Energie Revolution in Winterthur Seite 5/5

Uetz entwickelt in solchen Fällen Laufpläne für Zeitschaltuhren, die alle elektronischen Geräte automatisch abschalten. Allein damit sparen die Kunden aufs Jahr gerechnet manchmal eine halbe Million Schweizer Franken, umgerechnet rund 350.000 Euro. Für kleine Mittelständler eine Menge Geld. Weshalb sich ziemlich viele Unternehmen vom Unternehmensberater Robert Uetz beraten lassen wollen. Er kommt kaum hinterher mit den Aufträgen. Fünf Mitarbeiter hat er und könnte mehr brauchen. Er findet keine. Der Arbeitsmarkt ist voll mit Ingenieuren, die sich mit Verbrennungsmotoren auskennen. Spezialisten für Energie sind selten.

Die Wohnung, das Büro oder die Fabrik – daneben gibt es nur einen Ort, an dem der Mensch viel Energie verbraucht: sein Fortbewegungsmittel. Das Flugzeug, der Zug der Bus. Oder, wie bei den meisten Menschen: das Auto. Robert Uetz kommt viel herum, er hat Kunden in der ganzen Schweiz. Wenn er in Basel unterwegs ist, fahren manchmal Gasautos an ihm vorbei. Die Stadt hat schon ihre eigene Fahrzeugflotte zur Hälfte durch Gasautos ersetzt, zu erkennen am grünen Aufkleber. Auch 30 Basler Taxis tanken Gas.

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Man könnte annehmen, dass es für die Umwelt keinen Unterschied macht, ob ein Auto Öl verbrennt oder Gas. Irrtum, beim Verbrennen von Gas entstehen 25 Prozent weniger CO₂. Deshalb stehen Gasautos am Anfang des Weges in die 2000-Watt-Gesellschaft. Am Ende stünden Autos, deren Räder von Elektromotoren angetrieben werden, die wiederum mit Wasserstoff und Sonne laufen.

Noch sind diese Autos für Normalbürger nicht zu bezahlen. Denn das ist der Unterschied zu Wohn- oder Bürohäusern. »Bei den Gebäuden ist die energieeffiziente Technologie längst auf dem Markt, bei den Fahrzeugen muss man sie noch entwickeln«, sagt Novatlantis-Geschäftsführer Roland Stulz. Dies ist einer der Gründe, weshalb die 2000-Watt-Gesellschaft eine Zukunftsgesellschaft ist. 2050 ist das Jahr, das sich Novatlantis zum Ziel gesetzt hat. Bis dahin sei es möglich, sagt Stulz, alle Gebäude zu vertretbaren Kosten auf den neuesten Stand zu bringen und markttaugliche Wasserstoffautos zu entwickeln. Bis dahin soll der Energiebedarf des Durchschnittsschweizers auf 2000 Watt gesunken sein, und davon sollen 1500 Watt aus erneuerbaren Energien stammen.

Robert Uetz, der Mann, der heute schon ein 2000-Watt-Leben führt, hat gar kein Auto. Die Bushaltestelle ist gleich um die Ecke. In den Urlaub fährt die Familie mit dem Zug, die Fahrräder stehen vor der Tür, und notfalls gibt es ja auch noch Taxis. »Man braucht hier kein Auto«, sagt er. Die Schweizer Bürokratie allerdings sah das anders. Uetz musste einen Parkplatz mitkaufen. Das war vorgeschrieben. Er hat ihn dann weiterverkauft an eine Nachbarfamilie, die zwei Autos hat.

 
Leser-Kommentare
    • gorgo
    • 17.11.2008 um 17:17 Uhr

    Schwer zu fassen: Offenbar immer noch überrraschend, dass es Passivhäuser gibt, dass sie funktionieren, dass sie bezahlbar sind (dies seit wenigstens zwanzig Jahren - oder mehr. In Deutschland gibt es unzählige Siedlungen). Wer hat uns wohl eingeredet, dies sei alles "Zukunftsmusik"???

  1. Eingeredet haben uns die Mär von der "Zukunftsmusik" diejenigen, die uns so gerne für die alten Weisen auf morschen Brettern ihre Instrumente verkaufen wollen. Immer schön im alten Energie-Versorger u. Abnehmer Trott im Kreis herum.
    Denn wo kämen wir denn hin, wenn die Leute ihre Häuser mehr als Energieernter denn als Energieverbraucher ansehen und entsprechend bauen würden?!
    ( Und die meisten Bauherren und/oder Genehmigungsinstanzen wollen auch nicht- Sonst sähen viele Neubaugebiete nicht so aus wie sie aussehen. Nagelneu- und weit unterhalb der Möglichkeiten!!)

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    • Anonym
    • 17.11.2008 um 18:47 Uhr

    Niemand redet irgendjemand irgendwas ein.
    Es gibt nicht nur flächendeckend Beratug zu dem Thema sondern auch üppige staatliche Förderung. Die Bauherren werden von Staat und entsprechenden Vereinigungen fast angefleht solche Technologien einzusetzen.
    Wenn die Leute es nicht tun ist es alleine deren Problem.
    Ich wehre mich gegen diese kolportierte Unmündigkeit nach der unsere Gesellschaft nur noch aus "Opfern" bestünde, bar jeglicher Verantwortung für eigenes Handeln.

    • Anonym
    • 17.11.2008 um 18:47 Uhr

    Niemand redet irgendjemand irgendwas ein.
    Es gibt nicht nur flächendeckend Beratug zu dem Thema sondern auch üppige staatliche Förderung. Die Bauherren werden von Staat und entsprechenden Vereinigungen fast angefleht solche Technologien einzusetzen.
    Wenn die Leute es nicht tun ist es alleine deren Problem.
    Ich wehre mich gegen diese kolportierte Unmündigkeit nach der unsere Gesellschaft nur noch aus "Opfern" bestünde, bar jeglicher Verantwortung für eigenes Handeln.

    • Anonym
    • 17.11.2008 um 18:47 Uhr

    Niemand redet irgendjemand irgendwas ein.
    Es gibt nicht nur flächendeckend Beratug zu dem Thema sondern auch üppige staatliche Förderung. Die Bauherren werden von Staat und entsprechenden Vereinigungen fast angefleht solche Technologien einzusetzen.
    Wenn die Leute es nicht tun ist es alleine deren Problem.
    Ich wehre mich gegen diese kolportierte Unmündigkeit nach der unsere Gesellschaft nur noch aus "Opfern" bestünde, bar jeglicher Verantwortung für eigenes Handeln.

    Antwort auf "Zukunftsmusik..."
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    Leider kein "Schmarn". Abgesehen von einigen Ausreissern nach oben, bauen wir in
    Deutschland weit unterhalb unserer Möglichkeiten. Und das dem so ist, hat auch mit einer ebenso altgedienten wie einträglichen Energie-Versorgungsstruktur zu tun - und mit der Beharrung im Hergebrachten vieler Architekten und Bauherren.
    Oder wie steht's denn z.B. mit einer energetischen Vernetzung von Architektur und zukünftiger solargestützter Mobilität?

    Und angesichts der großen Chancen, die sich uns allenthalben bieten und des gepflegten ( und mancherorts sehr einträglichen) Strukturkonservatismus der diese verhindert, sei noch gesagt, "Opfer" sind wir nicht aus Unmündigkeit ( das habe ich auch nicht gesagt ), sondern aus Schläfrigkeit.

    Leider kein "Schmarn". Abgesehen von einigen Ausreissern nach oben, bauen wir in
    Deutschland weit unterhalb unserer Möglichkeiten. Und das dem so ist, hat auch mit einer ebenso altgedienten wie einträglichen Energie-Versorgungsstruktur zu tun - und mit der Beharrung im Hergebrachten vieler Architekten und Bauherren.
    Oder wie steht's denn z.B. mit einer energetischen Vernetzung von Architektur und zukünftiger solargestützter Mobilität?

    Und angesichts der großen Chancen, die sich uns allenthalben bieten und des gepflegten ( und mancherorts sehr einträglichen) Strukturkonservatismus der diese verhindert, sei noch gesagt, "Opfer" sind wir nicht aus Unmündigkeit ( das habe ich auch nicht gesagt ), sondern aus Schläfrigkeit.

  2. Und das ist gut, dann wird gespart.

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    Ich habe Angst, dass genau das nicht passiert. Dass nicht mit höheren Preisen wir gedrängt werden zu sparen. Genau wie deutsche und amerikanische Unternehmen bei verfehlter Firmenpolitik nicht etwa eingehen, sondern subventioniert werden vom Staat, weil man ihnen Einschnitte ja nicht zumuten kann. ... Der Krug geht solang zur Tränke bis er bricht.

    • lef
    • 17.11.2008 um 21:04 Uhr

    Der überteure Preis für Energie (vor Allem erst Erdöl, jetzt immer noch Erdgas) beschert nichts Anderes, als eine große virtuelle Geldmenge - schlicht deswegen, weil die Produktionskosten (für Erdöl) WEIT niedriger sind (jetzt: waren), als der Weltmarktpreis, das spült ungeheure Geldmengen in die Finanzwirtschaft.

    Und genau die ist es, die die jetzige Wirtschaftskrise verursacht hat!

    Ein hoher Energiepreis ist eventuell dann sinnvoll, wenn er durch Steuern entsteht, die vor Ort (im Inland) in energiesparende Maßnahmen umgesetzt werden.

    Allerdings NUR (!!) dann, wenn die Maßnahmen wirklich sinnvoll sind!

    Eine Energie "spar" maßnahme, die weit mehr kostet, als die Energie, die zurückgeliefert wird, ist sinnlos,
    dann wurde nämlich zur Produktion dieser Anlage mehr Energie verbraucht, als zurückfließt.

    Der gerade festgestellte Mehrverbrauch an Energie der Industriestaaten ist gut damit erklärbar, dass einfach zu viel unsinnige Energie"spar"technik produziert wird.

    Ob das hier vorgestellte "Passivhaus" wirklich Energie spart, ist am Preis zu erkennen.
    Wenn der nur durch Subventionen "erträglich" erscheint, dann sind offenbar die Kosten weit höher, als die Energieersparniss,

    ergo ist wahrscheinlich, dass in diese Häuser mehr Energie investiert wurde, als eingespart wird.

    Eine wirklich energiesparende Maßnahme muss auch ohne Subventionen kostengünstiger sein.

    Ich habe Angst, dass genau das nicht passiert. Dass nicht mit höheren Preisen wir gedrängt werden zu sparen. Genau wie deutsche und amerikanische Unternehmen bei verfehlter Firmenpolitik nicht etwa eingehen, sondern subventioniert werden vom Staat, weil man ihnen Einschnitte ja nicht zumuten kann. ... Der Krug geht solang zur Tränke bis er bricht.

    • lef
    • 17.11.2008 um 21:04 Uhr

    Der überteure Preis für Energie (vor Allem erst Erdöl, jetzt immer noch Erdgas) beschert nichts Anderes, als eine große virtuelle Geldmenge - schlicht deswegen, weil die Produktionskosten (für Erdöl) WEIT niedriger sind (jetzt: waren), als der Weltmarktpreis, das spült ungeheure Geldmengen in die Finanzwirtschaft.

    Und genau die ist es, die die jetzige Wirtschaftskrise verursacht hat!

    Ein hoher Energiepreis ist eventuell dann sinnvoll, wenn er durch Steuern entsteht, die vor Ort (im Inland) in energiesparende Maßnahmen umgesetzt werden.

    Allerdings NUR (!!) dann, wenn die Maßnahmen wirklich sinnvoll sind!

    Eine Energie "spar" maßnahme, die weit mehr kostet, als die Energie, die zurückgeliefert wird, ist sinnlos,
    dann wurde nämlich zur Produktion dieser Anlage mehr Energie verbraucht, als zurückfließt.

    Der gerade festgestellte Mehrverbrauch an Energie der Industriestaaten ist gut damit erklärbar, dass einfach zu viel unsinnige Energie"spar"technik produziert wird.

    Ob das hier vorgestellte "Passivhaus" wirklich Energie spart, ist am Preis zu erkennen.
    Wenn der nur durch Subventionen "erträglich" erscheint, dann sind offenbar die Kosten weit höher, als die Energieersparniss,

    ergo ist wahrscheinlich, dass in diese Häuser mehr Energie investiert wurde, als eingespart wird.

    Eine wirklich energiesparende Maßnahme muss auch ohne Subventionen kostengünstiger sein.

  3. Sehr vernünftiger Umgang mit Energie, sehr gutes Konzept.

    Danke für diesen Artikel.

    Dieses Schweizer Modell sollte schule machen - umbedingt - und es sollte auch bei uns staatlich gefördert werden, dass ein Häuslebauer solche Häuser Baut oder das besser wohl noch, Gemeinschaften von häuslebauern, die solch ein Konzept verwirklichen staatlichen massiv unterstützt werden.

    Solche Konzepte lösen keine Probleme, aber sie verringern sie und zwar massiv, wenn sie denn auch konsequent umgesetzt werden.

  4. Am 29. November 2009 können die BürgerInnen des Kanton (=Bundesland) Zürichs darüber Abstimmen, ob die "2000 Watt" Gesellschaft in der Kantonsverfassung als Ziel fixiert wird.
    Die Initiative wurde von der Grün-Liberalen Partei (www.zurich.grunliberale.ch, 5% Mitte-Partei, erst 4 Jahre alt) lanciert. Der Kantonsrat empfiehlt die Initiative abzulehnen. Wer die Begründung interessiert, der findet die Fakten hier (http://www.wahlen.zh.ch/a...).
    Ich gehe davon aus, dass die Bürger diesen Entscheid der gewählten Politiker korrigieren werden und dieses Gesetz per Volksentscheid direkt in die Verfassung zwingen.

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    "2000 Watt" Projekt - www.novatlantis.ch
    Spital Neubau - www.toplicht.ch/index.php...
    Energiestandard für Gebäude - www.minergie.ch
    ETH Zürich "Science City" - www.g-n-i.ch/data/1222251...

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  5. "2000 Watt" Projekt - www.novatlantis.ch
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  6. Ich habe Angst, dass genau das nicht passiert. Dass nicht mit höheren Preisen wir gedrängt werden zu sparen. Genau wie deutsche und amerikanische Unternehmen bei verfehlter Firmenpolitik nicht etwa eingehen, sondern subventioniert werden vom Staat, weil man ihnen Einschnitte ja nicht zumuten kann. ... Der Krug geht solang zur Tränke bis er bricht.

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