DIE ZEIT: Seit Wochen regt sich die Republik über die "Dummbanker" auf. Sind unsere Banker wirklich zu dumm?

Sven Remer: Nicht wenn man bedenkt, dass viele von ihnen Spezialisten mit einer anspruchsvollen Ausbildung sind. Zu dumm aber insofern, als sie das große Ganze aus den Augen verloren haben. Es wurde ihnen allerdings auch nie beigebracht.

ZEIT: Was stimmt mit der Ausbildung nicht?

Remer: Banker durchlaufen Spezialistenausbildungen. Sie befassen sich nur mit monetären Werten, und das mit einem kurzfristigen Horizont. Alle nicht in Geld darstellbaren Werte bleiben außer Acht, allenfalls rechnet man sie noch als Risikofaktoren ein. Aber in seinem ganzen Denken orientiert man sich nur an quantitativen Größen.

ZEIT: Es geht ja auch um Zahlen und Geld.

Remer: Ja, aber Geld wird in der Ausbildung immer nur abstrakt gesehen. Es wird – und das ist ein wesentlicher Teil, der jetzt zur Krise beigetragen hat – nur in Millionen- und Milliardenbeträgen gesprochen. Für die meisten Menschen sind zehntausend Euro viel Geld. In einem MBA-Studium hört man einen solchen Betrag überhaupt nicht. Es wäre wichtig, ökonomische Vorgänge in der Ausbildung wieder auf eine Ebene zu holen, auf der wir einen persönlichen Bezug dazu finden.

ZEIT: Wie sollte der ins Curriculum eingebracht werden?