Autoindustrie Eingemischt und ausgebremst

Wie die Autolobby die Absatzkrise nutzt, um den Klimaschutz aufzuschieben – mithilfe der Bundesregierung.

Es sollte ein Signal für die Fahrt in die Zukunft werden. Als EU-Umweltkommissar Stavros Dimas im vergangenen Jahr vom S-Klasse-Mercedes auf den klimaschonenden Toyota Prius umstieg, war das alles andere als ein Kompliment für die europäische Autoindustrie. Der Wechsel seines Dienstfahrzeugs war für den Griechen allerdings nur der Anfang. Tatsächlich fordert er klimaverträgliche Neuwagen für alle – und hat sich damit zu einer Hauptfigur in einem fast beispiellosen Drama gemacht: Dem Kampf der Klimaschützer gegen Europas Autolobby.

Dimas und seine Mitstreiter, darunter die deutsche Europaabgeordnete Rebecca Harms, kämpfen auf ziemlich verlorenem Posten. Denn ihr Gegner ist so mächtig wie kaum eine andere Industrie. Die Autobranche ernährt in der EU mehr als zwölf Millionen Familien. Ihr Jahresumsatz beträgt 500 Milliarden Euro. Und sie baut jährlich 20 Millionen Autos. Die größten, mit denen auch das meiste Geld verdient wird, stammen zu 80 Prozent aus Deutschland. Die Autoindustrie, viele Zahlen belegen das, ist das Herz der europäischen Wirtschaft.

Die Zahlen von Dimas scheinen dagegen höchstens den Blutdruck von Automanagern zu beeinflussen. Dimas will die Erde retten. Deshalb fordert er, den Spritverbrauch im Flottendurchschnitt von 2012 an auf rund 5,5 Liter pro 100 Kilometer zu begrenzen; das entspricht 130 Gramm Kohlendioxid (CO₂) pro Kilometer. Jedes Gramm mehr soll die Hersteller bis zu 95 Euro Strafe kosten.

95 Euro, 130 Gramm – Dimas’ Zahlen haben auch bei Günter Verheugen den Puls steigen lassen. Der für die Industrie zuständige Deutsche sieht Europas größten Arbeitgeber bedroht. Zuletzt forderte er sogar, der von einer Absatzkrise getroffenen Industrie mit zinsverbilligten Krediten in Höhe von bis zu 40 Milliarden Euro beizuspringen.

Derweil attackiert die Lobby Dimas’ 130-Gramm-Plan. Bis Weihnachten sollen die Regierungen und das Europäische Parlament sich nun einigen. Ein Ergebnis steht schon fest: Keine Regierung will der Gegenspieler der Konzerne sein.

Dabei drängte sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel, Mitte der 1990er Jahre Bundesumweltministerin, damals die Autobauer zu umweltverträglicheren Produkten. Sie unterstützte das Abkommen der EU mit dem europäischen Automobilverband ACEA, in dem sich die Hersteller verpflichteten, den europäischen Flottenverbrauch bis 2008 auf 140 Gramm im Durchschnitt aller Marken zu senken. Als sich abzeichnete, dass die Industrie ihr Versprechen nicht erfüllen würde, zeigte Merkel allerdings viel Verständnis. Sie war inzwischen Kanzlerin geworden.

Die Autos waren zwar sparsamer geworden, aber zugleich war die Zahl der größeren und schwereren Modelle gestiegen. Deshalb emittieren sie im Durchschnitt mehr als 160 Gramm CO₂. Verglichen mit 2006 müsste Porsche den Verbrauch seiner Neufahrzeuge nahezu halbieren, um das Ziel von 130 Gramm zu erreichen. Massenhersteller wie VW müssten immerhin ein Fünftel an Emissionen einsparen. Müssten, wenn sie nicht geschützt würden, auch von Angela Merkel.

»Lieber José Manuel, eine Benachteiligung einzelner Hersteller darf es nicht geben«

Schon bevor Dimas einen Richtlinienvorschlag vorgelegt hatte, bekam sein Chef, Kommissionspräsident José Manuel Barroso, Post von ihr. »Lieber José Manuel«, schrieb die Kanzlerin, »eine Benachteiligung einzelner Hersteller oder einzelner Fahrzeugsegmente darf es nicht geben.« Es ging ihr um große Autos.

Nie habe die deutsche Regierung so früh Einfluss ausüben wollen auf die Beamten in Brüssel, heißt es im Kommissionsgebäude. Auch auf Abgeordnete des Parlaments wird eingewirkt. »Natürlich lobbyieren wir heftig«, sagt der Vertreter eines deutschen Herstellers. Auch bei Rebecca Harms, der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Europaparlament.

Ihr Wahlkreis liegt in Niedersachsen, in VW-Land. Harms solle sich doch einmal die Forschungsabteilung in Wolfsburg anschauen, bot ihr das Brüsseler VW-Büro an. Vier Monate bevor Dimas den Gesetzesvorschlag veröffentlichte, betrat Harms das größte Autowerk Deutschlands, in dem – trotz aller Roboter – immer noch 48.000 Menschen arbeiten, darunter 8.000 in der Forschung und Entwicklung. Sie war begeistert. »Lauter Daniel Düsentriebs, stolz auf ihre Erfindungen.« Im gleichen Jahr meldete der Konzern 1.479 Patente an und investierte fast fünf Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. »Da ist viel mehr möglich, als wir fordern«, erinnert sich Harms an diesen Tag.

Zumal sie sich von der Ökonomie bestätigt fühlt: Als sie im Sommer 2007 nach dem VW-Besuch mit ihrem Audi A2 zur Tankstelle fuhr, kostete ein Liter Benzin rund 1,35 Euro, ein Jahr später lag der Preis bei knapp 1,50 Euro. »Mobilität soll für alle bezahlbar bleiben«, fordert Harms heute, und langfristig könne dies nur eine drastische Reduzierung des Energieverbrauchs sicherstellen. Wenn sich die Konzerne nicht darauf besinnen, dass die Zukunft klein und effizient ist, dann »sind bei VW Tausende Arbeitsplätze bedroht, weil diese Autos dann im Ausland gebaut werden«, sagt Harms. Da die Hersteller sich jedoch weigerten, brauche die Industrie nicht mehr Zeit, sondern »mehr Druck«.

Dieser Druck hätte aus Brüssel kommen müssen, wo VW seine Mitarbeiter auch in öffentliche Ausschusssitzungen schickt, um die Stimmung im Parlament zu erfahren. Zum Beispiel am 8. April. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Lobby die meisten konservativen Politiker bereits auf ihre Seite ziehen können. »Lediglich die Grünen versuchten, zusätzlich Druck auf die Industrie auszuüben«, heißt es in einem VW-Dossier über die Sitzung des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie, zu dessen Mitgliedern auch Harms zählt. »Frau Harms griff den Volkswagen-Konzern an, indem sie verkündete, … dass man bewusst Innovationen nicht der breiten Masse zur Verfügung stellen würde.«

Anschließend erlebte Harms, wie der Industrieausschuss gegen den Umweltausschuss kämpfte. Ersteren fütterte vor allem der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit Argumenten. Nur wenige Monate nachdem Dimas’ Gesetzespaket vorgestellt war, schlug Werner Langen, CDU-Abgeordneter und wortgewaltiger Berichterstatter im Industrieausschuss, eine Quotenregel vor. 2012 sollten 25 Prozent jeder Autoflotte die EUVorgaben erfüllen, erst 2015 alle Neufahrzeuge. Das klingt ambitioniert, stammt aber ursprünglich vom VDA. Den Vorschlag hat Langen fast eins zu eins ins Parlament eingebracht.

Was Langen und der VDA verschweigen: Eine schrittweise Einführung wirkt wie eine Verschiebung des Gesetzes. Solange der Berechnung der CO₂-Emissionen nicht die gesamte Flotte zugrunde gelegt wird, ändert sich für die meisten Hersteller gar nichts. Nach Erkenntnis der EU-Kommission erfüllt nämlich bereits heute mehr als die Hälfte der europäischen Flotte den Zielwert von 130 Gramm. Der Rest liegt zum Teil drastisch darüber; ein VW Touareg beispielsweise emittiert bis zu 375 Gramm CO₂ je Kilometer.

Seitdem Abgeordnete wie Langen die Anrechnung von »Ökoinnovationen« durchzuboxen versuchen, wackelt jedoch selbst das Limit von 130 Gramm. Baut ein Hersteller in seine Autos Solar-Glasdächer, Leichtlaufreifen oder effizientere Klimaanlagen ein, soll er dafür bis zu zehn Gramm angerechnet bekommen. Die französische und die deutsche Regierung unterstützen diese Linie – ebenso wie eine drastische Reduzierung der von Dimas vorgeschlagenen Strafzahlungen.

Der Umweltausschuss stutzte Langens Vorschläge erheblich zurecht, nachdem Harms – zum ersten Mal in der Geschichte des Ausschusses – eine öffentliche Abstimmung gefordert hatte. Klimaschutz hatte dadurch plötzlich ein Gesicht bekommen und Harms Vorschläge hatten eine Mehrheit. Doch selbst dieser Erfolg hat nur symbolischen Wert. Denn weil das Parlament nun uneins ist, bekommen die Argumente der Nationalstaaten möglicherweise mehr Gewicht. Gegen die Bundesregierung aber wird Harms wohl verlieren.

»Zwischen die deutsche Autoindustrie und Frau Merkel passt kein Blatt«

Da gibt es den Umweltminister Sigmar Gabriel, der sich offen für die schrittweise Einführung des 130-Gramm-Limits einsetzt. Zu Gabriels Wahlkreis gehört seit einem Jahr auch Wolfsburg. Aus Kreisen des VDA ist zu hören, dass »Gabriel sehr, sehr kooperativ« sei.

Als Rebecca Harms ihren Teilerfolg errungen hatte, gab Gabriel dem Spiegel ein Interview, in dem er den vermeintlich kleinkarierten Umweltausschuss kritisierte: »Es wird so getan, als ob das Weltklima davon abhängt, ob die Regelung drei Jahre früher oder später zu hundert Prozent gilt. Das halte ich für völlig absurd.«

Der SPD-Politiker Gabriel ist sich da einig mit den Gewerkschaften. Der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber schrieb gemeinsam mit VDA-Chef Matthias Wissmann einen Brief, der auch Rebecca Harms erreichte. Im Kern fordern beide eine Aufweichung der Ziele, auch weil sie eine »ernsthafte Gefährdung von Beschäftigung an einzelnen Standorten« befürchten.

Und der Brüsseler CDU-Parlamentarier Langen kennt den Ex-Verkehrsminister Wissmann (CDU) aus »gemeinsamen Tagen bei der Jungen Union«. Einer, der die deutsche Verhandlungslinie kennt, sagt: »Die Autohersteller werden die Ziele erreichen, ohne einen Cent Strafe zu zahlen.« Schließlich passe »zwischen die deutsche Autoindustrie und Frau Merkel kein Blatt«.

Aber sind all die Forscher und Entwickler nicht in der Lage, klimaschonende Autos zu bauen? Darauf antworten Lobbyisten mit ihrem Standardsatz: »Wir haben doch längst Ökoautos, sie wurden aber bisher nicht nachgefragt.« Der frühere Chefdesigner von VW, Murat Günak, sagt allerdings über die Politik der Hersteller: »Es geht nach wie vor nur um Leistung, Geschwindigkeit und Status.« In Wirklichkeit habe man der Kundschaft »nie eine Alternative gegeben«.

Zumal den Konzernen viel daran gelegen ist, vor allem die großen Modelle zu bewerben. Bei einem Audi A6 ist die Marge drei- bis viermal größer als bei einem Golf, schätzen Branchenkenner. »Die deutsche Automobilindustrie hatte bewusst auf schwere und leistungsfähige Autos gesetzt«, sagt einer, der in Brüssel mit den Plänen der Kommission vertraut ist. Ohne Zögern beantwortet er die Frage, ob die Deutschen die harten Vorgaben erfüllen könnten. »Natürlich«, sagt er, »die Frage ist nur, ob die Industrie diesen Paradigmenwechsel will.«

Einem Team um den Aachener Professor Henning Wallentowitz ist es gelungen, die CO₂-Emissionen eines Golf 1,4 TSI (170 PS) von 173 auf 133 Gramm je Kilometer zu senken. Wallentowitz bekam dabei nur eine Vorgabe vom Auftraggeber, dem Umweltbundesamt (UBA). Er durfte nichts einbauen, was nicht in kürzester Zeit serientauglich sei. »Ich habe mich fast geschämt, so einfache Dinge zu machen«, erinnert er sich. In Großserie, vermutet er, würde die Umsetzung nicht mehr als 1.000 Euro kosten. Diesen Betrag würden die Käufer anschließend beim Tanken sparen. VW belächelt diesen Vorstoß und zweifelt an der Serienreife. Wallentowitz versteht das nicht: »Womöglich gibt es da Controller, die rechnen, und wenn es sich nicht umgehend rentiert, dann wird auf die Innovation verzichtet.« Politischer Druck sei daher möglicherweise das richtige Mittel, sagt er, denn eine Regulierung könne kein Controller ignorieren.

Auch Axel Friedrich hat deshalb stets auf strenge Regulierung gedrängt. Er ist freiberuflicher Berater, stand aber bis Juli 2008 als Beamter in Diensten des UBA. Friedrich ist ein Experte von internationalem Ruf. »Wenn das Gesetz in aller Schärfe in Kraft getreten wäre, dann hätten wir in Europa ein Feuerwerk an Innovationen erlebt«, sagt er. Jetzt berät Friedrich Abgeordnete wie Rebecca Harms – und drängt sie dazu, wenigstens ein Langfristziel von 95 Gramm bis 2020 zu vereinbaren. Sonst würden langfristig viele deutsche Arbeitsplätze verschwinden, sagt Friedrich.

Rebecca Harms fürchtet derweil, dass die Erfüllung ihres Jugendtraums für künftige Generationen unbezahlbar werden könnte. Als sie 1975 nach Wilhelmshaven pendelte, da hatte ihr Traum von Unabhängigkeit die Farbe Quietschorange. Sie kaufte sich einen VW Käfer. Noch heute hängt ein Käferfoto in ihrem Brüsseler Büro. Es zeigt ein Modell von 1948, darunter den New Beetle von 2008. Der Verbrauch ist der gleiche: 7,5 Liter auf 100 Kilometer. Freie Fahrt für den Klimawandel.

 
Leser-Kommentare
    • astrik
    • 08.11.2008 um 20:18 Uhr

    ...wirklich traurig - wir haben es in der Hand und tun doch nichts. "Freie Fahrt für den Klimawandel" scheint mir die treffende Formulierung, solange alle zwar vom Klimaschutz reden, jedoch nicht bereit sind selbst etwas zu tun...Sehr unverständlich finde ich, dass alle davon reden, das man alles tun muss, um unsere Erden zu retten und dann solche - übrigens veralteten (siehe Japan etc.) - Autos fahren. Einfach unverständlich. In der Theorie ist alles da - wir wollen nur nicht.

    Naja, in fünfzig Jahren ist das wohl ohnehin alles egal...

  1. Es will nicht recht einleuchten, warum
    das, was in Punkto Energieeffizienz und energetischer
    Koppelung technologisch bei modernen
    Hausfeuerungsanlagen möglich ist, nicht auch bei
    automobilen Antrieben überzeugend an den Mann/ die
    Frau gebracht werden kann. Gramm hin, Gramm her.

    Die deutsche Automobilindustrie ist doch sicher in der Lage
    auch einem Lexus im Oberklassesegment das Pendant
    entgegen zu setzen. Worauf wartet man also im Management
    von Audi und Daimler, etwa darauf das GM in Kürze den Markt
    für "Way-of-Life-Monster-Vehicle" verlässt?

    Gerhard Wvwontra
    Potsdam

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    der Lexus Hybrid gerade in Sachen Verbrauch ziemlich alt aussieht: BMW Diesel, Mercedes Diesel, Audi Diesel.

    Weil aber die ökologistische Fraktion nichts ausser Hybrid- und Elektroautos gelten lässt und den Diesel mangels anderer Argumente als Dreckschleuder verteufelt, bringen unbedarfte Poster wie sie hier solche merkwürdigen Beiträge.

    Nochmal zum Mitschreiben: Otto-Vollhybride erreichen für erheblich mehr Geld nicht mehr als optimierte Diesel ohne Hybridtechnik. Dieselhybride sind teurer als beide Varianten, aber im Verbrauch nur von Elektroautos zu schlagen.

    der Lexus Hybrid gerade in Sachen Verbrauch ziemlich alt aussieht: BMW Diesel, Mercedes Diesel, Audi Diesel.

    Weil aber die ökologistische Fraktion nichts ausser Hybrid- und Elektroautos gelten lässt und den Diesel mangels anderer Argumente als Dreckschleuder verteufelt, bringen unbedarfte Poster wie sie hier solche merkwürdigen Beiträge.

    Nochmal zum Mitschreiben: Otto-Vollhybride erreichen für erheblich mehr Geld nicht mehr als optimierte Diesel ohne Hybridtechnik. Dieselhybride sind teurer als beide Varianten, aber im Verbrauch nur von Elektroautos zu schlagen.

  2. ... das Hauptursache für die Absatzschwierigkeiten der deutschen Automobilindustrie??

    Ohne irgendwelche Zahlen vorlegen zu können, wage ich dennoch zu sagen: NEIN.

    In erster Linie sind sie schlicht und einfach zu teuer. Zumindest die deutschen Premium-Marken wie BMW, Daimler, Audi (Porsche stelle ich bewusst nicht in die gleiche Reihe, weil sie schon in den Luxusbereich einzuordnent sind).

    Für die deutsche Mittelklasse, mit ihrem immer sinkendem Einkommen, sind sie längst zu teuer.
    Die Nachfrage besteht in Deutschland schon seit langem aus Dienstwagen = geleased, abschreibbar und als Gehaltsersatz genutzt.

    Lange konnten sich die deutschen Premium-Marken allein auf ihren Image als qualitätiv hochwertiger, technologisch fortschritliche und sicherlich auch verbrauchsorientierter als die US-Marken, stützen und sich auf den Konsum in USA verlassen (die cash-caws schlecht hin). Die aufkommende Ober- und Mittelschichten in arabischen bzw. fernöstlichen Ländern waren der Hoffnunschschimmer.

    Nun bricht USA als Markt selbst für deutsche Autos weg. Der heimischer Markt ist verarmt und der (fern)östlicher Hoffnungsschimmer ist als Markt noch nicht weit entwickelt genug.

    Die Umweltfreundlichkeit, so begrüssenswert und langfristig betrachtet sicherlich auch notwendig, ist kurzfristig betrachtet noch keine Lösung.

    Grüße
    Messala
    -------------------------------------

    "Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist" (H. Ford)

  3. Vielen Dank für Ihren Artikel. Der Artikel gibt interessante Einblicke in die Akteurskonstellationen, wenn es um solche CO2-Regelungen geht. Man sollte diese Interessen der Auto-Industrie noch intensiver recherchieren. Größere Margen bei größeren Autos ist gewiss ein Punkt. Aber eventuell haben auch Interessen der Öl-Industrie bei den Autoherstellern das Sagen. Denn anders kann ich mir nicht erklären, warum VW, Daimler, BMW & Co. bis vor 2 Jahren noch so wenig Wert auf Treibstoffeinsparung gelegt haben.
    Allein schon bei der Entwicklung von sonstigen Maschinen, die Treibstoff brauchen, kann man beobachten, wieviel man wirklich in Sachen Verbrauch verändern kann, wenn man will. Spritsparende Autos müssen nicht wie ein Lupo aussehen.

  4. der Lexus Hybrid gerade in Sachen Verbrauch ziemlich alt aussieht: BMW Diesel, Mercedes Diesel, Audi Diesel.

    Weil aber die ökologistische Fraktion nichts ausser Hybrid- und Elektroautos gelten lässt und den Diesel mangels anderer Argumente als Dreckschleuder verteufelt, bringen unbedarfte Poster wie sie hier solche merkwürdigen Beiträge.

    Nochmal zum Mitschreiben: Otto-Vollhybride erreichen für erheblich mehr Geld nicht mehr als optimierte Diesel ohne Hybridtechnik. Dieselhybride sind teurer als beide Varianten, aber im Verbrauch nur von Elektroautos zu schlagen.

  5. Der Ausstieg aus der vom Auto getragenen Mobilität ist angesagt.

    Bis es soweit ist, sollten wir uns auf Reduktion der gefahrenen Kilometer, der Fahrzeuggrößen usw. einigen.

    Warum nicht mit einem Prius fahren: Komfortabel, leise, schnell, ökologisch.

    Warum nicht auf die Bahn umsteigen: Selbst die erste Klasse ist billiger als eine Fahrt im Kleinstwagen. Ganz abgesehen davon, dass es erheblich stressfreier ist.

    Ich sehe für die deutsche Automobilindustrie keine langfristige Zukunft mehr. Mercedes, Porsche, Audi werden in der Mottenkiste der Präklimawandelära verschwinden, so wie GM, Ford, aber auch Boeing, Airbus Industries usw. Der Ölpreisschock des letzten Jahres, die kommende Rezession, die Umweltveränderungen sind die Vorboten dieses zusammenbruchs.

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    "Warum nicht auf die Bahn umsteigen: Selbst die erste Klasse ist billiger als eine Fahrt im Kleinstwagen. Ganz abgesehen davon, dass es erheblich stressfreier ist."

    Auch ich befürworte den Umstieg auf die Öffis wo es nur geht, aber dieses oft gebrachte Pauschalargument hat für die Praxis keinen Wert:

    1. Es kommt es darauf an, wie viele Menschen im Auto sitzen. Für eine Einzelperson mag die Bahn billiger sein, für eine Fünfergruppe sieht die Rechnung schon ganz anders aus (nämlich um den Faktor 5).

    2. Es gibt Menschen, die wegen ihrer Lebens- oder beruflichen Umstände nicht für jede Fahrt Öffis benutzen können und sich deswegen ein Auto halten. Wenn Anschaffung und Wartung des Auto schon finanziert sind (sein müssen) und der Reisende diese Kosten deshalb aus der Vergleichsrechnung Bahn/Auto ausnimmt, beeinflusst dies das Ergebnis ebenfalls gewaltig.

    Grüße
    Hinterfrager

    "Warum nicht auf die Bahn umsteigen: Selbst die erste Klasse ist billiger als eine Fahrt im Kleinstwagen. Ganz abgesehen davon, dass es erheblich stressfreier ist."

    Auch ich befürworte den Umstieg auf die Öffis wo es nur geht, aber dieses oft gebrachte Pauschalargument hat für die Praxis keinen Wert:

    1. Es kommt es darauf an, wie viele Menschen im Auto sitzen. Für eine Einzelperson mag die Bahn billiger sein, für eine Fünfergruppe sieht die Rechnung schon ganz anders aus (nämlich um den Faktor 5).

    2. Es gibt Menschen, die wegen ihrer Lebens- oder beruflichen Umstände nicht für jede Fahrt Öffis benutzen können und sich deswegen ein Auto halten. Wenn Anschaffung und Wartung des Auto schon finanziert sind (sein müssen) und der Reisende diese Kosten deshalb aus der Vergleichsrechnung Bahn/Auto ausnimmt, beeinflusst dies das Ergebnis ebenfalls gewaltig.

    Grüße
    Hinterfrager

    • Jimi
    • 09.11.2008 um 11:14 Uhr

    dass die fortschrittlichsten und aktuell am besten akzeptierten Autos nicht von ihr hergestellt werden. Der Markt ist übersättigt, die technologisch ausgereizten Modelle werden nur noch mit noch mehr PS und elektronischem Schnickschnack aufgemotzt (OK, bessere Sicherheit wurde wirklich erziehlt! Gut). Wirklich Innovation, Bruch mit traditionellen Konzepten, Formen, ... höchstens mal auf einer Ausstellung. Dann die üblichen Ausflüchte: Die Zeit ist noch nicht reif. Es gibt keinen Markt. Die Peripherie fehlt ... Das ist alles Unfug. Welchen Einfluss die Automobilindustrie auf den Markt, die Gesellschaft, die "Peripherie" und die Politik hat, wird ja hier beschrieben. Und jetzt ist die Zeit reif. Es kann mir keiner erzählen, dass die besten Ingenieure der Welt in den größten Automobilkonzernen der Welt nicht in der Lage gewesen sein sollen, in den letzten 10-20 Jahren eine wettbewerbsfähiges Elektromobil herzustellen. Der Wille, der unternehmerische Mut und die Marketingkompetenz war nicht vorhanden.

    Jetzt soll der Steuerzahler einer Technologie der letzten Jahrzehnte anfeuern, obwohl alle Welt versteht, dass es so nicht weitergeht. Hätte die Automobilindustrie wirklich wegweisende Modelle hervorgebracht, die einfach zu teuer sind, dann würde ich das sowohl mit einem Aufpreis für das Automodell unterstützen, sowie Beifall für steuerliche Subventionen dieser Modelle klatschen. Bei der Windkraft geht das doch auch.

    Sehr richtig bemerkt: Die Industrie braucht Druck, nicht Zeit. Stattdessen versuchen sich inkompetente und kurzsichtige Manager von den Steuergeldern seiner Kunden aus den Dreck ziehen zu lassen. Peinlich das alles ...

  6. Angesichts der Diskussion um den zu hohen C02-Flottenausstoß der deutschen Autos möchte ich hier mal zu bedenken geben, was passieren würde, wenn man die Produktion von Autos mit über 130 g co2 / km in der EU verbieten oder hoch besteuern würde:

    - Der Mensch will sich i. d. R. von seinem Mitmenschen unterscheiden, sobald die Grundbedürfnisse gesichert sind. Deshalb kaufen bis dato nicht alle dasselbe Automodell, sondern versuchen sich möglichst "nach oben" abzusetzen: durch Größe, Komfort, Sicherheit, Leistung, Design und Markenimage.

    - Wenn man sich in der Gesellschaft umschaut, muß man im großen und Ganzen sagen: Wohlhabende Leute fahren wohl deshalb i. d. R. keine Kleinwagen, sondern sind bereit, für ein entsprechendes Auto mehr auszugeben. Und die Premiummarken kommen nun mal eben überwiegend aus D. Das schafft viele, gutbezahlte, sichere Arbeitsplätze in D.

    - Bis dato war es immer so, daß technische Innovationen für die Oberklasse, wo die Käufer bereit sind, dafür zu bezahlen, entwickelt werden und dann später Ihren Weg bis hinunter in die Kleinwagen finden. Bricht das Oberklassesegment weg, besteht die Gefahr der Innovationsarmut in der deutschen Autoindustrie.

    - Nach einer entsprechenden CO2- Gesetzgebung würde die EU mittelfristig zu einem Meer von (technisch wohl aufgrund von Agglomerationseffekten) technisch ziemlich ähnlichen Kleinwagen (Mit dem Gewicht von Mittelklassewagen läßt sich 130g/km nicht erreichen).

    - Während heute schon bei vielen Kleinwagen auf einheitlicher Plattform verschiedene Autotypen verschiedener Marken gebaut werden, wird die Forderung nach gleichem CO2-Ausstoß m. E. den Markt nochmal homogenisieren: Die schnelle Entwicklung CO2-sparender Modelle erfordert technische Ressourcen und finanzielle Mittel, die nicht jeder Autokonzern hat.

    - Die konzentrierte Produktion dieser ziemlich homogenen Wagen würde wohl teils in andere Länder ausgelagert, was im Zeichen der Globalisierung ja sowieso kein Problem mehr darstellt. Die gutbezahlten Auto-Arbeitsplätze in D wären wohl großenteils verloren.

    - Die Produktion von Oberklassewägen in D nur zu Exportzwecken würde wohl mittelfristig nicht mehr rentieren, da mit der EU ja der Heimatmarkt weggebrochen wäre, und würde verlagert.

    Das Ende vom Lied: Etwas weniger CO2-Ausstoß, ein Straßenbild wie im real existierenden Sozialismus, und viele Arbeitslose mehr!

    Auf anderen Gebieten läßt sich aber viel leichter und effizienter CO2 einsparen als beim Individualverkehr: Würde man den Bau stadtnaher Kraftwerke mit Kraft-Wärmekopplung und die Errichtung eines Fernwärmenetzens forcieren, und dafür die (teils steinalten) Gas- und Ölbrenner in jedem einzelnen Häuschen stillegen, man hätte positive volkswirtschaftliche Effekte im Inland, mehr Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffen UND viel mehr CO2- Reduktion, als man es sich beim Individualverkehr auch nur erträumen kann!

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    ist durchaus möglich und sinnvoll:

    Prius II, 104 g CO²/km

    Der Prius III als Pluginhybdrid kommt nächstes Jahr, mehr Leistung, noch mal weniger CO².

    Auch Mercedes bekommt es fast hin, der C250CD Blue Efficiency, 136 g CO²/km kommt noch dieses jahr in die Läden.

    Und wo sind der A2 1.2 TDI mit seinen 88 g CO²/km und der Lupo 3L geblieben? Sicher Kleinst- oder Kleinwagen, aber hocheffizient.

    Soll keiner sagen es geht nicht oder sei unkomfortabel. Fahren Sie doch mal einen Prius II. Dagegen ist jeder 2-Liter TDI oder CDI eine laute, unkomfortable Rappelkiste. Und dem Drehmoment von 480 NM des Prius haben die TDIs mit ihren 300 NM auch nichts entgegenzusetzen. Und die schon sprichwörtliche Haltbarkeit und Qualität eines Prius II ist aus der Pannenstatistik ablesbar. Diese Technologie ist da, wurde leider von der deutschen Automobilindustrie nicht aufgegriffen und zur Serienreife gebracht.

    ist durchaus möglich und sinnvoll:

    Prius II, 104 g CO²/km

    Der Prius III als Pluginhybdrid kommt nächstes Jahr, mehr Leistung, noch mal weniger CO².

    Auch Mercedes bekommt es fast hin, der C250CD Blue Efficiency, 136 g CO²/km kommt noch dieses jahr in die Läden.

    Und wo sind der A2 1.2 TDI mit seinen 88 g CO²/km und der Lupo 3L geblieben? Sicher Kleinst- oder Kleinwagen, aber hocheffizient.

    Soll keiner sagen es geht nicht oder sei unkomfortabel. Fahren Sie doch mal einen Prius II. Dagegen ist jeder 2-Liter TDI oder CDI eine laute, unkomfortable Rappelkiste. Und dem Drehmoment von 480 NM des Prius haben die TDIs mit ihren 300 NM auch nichts entgegenzusetzen. Und die schon sprichwörtliche Haltbarkeit und Qualität eines Prius II ist aus der Pannenstatistik ablesbar. Diese Technologie ist da, wurde leider von der deutschen Automobilindustrie nicht aufgegriffen und zur Serienreife gebracht.

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  • Quelle DIE ZEIT, 06.11.2008 Nr. 46
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  • Schlagworte Fahrzeugbau | Automobilindustrie
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