Energieausblick Das Öl wird teuer werden

Die Internationale Energieagentur stellt den neuen Weltenergieausblick vor - und korrigiert ihren größten Irrtum

Die Treibstoffpreise sinken wieder. Wird das so bleiben? Auf keinen Fall

Die Treibstoffpreise sinken wieder. Wird das so bleiben? Auf keinen Fall

Es gibt momentan wenig Erfreuliches aus der Welt der Wirtschaft. Zu den Lichtblicken aus Sicht der Verbraucher zählen die sinkenden Rohstoffpreise. Öl kostet nicht einmal halb so viel wie vor vier Monaten. Den Tank im Heizungskeller oder im Auto zu füllen ist deshalb wieder erschwinglicher geworden. Die Frage ist, ob das so bleibt. Die Antwort heißt definitiv: Nein!

Das prophezeien jetzt nicht mehr nur selbst ernannte Energieexperten. Auch die Internationale Energieagentur (IEA) sagt es voraus. In ihrem neuen Weltenergieausblick, der jährlich erscheinenden Bibel der Energiewirtschaft, warnt sie unverblümt vor ungemütlichen Zeiten: Das Öl dürfte teuer werden. Bemerkenswert daran ist dreierlei: das Lerntempo der Behörde, die Begründung für die alarmierende Aussicht und das unverkennbare Ergrünen der IEA.

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Ad eins: Vor vier Jahren war die IEA in ihren Szenarien für das Jahr 2030 noch von einem inflationsbereinigten Ölpreis von 29 Dollar pro Fass ausgegangen. Heute legt sie ihrem Kalkül 120 Dollar zugrunde. Das ist wirklichkeitsnäher als früher.

Ad zwei: Öl wird laut IEA nicht deshalb teurer, weil es nicht mehr genug davon gibt, sondern weil die Welt zu wenig in Förderanlagen investiert. Verantwortlich dafür sind die Öleigentümer, also vor allem die ölreichen Staaten des Nahen Ostens. Über deren Politik zu lamentieren ist müßig.

Ad drei: Es gibt deshalb keine Alternative dazu, mit Energie intelligenter als bisher umzugehen. Das ist auch schon deshalb geboten, weil mehr Öl-, Kohle- und Gaskonsum die Erde so weit erwärmen würde, dass die Menschheit die Küsten räumen müsste.

So gesehen, hat die Welt zu allererst kein Energie-, sondern ein Klimaproblem. Gut, dass die IEA das erkennt.

 
Leser-Kommentare
    • ttob
    • 12.11.2008 um 16:24 Uhr

    "Öl wird laut IEA nicht deshalb teurer, weil es nicht mehr genug davon gibt, sondern weil die Welt zu wenig in Förderanlagen investiert."

    Was man nicht alles für Rechtfertigungen erfindet, um weiter an die Lüge von der effizienten Börse glauben zu können. Nochmal: Öl ist und war immer genug da, der Weltbedarf ist nicht schneller gestiegen als in all den Jahren vorher (zwischen 3-10%), der Preis hat sich aber vervielfacht und ist witzigerweise gerade jetzt gesunken, wo all die Spekulanten liquide Mittel brauchten, NA SOWAS...

    Wer also auf Basis realer Daten den Ölpreis berechnet, hat nicht mehr alle Tassen im Schrank, sorry. Dass wir so schnell wie möglich weg vom Öl müssen, ist dagegen längst eine Binsenweisheit, schon weil es zwangsweise irgendwann alle ist, da braucht man noch nicht mal den Treibhauseffekt dafür. Und doch warte ich vergebens auf massive Initiativen des Staates diesen Umschwung voranzutreiben und etwa auch bei der (Auto-)Industrie zu erzwingen, denn nennenswerte (und vor allem bezahlbare) Alternativen für die Masse, gibt es bislang kaum.

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    • Serrax
    • 12.11.2008 um 18:06 Uhr

    ... denn offensichtlich scheint der Zusammenhang ja recht schwierig zu sein.

    Die fetten Jahre der Ölförderung sind vorbei.

    Es werden nur noch kleine Ölfelder gefunden - selbst das neue vor Brasilien ist klein im Vergleich zu den alten Ölfeldern, die schon seit Jahrzehnten ausgebeutet werden.

    Daraus folgt natürlich, daß bei immer mehr aber immer kleineren Ölfeldern immer mehr investiert werden muß... nur um die Förderquote wenigstens stabil zu halten.

    Darüber hinaus sind die leicht zu erschließenden Ölvorkommen schon erschlossen und zum Teil auch schon erschöpft. Das bedeutet, daß die schwieriger zu erschließenden Ölvorkommen natürlich auch mehr Investitionen zur Ausbeutung erfordern.

    Ferner sind die Alternativen wie z.B. Ölsand/Ölschiefer keine so etablierten Formen der Ölgewinnung. Hier müsste noch viel investiert werden.

    Jetzt verständlicher?

    • Serrax
    • 12.11.2008 um 18:06 Uhr

    ... denn offensichtlich scheint der Zusammenhang ja recht schwierig zu sein.

    Die fetten Jahre der Ölförderung sind vorbei.

    Es werden nur noch kleine Ölfelder gefunden - selbst das neue vor Brasilien ist klein im Vergleich zu den alten Ölfeldern, die schon seit Jahrzehnten ausgebeutet werden.

    Daraus folgt natürlich, daß bei immer mehr aber immer kleineren Ölfeldern immer mehr investiert werden muß... nur um die Förderquote wenigstens stabil zu halten.

    Darüber hinaus sind die leicht zu erschließenden Ölvorkommen schon erschlossen und zum Teil auch schon erschöpft. Das bedeutet, daß die schwieriger zu erschließenden Ölvorkommen natürlich auch mehr Investitionen zur Ausbeutung erfordern.

    Ferner sind die Alternativen wie z.B. Ölsand/Ölschiefer keine so etablierten Formen der Ölgewinnung. Hier müsste noch viel investiert werden.

    Jetzt verständlicher?

  1. "Ist und war immer genug Öl da" oder ist es doch "zwangsweise irgendwann alle" ;-)

    Ansonste stimme ich ihnen zu.

    Grüße
    Messala
    -------------------------------------

    "Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist" (H. Ford)

  2. Um zum unbedingt notwendigen Sparen zu kommen, muss der Preis WESENTLICH hoeher liegen (vielleicht das zehnfache?)!!!
    Dummerweise sind die Politiker dermassen Lobby-getrieben, dass sie jeden Bloedsinn verzapfen, wie zB Erhoehung der Pendlerpauschale : vollkommen kontraproduktiv, die Leute sollen weniger fahren/verbrauchen!!!
    (wieso soll denen, die sich zu schade sind, in der Stadt zur Miete zu wohnen und statt das dessen lieber ein Haeuschen im Gruenen haben, noch Geld von den anderen zugesteckt werden - das habe ich noch nie verstanden)

  3. Auf welche drei Thesen beziehen Sie sich in Ihrer Aufzählung?

    • Serrax
    • 12.11.2008 um 18:06 Uhr

    ... denn offensichtlich scheint der Zusammenhang ja recht schwierig zu sein.

    Die fetten Jahre der Ölförderung sind vorbei.

    Es werden nur noch kleine Ölfelder gefunden - selbst das neue vor Brasilien ist klein im Vergleich zu den alten Ölfeldern, die schon seit Jahrzehnten ausgebeutet werden.

    Daraus folgt natürlich, daß bei immer mehr aber immer kleineren Ölfeldern immer mehr investiert werden muß... nur um die Förderquote wenigstens stabil zu halten.

    Darüber hinaus sind die leicht zu erschließenden Ölvorkommen schon erschlossen und zum Teil auch schon erschöpft. Das bedeutet, daß die schwieriger zu erschließenden Ölvorkommen natürlich auch mehr Investitionen zur Ausbeutung erfordern.

    Ferner sind die Alternativen wie z.B. Ölsand/Ölschiefer keine so etablierten Formen der Ölgewinnung. Hier müsste noch viel investiert werden.

    Jetzt verständlicher?

    Antwort auf "So ein Quatsch..."
  4. Das klingt gut, so ungefähr wie ein paar Surfer ihre Bretter einpacken und zu einem anderen Strand weiter ziehen. Die Küsten räumen, wenn das alles ist, liebe NewYorker, Hamburger, Holländer, Bombayities, Manilajaner, Shanghaiies, Londoner usw. packt schon mal eure Sonnenschirme und Badehosen ein, ihr müsst in 10 Jahren oder wenn es gut geht in 20 Jahren weg, alles easy going, kein Problem in den Hochplateus der Anden oder Tibets gibt es genug Platz, auch in den Dürregebieten Afrikas git es viel Platz.
    Es ist gut zu wissen das die IEA schon vorsorglich zum einpacken rät, Leute mehr ist nicht nötig wir müssen es nur frühzeitig wissen, wenn es den soweit ist, das es soweit kommt, wurde mit dem heutigen Tag von der IEA angekündigt auch wenn andere Quellen das schon seit Jahren sagen.
    Früher hieß es besucht Europa so lange es noch geht, heute besucht die Küsten mit ihren hunderten von Millionen Menschen, beim packen brauchen sie keine Hilfe, dort ist doch nichts.
    Wir fangen an zu packen, von wo wir kommen wissen wir nur wohin leider nicht, macht nichts.

  5. 7. Öl

    Hab mich schon lang für den Biodiesel entschieden. Diesen Ölscheichs möchte ich das Geld nicht in den Rachen werfen. Die haben sowieso schon genug.
    Und wer weiss: Vielleicht werden auch bald wieder neue Atomkraftwerke gebaut. Dann können die Menschen ihr Auto mit Atomkraft aus der Steckdose betanken.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Als ob Uran so viel länger halten würde....

    Außerdem: woher beziehen wir "unsere" Uranerze?
    Von einer Abhängigkeit in die nächste zu schlittern ist ja ein toller Plan!
    Und last but not least: die Endlagerfrage ist immer noch ungelöst.

    Let's face it: the party IS over.

    Warum sollte man sich auch für nachhaltige Technologien entscheiden. Für die Atomkraft zahlen ja schließlich unsere Kinder, Kindeskinder, Kindeskindeskinder usw.. Und die bezahlen auch den Umstieg von der Atomkraft auf regenerative Energien, wenn dann in ein paar Jahrzehnten die letzten Uranvorräte ausgehen. Das ist zwar ein Vielfaches von dem, was wir heute zahlen würden, aber je länger wir nichts bezahlen müssen, desto besser. Manchmal ist es schon recht seltsam, wieso der Mensch meint, sich vom Tier abgrenzen zu dürfen. In dieser existenziellen Hinsicht, scheint er ja noch Instinkt geleiteter zu sein als Tiere.

    ~~ parco horare numeris ~~

    Essen verheizen, ist geil. Hungers sterben, das machen die anderen. Wir haben die Gaudi und ketten uns an die Gleise. Wir sind die Wegweiser, marschieren müssen die anderen. Ins Grab. Geile Stimmung im Wendland. Atomkraft, nein Danke! Biodiesel, ja bitte. Es ist angerichtet! Ihr habt es angerichtet.

    Als ob Uran so viel länger halten würde....

    Außerdem: woher beziehen wir "unsere" Uranerze?
    Von einer Abhängigkeit in die nächste zu schlittern ist ja ein toller Plan!
    Und last but not least: die Endlagerfrage ist immer noch ungelöst.

    Let's face it: the party IS over.

    Warum sollte man sich auch für nachhaltige Technologien entscheiden. Für die Atomkraft zahlen ja schließlich unsere Kinder, Kindeskinder, Kindeskindeskinder usw.. Und die bezahlen auch den Umstieg von der Atomkraft auf regenerative Energien, wenn dann in ein paar Jahrzehnten die letzten Uranvorräte ausgehen. Das ist zwar ein Vielfaches von dem, was wir heute zahlen würden, aber je länger wir nichts bezahlen müssen, desto besser. Manchmal ist es schon recht seltsam, wieso der Mensch meint, sich vom Tier abgrenzen zu dürfen. In dieser existenziellen Hinsicht, scheint er ja noch Instinkt geleiteter zu sein als Tiere.

    ~~ parco horare numeris ~~

    Essen verheizen, ist geil. Hungers sterben, das machen die anderen. Wir haben die Gaudi und ketten uns an die Gleise. Wir sind die Wegweiser, marschieren müssen die anderen. Ins Grab. Geile Stimmung im Wendland. Atomkraft, nein Danke! Biodiesel, ja bitte. Es ist angerichtet! Ihr habt es angerichtet.

  6. Aber warum das nun auch die IEA tut, das versteh wer will.

    Selbst die teuerste Ölförderung - die von kanadischen Teersand - kostet keine 20 Dollar je Barrel. Der Rest bis zum Ölpreis an der Börse ist praktisch Gewinn. Entweder der der Förderstaaten oder der der Spekulanten. Und da redet die IEA von Preisen von 120 Dollar je Barrel. So ein Blödsinn.

    Und die ständige Mär vom Pik-Öl macht die Sache auch nicht realistischer. In den typischen Förderländern im Nahen Osten wird ein Feld aufgegeben, wenn 20-30% der Ölmenge in dem Feld gefördert ist. In der Nordsee gibt es Felder, die zu über 60% leergefördert sind, alles eine Frage der Technologie - und des Geldes natürlich.

    Ich wage jetzt mal eine Prognose - langfristiger Ölpreis/pro Barrel bei 50-60 Dollar - da bleibt genug Geld für weitere Investitonen in Exploration und neue Fördertechnologien.

    Allerdings lohnt sich bei dem Preis auch die Investition in Alternativen. Der Ausgang wird spannend!

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