Es gibt Filme, da weiß man nach fünf Minuten: Das wird nix mehr. Zu viel Wille. Zu viel Gefühl. Zu viel Symbolik. So ist es leider auch bei Caroline Links Im Winter ein Jahr. Sieben Jahre hat es gedauert, bis die Oscar-Preisträgerin ein neues Werk vollenden konnte, und dann beginnt es mit einem jungen Mann, der in sich versunken durch Schneeflocken tanzt. Kurz darauf kündet ein Schuss aus dem Off von seinem Selbstmord; der Film erzählt dann, wie die Familie mit dem letztlich unerklärlichen Tod des netten, freundlichen, sportlichen, lebenslustigen Jungen – nicht mal schwul war er! – fertig zu werden versucht.

Die Mutter (Corinna Harfouch) gibt ein Jahr nach der Katastrophe bei einem renommierten Maler (Josef Bierbichler) ein Doppelporträt ihrer beiden Kinder in Auftrag, und während der sich anhand von Fotos seines toten Modells und in Sitzungen mit der trotzigen Schwester (Karoline Herfurth) ein Bild zu machen versucht, zerfällt die Münchner Vorzeigesippe in traurige Einzelteile. Geradezu verzweifelt versucht das Ensemble toller Darsteller, die Gefühligkeitsgier dieses Films herunterzuspielen – vergeblich. Aus jeder Einstellung spricht der Wunsch, nur ja bedeutend zu sein; sogar das Gemälde im Zentrum der Geschichte hat ein Star beigesteuert, der Maler Florian Süssmayr. Und doch sieht alles nur aus wie eine neue Derrick- Folge – Harry, hol schon mal das Klischee.

Dass die Schwester des Toten auch noch Tänzerin sein muss, beschert einem für die Dauer des Films die Furcht vor ihrem finalen Ausdruckstanz. Aber vor dem gibt es kein Entrinnen, so wenig wie vor jener Szene, in der die Mutter an den Ort des Selbstmords zurückkehrt und nasse Baumwurzeln umarmt. Am Ende schneit’s dann wieder – leider zu wenig, um über so viel Elend die weiße Decke des Vergessens zu legen.