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Studierende vertrauen bei ihren Recherchen vor allem auf Wikipedia
Deutsche Studenten halten das interaktive Lexikon Wikipedia für vertrauenswürdiger als die Online-Ausgaben bewährter Titel wie Encyclopædia Britannica oder Meyers Lexikon, und das mit einem überraschend deutlichen Abstand: In einer repräsentativen Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) bezeichneten 52 Prozent der Studenten Wikipedia als »sehr verlässlich« oder »verlässlich«, Platz zwei belegte mit 49 Prozent das Onlinewörterbuch Leo, die zweite und neben Wikipedia einzige wirklich interaktive Plattform im Wettbewerb. Die Encyclopædia Britannica halten dagegen nur 26 Prozent der Studenten für verlässlich, Meyers Lexikon erreichte 27 Prozent. Spiegel Wissen und ZEIT ONLINE schnitten mit jeweils rund 34 Prozent etwas besser ab. Schlusslicht in der Umfrage war wissen.de, das nur 15,2 Prozent als vertrauenswürdig einstuften.
Die Zahlen der Hisbus-Befragung Studieren im Web 2.0 sind erstaunlich, weil in den vergangenen Monaten mehrfach von der gezielten Manipulation einzelner Wikipedia-Artikel berichtet worden war. Zudem kritisieren Professoren an deutschen Hochschulen schon seit Längerem, dass ihre Studenten sich für ihre wissenschaftlichen Arbeiten mehr und mehr auf Wikipedia-Quellen stützten und deren Verlässlichkeit zu selten in Zweifel zögen. Bernhard Kempen, Präsident der Professorenvereinigung Deutscher Hochschulverband (DHV), sagte, die Ergebnisse der Studie seien »zumindest bedenklich«, da Wikipedia die Qualitätskontrolle durch die Evaluation ausgewiesener Experten fehle. Umgekehrt sei der kritische Umgang mit Texten, auch und gerade im Onlinebereich, die Basis für ein unabhängiges Urteilsvermögen und damit Kernbestand universitärer Ausbildung durch Wissenschaft.
Wie klar Wikipedia die Konkurrenz beherrscht, zeigt sich auch beim Bekanntheitsgrad der verglichenen Websites: Satte 99 Prozent der befragten Studenten glauben die Plattform gut genug zu kennen, um sich ein Urteil zu erlauben. Bei Leo sagen das immerhin noch 65 Prozent über sich. Die übrigen Wettbewerber sind laut Hisbus im Schnitt nicht einmal jedem zweiten Studenten ein Begriff, am besten steht hier noch Spiegel Wissen da – mit gerade einmal 49 Prozent.
Bernd Kleimann von HIS ist einer der Autoren der Studie. Er nimmt die Studenten gegen die Kritik in Schutz. »Es gibt angesehene Experten, die Wikipedia für insgesamt sogar verlässlicher halten als andere Informationsquellen.« Die Beliebtheit sei mit dem interaktiven Ansatz zu erklären, der den Nutzern die Möglichkeit gebe, den Wissensschatz selbst zu erweitern. Dies belege auch der Erfolg von Leo. »Diese beiden Angebote zeichnen sich durch eine hohe Veränderungsdynamik aus und haben dadurch einen enormen Aktualitätsvorsprung.«
Die Studenten wurden von den HIS-Forschern auch nach ihrer Angst vor dem Onlinemissbrauch ihrer persönlichen Daten gefragt. 58 Prozent gaben an, sie hätten sehr große oder große Bedenken, dass Angaben zu ihrer Person, die sie in sozialen Communitys wie StudiVZ oder Twitter machen, für unerwünschte Zwecke genutzt werden könnten. Männer äußerten sich in diesem Zusammenhang mit 64 Prozent deutlich besorgter als Frauen (53 Prozent), die offenbar auch überdurchschnittlich viel über diese Gemeinschaften kommunizieren. Gar keine Bedenken oder nur geringe Bedenken äußerten 16 Prozent der Frauen, aber nur 12 Prozent der Männer.
- Datum 21.11.2008 - 16:44 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 20.11.2008 Nr. 48
- Kommentare 10
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Die Schwächen des - im Grossen und Ganzen aber doch sehr zuverlässigen - Wikipedia sind hinlänglich bekannt.
Warum Studenten Wikipedia vor anderen Quellen wie z.B. Meyers Lexikon bevorzugen? Vielleicht weil auch diese Beiträge nicht frei von Fehlern sind Bereits bei einem kurzen Überfliegen des Artikels über die Schweiz - http://lexikon.meyers.de/... - fielen mir gleich zwei auf: 1. Die Proportionen im Schweizer Wappen stimmen nicht (und überhaupt: Was soll der schwarze Rand?), und Christoph Blocher war nie "SVP Vorsitzender" (abgesehen davon, dass man in der Schweiz diesen Terminus sowieso nicht gebraucht).
Es ist ja inzwischen hinlänglich bekannt, dass ZEIT ONLINE extrem wenige Artikel ordentlich mit Weblinks ausstattet, aber ein Artikel über Online-Lexika in einer Online-Zeitung und ohne Links? Hallo? Diese zu suchen wäre nun echt nicht schwer gewesen, das hätte man sogar einem Praktikanten zutrauen können.
Und mal so nebenbei zum Inhalt: Man hätte doch wenigstens minimal andeuten können, dass eventuell unter Umständen auch zuweilen Standardwerke Fehler enthalten, ganz abgesehen davon, dass das Erheben eines Werks zum Standardwerk ideologisch begründet sein kann. Lexika sammeln nicht einfach Wissen, sie bereiten es auf, sie verändern es, sie schaffen eine eigene Wissenswelt, die keine objektive Realität (die es nicht gibt), sondern die Welt in den Köpfen der Autoren widerspiegelt. Da kann man doch ein neues Projekt von (idealerweise, wie es in Wirklichkeit ist, muss man später fragen) unabhängigen Mitarbeitern, die zumindest insofern unabhängig sind, als sie kein Geld bekommen und somit sich nicht von einem Geldgeber beeinflussen lassen, als dringend nötigen frischen Wind nur begrüßen.
Der Klaus grüßt
genau - ich glaube auch eher dem wissensnetz von uns allen (wikipedia) als der öffentlich beglaubigten wahrheit sogenannter experten von brockhaus & co
bei wikipedia kann ich, wenn ich anderer meinung bin und andere erfahrungen gemacht haben diese wahrheit immerhin beeinflussen
bei umstrittenen begriffen kann man sogar die diskussionen einsehen und sich sein eigenes bild machen, beim brockhaus geht das nicht.
und die aktualität ist ebenfalls ein wichtiges qualitätsmerkmal
Ja, ja der Praktikant...
... ist häufig überqualifiziert und mit bester Branchenkenntnis versehen, deshalb wird er auch so gerne beschäftigt. Und die Aussichten sind rosig. Dank der Wirtschaftskrise gibt es noch mehr Möglichkeiten für Praktikanten anspruchs- und verantwortungsvolle Arbeiten zu erledigen. Heute vertreten Edel-Praktikanten die High-Potentials und haben somit (trotz geringer Bezahlung) doch mehr Macht als manch einer denkt...
T.C.
genau - ich glaube auch eher dem wissensnetz von uns allen (wikipedia) als der öffentlich beglaubigten wahrheit sogenannter experten von brockhaus & co
bei wikipedia kann ich, wenn ich anderer meinung bin und andere erfahrungen gemacht haben diese wahrheit immerhin beeinflussen
bei umstrittenen begriffen kann man sogar die diskussionen einsehen und sich sein eigenes bild machen, beim brockhaus geht das nicht.
und die aktualität ist ebenfalls ein wichtiges qualitätsmerkmal
Ja, ja der Praktikant...
... ist häufig überqualifiziert und mit bester Branchenkenntnis versehen, deshalb wird er auch so gerne beschäftigt. Und die Aussichten sind rosig. Dank der Wirtschaftskrise gibt es noch mehr Möglichkeiten für Praktikanten anspruchs- und verantwortungsvolle Arbeiten zu erledigen. Heute vertreten Edel-Praktikanten die High-Potentials und haben somit (trotz geringer Bezahlung) doch mehr Macht als manch einer denkt...
T.C.
genau - ich glaube auch eher dem wissensnetz von uns allen (wikipedia) als der öffentlich beglaubigten wahrheit sogenannter experten von brockhaus & co
bei wikipedia kann ich, wenn ich anderer meinung bin und andere erfahrungen gemacht haben diese wahrheit immerhin beeinflussen
bei umstrittenen begriffen kann man sogar die diskussionen einsehen und sich sein eigenes bild machen, beim brockhaus geht das nicht.
und die aktualität ist ebenfalls ein wichtiges qualitätsmerkmal
"Zudem kritisieren Professoren an deutschen Hochschulen schon seit Längerem, dass ihre Studenten sich für ihre wissenschaftlichen Arbeiten mehr und mehr auf Wikipedia-Quellen stützten und deren Verlässlichkeit zu selten in Zweifel zögen."
und vermutlich ist den professores noch nichtmal klar, welches armutszeugnis sie ihrer eigene lehre damit ausstellen --- wenn sie nicht imstande sind, ihrern studenten klar zu machen, welche ansprüche an wissenschaftliches arbeiten zu stellen sind, haben sie auf ganzer linie versagt. aber das liest man seltsamer weise nie, immer nur studenten-beschimpfungen ...
Ganz kann ich die Aufregung nicht nachvollziehen. An meiner Univeristät (wenn auch im Ausland) ist das zitieren von Wikipedia gar nicht erst erlaubt. Aber genausowenig ist es erwünscht andere Lexika zu referenzieren. Ein Eintrag in einem Standardwerk ist oft unzureichend und zu kurz, als dass man daraus ein vernünftiges Argument konstruieren könnte. Das geht nicht ohne spezifische Fachliteratur, seien es nun Bücher oder Online-Journale. Diese Policy ist natuerlich von Uni zu Uni verschieden.
Aber dennoch, selbst wenn man die Wikipedia im Referat/Aufsatz nicht erwähnt, ist sie oft nuetzlicher als die bekannten Lexika: Die Aritkel sind of detailierter, liefern mehr Stichpunkte als redaktionelle Lexika, und seit dem Fakten in der Wikipedia nun mit Quellen belegt werden müssen, findet man auch Originalartikel die man dann für die eigene Arbeit verwenden kann. Aber wenn man auch nur den Artikel nachschlägt um erstmal einen Überblick über das Thema zu bekommen, ist die Wikipedia nützlich.
Von daher ist das eigentlich Problem meiner Ansicht nach nicht, dass die Wikipedia bei Studenten einen höheren Bekanntheitsgrad hat als ihre nicht freien (auf die Lizenz bezogenen) Konkurenten.
Andererseits erlaubt das Wikipedia-Prinzip aber auch Möglichkeiten die es vorher nicht gab. Grafiken z.B. können im Unterricht verwendet werden, ohne dass es Lizenzrechtliche Probleme gibt. Bei vielen Fachbüchern und Artikeln bewegt man sich da im Graubereich. Teilweise müssen Professoren für den Zugang zu ihren eigenen Artikeln zahlen. Eigentlich ein Unding dass Wissen oftmals nicht frei zur Verfügung steht und die Ergebnisse steuerrechtlich subventionierter Forschung nicht frei zur Verfügung stehen. Aber das, das ist wieder eine andere Geschichte...
"[..] Zudem kritisieren Professoren an deutschen Hochschulen schon seit Längerem, dass ihre Studenten sich für ihre wissenschaftlichen Arbeiten mehr und mehr auf Wikipedia-Quellen stützten und deren Verlässlichkeit zu selten in Zweifel zögen. Bernhard Kempen, Präsident der Professorenvereinigung Deutscher Hochschulverband (DHV), sagte, die Ergebnisse der Studie seien »zumindest bedenklich«, da Wikipedia die Qualitätskontrolle durch die Evaluation ausgewiesener Experten fehle. [..]"
Anstatt die Tatsache zu kritisieren könnte man auch überlegen, wie eine Web 2.0 - Plattform aussehen könnte, die wissenschaftlichen Ansprüchen an solche Diskurse und Ergebnisse genügte. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass eine solche Plattform einen unglaublichen impact auf den wissenschaftlichen Output hätte, von Wikipedianern eng gepflegt würde und nebenbei manchen Streit um Hochglanz-Journale und deren Bezahlung ad Absurdum führen würde.
Sorry - aber es liegt im ureigensten Interesse der Professorenschaft, hier eigene Plattformen für den freien Wissensaustausch zu schaffen - aber statt dessen verschwenden viele ihre Zeit offensichtlich lieber mit der Formatierung von Fußnoten gemäß anachronistischer Vorgaben von Journalen -- in Word ..
Im Grunde ist eine solche Kritik an der Wikipedia viel mehr ein Offenbarungseid der Wissenschaft.
F. Mayer
Es ist nicht wie Wikipedia, allerdings frei verfügbar, und seit neustem sogar gegengelesen:
www.arxiv.org
Ist ein Preprint archiv das 1993 online ging, bislang sehr stark auf MINT-Wissenschaften fokussiert.
Dort hat auch Grigory Perelman seinen beweis der Pointcaré-Vermutung eingereicht.
Auch sonst, vor allem in Amerika gibt es seit längerer Zeit eine aktive Debatte um OpenAccess, eben deshalb weil Artikel die mit Steuergelder finanziert wurden teuer bezahlt werden müssen um sie lesen zu dürfen.
Es ist nicht wie Wikipedia, allerdings frei verfügbar, und seit neustem sogar gegengelesen:
www.arxiv.org
Ist ein Preprint archiv das 1993 online ging, bislang sehr stark auf MINT-Wissenschaften fokussiert.
Dort hat auch Grigory Perelman seinen beweis der Pointcaré-Vermutung eingereicht.
Auch sonst, vor allem in Amerika gibt es seit längerer Zeit eine aktive Debatte um OpenAccess, eben deshalb weil Artikel die mit Steuergelder finanziert wurden teuer bezahlt werden müssen um sie lesen zu dürfen.
Das Problem ist m. E. nicht die Qualität von Wikipedia. Nach meiner Erfahrung ist Wikipedia in den letzten Jahren deutlich besser geworden und kann mit vielen als seriös geltenden oder sogar offiziellen Quellen in puncto Verlässlichkeit (auch in Detailfragen wie Sonderzeichen in Personennamen) zumindest mithalten.
Das Problem ist, dass es zunehmend schwieriger wird, eine Quelle zum "Gegenchecken" zu finden, von der man sicher sein kann, dass sie sich nicht aus Wikipedia bedient hat. Wenn alle nur noch von Wikipedia abschreiben - auch indirekt und ungewollt - führt dies zu einer Monopolstellung und einem riesigen Machtpotential, was die durch Wikipedia eingeleitete "Demokratisierung des Wissens" bald ins Gegenteil verkehren könnte.
Noch gehört Wikipedia ja nicht zu Google. Gutes Argument. Darum ziehen ja andere Enzyyklopädien wie Brockhaus glücklicherweise auch nach.
Noch gehört Wikipedia ja nicht zu Google. Gutes Argument. Darum ziehen ja andere Enzyyklopädien wie Brockhaus glücklicherweise auch nach.
Es ist nicht wie Wikipedia, allerdings frei verfügbar, und seit neustem sogar gegengelesen:
www.arxiv.org
Ist ein Preprint archiv das 1993 online ging, bislang sehr stark auf MINT-Wissenschaften fokussiert.
Dort hat auch Grigory Perelman seinen beweis der Pointcaré-Vermutung eingereicht.
Auch sonst, vor allem in Amerika gibt es seit längerer Zeit eine aktive Debatte um OpenAccess, eben deshalb weil Artikel die mit Steuergelder finanziert wurden teuer bezahlt werden müssen um sie lesen zu dürfen.
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