Psychiatrie Scham und Schuldgefühl

Die Familien von psychisch Kranken leiden ebenso wie die Patienten selbst. Doch Hilfen für sie gibt es kaum

Auch Angehörige psychisch kranker Menschen kämpfen gegen Vorurteile und Ausgrenzung

Auch Angehörige psychisch kranker Menschen kämpfen gegen Vorurteile und Ausgrenzung

Mittwochs fährt Barbara B. in die Psychiatrie. Sie bringt Tabak mit und Blättchen zum Selberdrehen, Schokolade und Unterhosen von Schiesser. Ihr Sohn Oliver, 34 Jahre alt, kurze dunkle Haare, lacht und küsst sie zur Begrüßung. Er sagt: »Mama, wie schön, dass du hier bist.« Meistens gibt er ihr nur die Hand. Dann sitzt sie auf einem und er auf dem anderen Sessel neben dem Tisch voller Zigarettenstummel und Asche. Die Wände sind kahl. Sie sagt nichts. Er sagt nichts. Die Luft klebt vor offenen Fragen, aber sie zu stellen haben sie aufgegeben. Zu oft schon konnten sie einander nicht erreichen. Manchmal zischt er, dass sie an allem schuld sei. Dann geht sie. Auf dem Heimweg im Auto schreit Barbara B. oft die gesamte Fahrt über, versucht, die Beklemmung wegzubrüllen. »Gott, warum ich?«

Ihr Sohn hat eine Schizophrenie. Die Diagnose bekam er mit 19; mit 29 versuchte er sich umzubringen und lebt seitdem in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt im Süden Deutschlands. Seine Mutter ist der einzige Mensch aus der Außenwelt, der noch Kontakt zu ihm hat.

Die Angehörigen ihrer Patienten interessieren die Ärzte kaum, und wenn, dann werden sie meist als Störfaktoren gesehen. Selten werden sie in die Behandlung miteinbezogen und noch seltener nach ihren eigenen Problemen gefragt. »Kinder von psychisch Kranken, ihre Geschwister, Partner und Eltern leiden oft nicht weniger als die Betroffenen selbst«, sagt Thomas Bock, Psychologe am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg. Eine Studie der Universität Gießen beschreibt die Belastung, der Familienmitglieder psychisch Kranker ausgesetzt sind, mit der eines Studenten in der Examenszeit. Mit dem Unterschied, dass der Druck jahrelang, wenn nicht ein Leben lang anhält. 65 Prozent der Angehörigen sind früher oder später selbst behandlungsbedürftig, zeigt die Studie.

Die Leute sollen nicht merken, dass der Sohn schizophren ist

Barbara B. hat keine Hilfe. Ihre Nägel sind rot lackiert, die Lippen rosa nachgezogen, sie zupft die Decke auf ihrem Wohnzimmertisch zurecht und sagt, es gehe ihr gut. Während sie die Geschichte ihrer Familie erzählt, jätet ihr Mann im Garten Unkraut. Stundenlang schlägt er die Hacke in die Erde. Zu »dem Elend«, hat er zuvor gesagt, wolle er sich nicht äußern. »Aus Scham«, sagt seine Frau und schließt die Tür zum Garten. Ihren richtigen Namen möchte auch sie nicht in der Zeitung lesen. In dem kleinen fränkischen Ort, in dem sie mit ihrem Mann lebt, glauben die Leute, ihr Sohn habe Probleme mit Drogen. »Das ist auch besser so. Die Wahrheit können und wollen die Leute nicht verstehen«, sagt Barbara B. »Die zucken zusammen, man hat so was nicht zu haben, es ist ein Makel.« Seit Jahren habe in dem Ort, in dem schon sie selbst aufwuchs, keiner mehr nach ihrem Sohn gefragt. Barbara B. sagt, sie könne das verstehen, »die wollen halt keine Probleme«. Und vielleicht denken einige auch, dass sie schuld sei am Schicksal des Sohnes. Das habe sie schon öfter gehört. Schuld, dass »aus einem so netten Jungen ein Trottel geworden ist«, wie ihre Schwiegermutter einmal gesagt hat.

Oliver hatte gerade seine Ausbildung als Krankenpfleger begonnen. Etwas verspätet, weil er oft nicht in der Schule gewesen war, und erst nach vielem Zureden seiner Eltern und der damaligen Freundin. Zusammen mit den anderen Auszubildenden sah er in der Klinik einen Lehrfilm; Blut war zu sehen, Fleisch, Skalpelle, eine normale Operation. Als das Licht anging, blieb Oliver reglos sitzen und starrte weiter auf den Bildschirm. Er rührte sich nicht mehr und reagierte auf nichts. Als er seine Mutter zwei Tage später anrief, war er nicht mehr Schüler der Klinik, sondern Patient. »Bei meinem ersten Besuch erkannte ich ihn nicht wieder. Sein Körper war der gleiche, aber seine Reaktionen, sein Sprechen, sein Denken waren mir so fremd.«

»Wie geht es dir?«, fragt die Mutter ihren Sohn immer wieder und will ihn am liebsten schütteln, bis der Spuk aufhört. »Ich hätte alles getan, um ihm zu helfen, aber ich war machtlos.« Der unerreichbare Sohn ist für sie wie eine persönliche Ablehnung, die Diagnose wie ein Stempel: versagt! »Für mich war immer klar, wenn es Kindern schlecht geht, machen die Eltern etwas falsch. Aber wir, dachte ich, machen es richtig. Als ich ihn so sah, wäre ich fast erstickt an den Schuldgefühlen.« Auf der Suche nach der Ursache zerpflückt Barbara B. ihre Vergangenheit, hinterfragt jede getroffene Entscheidung.

Von ihm habe er die Krankheit nicht, sagt der Vater und wird zum Trinker

Sie holt eine Klarsichthülle und schüttet Fotos auf den Tisch. Die Bilder zeigen ihren Sohn als Baby im Tragerucksack auf dem Rücken des Vaters; blond gelockt und mit dicken Beinchen auf der Terrasse vor dem Haus stehend. Im Trachtenanzug bei der Kommunion und mit einer Schultüte, die beinahe so groß ist wie der kleine Junge selbst, der in die Kamera grinst. »Wir stellten uns vor, er würde vielleicht einmal Arzt werden oder so etwas. Wir dachten, er könnte die Welt ein bisschen besser machen, wenn er groß ist«, sagt sie und dann: »Vielleicht haben wir zu viel von ihm erwartet.«

Auf den Klassenfotos werden seine Jeans enger, die Haare länger, seine Haut wird pickliger. Ihr Oliver, sagt sie, war eigentlich immer ein ganz normaler Junge. Vielleicht mit etwas seltsamen Freunden, immer eher in sich gekehrt. Sensibel eben, hatte sie gedacht und dann, dass er »eine verspätete Pubertät« durchlaufe. Die Fotos werden spärlicher. Das letzte ist ein Bild aus dem Automaten und zeigt Oliver als hübschen Teenager. 19 Jahre alt, die braunen Haare zu einem Zopf gebunden, der Kiefer kantig, sein Blick ist auffallend stechend. Danach gibt es kein Bild mehr. Barbara B. hat zu weinen begonnen. »Es ist, als hätte ich einen Menschen verloren«, flüstert sie.

Ein halbes Jahr lang versagte Barbara B. die Stimme. Sie konnte nicht mehr als Lehrerin arbeiten, blieb zu Hause und übernahm die Betreuung ihres Sohnes. 60 Prozent aller chronisch psychisch Kranken werden in ihrer Familie von Eltern, Kindern oder Partnern versorgt. In der Altenpsychiatrie sind es nach Angaben einer Angehörigenorganisation sogar 80 Prozent. Schulungen, um zu lernen, mit dieser Situation umzugehen, gibt es so gut wie keine.

Oliver blieb die folgenden 10 Jahre zu Hause, unterbrochen von Klinikaufenthalten in akuten Krisen. Er schluckte das Psychopharmakon Zyprexa gegen Wahnvorstellungen und das Beruhigungsmittel Tavor – psychologische Betreuung bekamen weder er noch seine Familie. »Oft war es zu Weihnachten oder anderen besonderen Ereignissen, dass eine Krise losging«, sagt Barbara B. Dann entdeckte er überall Kameras, die ihn ausspionierten, fühlte sich von der Polizei verfolgt, für die Verbrechen in den Nachrichten schuldig, schrie seine Mutter an, sie stecke mit der CIA unter einer Decke. Olivers Vater wollte davon nichts wissen. Sein Erbe könne das nicht sein, sagte er und glaubte, sein Sohn sei schlicht zu faul zum Arbeiten. Als er sich lustig machte über dessen wirre Ängste und ihn immer öfter anschrie, wurde Barbara B. auch ihr Mann fremd. »Ich empfand es als abstoßend, wie er unseren Sohn behandelte.«

Der Vater begann zu trinken. Bei einer Auseinandersetzung holte Oliver aus und schlug ihm auf die Nase. Das blutige Taschentuch von damals steckt seitdem in einem Glas auf dem Schreibtisch des Vaters. Es ist das Einzige, was er von seinem Sohn aufgehoben hat, sie haben sich danach nicht mehr gesehen. Die Eltern trennten sich.

Die unterschiedlichen Arten, mit Schmerz, Wut und Unsicherheit umzugehen, entfernen Angehörige oft genau dann voneinander, wenn sie sich am meisten brauchten. »In der Sorge um den Kranken hören viele auf, sich um sich und ihre Beziehungen zu kümmern. Alles dreht sich nur noch um den Kranken, was den noch mehr unter Druck setzt«, sagt Thomas Bock. »Wir wissen längst, dass es wichtig ist, die Familien in die Therapie miteinzubeziehen, aber leider ist das noch immer nicht selbstverständlich.« Die kürzeren stationären Aufenthalte werden daher oft zur Drehtür: Die Familie ist überfordert, die Stimmung entsprechend angespannt, der Patient wird rückfällig.

Lässt die Mutter ihr Kind im Stich, wenn sie etwas für sich selbst tut?

Nach dem Schlag auf die Nase wurde Oliver erneut eingeliefert, zum letzten Mal. Kurz darauf, in einer Gruppentherapie, stand er plötzlich auf, rief: »Jetzt bin ich total durchgeknallt!«, rannte zum Fenster und sprang aus dem dritten Stock. Dass ihr Sohn versucht hatte, sich umzubringen, und – kaum verletzt – überlebte, erfuhr seine Mutter zufällig, als sie zwei Tage später in der Klinik anrief.

Seit drei Jahren fährt Barbara B. regelmäßig in die nächstgrößere Stadt zu einem »Stammtisch für Angehörige psychisch Kranker«. Im Wirtshaus Zur silbernen Kanne hängen im holzgetäfelten Schankraum Hirschgeweihe an der Wand und ausgestopfte Fasane. Schwere Vorhänge und Polster dämpfen die Geräusche der Straße. Einmal im Monat kommen Väter und Mütter, Partner und erwachsene Kinder hierher, um ihr Leid zu teilen. Um Geschichten auszutauschen, die andere nicht hören wollen, und um von Ängsten zu erzählen, die nur wenige verstehen. Mehr als tausend Selbsthilfegruppen gibt es deutschlandweit, die von den Landesverbänden des Vereins für Angehörige psychisch Kranker organisiert werden. Barbara B. erfuhr davon über einen Aushang in der Klinik. »Zum ersten Mal habe ich hier Menschen getroffen, von denen ich mich verstanden fühlte. Wenn ich deren Geschichten höre und sehe, dass sie es auch schaffen, gibt mir das Kraft und Hoffnung.« Dort lernte sie, dass sie sich nicht fürchten muss vor den Wahnvorstellungen ihres Sohnes, dass sie ein Teil von ihm sind. Wenn er von CIA-Agenten spricht, antwortet sie heute: »Ich weiß, dass du das so empfindest, aber ich sehe das anders.«

»Den anderen mit seiner Krankheit anzunehmen ist für viele schwierig, aber ein entscheidender Schritt«, sagt Thomas Bock. Oft sei das nicht ohne äußere Hilfe zu bewältigen. Auch die Frage, wie viel Abstand man braucht, um seine Liebe zu bewahren, ist schwer zu lösen. Lasse ich mein Kind im Stich, wenn ich mir Zeit für mich nehme? Wie stark muss ich sein für mein erkranktes Familienmitglied? »Es hat keinen Sinn, nur noch für den anderen da zu sein«, sagt Thomas Bock. »Wer nicht auf sich achtet, geht selbst verloren, und dann rasen am Ende zwei Gestirne durchs All, das bringt niemandem etwas. Angehörige dürfen sich nicht auch verlieren, sonst fallen sie als wichtige Stütze aus.«

Barbara B. schaut in den Garten. Sie sei wieder zu ihrem Mann zurückgegangen, sagt sie, »damit er sich nicht zugrunde säuft«. Wenn sie schon für ihren Sohn nichts tun könne, wolle sie sich zumindest um ihren Mann kümmern. Dann betont sie noch einmal, dass es ihr gut gehe. Die Tränen laufen ihr dabei so selbstverständlich über das Gesicht, als wären sie immer da. Barbara B. beachtet sie nicht.

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Leser-Kommentare
  1. Hallo,
    leider kann ich den Artikel der betroffenen Familie nur bestaetigen.
    Unsere Ehe ist inzwischen auseinandergegangen und als betroffene Familie wird man allein gelassen mit einer schweren Problematik. Wir haben eine TOchter , die an Anoreksie und warhscheinlich mehreren psychischen Problemen erkrankt ist.
    Als Mutter habe ich versucht im Freundes- un d Bekanntenkreis offen damit umzugehen. Hier stosse ich auf mehr Verstaendnis als in den sog. Fachkreisen.
    Leider kommen immer wieder die Schuldzuweisungen von Fachleuten und das im Jahr 2008 (!!!) und die gehen oft ganz klar in meine Richtung ".. kann nur die Schuld der Mutter sein ..." .
    Ich habe selbst Hilfe von Fachleuten gebraucht um aus diesem Teufelskreis etwas herauszukommen und habe heute noch mit den Schuldgefuehlen zu kaempfen.
    Erschwerend wirken auch noch die MAnipulationen der TOchter , die Fachleute und Verwandte , Freunde und Bekannte hineinziehen.
    Es passiert sehr viel mit der ganzen Familie und da ist keiner da , der das auffangen kann und der Familie hilft wieder auf einen guten Weg zu kommen.
    Mein einziges Mittel ist mich selbst zu schuetzen , mich von meiner Tochter soweit es moeglich ist zurueckziehen , um den anderen Kindern in der Familie Existenz- und Entwicklungsmoeglichkeiten zu geben. Es ist ein sehr schwieriger Weg und ich bin mir sicher mit Hilfe von Fachleuten haette vieles frueher aufgefangen und in andere Richtungen geleitet werden koennen.
    Auch ich waehle inzwischen ganz genau aus , was ich wem erzaehle , egal ob es Familienmitglieder oder "nur" Bekannte sind.
    Es ist schwierig genug mit den Betroffenen zusammenzuleben , da benoetige ich nicht noch "unnoetige" Erregungen von aussen.
    maria-theresia5

  2. unter welchen zwaengen der kleinbuergerliche vorstadt-mittelstand so leidet.

    "der sohn hat nicht schizophren zu sein", "gaerten muessen gut gepflegt sein" usw.

    es waere einfach zu wuenschen, das die betroffene frau sich erst nicht mit ihren nachbarn und ihrem bekanntenkreis abgibt, wenn diese niedertraechtigen personen keinerlei verstaendnis fuer ihr leid haben.

    das erinnert mich an die zwangslage von neureichen vorstaedtern, die erstmalig arbeitslos geworden sind, und den billigen aldi-kaese in teure reformhausverpackungen legen, damit niemand etwas merkt und sie nicht vor scham im boden versinken.

    wer solche freunde hat, braucht hat keine feinde mehr!

    verlogenes oberflaechliches pack!

    aber die beschriebene frau ist dergleichermassen selbst schuld, laesst sie diese kritik doch an sich herantreten, und von zeit-autoren zu deren vorteil dramatisch ausbeuten. wuerde ueber sie berichtet werden, wenn alles paletti bei ihr ist?

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    • Anonym
    • 18.11.2008 um 9:25 Uhr

    der sich allerdings fast komplett mit meiner eigenen Einschätzung deckt.
    Schön soviel nüchternen Realitätssinn hier in der Zeit-Online-Community zu entdecken. Weiter so!
    Gruss
    Knüppel, schwul, selbstbewußt, kämpferisch ... lästig!

    Meine Eltern waren seit meinem 11. Lebensjahr psychisch krank (beide mit der Diagnose "Psychose schizophrener Formenkreis"). Mein Vater hat sich vor fast
    20 Jahren umgebracht - ich habe ihn gefunden. In der Schule haben sie gerne
    Witze gemacht über die Bekloppten in der Klappsmühle und ich hätte mir eher die Zunge abgebissen als vor denen ein Wort über meine Eltern zu verlieren.
    Es wird ja auch immer verständnissinnig geredet und dann genau anders gehandelt
    (kognitive Dissonanz). Jedenfalls ist man selbst hinterher der Depp. In meiner Schwiegerfamilie wurde ich jedenfalls und sogar die Kinder schief angesehen, wenn
    sie sich nicht so verhielten, wie man es für normal hielt - was Wunder.
    Man hat sein Leben lang etwas davon. Meine Mutter ist jetzt dauerhaft in einer
    Anstalt untergebracht, und meine Ehe wurde durch Unterhaltsforderungen auch auf eine ziemliche Probe gestellt. Die Unterbringung zahlt nicht die Krankenkasse, sondern das Sozialamt und wünscht sich daher ein Teil seiner horrenden Kosten von den Angehörigen zurück. Das Haus meines Opas (mein eigentliches Zuhause)
    musste ich verkaufen, ferner die von meinen Eltern erworbene Eigentumswohnung.
    Durch die Ehe bin ich ja noch versorgt. Mein Mann wünscht meiner Mutter den Tod - und trotz des Ärgers ist sie doch meine Mutter - die Beziehung ist auch nicht so ganz ohne.
    Dann wieder das Sozialamt mit Unterhaltsforderungen an mich bzw. meinen
    Mann, denn ich bin wegen der Kinder nicht der Großverdiener. Man selbst steht wirklich im Regen. All der Ärger wegen mir mit meiner furchtbaren Mutter.
    Tja...
    Ich habe großes Verständnis für die Mutter von Oliver - es gibt ein Leben vorher und nachher. Die sozialen Kontakte leiden, wer will schon was mit Verrückten zu tun haben? Oder sich dieses Elend anhören? Mein Mann bringt meiner Mutter nicht einen Funken Verständnis entgegen, er sieht in ihr eine unerträgliche Schmarotzerin, die ihm indirekt ans Geld geht.
    Sie hat in der Tat versucht meine Schwester und mich umzubringen, um uns vor Schlimmerem zu bewahren (sie glaubte nämlich immer, unsere ganze Familie würde von eindringenden Unholden umgebracht), das hat sie erst später schriftlich festgehalten und meiner Schwester übergeben.
    Kein Arzt hat mit uns Geschwistern von sich aus über die Krankheit unserer
    Eltern gesprochen. Sie waren im Landeskrankenhaus, wir kamen aus unseren
    Betreuungsplätzen wieder nach Hause zu Eltern, die wir vom Wesen nicht wiedererkannten - zerbrochene, antriebslose Gestalten mit monotoner Stimme.
    Meine Schwester war damals erst 4 Jahre alt, sie brauchte später psychotherapeutische Hilfe - was mich im Grunde nicht besonders wundert - jedem anderen Kind in einer solchen Situation wäre es wahrscheinlich ähnlich ergangen (oder sind nicht die Kinder von Bekloppten auch verrückt?).
    Die Verrückten sind die Aussätzigen der heutigen Gesellschaft und wer verrät,
    dass er so einer ist, ruft im Grunde "unrein".

    • Anonym
    • 18.11.2008 um 9:25 Uhr

    der sich allerdings fast komplett mit meiner eigenen Einschätzung deckt.
    Schön soviel nüchternen Realitätssinn hier in der Zeit-Online-Community zu entdecken. Weiter so!
    Gruss
    Knüppel, schwul, selbstbewußt, kämpferisch ... lästig!

    Meine Eltern waren seit meinem 11. Lebensjahr psychisch krank (beide mit der Diagnose "Psychose schizophrener Formenkreis"). Mein Vater hat sich vor fast
    20 Jahren umgebracht - ich habe ihn gefunden. In der Schule haben sie gerne
    Witze gemacht über die Bekloppten in der Klappsmühle und ich hätte mir eher die Zunge abgebissen als vor denen ein Wort über meine Eltern zu verlieren.
    Es wird ja auch immer verständnissinnig geredet und dann genau anders gehandelt
    (kognitive Dissonanz). Jedenfalls ist man selbst hinterher der Depp. In meiner Schwiegerfamilie wurde ich jedenfalls und sogar die Kinder schief angesehen, wenn
    sie sich nicht so verhielten, wie man es für normal hielt - was Wunder.
    Man hat sein Leben lang etwas davon. Meine Mutter ist jetzt dauerhaft in einer
    Anstalt untergebracht, und meine Ehe wurde durch Unterhaltsforderungen auch auf eine ziemliche Probe gestellt. Die Unterbringung zahlt nicht die Krankenkasse, sondern das Sozialamt und wünscht sich daher ein Teil seiner horrenden Kosten von den Angehörigen zurück. Das Haus meines Opas (mein eigentliches Zuhause)
    musste ich verkaufen, ferner die von meinen Eltern erworbene Eigentumswohnung.
    Durch die Ehe bin ich ja noch versorgt. Mein Mann wünscht meiner Mutter den Tod - und trotz des Ärgers ist sie doch meine Mutter - die Beziehung ist auch nicht so ganz ohne.
    Dann wieder das Sozialamt mit Unterhaltsforderungen an mich bzw. meinen
    Mann, denn ich bin wegen der Kinder nicht der Großverdiener. Man selbst steht wirklich im Regen. All der Ärger wegen mir mit meiner furchtbaren Mutter.
    Tja...
    Ich habe großes Verständnis für die Mutter von Oliver - es gibt ein Leben vorher und nachher. Die sozialen Kontakte leiden, wer will schon was mit Verrückten zu tun haben? Oder sich dieses Elend anhören? Mein Mann bringt meiner Mutter nicht einen Funken Verständnis entgegen, er sieht in ihr eine unerträgliche Schmarotzerin, die ihm indirekt ans Geld geht.
    Sie hat in der Tat versucht meine Schwester und mich umzubringen, um uns vor Schlimmerem zu bewahren (sie glaubte nämlich immer, unsere ganze Familie würde von eindringenden Unholden umgebracht), das hat sie erst später schriftlich festgehalten und meiner Schwester übergeben.
    Kein Arzt hat mit uns Geschwistern von sich aus über die Krankheit unserer
    Eltern gesprochen. Sie waren im Landeskrankenhaus, wir kamen aus unseren
    Betreuungsplätzen wieder nach Hause zu Eltern, die wir vom Wesen nicht wiedererkannten - zerbrochene, antriebslose Gestalten mit monotoner Stimme.
    Meine Schwester war damals erst 4 Jahre alt, sie brauchte später psychotherapeutische Hilfe - was mich im Grunde nicht besonders wundert - jedem anderen Kind in einer solchen Situation wäre es wahrscheinlich ähnlich ergangen (oder sind nicht die Kinder von Bekloppten auch verrückt?).
    Die Verrückten sind die Aussätzigen der heutigen Gesellschaft und wer verrät,
    dass er so einer ist, ruft im Grunde "unrein".

  3. zu wissen, dass ein geliebter Mensch leidet und nichts für ihn tun zu können. Leider gibt es viele dieser blinden Flecken in unserer Gesellschaft. Weil es immer leichter ist auf jemanden mit dem Finger zu zeigen oder einfach wegzusehen, in der Hoffnung, dass man selbst von einem ähnlichen Schicksal verschont bleibt.

    Dabei hätte unsere Gesellschaft alle Möglichkeiten hier helfend und aufklärend mitzuwirken. Wir stecken so viele Mittel in den Ausbau von Straßen, die keiner bräuchte wenn die Wirtschaft gleichmäßiger über das Land verteilt wäre und die Lieferketten logistisch vernünftig aufgebaut und über Schiene realisiert wären.

    Stattdessen lassen wir die Menschen mit ihren Problemen allein. Wer von uns nennt denn eine Ausbildung als Psychologe oder Rettungshelfer sein eigen, um damit Angehörigen die im sterben liegen, Drogen nehmen oder sonstige psychische Probleme haben beizustehen? Im Grunde wird es durch das wegsehen der Gesellschaft und damit in letzter Konsequenz des Staates, nur schlimmer. Siehe Tibet.

    Dort werden Nonnen vergewaltigt und nur weil gerade kein Event in der Gegend stattfindet wird ein solches Problem totgeschwiegen. Wie in vielen Teilen unserer Welt (Kongo, Mexiko,...). Dabei gibt es eine Sache die wir von den Buddhisten lernen könnten. Probleme sachlich und in Ruhe lösen egal wieviel Leid bereits verursacht wurde. Denn alles hängt zusammen, wie die Finanzkrise gezeigt hat. Sogar die Theorie komplexer Systeme (Chaosforschung) bestätigt das.

    Wenn wir uns also um unsere Mitmenschen nicht kümmern, besteht die Gefahr, dass wir selbst irgendwann in einer ähnlichen Lage stecken. Und wer hilft uns dann wenn wir keine Instrumente dafür schaffen, solange es uns gut geht?

    Macht zu erlangen ist eine Herausforderung. Mit Gewalt zu herrschen, ist unserer nicht würdig. Wahrhaft siegt, wer nicht kämpft.

    Weisheit währt am Längsten.

    Die Zukunft beginnt mit dem nächsten Augenblick!
    ---<-@ @->--- --->-@ @-<--- ---<-@ @->--

  4. "Scham und Schuldgefühl"
    Nicht von Jane Austen der Titel. Stolz und Vorteil ist aber gerade die andere Seite der Medaille.
    Darin liegt die Unlösbarkeit des Dilemmas.

    Wer wird denn alles mit seinem Unglück "allein gelassen"? Der Zocker, der seine Ersparnisse gurgelnd im Orkus einer Usabank verschwinden sah. Der Tourist, der auf seiner Reise nach Prag in ein halbes Dutzend extra für ihn aufgestellter polizeilicher Fallen getappt ist. Der Vermieter, dessen Altersvorsorgeimmobile von einem Mietnomaden quasi verbrannt wurde. Die Ehefrau, die seit Jahren auf das Erwachen ihres apallischen Mannes wartet. Der Ehegatte, der zusieht, wie Frau sein sauer Erspartes nach der Trennung mit einem Anderen durchbringt. Krebspatienten. Schlaganfallopfer. Liebeskummerige ... usw..
    Gehört jedem ein ihn stets begleitender Psychiater? Aber die scheinen selbst gemessen an ihrer Suicidrate die meisten Probleme mit dem Unglücklichsein zu haben. Nicht zuletzt durch die ständig an sie gestellten unerfüllbaren Erwartungen vielleicht?
    Es ist ein kardinaler Trugschluss, die Lösung seiner Ängste an eine externe, womöglich sogar noch staatliche Stelle delegieren zu können. So wie Opel.
    Verabschieden Sie sich von dem Gedanken, das Unglück vom Angesicht der Erde auch bloß um eine winzige Nuance verringern zu können.

    Es gibt immer solche, von denen im Woyzeck steht. "Kämen er und seinesgleichen in den Himmel, sie müssten wohl donnern helfen. "

    Glück ist eine differentielle Empfindung. Irgendwie und irgendwann ist jeder mal Woyzeck. Im tiefsten Elend 1945 gab es keine idiopathischen Angststörungen. Heute "im Wohlstand" hat sie bald jeder 6..
    Und diese Angststörung wird im jugendlichen Alter mitunter wahnhaft ("apophän"). Verzögert z.B. Stolz und Vorurteil die rasche medikamentöse(!) Hilfe, exacerbiert das Ganze manchmal zu dem, was landläufig "Schizophrenie" heißt.

  5. Ich bin in psychotherapeutischer Behandlung und merke immer wieder, wie in mir zwei Meinungen leben. Die eine sagt mir, dass ich keine Depressionen haben darf, denn schließlich könnte sich nicht auch der Rest der Welt erlauben psychisch krank zu sein denn so würde überhaupt nichts mehr funktionieren. Ich solle mich zusammenreißen, jeder hätte schließlich seine Probleme, wegen denen er auch nicht sofort zum Seelendoktor rennt.
    Die andere sagt mir, dass ich meine Augen nicht davor verschließen darf, dass es mir an manchen Tagen vor lauter Depressionen schwer fällt, vor die Tür zu gehen weil die Menschen da draußen mir Angst bereiten. Dass seit Kindestagen her ich Schwierigkeiten habe mit anderen Menschen umzugehen, mit ihnen zu kommunizieren während andere am ersten Tag schon 5 neue Freunde haben.

    Welcher Stimme soll ich zuhören? Wie kann man es sich erlauben inmitten einer Gesellschaft Sozialphobie zu haben? Wer versteht, dass man seine Aufgaben nicht erledigen konnte weil man es nicht einmal geschafft hat sich aus der Tür zu trauen? Es ist leicht zu sagen, versauf nicht in deinem eigenen Mitleid wenn man nie die Schwere einer Depression im Kopf liegen hatte. Es ist leicht zu sagen, ich kann das alles nicht, um vor Verantwortung zu fliehen.

    Und so ist jeder Tag ein neuer Tag, in dem man versucht, zwischen den zwei Meinungen abzuwiegeln. In dem tausend Ausreden formuliert nur um nicht sagen zu müssen: "Ich bin depressiv". Um nicht als Versager seines eigenen Lebensmanagementes dazustehen. Um nicht als komischer Vogel abgestempelt zu werden. In wie fern hat der Mensch sein eigenes Leben in der Hand?

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    • Anonym
    • 16.11.2008 um 14:45 Uhr

    Mit meinen unterschiedlichen Gefühlswelten habe ich gelernt umzugehen.
    Ich bin ja schon ein älteres Semester, habe alle guten und schlechten Zeiten bewältigt. Es gab eine Zeit, da ließ ich mich krank reden, rannte in mehrere Psychotherapien und glaubte schließlich schon was andere meinten, das ich hätte.
    Ich habe mich von diesen Nutznießern freigemacht und habe mich akzeptiert, wie ich bin. Ich lebe mit meinen Euphorien genauso wie mit meinen Melancholien denn ich glaube sie sind teils menschgegeben. Immer schon gab es Menschen mit einem ausgeprägten Gefühlsleben und oftmals waren es großartige Menschen die großartiges erreicht haben. Große Künstler der Vergangeheit haben in ihren Tiefs besonderes geleistet.
    Wie gesagt und geschrieben, seit ich mich so akzeptiere wie ich bin, bin ich Ich.
    Herzlichst
    Le Routier

    # Silberschnur. Guten Tag im Morgengrau. Verstehen Sie meine Frage?

    Sich erlauben zu können, mit seinem Lebensmanagement als Versager dazustehen, nicht als komisch verschrien zu werden - diese Realitäten, diese harten Realitäten inbezug auf sich selber - sie sind doch weiter nichts als Scheinrealität. Wer hat Ihnen je gesagt, dass die hiermit ausgedrückten Werte für Alle verbindlich sein müssten?

    Überhaupt das "Alle": Alle ist die grosse Illusion, die man so gerne bei Deutschen heranzieht, um eine innere Notwendigkeit für jemand anderen plausiberl erscheinen zu lassen, und doch ist dieses Verhalten doch eigentlich nichts mehr als ein Machtkampf um die Vorherrschaft, wer sich durchsetzen kann; um dann, mit den kollektiven Bestätigungen hierfür, sich selbst und seinem Verhalten weiter Recht zu geben.

    Achten Sie als Betroffener einer anderen, für Sie vielleicht sogar "besseren" - im Sinne von nützlicheren -, Realität für Ihr persönliches Vorankommen als Individuum bitte nicht auf die kollektiven Werte. Sind Sie frei? Freud nannte die Instanz, die uns glauben macht, was sich doch gehöre und was eher nicht, das "Über-Ich".

    Im Zeitalter der Spiritualität gilt das Über-Ich längst als faktische Illusion. Das bedeutet, für Ihre seelische Wirklichkeit taugen die Werte Ihrer einen Seite nichts Besonderes. Sie mögen sowas vielleicht nicht gerade gerne hören, weil Ihre offensichtlichen, durch Ängste eingeschränkten, E-Motionen, also Leistungsantriebe, sich dadurch gefährdet bei ihrer Selbst-Berechtigung erleben.

    Doch bin ich sicher, Sie können tun und lassen, wie Sie eben wollen: eine der beiden Stimmen ist immer da, nicht? Das Perfide an Ihrer Verfassung ist ja vielleicht gerade, dass die beiden "Ach-zwei-Seelen" (ich lache Sie nicht etwa aus) Sie durch ihre scheinbare Gegensätzlichkeit stark verunsichern.

    Dem können Sie nur entgegenwirken, wenn Sie sich täglich mehrmals ganz klar selber zu verstehen geben, dass das, was Sie verunsichert, nicht Ihre wahre Realität sein darf. Aber freiwillig. Fühlen Sie es, ob Sie verunsichert sind, und lernen Sie, auf Ihr Gefühl zu hören. Das ist das Einzige, was zählt. Nur Sie selber können sich zu einem dahingehend sicheren Menschen machen, dass Sie sich mit Ihrer Realität annehmen.

    Ich bin überzeugt, dass dies der innere Sinn so mancher psychischen Störung sein müsste, weil nur dadurch das kosmische Gesetz bestätigt wird, dass Jeder letzten Endes in gesitiger Hinsicht nur sich selber verantwortlich bleibt - nebst seinem ureigenen Schöpfer. Doch DER will es nicht für uns tun. Sein Lohn ist die allmähliche Selbstakzeptanz, das Wandeln der inneren Gefühlswelt, sowie das Erlernen, mit falschen Realitäten so zu verfahren, dass wir SIE als Illusion demaskieren, und nicht uns selber!

    Ich hoffe, mein etwas ausführlicher Kommentar unterstütze Sie und Andere auf Ihren je eigenen Wegen.

    Auf der Höhe bleibt, wen die Wellen der ZEIT erreichen.

    • Anonym
    • 16.11.2008 um 14:45 Uhr

    Mit meinen unterschiedlichen Gefühlswelten habe ich gelernt umzugehen.
    Ich bin ja schon ein älteres Semester, habe alle guten und schlechten Zeiten bewältigt. Es gab eine Zeit, da ließ ich mich krank reden, rannte in mehrere Psychotherapien und glaubte schließlich schon was andere meinten, das ich hätte.
    Ich habe mich von diesen Nutznießern freigemacht und habe mich akzeptiert, wie ich bin. Ich lebe mit meinen Euphorien genauso wie mit meinen Melancholien denn ich glaube sie sind teils menschgegeben. Immer schon gab es Menschen mit einem ausgeprägten Gefühlsleben und oftmals waren es großartige Menschen die großartiges erreicht haben. Große Künstler der Vergangeheit haben in ihren Tiefs besonderes geleistet.
    Wie gesagt und geschrieben, seit ich mich so akzeptiere wie ich bin, bin ich Ich.
    Herzlichst
    Le Routier

    # Silberschnur. Guten Tag im Morgengrau. Verstehen Sie meine Frage?

    Sich erlauben zu können, mit seinem Lebensmanagement als Versager dazustehen, nicht als komisch verschrien zu werden - diese Realitäten, diese harten Realitäten inbezug auf sich selber - sie sind doch weiter nichts als Scheinrealität. Wer hat Ihnen je gesagt, dass die hiermit ausgedrückten Werte für Alle verbindlich sein müssten?

    Überhaupt das "Alle": Alle ist die grosse Illusion, die man so gerne bei Deutschen heranzieht, um eine innere Notwendigkeit für jemand anderen plausiberl erscheinen zu lassen, und doch ist dieses Verhalten doch eigentlich nichts mehr als ein Machtkampf um die Vorherrschaft, wer sich durchsetzen kann; um dann, mit den kollektiven Bestätigungen hierfür, sich selbst und seinem Verhalten weiter Recht zu geben.

    Achten Sie als Betroffener einer anderen, für Sie vielleicht sogar "besseren" - im Sinne von nützlicheren -, Realität für Ihr persönliches Vorankommen als Individuum bitte nicht auf die kollektiven Werte. Sind Sie frei? Freud nannte die Instanz, die uns glauben macht, was sich doch gehöre und was eher nicht, das "Über-Ich".

    Im Zeitalter der Spiritualität gilt das Über-Ich längst als faktische Illusion. Das bedeutet, für Ihre seelische Wirklichkeit taugen die Werte Ihrer einen Seite nichts Besonderes. Sie mögen sowas vielleicht nicht gerade gerne hören, weil Ihre offensichtlichen, durch Ängste eingeschränkten, E-Motionen, also Leistungsantriebe, sich dadurch gefährdet bei ihrer Selbst-Berechtigung erleben.

    Doch bin ich sicher, Sie können tun und lassen, wie Sie eben wollen: eine der beiden Stimmen ist immer da, nicht? Das Perfide an Ihrer Verfassung ist ja vielleicht gerade, dass die beiden "Ach-zwei-Seelen" (ich lache Sie nicht etwa aus) Sie durch ihre scheinbare Gegensätzlichkeit stark verunsichern.

    Dem können Sie nur entgegenwirken, wenn Sie sich täglich mehrmals ganz klar selber zu verstehen geben, dass das, was Sie verunsichert, nicht Ihre wahre Realität sein darf. Aber freiwillig. Fühlen Sie es, ob Sie verunsichert sind, und lernen Sie, auf Ihr Gefühl zu hören. Das ist das Einzige, was zählt. Nur Sie selber können sich zu einem dahingehend sicheren Menschen machen, dass Sie sich mit Ihrer Realität annehmen.

    Ich bin überzeugt, dass dies der innere Sinn so mancher psychischen Störung sein müsste, weil nur dadurch das kosmische Gesetz bestätigt wird, dass Jeder letzten Endes in gesitiger Hinsicht nur sich selber verantwortlich bleibt - nebst seinem ureigenen Schöpfer. Doch DER will es nicht für uns tun. Sein Lohn ist die allmähliche Selbstakzeptanz, das Wandeln der inneren Gefühlswelt, sowie das Erlernen, mit falschen Realitäten so zu verfahren, dass wir SIE als Illusion demaskieren, und nicht uns selber!

    Ich hoffe, mein etwas ausführlicher Kommentar unterstütze Sie und Andere auf Ihren je eigenen Wegen.

    Auf der Höhe bleibt, wen die Wellen der ZEIT erreichen.

    • Anonym
    • 16.11.2008 um 14:45 Uhr

    Mit meinen unterschiedlichen Gefühlswelten habe ich gelernt umzugehen.
    Ich bin ja schon ein älteres Semester, habe alle guten und schlechten Zeiten bewältigt. Es gab eine Zeit, da ließ ich mich krank reden, rannte in mehrere Psychotherapien und glaubte schließlich schon was andere meinten, das ich hätte.
    Ich habe mich von diesen Nutznießern freigemacht und habe mich akzeptiert, wie ich bin. Ich lebe mit meinen Euphorien genauso wie mit meinen Melancholien denn ich glaube sie sind teils menschgegeben. Immer schon gab es Menschen mit einem ausgeprägten Gefühlsleben und oftmals waren es großartige Menschen die großartiges erreicht haben. Große Künstler der Vergangeheit haben in ihren Tiefs besonderes geleistet.
    Wie gesagt und geschrieben, seit ich mich so akzeptiere wie ich bin, bin ich Ich.
    Herzlichst
    Le Routier

    • helgam
    • 16.11.2008 um 16:16 Uhr

    Da reden wir immer vom Schutz der Menschenrechte, von Antidiskrimminierung, von Toleranz..
    Und die Praxis vor der eigenen Haustür zeigt, daß das alles nur Lippenbekenntnisse der Politik sind, die im normalen Altag zu schnell versagen. Wenn einer von uns anders ist als wie der schöne Schein erlaubt wird er gemieden, zumindest vorschnell stigmatisiert.!
    Und dann wollen wir ein MULTIKULTILAND sein......
    Oft sind mir die psychisch Kranken wichtiger als die Normalos und vor allem sind sie ehrlicher.
    Oft haben sie ein Problem mit den Widersprüchen in der Politik oder in der Gesellschaft. Diese Probleme werden dann mit Dämpfungsmitteln (Psychopharmaka) eingestummt.
    Die Pharmaindustrie ist zufrieden, die Probleme aber bleiben für den Kranken und für die Gesellschaft.
    Psychologie ist das moderne Opium sagt Albert Krölls aus dem grauen Haus und er hat Recht.

  6. Im Artikel der Frau Zeug ging es um die Feststellung, dass Angehörige von Schizophrenen allein gelassen werden. Vom "Staat" , nehme ich mal an.

    Meine Gegenfeststellung, dass Glück und Unglück differentielle Befindlichkeiten sind, die somit integral zum Dasein gehören, erfordert die konsequente Anerkenntnis der Tatsache, dass es nicht für alle Befindlichkeitsstörungen institutionelle Hilfe geben kann. Das ist eine Seite.

    Die andere Seite ist: Die Akzeptanz von Schmerz und damit auch Angst geht in einer Gesellschaft aus immer greller inszenierten Glückspersönlichkeiten allmählich gegen Null.
    "Depression" ist die regressive Antwort auf ein Übermaß an Angst. Das Spektrum an Depressionen ist ähnlich breit wie das, was so alles unter dem Titel "Schizophrenie" läuft. Ein großer Teil dieser "Psychosen" sind Ausdruck chaotisch entgleister Stoffwechselprozesse. Also erst mal keine "psychischen Probleme", die Anlass zu sekundären Selbstwertkrisen gäben.

    Wenn Angehörige allerdings mit einschlägig indoktrinierten Vorurteilen gegenüber Arzt und Medikamenten antreten und ihre eigene Angst z.B. unter dem verbreiteten Motto "wascht ihm den Pelz, aber macht ihn nicht nass!" zum Ausdruck bringen, so ist das Dilemma schon nicht mehr zu lösen. Abgesehen davon liegt darin jene verräterische fast rituelle Beschwörungsgeste: Wenn es Psychotherapie allein tut, wird es nicht so schlimm sein.

    Dieses damit verbundene fatale, allerhöchstens halbbewusste, Versagen wiederum wird zum Ausgangspunkt gereizt bis aggressiv vorgetragener Forderungen nach gefälligster Beseitigung auch des eigenen Missstands. Mit diesem Trick delegiert man die eigene Verantwortung, egal ob letztlich berechtigt oder wahnhaft, wieder hinaus an anonyme Instanzen. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Verantwortung ist mühsam.

    Fazit: Wer sich als Angehöriger vom behandelnden Arzt unverstanden fühlt, versteht wahrscheinlich in erster Linie seine eigenen angstgepeitschten Motive nicht. Keinem Angehörigen bleibt doch verwehrt, seinerseits medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das Angebot ist riesig.
    Das Gezeter, allein gelassen zu werden, ist somit letztlich nichts anderes als Stolz.

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    # Silberschnur. Mal abgesehen davon, dass ich Ihren Schreibstil sehr mag, bedanke ich mich hiermit auch einmal ganz herzlich für die Klarheit und freundliche Art, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, wenn's darum geht, Missstände bei ihrem Namen zu nennen.

    Da ich selber auch aus eigener Erfahrung sprechen darf, muss ich leider zu Ihrem Votum stehen. Das Schlimme daran, was zerstört wird, sobald man über psychiatrische Hilfe zu staatlicher Unterstützung gelangt, scheint anfänglich tatsächlich der eigene Stolz.

    Es ist beinahe nicht beim Namen zu nennen, wie sehr wir normalerweise Wert auf unsere Äusserlichkeit legen. Ist man durch den Prozess der "Depersonalisierung" jedoch einmal hindurchgegangen - wie Pamino durch die Elementen-Tore bei seiner und Paminas Einweihung - muss man, anfänglich etwas zähneknirschend, sich je länger, desto mehr aber eingestehen, dass DIE PERSONA NICHT VON ÄUSSEREN UMSTÄNDEN ABHÄNGT.

    Erkennt man mit der Zeit mithilfe der Psychotherapie (oder auch, wie Sie propagieren, und was ich teilweise gutheissen kann, durch Medikamente), wo die wirklichen Kräfte in einem selbst liegen - oft genug zugeschüttet durch kollektivistische £Vorstellungen von Sollwerten, die bei Psychosen ALLESAMT Ängste auf ner anderen Seite in einem selbst drin hervorzurufen vermögen! - beginnt man auch bald, das Wesen seiner Persona zu erkennen, und diese unter anderen Umständen neu aufzubauen.

    So schwierig es sich anfühlt: psychologisch betrachtet ist es doch gerade so einfach, und dahinter liegt kein anderer Sinn, als dies zu erkennen.

    Auf der Höhe bleibt, wen die Wellen der ZEIT erreichen.

    # Silberschnur. Mal abgesehen davon, dass ich Ihren Schreibstil sehr mag, bedanke ich mich hiermit auch einmal ganz herzlich für die Klarheit und freundliche Art, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, wenn's darum geht, Missstände bei ihrem Namen zu nennen.

    Da ich selber auch aus eigener Erfahrung sprechen darf, muss ich leider zu Ihrem Votum stehen. Das Schlimme daran, was zerstört wird, sobald man über psychiatrische Hilfe zu staatlicher Unterstützung gelangt, scheint anfänglich tatsächlich der eigene Stolz.

    Es ist beinahe nicht beim Namen zu nennen, wie sehr wir normalerweise Wert auf unsere Äusserlichkeit legen. Ist man durch den Prozess der "Depersonalisierung" jedoch einmal hindurchgegangen - wie Pamino durch die Elementen-Tore bei seiner und Paminas Einweihung - muss man, anfänglich etwas zähneknirschend, sich je länger, desto mehr aber eingestehen, dass DIE PERSONA NICHT VON ÄUSSEREN UMSTÄNDEN ABHÄNGT.

    Erkennt man mit der Zeit mithilfe der Psychotherapie (oder auch, wie Sie propagieren, und was ich teilweise gutheissen kann, durch Medikamente), wo die wirklichen Kräfte in einem selbst liegen - oft genug zugeschüttet durch kollektivistische £Vorstellungen von Sollwerten, die bei Psychosen ALLESAMT Ängste auf ner anderen Seite in einem selbst drin hervorzurufen vermögen! - beginnt man auch bald, das Wesen seiner Persona zu erkennen, und diese unter anderen Umständen neu aufzubauen.

    So schwierig es sich anfühlt: psychologisch betrachtet ist es doch gerade so einfach, und dahinter liegt kein anderer Sinn, als dies zu erkennen.

    Auf der Höhe bleibt, wen die Wellen der ZEIT erreichen.

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