Robert Uetz hat seit zehn Jahren keine Heizung mehr. Keinen Öltank. Keine Gasleitung. Keinen Holzofen. Trotzdem friert er nicht. Robert Uetz, seine Frau und seine zwei Kinder wärmen sich an den Strahlen der Sonne und an der Hitze der Erde.

Aber sonst sind sie ganz normal.

Robert Uetz aus Winterthur in der Schweiz ist Unternehmensberater der typischen Art. Anzug, Krawatte, Laptop, meistens überarbeitet. Seine Frau ist Zahnärztin und managt den Haushalt. Die Söhne, zehn und zwölf Jahre alt, sind Burgherren mehrerer Dutzend Playmobil-Ritter und überzeugte Gegner übermäßigen Salatkonsums. Eine ziemlich gewöhnliche Schweizer Familie also. Wer das Auffällige sucht, wird im Hause Uetz wenig finden, eigentlich nur eines: den Energieverbrauch. Der ist auffällig niedrig. Robert Uetz hat es ausgerechnet: "Wir liegen schon heute unter 2000 Watt."

2000 Watt. Damit müsste jeder Mensch auf der Welt auskommen, um die Welt zu erhalten. Wissenschaftler der Eidgenössisch Technischen Hochschule (ETH) in Zürich haben das ausgerechnet. Aus folgender Überlegung heraus: Auf der Erde leben 6,7 Milliarden Menschen, und alle wollen sie leben wie heute die eine Milliarde Europäer und Nordamerikaner – in geräumigen Wohnungen mit Kühlschränken und Waschmaschinen und einem Auto vor der Tür. Wenn aber jeder Mensch so viel Energie verbraucht wie jeder Amerikaner oder Europäer, dann ist der Kampf gegen den Klimawandel verloren.

Also haben die Forscher von der ETH versucht, eine Art energetisches Tempolimit zu ermitteln, ein Energieniveau, das den Planeten nicht überlasten würde. Sie kamen auf 2000 Watt pro Person.

Man kann sich diese Zahl veranschaulichen, indem man sich ein Haus mit 20 Lampen vorstellt, in jeder Lampe steckt eine 100-Watt-Glühbirne. Um mit voller Stärke zu leuchten, benötigen diese Glühbirnen eine kontinuierliche energetische Leistung von 2000 Watt. Lässt man sie einen Tag lang brennen, verbrauchen sie 48 Kilowattstunden Energie. Lässt man sie ein Jahr lang brennen, sind es 17500 Kilowattstunden. Mit dieser Energiemenge, egal ob sie aus Kohle, Öl oder Gas gewonnen wird, müsste nach Berechnung der Schweizer Wissenschaftler ein Mensch also auskommen, um ein Jahr lang seine Wohnung zu heizen, sein Büro zu kühlen, sein Auto anzutreiben. Und um gleichzeitig die Welt zu retten.

Heute benötigt ein Mensch in Afrika für sein Leben eine kontinuierliche energetische Leistung von durchschnittlich 500 Watt, ein Inder von 700 Watt, ein Chinese von 1800 Watt. In Westeuropa dagegen liegt der Durchschnittswert bei 5500, in den USA sogar bei 10500 Watt. Allerdings verschleiern diese Zahlen, dass es in Deutschland, in England, in der Schweiz schon heute Menschen gibt, die ein 2000-Watt-Leben führen. So wie Robert Uetz und seine Familie.