Ein Bild ist fertig, mit festen Schnitten aus der Leinwand befreit. Nackt und neu wie ein frisch abgenabeltes Kind liegt es auf den Dielen und atmet Terpentindämpfe ins Atelier. Viele Wochen haben Adi Rosenblum und Markus Muntean daran gearbeitet. Sie haben über die Komposition der Figuren gestritten, ihren Weg gefunden und danach einträchtig nebeneinander gemalt, zu Hörbüchern und Barockmusik, bis tief in die Nacht. Manchmal, sagen beide, wollten sie dann gar nicht mehr nach Hause, so schön sei das: sich zu verlieren in der gemeinsamen Sache.

Morgenlicht zeichnet jetzt seine Ranken auf die Wände im Wiener Atelier, auf CD-Stapel, Stereoanlage und Farbtuben. Rosenblum und Muntean hocken auf dem Boden neben ihrem Werk, sie zierlich, mit schwarzen Locken, er hochgewachsen und dunkelblond. Zwei im selben Jahr Geborene mit dieser einen Passion, die sie "Grundbedürfnis" nennen: Malerei.

Geradezu "aufeinander gestoßen" seien sie, sagt Rosenblum, als Studenten vor 20 Jahren an der Kunstakademie in Wien, der besonnene Musikliebhaber aus Graz und die impulsive Pazifistin aus Israel. Ganz einfach: Liebe. Sie mieteten das Atelier, in dem sie noch heute arbeiten, romantisch versteckt in einem alten Wiener Hinterhof. 1992 haben sie sich hier beruflich "zu einem Hybriden verschmolzen", wie Muntean erklärt, zur "dritten Person" Muntean/Rosenblum.

Die beiden Künstler lächeln sich oft zu an diesem Morgen im Atelier. Sie reden, wie sie wohl auch malen und leben: in ungezwungener Harmonie der Gegensätze. Rosenblum zeichnet temperamentvolle Gesten in die Luft, lacht und erzählt in ihrer mitreißenden Mischung aus rauem israelischem Akzent und Wiener Schmäh. Muntean ergänzt mit ruhiger Stimme und führt ihre Assoziationen aus.

Über jeder Stelle auf ihren Bildern sei jeder mal drüber gewesen, sagt Rosenblum. Ihre Werke seien "four-handed und double-brained", sagt Muntean. Wie aus einem Munde sprechen sie vom "Riesenglück, jemanden gefunden zu haben, der das Gleiche will". Sie erzählen, wie figurative Malerei "mal wieder totgesagt wurde" in den neunziger Jahren, dass sie zusammen weitermalten, wie sie wollten. Trotzdem.

Mit Erfolg: Längst haben sich Muntean/Rosenblum international etabliert. Sie stellten in der Tate Britain aus und auf der Art Basel, in Los Angeles, Seoul, Lissabon, Leipzig. Kunst-Tycoon Charles Saatchi gehört zu ihren Sammlern, das Museum of Modern Art in New York besitzt Zeichnungen des Künstlerpaares. Derzeit sind ihre Werke im Essl-Museum bei Wien zu sehen. Between what was and what might be heißt die Ausstellung, Bilanz und Perspektive zugleich.

Ihre figurative Malerei ist nun das Markenzeichen von Muntean/Rosenblum, Kompositionen aus Jugendlichen vor Fabrikschloten, Baustellen, Betonwüsten. Wie hypnotisiert verharren da modische Teenies und starren in die Sinnleere. Sie sind schön, athletisch, stark und wirken doch eigentümlich deplatziert und verloren. Trostlose Konsumkinder? Manierierte Androiden?