Kino Alles so bedeutendAnna Netrebko
Caroline Links neuer Film "Im Winter ein Jahr" nimmt den Selbstmord eines jungen Mannes zum Anlass für eine Familiengeschichte. Herauskommt ein Rührstück voller Klischees
Es gibt Filme, da weiß man nach fünf Minuten: Das wird nix mehr. Zu viel Wille. Zu viel Gefühl. Zu viel Symbolik. So ist es leider auch bei Caroline Links Im Winter ein Jahr. Sieben Jahre hat es gedauert, bis die Oscar-Preisträgerin ein neues Werk vollenden konnte, und dann beginnt es mit einem jungen Mann, der in sich versunken durch Schneeflocken tanzt. Kurz darauf kündet ein Schuss aus dem Off von seinem Selbstmord; der Film erzählt dann, wie die Familie mit dem letztlich unerklärlichen Tod des netten, freundlichen, sportlichen, lebenslustigen Jungen – nicht mal schwul war er! – fertig zu werden versucht.
Die Mutter (Corinna Harfouch) gibt ein Jahr nach der Katastrophe bei einem renommierten Maler (Josef Bierbichler) ein Doppelporträt ihrer beiden Kinder in Auftrag, und während der sich anhand von Fotos seines toten Modells und in Sitzungen mit der trotzigen Schwester (Karoline Herfurth) ein Bild zu machen versucht, zerfällt die Münchner Vorzeigesippe in traurige Einzelteile. Geradezu verzweifelt versucht das Ensemble toller Darsteller, die Gefühligkeitsgier dieses Films herunterzuspielen – vergeblich. Aus jeder Einstellung spricht der Wunsch, nur ja bedeutend zu sein; sogar das Gemälde im Zentrum der Geschichte hat ein Star beigesteuert, der Maler Florian Süssmayr. Und doch sieht alles nur aus wie eine neue Derrick- Folge – Harry, hol schon mal das Klischee.
Dass die Schwester des Toten auch noch Tänzerin sein muss, beschert einem für die Dauer des Films die Furcht vor ihrem finalen Ausdruckstanz. Aber vor dem gibt es kein Entrinnen, so wenig wie vor jener Szene, in der die Mutter an den Ort des Selbstmords zurückkehrt und nasse Baumwurzeln umarmt. Am Ende schneit’s dann wieder – leider zu wenig, um über so viel Elend die weiße Decke des Vergessens zu legen.
- Datum 16.12.2008 - 09:36 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 13.11.2008 Nr. 47
- Kommentare 3
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Das Bild zeigt doch Corinna Harfouch, oder?
...hatte doch schon Nanni Moretti mit "la stanza del figlio" vor ein paar Jahren verfilmt. über den Film wurde hier in Italien mehr (oder doch weniger) schwärmerisch berichtet. Als ich ihn dann im Fernsehen gesehen habe, habe ich eigentlich gar nicht verstanden, was erzählt wurde. Man sah eigentlich nur den Emotionsbelasteten Hauptdarsteller der bedeutungsgeladen über sein versautes Leben nachdachte. Der Film war konfus und total gezwungen Gefühlsgeladen. Halt so wie hier der Film "im Winter ein Jahr" beschrieben wird. Da hat wohl jemand stark abgekupfert... und nachdem die Kopie immer schlechter als das Original werde ich mir den Film hier wohl nicht einmal im Fernsehen antun... Geschweige denn im Kino.
Ich war begeistert von dem Film. ich finde, dass Kitsch und gefühlsduseligkeit gebrochen waren und so hat es mich total reingezogen. Da ich auch selber zwei Kinder habe, ging mir der Film sehr ans Herz. Ich glaube, dass es typisch für männliche Filmkritiker ist, bei solchen Filmen nicht mitgehen zu können, die nicht nur auf den Intellekt abzielen, und nur künstlerische Selbstbefriedigung und totale Kopfgeburten sind.
Leute, geht in diesen Film, es lohnt sich!!!!!
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