Autokrise Fliegen wir aus der Kurve?Fliegen wir ...

Absatzkrise, Produktionsstopp, Opel in Not: Die deutsche Autoindustrie ist bedroht – und mit ihr das ganze Autoland. Aber noch ist Zeit für eine grüne Wende

Opel droht das Aus. Ausgerechnet Opel, der Ikone des Wirtschaftswunders. Damals war der Opel Olympia Rekord vor dem Haus das Sinnbild des Aufstiegs, der Opel Blitz der Transporter für kleine Unternehmer. Auch wenn Opel später zum Spießerauto wurde und schließlich in die Absatzkrise fuhr – das jetzige Drama um den deutschen Hersteller in Händen des Not leidenden US-Konzerns General Motors rührt am Kern der deutschen Wirtschaft und der deutschen Identität. Verständlich, dass die Spitzen von CDU und SPD in den vergangenen Tagen darum wetteiferten, wer zuerst helfen darf.

Die Opel von heute heißen BMW oder Mercedes, Audi oder VW. Und man muss nur mal einen Neuwagen beim Hersteller abholen, um die Begeisterung der Deutschen zu verstehen. Die Kunden besuchen die tempelartigen Automuseen der Konzerne, schlafen in Wolfsburg gar im werkseigenen Ritz Carlton, essen bemerkenswert gut, bevor sie zur Übergabezeremonie schreiten. Auf einer Empore schauen sie zu, wie ihr neues Gefährt in eine riesige, blitzsaubere Halle gefahren wird. Dann gehen sie mit dem Betreuer hinunter, schauen sich gemeinsam ihr neues, metallic-glitzerndes Fortbewegungsmittel an – und fahren es selbst hinaus in eine Welt ohne allgemeines Tempolimit. Ins Autoland Deutschland.

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Doch jetzt ist Krise, und nicht bloß Opel verkaufen sich schlecht. PS-strotzende Autos stehen auf Halde, das Geld ist knapp und die Frage unbeantwortet, ob das Autoland eine Zukunft hat. Wenn nicht, sähe es düster aus für die Republik.

Die Frage »Was fährst du?« wird in weiten Kreisen Deutschlands gleichgesetzt mit »Wie lebst du?«. Franzosen definieren sich übers Essen und die Mode, Deutsche übers Auto: Das ist mehr als ein Klischee, es ist das Ergebnis einer Entwicklung über viele Generationen. Geschmack entsteht in der Gemeinschaft. Wenn die Kollegen Austern essen, mag man sich eben nicht mit Fischstäbchen begnügen. Und wenn vor den Einfahrten der Nachbarhäuser lauter teure 3er BMW, A4 und Mercedes der C-Klassen stehen, dann sieht der eigene fünf Jahre alte Mittelklasse-Renault ziemlich alt aus.

Also sind in Deutschland 42 Millionen Pkw unterwegs, nur in Italien und den USA ist die Fahrzeugdichte höher, der Wert der Blechkisten indes geringer. Werktäglich fahren 19 Millionen Pendler mit dem Auto zur Arbeit. Fast ebenso viele Bundesbürger sind im ADAC organisiert, sechs Millionen greifen zu einer Autozeitung, und zur weltweit größten Motorschau IAA nach Frankfurt pilgern jedes Mal fast eine Million Besucher.

Die Deutschen leben nicht nur mit dem Auto, sie leben auch von ihm. Es grenzt an ein Wunder, dass im Hochlohnland Deutschland mehr als sechs Millionen Fahrzeuge im Jahr entstehen, vor allem fürs Ausland. Der Handelsüberschuss des Exportweltmeisters Deutschland geht rund zur Hälfte auf das Konto der Autoindustrie. Bis zum Sommer dieses Jahres lief auch die Jobmaschine Auto, erhöhten die Hersteller die Zahl der Arbeitsplätze noch einmal um zwei Prozent auf 763.000. Dazu kommt das Heer der Zulieferer, Händler, Monteure und Tankstellenpächter. Universitätsforscher, Analysten und Werber konzentrieren sich auf den Autobau. Mindestens jeder zehnte Job im Land hängt an des Deutschen liebstem Kind.

Die Politik spielt mit. Die großen deutschen Hersteller leben vom Steuerprivileg für Dienstwagen, die Pendlerpauschale gilt als Wahlkampfrenner, und wenn Berlin ein Konjunkturprogramm schnürt, fällt den Machern als Erstes ein, Neuwagenkäufer von der Kraftfahrzeugsteuer zu befreien. Droht in Brüssel eine Ökorichtlinie, zupft die Kanzlerin sie so lange zurecht, bis die Autolobby sich beruhigt.

Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 20.11.2008 um 11:10 Uhr
    1. JA

    wer schnell und unvorsichtig fährt .. fliegt aus der Kurve!

    • taxis
    • 20.11.2008 um 11:36 Uhr

    Wer die Zukunft als Fortschreibung der Gegenwart betrachtet wird an ihr scheitern. Das Auto ist eine Antwort auf den Wunsch des Menschen nach Mobilität. Pferd und Wagen waren ebenso eine Antwort und sie wurden von der Entwicklung überholt. Die Fortschreibung der automobilen Entwicklung: kleiner, leichter, effizienter ist nur eine mögliche Antwort. Die Veränderungen in Form von geringer werdenden Ressourcen, aber auch die Alterung unserer Gesellschaften verlangen nach anderen Lösungen. Wir müssen die Fragestellung ändern; Welche Transportlösungen existieren für Gesellschaften mit sehr vielen alten Menschen, mit all den verbundenen Einschränkungen, hohen Energiekosten und geringem Kapital?

    • ttob
    • 20.11.2008 um 11:38 Uhr

    ... der deutschen Autobauer liegt darin, zu glauben, dass sparsame Kunden gern VIEL Geld für sparsame Autos ausgeben. Ein Paradox. Daran sind z.B. die 3l-Modelle von Audi und VW gescheitert, sie waren einfach zu teuer, bzw. fuhren genau an der Zielkundschaft vorbei.

    Neue Technik kostet Geld, ganz klar, aber um auf dem Markt bestehen zu können, kann es manchmal halt auch nützlich sind, innerhalb des Unternehmens quer zu subventionieren. Vor allem wenn die Konkurrenz (japanischer Hybridantrieb) bereits Marktanteile erobert. Was hätte etwa dagegen gesprochen die fetten Gewinne aus den Straßenmonstern in die Serienentwicklung umweltfreundlicher, sparsamer und billiger Autos zu stecken? Sie könnten mittlerweile längst selbst Gewinn abwerfen (so wie mittlerweile der Smart).

    Die Japaner machen das imho schon seit Jahren so, etwa mit ihren vielen serienmässig verbauten Extras (was gleichzeitig die Produktion und Entwicklung enorm vereinfacht). Auf diese Weise gelingt es ihnen immer billiger zu sein, als ein vergleichbar ausgestattetes deutsches Auto, wo jeder Zusatz-Hebel ordentlich Aufpreis kostet.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "vielen serienmäßig verbauten Extras " gibt es nicht :-)

    Deutsche Premium-Marken setzten in der Vergangenheit eben auf Individualität (nebst Qualität und technischen Innovationen), um diese Strategie zu verfolgen müssen genügend Varianten vorhanden sein.
    Die anderen (v. a. japanische Hersteller) setzten auf Kostenführerschaft.

    Beides unter einen Hut zu bringen geht nun mal nicht.
    Diejenigen, die diesen Spagat versuchten (darunter Opel) sind nur mäßig erfolgreich damit gefahren.

    Quersubventionierung funktioniert so, dass man technologische Neuheiten für die höheren FZ-Klassen entwickelt (7er o. Vergl.) um sie dann in die kleineren Klassen (3-er o. Vergl.) - die Cash-Caws - zu übernehmen.

    An ihren großen Flaggschiffen allein, verdienen die Autohersteller kaum.

    Grüße
    Messala
    -------------------------------------

    "Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist" (H. Ford)

    "vielen serienmäßig verbauten Extras " gibt es nicht :-)

    Deutsche Premium-Marken setzten in der Vergangenheit eben auf Individualität (nebst Qualität und technischen Innovationen), um diese Strategie zu verfolgen müssen genügend Varianten vorhanden sein.
    Die anderen (v. a. japanische Hersteller) setzten auf Kostenführerschaft.

    Beides unter einen Hut zu bringen geht nun mal nicht.
    Diejenigen, die diesen Spagat versuchten (darunter Opel) sind nur mäßig erfolgreich damit gefahren.

    Quersubventionierung funktioniert so, dass man technologische Neuheiten für die höheren FZ-Klassen entwickelt (7er o. Vergl.) um sie dann in die kleineren Klassen (3-er o. Vergl.) - die Cash-Caws - zu übernehmen.

    An ihren großen Flaggschiffen allein, verdienen die Autohersteller kaum.

    Grüße
    Messala
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    "Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist" (H. Ford)

  1. "Tesla [...] bietet einen stromgetriebenen Sportwagen an, dessen Innovation in der Software liegt, die den Antrieb mit Tausenden kleiner Batterien steuert. Das könne BMW nun auch, sagt ein Manager des deutschen Konzerns in Los Angeles und zeigt auf den Mini."

    Das Antriebssystem des E-Mini stammt von der kalifornischen Firma ACPropulsion, die schon seit ca. 2 Jahren eine Elektroversion des Toyota Scion xB / Yaris Verso mit dem gleichen Akkusystem anbietet.

    Alles was BMW konnte, war, die Akkus anstelle der Rückbank einzubauen - großartige deutsche Ingenieursleistung!

  2. Wenn die Herren aus den Vorstandsetagen weiter nur auf Ihre Gehälter und Boni schauen ja. Wenn sie sich aber auf die Fähigkeiten der deutschen Ingenieure (Technik und Wirtschaft) stützen würden, könnten sie Milliarden mit neuen Verkehrssystemen verdienen. Unterirdische Transportpipelines etc. . Aber dass ist wahrscheinlich für ihre Shareholder-Köpfe viel zu hoch.

  3. 6. die...

    ...frage scheint mir ähnlich sinnvoll wie die ob der papst katolisch ist oder bären in den wald kacken. wir sind schon gewaltig aus der kurve und alle hoffen darauf das der seitenairbag, umweltfreundliche innovationen zu bezahlbaren preisen, keine fehlfunktion hat.
    wenn die diskussionen darum wie am besten anzugreifen ist ähnlich träge geführt werden wie die der politik mit ihrem hätte, könnte, wäre, dann gute nacht.

    [Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

    • Olly66
    • 20.11.2008 um 12:52 Uhr

    es wäre schön für mich als Softwerker, wenn intelligente Antriebs- und Verkehrssteuerung immer wichtiger würden.

    Das phallische Denken in Industrie und Politik ist aber tatsächlich erschreckend. Durch ihre sinnwidrige Subventionierung verstärkt die Politik die intrinsische Trägheit der Industrie noch - 70 Prozent aller Touareg, Q7, Cayenne und X5 sind subventionierte "Geschäftswagen", mit denen die blondierte Mutti vormittags einkaufen fährt. Allein am Steuer, im Fond allenfalls die Waren, von abgedunkelten Scheiben vor Blicken geschützt.

    So ein Schmarrn!

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    • Anonym
    • 20.11.2008 um 12:56 Uhr

    lasst uns die ganze SUV Fraktion gesellschaftlich ächten! Es sollte schlicht als unanständig gelten diese Dinger zu fahren (und natürlich zu kaufen) und somit quasi sittenwidrig diese Dinger überhaupt zu bauen!

    Die blondierte Mutti kutschiert ihre verfetteten Gören damit auch noch zur Schule. Vergiss das nicht. :)

    [Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

    • Anonym
    • 20.11.2008 um 12:56 Uhr

    lasst uns die ganze SUV Fraktion gesellschaftlich ächten! Es sollte schlicht als unanständig gelten diese Dinger zu fahren (und natürlich zu kaufen) und somit quasi sittenwidrig diese Dinger überhaupt zu bauen!

    Die blondierte Mutti kutschiert ihre verfetteten Gören damit auch noch zur Schule. Vergiss das nicht. :)

    [Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

    • Anonym
    • 20.11.2008 um 12:56 Uhr

    lasst uns die ganze SUV Fraktion gesellschaftlich ächten! Es sollte schlicht als unanständig gelten diese Dinger zu fahren (und natürlich zu kaufen) und somit quasi sittenwidrig diese Dinger überhaupt zu bauen!

    Antwort auf "Software"

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