Aus unseren Schulen kommen selten gute Nachrichten, aus Ostdeutschland ebenso wenig. Deshalb sind die neuesten Pisa-Ergebnisse ein Grund zur Freude. Seit der ersten Studie vor sechs Jahren haben sich alle Bundesländer gesteigert. In den Naturwissenschaften etwa haben unsere Besten – Sachsen, Bayern und Thüringen – zu Finnland und Kanada aufgeschlossen. Den größten Sprung nach vorn jedoch haben die Sorgenkinder gemacht: Länder wie Sachsen-Anhalt, Brandenburg oder Bremen.

Zwar nimmt die Hansestadt in den Ranglisten immer noch den Schlussplatz ein. Doch es kommt auf etwas anderes an: Ein 15-jähriger Bremer von heute ist seinen Mitschülern aus dem Jahr 2000 im Lesen und Rechnen rund ein Jahr voraus. Das ist die wahre Leistung. Obwohl in fast aussichtsloser Lage – 40 Prozent Migranten, kaum Geld für Investitionen, eine überalterte Lehrerschaft –, hat sich die Stadt nicht aufgegeben. Sie ist ein Beispiel dafür, dass sich Anstrengung lohnt, in der Schule wie in der Schulpolitik.

Das gilt auch für Ostdeutschland. Nach der Wende erzählten Kultusminister aus dem Westen ihren Kollegen in Dresden und Erfurt, dass ein gutes Bildungssystem aus drei Schulformen bestehen und in 13 Jahren zum Abitur führen müsse. Die Ossis hielten sich wenig an die Vorschläge. Mittlerweile haben alle Westländer ihre Schulzeit verkürzt. Die Zweigliedrigkeit – bestehend aus Gymnasium und einer Mittelschule – gilt als Modell für ganz Deutschland. Und Sachsen hat Bayern und Baden-Württemberg als Pisa-Primus abgelöst.

Die Erfolgsgeschichten zeigen, dass Deutschland langfristig durchaus wieder zu den führenden Wissensnationen zählen könnte. Dafür aber muss sich die Bildungspolitik mutiger, kreativer und spendabler zeigen. Anders formuliert: Die eigentlichen Veränderungen stehen noch bevor. Den pädagogischen Kern der Schule, den Unterricht zum Beispiel, haben die Reformen bislang nur in den Naturwissenschaften erreicht. Auch deshalb hat Deutschland bei Pisa hier die größten Fortschritte gemacht. Die Quote der sogenannten Risikoschüler – Jugendliche, die gerade einmal auf Grundschulniveau lesen und rechnen – liegt immer noch extrem hoch. Und auch die Lehrerausbildung ist vielerorts so praxisfern wie vor dem ersten Pisa-Schock.

Die meiste Energie verwenden die Kultusminister bislang darauf, die Schulen zu kontrollieren. Sie entwerfen Bildungsstandards, ordnen Vergleichsarbeiten an und schicken Inspektoren in Klassenräume. All dies ist notwendig. Lange Zeit wussten die Schulen nicht, wo ihre Schwächen lagen. Doch Tests allein erhöhen nur den Druck und verändern wenig.

Die Bildungspolitik muss sich nun darauf konzentrieren, den Schulen die Mittel und die Freiheiten zu geben, ihre Schüler optimal zu fördern. Anstrengung ist gut, Enthusiasmus führt an die Spitze.