Wie wichtig ist ein gutes Arbeitszeugnis?

Das Arbeitszeugnis wird von den meisten Personalchefs als Visitenkarte des Bewerbers angesehen – rund 80 Prozent mögen nicht darauf verzichten. Fällt es schlecht aus, ist der Weg zum neuen Job oft verbaut. Doch was ein schlechtes Arbeitszeugnis ist, erschließt sich nicht auf den ersten Blick: Der Arbeitgeber ist gesetzlich gehalten, auch schlechte Zeugnisse wohlwollend zu formulieren, um das Fortkommen des Arbeitssuchenden nicht zu erschweren. Auf der anderen Seite ist der alte Arbeitgeber dem neuen gegenüber schadensersatzpflichtig, wenn der gelobte Mitarbeiter in Wirklichkeit wegen Unterschlagung entlassen wurde und auch im neuen Betrieb in die Kasse greift. Deshalb hat sich im Laufe der Zeit eine eigene Zeugnissprache entwickelt.

Wie sieht diese Zeugnissprache aus?

Was jeder interpretieren können sollte, ist die sogenannte Zufriedenheitsskala. So ist die Formulierung "hat die Arbeiten stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt" gleichbedeutend mit der Schulnote 1. "Stets zu unserer vollen Zufriedenheit" bedeutet eine 2. "Zu unserer vollen Zufriedenheit" eine 3. "Zu unserer Zufriedenheit" eine 4, "im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit" eine 5 und "hat sich bemüht, die Arbeiten zu unserer Zufriedenheit zu erledigen" eine 6. Doch auch mit "hat sich bemüht" kann man eine Chance haben, einen neuen Arbeitsplatz zu finden: dann nämlich, wenn das Zeugnis von einem mit der Skala nicht vertrauten Aussteller geschrieben wurde und durch den übrigen Kontext deutlich wird, dass dies eigentlich ein Lob sein sollte. Wichtig ist immer der Gesamteindruck.

Was gehört in die Tätigkeitsbeschreibung?

Wichtig ist, dass alle Kernbereiche der Tätigkeit genannt werden und sich der Leser ein möglichst plastisches Bild von den Aufgaben des Arbeitnehmers machen kann. Die Tätigkeitsbeschreibung sollte allerdings nicht mehr als rund die Hälfte des Gesamttextes einnehmen.

Was gehört noch ins Zeugnis?

Ein Muss ist die Erwähnung des Sozialverhaltens. Wird nur das gegenüber Kollegen erwähnt, nicht aber das Verhältnis zu den Vorgesetzten, war es wahrscheinlich mit Letzterem nicht zum Besten bestellt. Zum guten Ton gehören auch abschließende gute Wünsche für den Mitarbeiter. Drückt der Arbeitgeber sein Bedauern über den Verlust des Mitarbeiters aus oder betont, dass er ihn jederzeit wieder einstellen würde, so hält der Arbeitnehmer ein gutes oder sehr gutes Zeugnis in der Hand. Ein Alarmzeichen ist ein ungewöhnliches Beendigungsdatum: Dies lässt auf eine fristlose Kündigung schließen. Ist dies nicht der Fall, sollte man darauf achten, dass erklärt wird, warum das Arbeitsverhältnis nicht zum Monatsletzten beendet wurde.

Wann und wie soll ich ein Zwischenzeugnis einfordern?

Ein Anspruch auf ein Zwischenzeugnis besteht immer dann, wenn sich etwas in der Firma verändert, etwa wenn der Vorgesetzte wechselt. Aber auch, wenn sich jemand auf eine neue Stelle bewerben will. Deshalb sagen die Arbeitsgerichte, dass man grundsätzlich immer ein Zwischenzeugnis einfordern kann. Der Kölner Rechtsanwalt und Zeugnisexperte Manfred Beden rät, bei Nachfragen des Chefs diplomatisch vorzugehen und etwa so zu antworten: "Ich will einfach mal sehen, wie ich bewertet werde."

Kann ich ein schlechtes Zeugnis reklamieren?

Ja. Zunächst sollte der Arbeitgeber um die Nachbesserung missverständlicher oder negativer Formulierungen gebeten werden. Weigert sich dieser, kann der Arbeitnehmer ihn beim zuständigen Arbeitsgericht verklagen. Das Gericht kann – wenn die Reklamation berechtigt ist – die Ausstellung eines besseren Zeugnisses erzwingen. Mit der Formulierung "Es ist zu bescheinigen, dass…" wollen manche Arbeitgeber andeuten, dass sie dies nicht freiwillig tun. Auch das muss nicht hingenommen werden.

Zusammengestellt von Thomas röbke