Konjunktur »Es kommen keine Aufträge mehr«
Mit voller Wucht erreicht die Krise Deutschland. Noch erhalten die Konzerne Kredit – doch die Kundschaft bleibt aus

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Ende der deutschen Sommermärchens: Auch im Leipziger BMW-Werk stehen die Bänder seit Montag für vier Tage still
Es war Sommer, da wollte die Lufthansa noch Jobs schaffen. Die Fluglinie warb. Lockte. Ließ ihre Personalabteilung dichten: »Wollen Sie an die Spitze aufsteigen?« Übers Jahr verteilt, hätten 4.000 neue Arbeitsplätze entstehen sollen. Doch davon ist nicht mehr viel zu sehen. Inzwischen sucht die Lufthansa über ihre Karriereseiten im Internet in erster Linie Lehrlinge und Praktikanten.
Gerade vier Wochen ist es her, dass BMW in Paris die überarbeitete 3er-Limousine vorstellte. Es war der Auftakt zur großen BMW-Show auf der wichtigsten Automesse des Jahres. BMW-Chef Norbert Reithofer ließ das Auto einfach für sich wirken – so wie es der Besitzer eines vielfach preisgekrönten Zuchtbullen tun würde –, erwähnte ein paar technische Fortschritte und schloss mit den Worten, die 3er-Limousine sei eben das »meistverkaufte Premiumauto der Welt«.
Ist das wirklich erst vier Wochen her? Seit Montag stehen die Bänder im Leipziger BMW-Werk für vier Tage still. Gebaut wird dort auch die 3er-Limousine – das bisher meistverkaufte Premiumauto.
So endet das deutsche Sommermärchen.
Der Welt fehlt Nachfrage im Wert von rund 2.000 Milliarden Dollar
»Wir waren ganz oben«, sagt Kai Carstensen, Konjunkturexperte des Münchner ifo Instituts. Carstensen ist für den monatlich erhobenen Geschäftsklimaindex verantwortlich, der die Lage und die Erwartungen der Unternehmen abbildet, und er sagt, seit der Wiedervereinigung sei die Stimmung nie besser gewesen als im vergangenen Sommer.
Umso heftiger ist jetzt der Absturz. Und er ist anders als frühere. »Oft sind Rezessionen schmerzvolle, aber nötige Korrekturen von Exzessen der Vergangenheit. In Deutschland gibt es keine Exzesse. Diese Rezession ist nur das Ergebnis externer Einflüsse«, sagt Holger Schmieding, Europa-Chefvolkswirt der Bank of America.
Deutschland wird von einer weltweiten ökonomischen Dürre erfasst. Wirtschaftswissenschaftler nennen so etwas deleveraging, zu Deutsch: Die Wirtschaft baut übermäßige Schulden ab. Wurde die Weltwirtschaft noch vor wenigen Monaten mit Geld überschwemmt, trocknet sie jetzt zusehends aus.
Um ihren jahrelangen Boom zu finanzieren, haben sich Länder wie die USA, Großbritannien, Spanien oder Irland zunehmend verschuldet, die amerikanischen Konsumenten zum Beispiel sparten zuletzt praktisch gar nichts mehr. Wie Wasser durch Kanäle auf die Felder fließt, um sie zu bewässern, so strömte das geliehene Geld durch die Adern des globalen Finanzsystems, erreichte alle Kontinente und verhalf der Weltwirtschaft zu einer einzigartigen Blüte. Deutsche Autos wurden damit gekauft und chinesisches Spielzeug, Straßen in Ungarn gebaut und Häuser in Estland, Öl aus Saudi-Arabien wurde importiert und Kupfer aus dem Kongo. Die Welt erlebte eine der längsten wirtschaftlichen Aufschwungphasen ihrer Geschichte.
Nun erlebt sie, wie die Schuldenlast reduziert wird – weil sie für viele Menschen, Unternehmen und Staaten untragbar geworden ist. Konsumenten kaufen weniger Autos und Spielzeug, Firmen führen weniger Öl und Kupfer ein. Nach Berechnungen von Jeffrey Sachs, einem bekannten Wirtschaftsprofessor an der Columbia-Universität, fehlt der Welt allein dadurch Nachfrage im Wert von rund 2.000 Milliarden Dollar. Gefährlich ist diese Korrektur aber vor allem, weil sie außer Kontrolle zu geraten droht. Denn eine wachsende Zahl von Unternehmen und Verbrauchern können ihre Kredite dadurch gar nicht mehr abtragen. Diese Zahlungsausfälle reißen Löcher in die Bilanzen der Banken, und um diese Löcher zu stopfen, verkaufen die Finanzinstitute Aktien und Anleihen, holen Kapital aus den Schwellenländern zurück und kappen Kredite für Betriebe, Hedgefonds und Privatleute. Diese Entwicklung verstärkt sich wiederum selbst – momentan auf dramatische Weise.
Mehr als 300.000 Jobs könnten nächstes Jahr wegfallen
Je mehr Wertpapiere auf den Markt kommen, desto stärker sinkt ihr Kurs; je mehr Kredite gestrichen werden, desto langsamer läuft die Wirtschaft; je mehr Kapital aus den Schwellenländern abgezogen wird, desto größer die Gefahr, dass deren Währungen abstürzen und der Staatsbankrott droht. Längst würden viele Aktien, Währungen oder Anleihen »unter ihrem eigentlichen Wert« gehandelt, würden auch stabile Länder und Unternehmen in den Abwärtsstrudel geraten, sagt der Wirtschaftsnobelpreisträger Michael Spence. Ungarn und die Ukraine werden nur noch durch Notkredite des Internationalen Währungsfonds finanziell am Leben gehalten.
Seit Mitte September trifft diese Entwicklung auch die deutsche Volkswirtschaft mit voller Wucht. Eine ganze Reihe von Unternehmern in der Metallbranche erleidet, was Theodor Tutmann, der Geschäftsführer des Wirtschaftsverbands Stahl- und Metallverarbeitung, »praktisch einen Abriss der Auftragseingänge« nennt. Ein bayerischer Mittelständler, der Präzisionsdrehteile für die Automobilindustrie herstellt, bestätigt: »Innerhalb von zwei Wochen kamen keine Aufträge mehr, bereits getätigte wurden zurückgezogen.«
Unterdessen rast der Aktienindex Dax seit Tagen in steilen Kurven abwärts und hat seit seinem Höchststand im vergangenen Jahr beinahe die Hälfte seines Werts verloren. Nur die fast aberwitzigen Spekulationen mit VW-Aktien verhindern tiefere Stände. Die Deutsche Bank sagt für 2009 einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 1,5 Prozent voraus. Wenn es schlimm kommt, so haben die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ausgerechnet, dann fallen im kommenden Jahr 337.000 Jobs weg.
Doch warum war die deutsche Wirtschaft erst so robust – und ist nun so schnell so schwach?
Deutschland ist als »Exportweltmeister« in den vergangenen Jahren zu einem immer besseren Indikator für die Weltkonjunktur geworden. Während das Bruttoinlandsprodukt in den vergangenen zehn Jahren um 15 Prozent zunahm, verdoppelte sich der Export und wurde jedes Jahr wichtiger für den hiesigen Wohlstand. Der private heimische Konsum dagegen, das zweite Standbein einer Volkswirtschaft, ging selbst in den Boomjahren zurück. »Deutschland ist sehr abhängig von den Weltmärkten«, sagt Wirtschaftsforscher Carstensen.
Deshalb lief es für die deutsche Wirtschaft so lange noch gut, wie nur wenige Länder in einen Abschwung gerieten. Als zu Jahresbeginn in den Vereinigten Staaten die Konjunktur ihre Kraft verlor, konnten die Deutschen ihren Spurt fast ungehindert fortsetzen – Osteuropa, Russland und Asien sei Dank.
Die Auftragsbücher füllten sich weiter. Die Steuereinnahmen sprudelten nur so. Die Arbeitslosigkeit fiel und fiel. Noch im ersten Halbjahr wuchs das Bruttoinlandsprodukt merklich. In einigen Branchen wurden bereits die Fachkräfte knapp, und so kam der Aufschwung endlich auch bei den Durchschnittsverdienern an: Nach jahrelanger Flaute legten die Löhne zu, und es erschien nicht einmal völlig abwegig, wenn die IG Metall ein Lohnplus von acht Prozent forderte.
Der jüngste Absturz im ifo-Index drückt nun aus, dass es nicht nur hier und da, sondern in praktisch allen wichtigen Exportmärkten abwärtsgeht. Die Folgen füllen die Nachrichtenspalten der Wirtschaftsblätter: Daimler verordnet seinen Werken eine vorweihnachtliche Zwangspause, bei Continental werden die Winterferien verlängert, bei Heidelberger Druckmaschinen wird ein Sparprogramm aufgelegt.
Wenn es der Politik nicht gelingt, die Märkte zu beruhigen, dann droht sich die Dürre noch weiter auszubreiten – und den Unternehmen in Deutschland selbst die Kapitalzufuhr abzuschneiden. Dank satter Gewinne in den vergangenen Jahren stehen viele Firmen zwar gut da. Daimler etwa hat zehn Milliarden Euro in der Kasse und kann sein laufendes Geschäft mühelos allein finanzieren. Andere Unternehmen mit guter Bonität bekommen bisher in der Regel Geld von ihrer Bank. Zudem profitiert der hiesige Mittelstand noch davon, dass sich die Sparkassen nicht an der großen Zockerei beteiligt haben und deshalb über volle Kassen verfügen. Trotzdem berichten erste Unternehmer davon, dass sich Banken mit Krediten zurückhalten.
Unbeschadet übersteht all das niemand. Auch nicht die Branchenbesten. Die Lufthansa kündigte am Dienstag an, das Ergebnis werde rund 250 Millionen Euro niedriger ausfallen als noch im Sommer versprochen. Einige Monate lang können viele Unternehmen diesen Abrutsch aushalten. Länger nicht.
- Datum 03.11.2008 - 08:43 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 30.10.2008 Nr. 45
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Wenn alles rundrum über die Jahre hinweg immer teurer wird, wenn der Lohn seit Jahren nicht mehr signifikant erhöht wurde, wenn stetige Arbeitslosigkeit droht oder sogar schon eingetreten ist... da werden die Konsumentenprioritäten halt auf das gesetzt was zum Leben reicht, reichen muss. Alles darüber hinausgehende bleibt dann auf der Traumstufe stehen... Man schaut dann am Wochende halt mal sehnsüchtig bei den Autohändlern vorbei, geht am Samstag in das Einkaufszentrum, die Konsumentscheidungen aber bleiben in so einem unfreundlichen Klima aus.
Wie währe es denn nun endlich mal mit Lohnerhöhungen anstatt mit Steuersenkungen oder -erleichterungen rum zu Basteln.
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Helda Camara
Wer so rechnet und meint, am besten alle Kosten zwecks Gewinnoptimierung streichen zu müssen, darf nicht erwarten, dass irgendjemand sich noch irgendetwas leisten kann.
Wer so rechnet und meint, am besten alle Kosten zwecks Gewinnoptimierung streichen zu müssen, darf nicht erwarten, dass irgendjemand sich noch irgendetwas leisten kann.
TiSe
Jetzt kommt die Quittung, leider trifft es besonders die kleineren Beschäftigten, die nun wirklich nichts für das schlechte Management der Automobilkonzerne können. Die Manager haben geschlafen und sich auf ihrem hohen Sockel ausgeruht. Anstatt energiesparende Technologien umzusetzen, haben VW, BMW und Co. mehr Energiefresser produziert und unsinnige Sicherheitssysteme realisiert, die auch wieder mehr Energie verbrauchen.
Leider trifft es immer die Falschen, denn wenn es Einbußen gibt, dann müssen die Beschäftigten gehen, die nur die Aufgaben von oben ausgeführt haben. Die Aufgaben, die aus Fehlentscheidungen von oberster Stelle entstanden.
Wo bleibt hier die Fairness?
"Warum" ... fragt man sich als mehr oder minder treuer ZEIT Leser, wird das Absinken eines Index als Untergang des Abendlandes und der Zivilisation zelebriert. Da meinen ein paar Leute, eine Rezession zu sehen, bzw mal wieder noch eine Krise, aber es wäre doch Aufgabe eines Redakteurs, dies einmal persönlich zu prüfen, oder?
Statt dessen wird blind das Gejammer von einigen grossen Industrieunternehmen übernommen, denen von heute auf morgen alle Kunden wegbleiben und Fantastilliarden an Ausfällen auf sie zukommen. Wie glaubwürdig ist dieses Szenario denn. Da werden Jahrelang Trends verschlafen, nur auf Dividenden geschielt, Lohnkürzungen mit allen Mitteln durchgedrückt und auf einmal soll die Welt stehen bleiben. ( was ihr übrigens mal nicht Schaden würde, aber Worte wie "nachdenken", Besinnung" etc. werden ja in den höheren Etagen eh nicht benutzt )
Statt eines solchen Artikels wäre doch mal eine tatsächliche Sicht auf die Dinge nötig. Bricht der Absatz wirklich zusammen und ist die "Finanzkirse" wirklich daran Schuld. Warum verpulvern Politker weltweit Summen, deren Anzahl Nullen vom normalen Bürger schon gar nicht mehr gezählt werden können.
Ich weiss, ich habe das hier schon oft bemängelt, aber die ZEIT steht laut eigener Aussage für einen guten Journalismus und da darf ich das doch auch erwarten.
Wer so rechnet und meint, am besten alle Kosten zwecks Gewinnoptimierung streichen zu müssen, darf nicht erwarten, dass irgendjemand sich noch irgendetwas leisten kann.
Der Alten Welt hatte nicht Erfolg um Asien zu helfen und mitterweile von seine Arbeitmehrwert Anerkennung bekommen.
Im Gegenteil, im fünzigen Jahren die Vereine Staaten haben gewinnen um Europa zu helfen: der gesamt Welt hat einen Einrichtung erhalten.
Nun, es ist wichtig für die Weltwirtschaft, dass die auftauchende Länder Menschenrechte seinen Volk und der Umwelt respektieren sowie seine Leute mehr saube leben und an moderne Produkte und Leistungen ausgeben könnten.
Es ist auch wichtig diesen auftauchende Länder an die Forschung und Entwicklung der Welt beiträgen müssen.
Es gibt schon alle Organizationen: WTO, G12, usw. Diesen Organisationen shon effektiv mitteilen.
Aber der Alte Welt hat die Glaubwürdigkeit und Ordnung zu behalten.
Es ist nicht der Fall mit Spekulationen und short run policies zu fortfahren
Stefano Tosoni
Der Alten Welt hatte nicht Erfolg um Asien zu helfen und mitterweile von seine Arbeitmehrwert Anerkennung bekommen.
Im Gegenteil, im fünzigen Jahren die Vereine Staaten haben gewinnen um Europa zu helfen: der gesamt Welt hat einen Einrichtung erhalten.
Nun, es ist wichtig für die Weltwirtschaft, dass die auftauchende Länder Menschenrechte seinen Volk und der Umwelt respektieren sowie seine Leute mehr saube leben und an moderne Produkte und Leistungen ausgeben könnten.
Es ist auch wichtig diesen auftauchende Länder an die Forschung und Entwicklung der Welt beiträgen müssen.
Es gibt schon alle Organizationen: WTO, G12, usw. Diesen Organisationen shon effektiv mitteilen.
Aber der Alte Welt hat die Glaubwürdigkeit und Ordnung zu behalten.
Es ist nicht der Fall mit Spekulationen und short run policies zu fortfahren
Stefano Tosoni
Da widerspreche ich vehement: Der Automarkt wurde über Jahre durch LEasing finanziert und ich kenne mehr als einen, der auf Pumo weit über die eigenen Verhältnisse lebt. Riesenflachbildfernseher, teure Möbel, Auto. Einfach alles auf Kredit oder abstottern. Da fragte ich mich schon, ob ich noch normal war, weil ich es nicht mag meine Dinge auf Kredit zu kaufen.
Die jetzigen Ereignisse lassen mich noch hoffen, dass ich doch noch nicht ganz verrückt war...
(entfernt wg. Doppelpostings. Die Redaktion/jk)
Vielleicht tut das den Autobauern mal ganz gut.
In den letzten Jahren kam man sich ja fast wie ein Bittsteller vor, wenn man ein neues Auto kaufen wollte: "Was dieses Modell? Nein kommt in Europa erst viel später oder gar nicht raus" , "OK dann, wir liefern in 1 Jahr...". Anfragen per Mail nach (fairem) Tausch neu/alt wurden entweder gar nicht beantwortet, oder zu Konditionen, die bar jeder Realitiät sind (Ankauf zu 10% unter Listenpreis). Die Fahrzeuge wurden nicht verkauft, sondern eher "zugewiesen", wie zu alten DDR Zeiten.
Tut richtig gut, sie jetzt mal straucheln zu sehen.
die (bessergestellten) deutschen sind angstsparer.
ich habe mehrere freundeum die 40, die mehrere hunderttausend €
auf ihren konten angespart haben, teilweise gar kein auto besitzen,
zur miete wohnen, auch sonst eher wenig konsumieren, die ein oder andere reise mal - und das wars.
wenn ich so viel verdienen, bzw. auf der hohen kante hätte, wie die, hätte ich mir schon längst z.B. für ~ 55.000€ meinen wunschauto gekauft
(und das wäre ein sehr effizientes, aber nicht extrem sparsames auto,
weil für mich eine "souveräne" motorisierung, wie für viele andere auch, natuerlich wichtig ist. ) .
aber der staat kann die leute nicht zwingen, ihr geld auszugeben.
vielleicht führt ja dieser "beinahe geldentwertungsschock" dazu, daß sich manche mal was anfaßbares kaufen, statt ihre zahlen aufm konto zu betrachten...
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