Medici – das ist ein anderes Wort für Kunst. Für die Kunst der Macht und die Macht der Kunst. Und wie bei so vielen Mitgliedern der legendären Florentiner Adelssippe steht auch ihr Name, der Name der letzten Medici, unter diesem Gleichheitszeichen. Sie schenkte Florenz die Uffizien, den Palazzo Pitti und viele andere Medici-Schatzkammern und machte sie so der Öffentlichkeit zugänglich. Und auch Deutschland, wo Anna Maria Luisa de’ Medici ein Vierteljahrhundert lebte, verdankt ihr manch monumentales Werk der Kunst, Stolz der Museen in Düsseldorf und München.

Geboren wurde Anna Maria am 11. August 1667 in Florenz, ein Kind der Liebe war sie wohl kaum. Die Ehe der Eltern hatte man ausschließlich nach politischen Erwägungen arrangiert; sie wurde ein Desaster. Ihre Mutter, Margarethe Luise von Orléans, revoltierte gegen ihren gefühlskalten Mann Cosimo III., den Herrn über Florenz und die Toskana. Nach der Geburt des Thronfolgers wollte sie kein weiteres Kind von ihm. Durch harsche Hungerkuren und Galoppritte versuchte sie die Schwangerschaft zu beenden; Anna Maria kam gegen den Willen ihrer Mutter zur Welt. Doch erst als die Dynastie nach der Geburt eines weiteren Sohnes gesichert schien, ließ Cosimo die Gattin zurück nach Frankreich ziehen.

Manches Mitglied des europäischen Hochadels mochte immer noch mit maliziösem Lächeln auf die Medici blicken: Denn was waren sie ursprünglich anderes gewesen als Tuchhändler? Ins Geldgeschäft eingestiegen, gelang ihnen ein beispielloser Aufstieg. Das Bankhaus Medici besaß Filialen in ganz Europa. Mit Papst Leo X., dem Mäzen Michelangelos und Raffaels, stellte die Familie 1513 erstmals das Haupt der Christenheit. Zwei weitere Päpste aus dem Hause Medici sollten folgen. Durch Gold und andere Gunstbeweise, aber auch mit Gewalt hatte sich der Clan die Herrschaft über das republikanische Florenz gesichert, schließlich waren die Medici aufgestiegen zu Herzögen, zu den Großherzögen der Toskana. Derweil wurden Katharina (1519 bis 1589) und Maria de’ Medici (1575 bis 1642) mittels Heirat machtvolle Königinnen von Frankreich.

Käse und Schuhe aus Italien helfen über das Heimweh hinweg

So wuchs auch Anna Maria als Prinzessin auf und entwickelte sich unter der Aufsicht ihres sittenstrengen Vaters ganz im Sinne der Dynastie. Das heißt, sie leistete keinerlei Widerstand, als man sie 23-jährig mit einem ihr Unbekannten verheiraten wollte. Tapfer ließ sie die Ferntrauung im Dom von Florenz über sich ergehen – noch nicht einmal da war der Gatte zugegen. Und als sie dem 33-jährigen Johann Wilhelm von der Pfalz dann in Innsbruck, auf halbem Weg in den Norden, das erste Mal begegnete, meldete sie pflichtschuldig nach Haus, sie sei nun »die glücklichste Prinzessin und die zufriedenste Frau der Welt«.

Wie fühlte sie sich wirklich? Wir wissen es nicht. Zeitzeugen berichteten, dass der Kurfürst seiner schönen Frau sehr zugetan war und dass die beiden viel Zeit bei der Jagd verbrachten. Eines vor allem hatte Anna Maria nämlich von der Mutter geerbt: Sie war eine gute Schützin und kühne Reiterin. In Florenz waren solche Vergnügen nicht gern gesehen gewesen; der zusehends frömmelnde Vater füllte seine freudlosen Tage mit unablässigem Gebet.

Überliefert ist allerdings auch, dass sich Anna Maria in den 26 Jahren, die sie in Düsseldorf verbrachte, regelmäßig Kisten über die Alpen bringen ließ. Darin waren räderweise Parmesan und immer neue Schuhe vom heimatlichen Hofschuster. Vermutlich hat sie auch sonst so allerhand vermisst: Florenz gehörte nicht nur zu den Machtzentren Europas, sondern auch zu dessen Kulturmetropolen. 90000 Menschen lebten dort, Düsseldorf dagegen zählte gerade mal 8500 Seelen.