Energie Treibhausgas unter die Erde verfrachten

Im Prinzip ist die Sache einfach: Das bei der Verbrennung von Kohle entstehende Kohlendioxid soll aufgefangen, abgesondert und über Rohre dorthin geleitet werden, wo es herkommt: unter die Erde. Carbon Dioxid Capture and Storage nennt sich das. Die Abscheidung des Klimagifts im Kraftwerk stellt zwar – wie sein Transport und seine Lagerung – keine unüberwindbare technische Hürde dar. Nur ist sie teuer und in großem Maßstab bislang weitgehend unerprobt.

Zur CO -Abtrennung gibt es grundsätzlich drei Optionen. Bei den in China oder von dem englischen Kohlemillionär Richard Budge in Hatfield geplanten IGCC-Kraftwerken (Integrated Gasification Combined Cycle) wird der Rohstoff vor der Verstromung zunächst vergast. Dabei entsteht Kohlenmonoxid, das durch die Zugabe von Wasserdampf in Wasserstoff und Kohlendioxid verwandelt wird. Es kann relativ leicht abgetrennt werden; der Wasserstoff wird zur Stromerzeugung im Kraftwerk genutzt. Der Vorteil des IGCC-Verfahrens: Vereinzelt wird es auch großtechnisch bereits angewandt. Allerdings sind die Kraftwerke bis zu doppelt so teuer wie herkömmliche Meiler.

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Vattenfall will das sogenannte Oxyfuel-Verfahren testen. Bei ihm findet die Abtrennung während der Verstromung statt. Kohle wird dabei in reinem Sauerstoff verbrannt. Aus dem Abgas lässt sich dann CO₂ abtrennen. E.ons Pilotprojekt im niederländischen Maasvlakte schließlich testet die Abscheidung nach der Stromproduktion. Hier wird das CO₂ aus dem bei der Verbrennung entstehenden Rauchgas mithilfe chemischer Lösungen ausgewaschen und kann dann aufgefangen werden.

Diese Post-combustion-Technologie kann nachträglich installiert werden – vermindert aber den Wirkungsgrad eines Kraftwerks um bis zu zehn Prozent. Auch das Oxyfuel-Verfahren ist sehr energieintensiv. Hier wie dort müsste nach dem gegenwärtigen Stand der Technik sehr viel mehr Kohle verbrannt werden, um die gleiche Menge Strom zu erzeugen. Die CO2-Abscheidung werde die Effizienzfortschritte der letzten 50 Jahre kosten und den Ressourcenverbrauch um ein Drittel erhöhen, warnt das Fraunhofer-Institut in einer Studie. Und selbst wenn die Verfahren funktionieren, entstehen keine CO2-freien, sondern höchstens CO -arme Kraftwerke: Über die gesamte Prozesskette der Kohleverstromung betrachtet, ergibt sich nach Angaben des Wuppertal-Instituts ein CO -Reduktionspotenzial von höchstens 78 Prozent.

Schon das würde bedeuten, dass ein Steinkohlekraftwerk während seiner etwa 50-jährigen Laufzeit nicht mehr für mindestens 300 Millionen Tonnen CO₂-Emissionen verantwortlich ist, sondern »nur« noch für etwa 60 Millionen. Ob dieser Fortschritt kommt, werden die nächsten 15 Jahre zeigen. Die Branche ist optimistisch – auch weil ihr gar nichts anderes übrig bleibt. Wenn Carbon Dioxid Capture and Storage nicht gelinge, »wird Kohle aus klimapolitischen Gründen keine gesellschaftliche Akzeptanz finden«, sagt E.on-Chef Wulf Bernotat. Zumindest nicht im industrialisierten Westen der Welt. (TEN)

 
Leser-Kommentare
  1. würde also bedeuten, das sind 240 Millionen Tonnen, also 240 Milliarden Kilogramm, bei einer Dichte von CO2 von knapp 2 kg pro Kubikmeter macht das bei Atmosphärendruck 480 Milliarden Kubikmeter, das heisst 480 Kubikkilometer CO2 "unter die Erde verfrachten". Pro Kraftwerk innerhalb von 15 Jahren.
    Ein Kubikkilometer ist immer noch ein Würfel von 1000 mal 1000 mal 1000 Meter.
    Ist das jetzt wirklich ernst gemeint ?

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