Siebeck Gebot Nr. 7: Gemüse blanchieren!
Wolfram Siebeck über die Vorteile des Blanchierens von Gemüse
Für die meisten Situationen hat jemand Regeln aufgestellt, die uns das Leben erleichtern würden – wenn wir sie befolgten. Ich erinnere nur an die Mahnungen, beim Gähnen die Hand vor den Mund zu halten. Auch lebensrettende Maßnahmen sind uns überliefert. Zum Beispiel der Rat, sich bei einer Atombombenexplosion eine Aktentasche auf den Kopf zu legen. Aber unvernünftig, wie wir sind, schlagen wir solche Ratschläge in den Wind. Etwa das weltfremde Gebot: »Du sollst nicht begehren deines Nachbarn Weib.« Warum wir Gemüse blanchieren sollen, will ich hier erklären:
Blanchieren bedeutet, ein landwirtschaftliches Produkt für kurze Zeit in kochendes Wasser zu werfen. Wie eine Tomate, deren Haut daraufhin platzt, sodass man sie bequem enthäuten kann.
Was blanchiert die fortgeschrittene Hausfrau sonst noch? Da ist erstens der beliebte Kohl. Kaum jemand kocht einen Kohlkopf im Ganzen. Er wird in seine Blätter zerlegt. Und diese werden blanchiert. Das heißt, sie werden in sprudelndes Salzwasser getaucht. Zwei bis fünf Minuten, je nachdem, um welche Sorte es sich handelt und wie dick sie sind.
Wirsing zum Beispiel lässt sich am besten zu einer feinen Gemüsebeilage verarbeiten. Nach drei bis vier Minuten wird er aus dem Wasser gefischt. Beißt man ein Stück ab, könnte man meinen, er sei schon gar. Er ist aber bestenfalls al dente (was bei Gemüse kein Vorzug ist). Nun schneidet der Hausmann die dicken Strünke aus den einzelnen Wirsingblättern und diese auf ein praktisches Format zurecht. Auf einem Küchentuch dürfen die Blätter ihre Feuchtigkeit verlieren. Dann geht es ab in die Pfanne.
Das Blanchieren bewirkt, dass das Gemüse danach nur noch sehr kurze Zeit braucht, bis es richtig gar ist. Außerdem beseitigt das Blanchieren die Muffigkeit des Kohls und seine durch chemische Düngung bewirkte Bitternis. Bei Lauch und Sellerie kann es sein, dass ich sie nicht blanchiere, sondern sofort gar dünste, wenn ihr Eigengeschmack nicht abgeschwächt werden soll. Teltower Rübchen, grüne, gelbe und dicke Bohnen aber kommen immer zuerst ins kochende Salzwasser.
- Datum 03.04.2009 - 14:32 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 30.10.2008 Nr. 45
- Kommentare 2
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Soweit hat es also Herr Siebeck unter der Umgehung der Position Papst schon gebracht.
Demnächst spricht er dann wohl vom Kreuz zu uns. Oder vielleicht als Dalai Siebeck? Möge der heilige Geist Siebeck uns erspart bleiben....
Nun die Küche ist die Küche weil es eben keine Gebote gibt.
Wir können uns auf Weisen oder Vorteilhafte Techniken einigen.
Was nachst du mit Kohl wenn du eine Suppe aus ihm kochst ? blacnhierst du ihn dann auch vorher , damit die chemischen Rückstände verschwinden ?
Absurdes Argument , weil wir ja davon ausgehen das Herr Siebeck sein eigenes Gebot nicht bricht ,immer frisch und Öko zu kaufen.
Wenn ich Karottenpüree herstelle werd ich diese auf keinen Fall vorher blanchieren weil das überhaupt keinen Sinn ergibt .
Es ist schon einigermassen vermessen über Küche und Gebote im selben Atemzug zu reden wo doch genau der Kochtopf frei von Aberglaube und irreführenden Gestetzen in die Hand genommen werden muss .
Kein Koch dieser Welt wird ihnen Vorbehaltlos Recht geben eben weil in anderen Küchen nach anderen Regeln mit Gemüse umgegangen wird.
Die Franzosen kochen alles zu Brei , die Spanier mögen ihr frisches am liebsten in Eintöpfen oder vom Bratstein , auch da sehe ich keine Notwendigkeit es vorher zu blanchieren.
Haben sie schon mal frischen dünnen , grühnen Spargel vom Grill mit einem guten Spritzer kraftigen Olivenöl gegessen ? Sollten sie die auch vorher blanchieren ?
Aufkeinen Fall , niemals würden sie das tun , weil sie wissen das so dünne zarte Sprossen das nicht überleben würden.
Aber ich bin trotzdem guter Dinge weil ich weiss dass niemand das letzte Wort
hat.
Liebe Grusse
Ein Koch der auch schreibt.
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