale Gerüststrukturen zu entwickeln, auf denen sie dann Organe wachsen lassen. Das Problem dabei ist, dass sie die Zellen erst auf das Gerüst aufbringen können, wenn es schon fertig ist. Würde man sie schon einsetzen, während die Stützstruktur entsteht, könnte man viel besser kontrollieren, ob sie sich verteilen wie gewünscht und ob sich unter ihnen Wechselwirkungen ausbilden.
Interview: Josephina Maier
- Datum 04.11.2008 - 12:32 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 30.10.2008 Nr. 45
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