Lebensmittel »Wir sind stolz auf unser Pflänzchen«

Stevia süße nicht nur Speisen, sondern gebe auch vielen Bauern Arbeit, sagt der Präsident der Stevia-Kammer Paraguays

DIE ZEIT: Señor Fischer, was hat man sich unter der Cámera Paraguaya de la Stevia (Capaste), der paraguayischen Stevia-Kammer, vorzustellen?

Juan Carlos Fischer: Die Capaste ist ein Zusammenschluss all jener, die am Herstellungsprozess beteiligt sind, von den Bauern bis zur Industrie. Im Moment setzt sich unsere Organisation dafür ein, dass Stevia international als original paraguayische Pflanze zertifiziert wird.

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ZEIT: Was hätte Paraguay denn davon?

Fischer: Nun, die Chinesen verwenden zum Beispiel oft chemische Zusätze bei der Herstellung – im Gegensatz zu uns. Wir möchten, dass die natürliche Qualität gewährleistet bleibt. Und wir sind einfach stolz auf dieses Pflänzchen, mit dem ein kleines Land mitten in Lateinamerika dazu beitragen kann, die Lebensqualität an vielen anderen Orten der Welt zu verbessern. Bisher gibt es kaum Möglichkeiten, Stevia maschinell zu kultivieren. Daher bietet die Pflanze vielen Bauern eine Perspektive – und das nicht nur in Paraguay, sondern auch in anderen Ländern Südamerikas und Asiens.

ZEIT: Apropos Asien: Ärgert man sich als Paraguayer nicht über die Japaner, die in den siebziger Jahren Stevia-Setzlinge geraubt und außer Landes gebracht haben?

Fischer: Na ja, eigentlich war es eher Betrug als Diebstahl. Soweit ich weiß, haben die Japaner die Setzlinge damals ganz offiziell von einem paraguayischen Bauern gekauft, mit Erde und allem. Das hatte schon alles seine Richtigkeit – nur dass es sich bei den Käufern eben nicht um Bauern, sondern um Wissenschaftler handelte. Aber wir sind nicht eifersüchtig. Japan hat ja auch, ebenso wie Brasilien, viel dazu beigetragen, das Gewächs genauer zu erforschen.

ZEIT: Was ist das Besondere an Stevia?

Fischer: Der Botaniker Moises Bertoni, ihr Entdecker, hat die Pflanze als »wild und rebellisch« bezeichnet. Er sagte, dass sie noch vielen weiteren Generationen und Kulturen nutzen werde. Und er hat recht behalten. Stevia kann man nicht anbauen wie Mais oder Zuckerrohr. Es ist ein sehr aufwendiger Prozess, der bis zu 500.000 Familien Arbeit gibt. So lange Stevia sich nur traditionell kultivieren lässt und auf diese Weise dazu beiträgt, die Armut zu bekämpfen, bleibt es dabei.

Leser-Kommentare
    • Kisju
    • 30.04.2010 um 9:44 Uhr

    Das Thema Stevia würde sicher auch in Deutschland an Popularität gewinnen, wenn die Zucker Lobby nicht so viel Einfluss und Macht hätte. Stevia wird nicht nur in Paraguay schon seit Jahrhunderten als Süßmittel verwendet. Und das ohne gesundheitliche Folgen. Immerhin hat dies nun auch die EFSA erkannt und die Unbedenklichkeit der Pflanze bestätigt. Damit sollte eine Zulassung als Lebensmittel nichts mehr im Wege stehen. (Ausgenommen der Zucker Lobby) Stevia wird übrigens auch in Deutschland angebaut.

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