Pisa Schaut auf Sachsen!

Ganz vorn in allen Pisa-Disziplinen: Wie macht der Freistaat das bloß? Eine Reise durch die sächsische Bildungslandschaft

Vielleicht ist Theresa so etwas wie der Traum sächsischer Bildungspolitiker. Das blonde Mädchen im roten Pullover ist elf Jahre alt und hat gerade eine Erfindung gemacht: Navigationssysteme, die mitlernen, die Straßen und Gebäude, die sie noch nicht kennen, intuitiv aufnehmen, wenn sie daran vorbeifahren. So ähnlich jedenfalls stellt sich Theresa das vor. Sie muss noch ein wenig darüber nachdenken, wenn sie wieder Zeit dafür hat. Im Moment aber bereitet ihr der kleine Lego-Roboter mehr Kopfzerbrechen, der gerade über das auf Papier gezeichnete Eisfeld am Südpol fährt und kleine Männchen von einem Ort zum nächsten bringen soll. Die Kinder der Lego-Roboter-AG am Gymnasium in Taucha haben lange an diesem Roboter gebastelt und versucht, ihm die richtigen Befehle einzuspeisen. Er macht trotzdem nicht, was er soll. Jetzt haben alle rote Wangen, denn in wenigen Tagen schon ist der Regionalwettbewerb der First Lego League in Leipzig. Dass Theresa das einzige Mädchen im Kurs des Mathelehrers Axel Mohr ist, macht ihr nichts aus. Später will sie mal Wissenschaftlerin werden, sagt sie: »Am liebsten für Umweltschutz.«

Eine Geschichte, wie sie nicht besser zu Sachsen passen könnte – das sich gern als Land der Erfinder und Forscher sieht. Zu jenem Land, das nun von sich behaupten darf, die schlauesten Schüler der Bundesrepublik zu haben, die besten Lehrer, vermutlich sogar das effektivste Schulsystem. Dass nun ausgerechnet Sachsen zum bildungspolitischen Musterschüler aufsteigt und Bayern und Baden-Württemberg überstrahlt, obwohl gerade sie nach der Wende glaubten, den ahnungslosen Ostdeutschen erzählen zu müssen, wie man Schule macht, gehört zur feinen Ironie dieser Erfolgsgeschichte. Schon vor dem ersten Pisa-Ländervergleich prophezeite der damalige Ministerpräsident Georg Milbradt, Sachsen werde zu den Siegern gehören. Angesichts der schwierigen Neuorganisation des sächsischen Schulwesens nach der Wende glaubte ihm das niemand.

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Auf einen Lehrer kommen 15 Schüler

Und nun, 18 Jahre nach der Wiedervereinigung, blickt ganz Deutschland wieder in den Osten. Den 15-Jährigen aus Baden-Württemberg gelang eine spürbare Leistungssteigerung nur in der Mathematik, Bayern konnte in Mathematik und den Naturwissenschaften zulegen. Aber die sächsischen Schüler verbesserten sich im Vergleich zur ersten Pisa-Studie im Jahr 2000 deutlich stärker und legten zusätzlich bei der Lesekompetenz zu. Sachsen ist Deutschlands neuer Primus.

Und weil es hierzulande immer noch zu Verblüffung führt, wenn der Osten etwas besser kann als der Westen, fragt man sich nun: Wie machen diese Sachsen das bloß?

Der Freistaat gibt jeden vierten Euro für Bildung aus. Sachsen hat sehr gute Schüler-Lehrer-Relationen, 11 bis 15 Schüler kommen auf einen Pädagogen. Sachsen hat sich gegen die Hauptschule und für ein zweigliedriges Schulsystem aus Mittelschule und Gymnasium entschieden – und gemeinsam mit Thüringen sofort nach der Wende das Abitur nach zwölf Jahren durchgesetzt. Das Land hat die höchste Stundenzahl in den naturwissenschaftlich-technischen Fächern und belegt bei Mathematikolympiaden traditionell vordere Plätze – im internationalen Wettbewerb 2008 in Madrid holte Sachsen drei Medaillen für Deutschland. Sachsen weiß, worauf es ankommt: Seit diesem Schuljahr dürfen Physik, Chemie und Biologie im Abitur nicht mehr abgewählt werden.

Ein fast verbissener Ehrgeiz war schon immer eine Stärke der Sachsen. Das Land hat gerade in den wirtschaftlich harten Jahren nach 1990, als die Arbeitslosigkeit zwischen Zwickau und Zittau teilweise auf bis zu 22 Prozent stieg, die Menschen wegzogen und im Westen ihr Glück suchten, sein Selbstbewusstsein bewahrt, sich gegen Bevormundung und westdeutsche Selbstgefälligkeit gewehrt und mit Sturheit Sonderwege erkämpft. Das Abitur nach zwölf Jahren zum Beispiel wäre fast an der Mauer des Widerstands innerhalb der Kultusministerkonferenz gescheitert. Sachsen aber schluckte lieber die Auflage, den kompletten Stoff von neun Schuljahren in acht zu unterrichten, als sich geschlagen zu geben. Und als dem Land fast die Hälfte seiner Schüler ausblieb, entschloss man sich zwar, 50 Prozent der Mittelschulen und 20 Prozent der Gymnasien zu schließen, aber anstatt proportional dazu auch die Lehrerstellen zu streichen, hat Sachsen auf Teilzeit umgestellt und 70 Prozent seiner materiellen und personellen Ressourcen erhalten.

Auf westdeutsche Kuschelpädagogik hat sich der Freistaat nie eingelassen

Was für Menschen sind das, die in Sachsen Schule machen? Die Lehrer im Freistaat haben zu über 80 Prozent klassische Ost-Biografien, besuchten die Polytechnischen Oberschulen (POS) und wurden geprägt von der pädagogischen Ausbildung in der DDR. Sind sie der Schlüssel zu den überragenden Schülerleistungen? Und welchen Einfluss hat ihre Herkunft auf das Wunder von Sachsen?

Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 19.11.2008 um 15:53 Uhr

    Wieviele gleichlautende Artikel soll's zu dieser Nachricht jetzt noch geben?

  1. 2. Frage

    Schön, dass der schulische Nachwuchs Sachsens an erster Stelle steht. Alles andere wäre mir genauso recht gewesen.
    Frage: was tut man in Sachsen nach dem bestandenen Abitur? Wo gibts Arbeitsplätze für die achso hochqualifizierten jungen Leute, die genialen Neuerungen und den naturwissenschaftlichen Nachwuchs? Wo stehen die high-end-Standorte? Wo werden Forschungslabors eingerichtet?

    Und dann noch eine Frage: wieviele Schulkinder beherrschen ein Instrument?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Kann man aus Ihrem Kommentar so etwas wie Ignoranz oder "beleidigte Leberwurst spielen" herauslesen? Ich finde es schon aussagekräftig, dass viele "Wessis" beim Thema aufholender Osten allergisch reagieren, wo doch die geballte Hirneskraft eindeutig im Westen daheim sein sollte. Schließlich musste man uns armen Ossis nach der Wende erstmal zeigen, wie gearbeitet, gedacht, gelernt wird.

    Zeit für ein Instrument oder andere Hobbies dürfte ein Abiturient auch hier noch haben. Nur dass man eben nicht jeden Tag stundenlang einer anderen Freizeitbeschäftigung fröhnt, spätestens im Berufsleben dürfte damit eh vorbei sein. Ich persönlich kann mich an einen hochqualitativen Schulchor erinnern, es gab aber noch andere AG´s, wo sich die Schüler nach dem Unterricht oder in Freistunden alternativ bilden konnten. Anderes Beispiel - viele Sportler (v.a. Wintersport) haben ihre Wurzeln in Sachsen und Thüringen, auch wenn sie jetzt für Westvereine starten. Zeit fürs Training scheint also auch zu sein.

    Sogar studieren kann man im Osten, stellen Sie sich das mal vor! Und die Bedingungen sind nicht die schlechtesten. Zumindest zu meiner Zeit, ab Mitte der 90er, kam man noch ohne Probleme an seinen Prof heran, wenn man mal ne Frage hatte oder einfach über ein fachliches Thema reden wollte. Man bekam/bekommt noch Wohnheimplätze, die Seminare sind nicht derartig überfüllt wie es "drüben" Standard sein dürfte. Die Bibliotheken sind 1A ausgerüstet und und und.

    Was die Jobchancen angeht - nun gut, sowas kann man Westförderung nennen, oder? Die gutausgebildeten Abiturienten wandern zu einem nicht geringen Teil in die alten BL aus. Es soll auch in den Alt-BL Gegenden geben, die von Abwanderung betroffen sind.

    Trotzdem gibt es auch in den neuen BL Jobs für Hochqualifizierte und die werden im Verhältnis zu den Alt-BL nicht weniger. Vielleicht nicht zu vergleichen mit Standorten wie München & Co., aber es gibt in Sachsen durchaus high-end Standorte in Forschung und Entwicklung. Soll nicht als Werbung gemeint sein, Freiberg und Umgebung sind bekannt wenn es um Solarenergie und alternative Treibstoffe geht (Firma CHOREN als Bsp., wo schon Shell, Daimler, VW eingestiegen sind). Die dortige Bergakademie hat unter Geowissenschaftlern einen sehr guten Ruf. Es gibt genügend weitere Beispiele.

    Also wenn Sie schon motzen oder nörgeln wollen, dann fahren sie doch mal nach Sachsen oder Thüringen, erkundigen Sie sich, wie Ihr Urteil danach ausfällt ist Ihnen selbst überlassen. Mein Mann hat es als Rheinländer auch bis hierher geschafft, als IT-Experte war er jahrelang im Ausland, Südafrika, Schweiz, hat dort gekündigt und jetzt leben wir mit entsprechend gutem Job und Gehalt - mitten in Sachsen. Und ja, wir fühlen uns wohl hier und werden bleiben.

    • Twin
    • 20.11.2008 um 16:26 Uhr

    Schön, dass der schulische Nachwuchs Sachsens an erster Stelle steht. Alles andere wäre mir genauso recht gewesen.

    Das kann ihnen nur dann egal sein, wenn Sie keine schulpflichtigen Kinder haben. Oder in einer Villengegend mit dem dazugehörigem Einkommen leben.

    Und dann noch eine Frage: wieviele Schulkinder beherrschen ein Instrument?

    Fall dies keine polemische Frage war, könnten Sie sich darüber informieren und ihr Ergebnis hier posten. Dann könnte man auch fundiert darüber sprechen.

    Kann man aus Ihrem Kommentar so etwas wie Ignoranz oder "beleidigte Leberwurst spielen" herauslesen? Ich finde es schon aussagekräftig, dass viele "Wessis" beim Thema aufholender Osten allergisch reagieren, wo doch die geballte Hirneskraft eindeutig im Westen daheim sein sollte. Schließlich musste man uns armen Ossis nach der Wende erstmal zeigen, wie gearbeitet, gedacht, gelernt wird.

    Zeit für ein Instrument oder andere Hobbies dürfte ein Abiturient auch hier noch haben. Nur dass man eben nicht jeden Tag stundenlang einer anderen Freizeitbeschäftigung fröhnt, spätestens im Berufsleben dürfte damit eh vorbei sein. Ich persönlich kann mich an einen hochqualitativen Schulchor erinnern, es gab aber noch andere AG´s, wo sich die Schüler nach dem Unterricht oder in Freistunden alternativ bilden konnten. Anderes Beispiel - viele Sportler (v.a. Wintersport) haben ihre Wurzeln in Sachsen und Thüringen, auch wenn sie jetzt für Westvereine starten. Zeit fürs Training scheint also auch zu sein.

    Sogar studieren kann man im Osten, stellen Sie sich das mal vor! Und die Bedingungen sind nicht die schlechtesten. Zumindest zu meiner Zeit, ab Mitte der 90er, kam man noch ohne Probleme an seinen Prof heran, wenn man mal ne Frage hatte oder einfach über ein fachliches Thema reden wollte. Man bekam/bekommt noch Wohnheimplätze, die Seminare sind nicht derartig überfüllt wie es "drüben" Standard sein dürfte. Die Bibliotheken sind 1A ausgerüstet und und und.

    Was die Jobchancen angeht - nun gut, sowas kann man Westförderung nennen, oder? Die gutausgebildeten Abiturienten wandern zu einem nicht geringen Teil in die alten BL aus. Es soll auch in den Alt-BL Gegenden geben, die von Abwanderung betroffen sind.

    Trotzdem gibt es auch in den neuen BL Jobs für Hochqualifizierte und die werden im Verhältnis zu den Alt-BL nicht weniger. Vielleicht nicht zu vergleichen mit Standorten wie München & Co., aber es gibt in Sachsen durchaus high-end Standorte in Forschung und Entwicklung. Soll nicht als Werbung gemeint sein, Freiberg und Umgebung sind bekannt wenn es um Solarenergie und alternative Treibstoffe geht (Firma CHOREN als Bsp., wo schon Shell, Daimler, VW eingestiegen sind). Die dortige Bergakademie hat unter Geowissenschaftlern einen sehr guten Ruf. Es gibt genügend weitere Beispiele.

    Also wenn Sie schon motzen oder nörgeln wollen, dann fahren sie doch mal nach Sachsen oder Thüringen, erkundigen Sie sich, wie Ihr Urteil danach ausfällt ist Ihnen selbst überlassen. Mein Mann hat es als Rheinländer auch bis hierher geschafft, als IT-Experte war er jahrelang im Ausland, Südafrika, Schweiz, hat dort gekündigt und jetzt leben wir mit entsprechend gutem Job und Gehalt - mitten in Sachsen. Und ja, wir fühlen uns wohl hier und werden bleiben.

    • Twin
    • 20.11.2008 um 16:26 Uhr

    Schön, dass der schulische Nachwuchs Sachsens an erster Stelle steht. Alles andere wäre mir genauso recht gewesen.

    Das kann ihnen nur dann egal sein, wenn Sie keine schulpflichtigen Kinder haben. Oder in einer Villengegend mit dem dazugehörigem Einkommen leben.

    Und dann noch eine Frage: wieviele Schulkinder beherrschen ein Instrument?

    Fall dies keine polemische Frage war, könnten Sie sich darüber informieren und ihr Ergebnis hier posten. Dann könnte man auch fundiert darüber sprechen.

    • fennek
    • 19.11.2008 um 18:37 Uhr

    Was für Lobeshymnen auf die Sachsen. Ging ja ganz schön schnell Ihre Recherche. In 24 Stunden an die Basis und Ursachen gefunden.

    Aber bitte: Schauen Sie genauer hin. Aus welchen Ländern haben denn die Sachsen (wie auch die Thüringer) ihre Lehrpläne in den neunziger Jahren übernommen und verbessert? Richtig: Aus Bayern und Baden Württemberg. Und wer ist jetzt auf den ersten vier Plätzen? Wieder richtig: Es gibt also kein Ost gegen West sondern Nord - Süd - Gefälle. Und jetzt zur Frage die Sie eigentlich hätten stellen sollen: Was machen denn die Südländer was die Nordländer nicht machen? Es wäre schön wenn Sie das im Anschluss recherchieren würden.

    Mein lieber Herr Feuerbach:

    Sie sind ja - Ihren Kommentaren nach - offensichtlich kein Freund der Sachsen. Warum das gebetsmühlenartig wiederholten Argument wo denn die Arbeitsplätze für diese Leute seien? Sollten etwa die Sachsen die Kinder "dumm" lassen weil es kaum gutbezahlte Arbeit in Leipzig, Chemnitz und Dresden gibt? Und glauben Sie mir es gibt in der gesamten Forschung kaum Arbeitsplätze die sich annähernd an die Niveaus derer der "Krisenbranche" Finanzwesen bewegen. Für Virtuosen übrigens auch nicht und die Frage nach dem "Beherrschen" - was für ein grosses Wort - nehme ich mal als Polemik hin. Kurz:

    Gute Bildung, egal wo sie passiert, nützt uns allen - Länderübergreifend. Aus diesem Grund müssen sich die schlechteren mehr anstrengen und die Besseren sollten sich nicht lange auf dem Geleisteten ausruhen wie das Beispiel Bayern zeigt. Schliesslich steckt der Ex-Primus jetzt die meiste Schelte ein. Wenn Ihnen, Herr Feuerbach, aus welchen Gründen auch immer, dieses nicht gefällt, dann schweigen Sie lieber denn Ihre Kommentare zeugen bei diesem Thema nicht von bedachter Wahl Ihrer Worte.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Dass der sächsische Lehrplan an den bayrisch und baden-württembergischen angelehnt (oder davon abgeschaut?) war/ist, ist wahr. Die Gründe dürften mannigfaltig sein, vom Niveau der Lehrpläne bis hin zu historischen Verflechtungen, die Sachsen und Thüringen schon immer eher mit den Bayern/Franken und Baden-Württembergern hatten als zu weiter nordwestlich gelegenen Nachbarn.

    Einen Unterschied gab/gibt es aber dennoch: wir haben keine 13 jahre Zeit bis zum Abitur. Das bedeutet mehr Stress - aber auch ein Jahr Vorsprung.

    Dass der sächsische Lehrplan an den bayrisch und baden-württembergischen angelehnt (oder davon abgeschaut?) war/ist, ist wahr. Die Gründe dürften mannigfaltig sein, vom Niveau der Lehrpläne bis hin zu historischen Verflechtungen, die Sachsen und Thüringen schon immer eher mit den Bayern/Franken und Baden-Württembergern hatten als zu weiter nordwestlich gelegenen Nachbarn.

    Einen Unterschied gab/gibt es aber dennoch: wir haben keine 13 jahre Zeit bis zum Abitur. Das bedeutet mehr Stress - aber auch ein Jahr Vorsprung.

  2. Kann man aus Ihrem Kommentar so etwas wie Ignoranz oder "beleidigte Leberwurst spielen" herauslesen? Ich finde es schon aussagekräftig, dass viele "Wessis" beim Thema aufholender Osten allergisch reagieren, wo doch die geballte Hirneskraft eindeutig im Westen daheim sein sollte. Schließlich musste man uns armen Ossis nach der Wende erstmal zeigen, wie gearbeitet, gedacht, gelernt wird.

    Zeit für ein Instrument oder andere Hobbies dürfte ein Abiturient auch hier noch haben. Nur dass man eben nicht jeden Tag stundenlang einer anderen Freizeitbeschäftigung fröhnt, spätestens im Berufsleben dürfte damit eh vorbei sein. Ich persönlich kann mich an einen hochqualitativen Schulchor erinnern, es gab aber noch andere AG´s, wo sich die Schüler nach dem Unterricht oder in Freistunden alternativ bilden konnten. Anderes Beispiel - viele Sportler (v.a. Wintersport) haben ihre Wurzeln in Sachsen und Thüringen, auch wenn sie jetzt für Westvereine starten. Zeit fürs Training scheint also auch zu sein.

    Sogar studieren kann man im Osten, stellen Sie sich das mal vor! Und die Bedingungen sind nicht die schlechtesten. Zumindest zu meiner Zeit, ab Mitte der 90er, kam man noch ohne Probleme an seinen Prof heran, wenn man mal ne Frage hatte oder einfach über ein fachliches Thema reden wollte. Man bekam/bekommt noch Wohnheimplätze, die Seminare sind nicht derartig überfüllt wie es "drüben" Standard sein dürfte. Die Bibliotheken sind 1A ausgerüstet und und und.

    Was die Jobchancen angeht - nun gut, sowas kann man Westförderung nennen, oder? Die gutausgebildeten Abiturienten wandern zu einem nicht geringen Teil in die alten BL aus. Es soll auch in den Alt-BL Gegenden geben, die von Abwanderung betroffen sind.

    Trotzdem gibt es auch in den neuen BL Jobs für Hochqualifizierte und die werden im Verhältnis zu den Alt-BL nicht weniger. Vielleicht nicht zu vergleichen mit Standorten wie München & Co., aber es gibt in Sachsen durchaus high-end Standorte in Forschung und Entwicklung. Soll nicht als Werbung gemeint sein, Freiberg und Umgebung sind bekannt wenn es um Solarenergie und alternative Treibstoffe geht (Firma CHOREN als Bsp., wo schon Shell, Daimler, VW eingestiegen sind). Die dortige Bergakademie hat unter Geowissenschaftlern einen sehr guten Ruf. Es gibt genügend weitere Beispiele.

    Also wenn Sie schon motzen oder nörgeln wollen, dann fahren sie doch mal nach Sachsen oder Thüringen, erkundigen Sie sich, wie Ihr Urteil danach ausfällt ist Ihnen selbst überlassen. Mein Mann hat es als Rheinländer auch bis hierher geschafft, als IT-Experte war er jahrelang im Ausland, Südafrika, Schweiz, hat dort gekündigt und jetzt leben wir mit entsprechend gutem Job und Gehalt - mitten in Sachsen. Und ja, wir fühlen uns wohl hier und werden bleiben.

    Antwort auf "Frage"
  3. Dass der sächsische Lehrplan an den bayrisch und baden-württembergischen angelehnt (oder davon abgeschaut?) war/ist, ist wahr. Die Gründe dürften mannigfaltig sein, vom Niveau der Lehrpläne bis hin zu historischen Verflechtungen, die Sachsen und Thüringen schon immer eher mit den Bayern/Franken und Baden-Württembergern hatten als zu weiter nordwestlich gelegenen Nachbarn.

    Einen Unterschied gab/gibt es aber dennoch: wir haben keine 13 jahre Zeit bis zum Abitur. Das bedeutet mehr Stress - aber auch ein Jahr Vorsprung.

    Antwort auf "Meine Güte Frau Otto,"
  4. Eine Frage am Rande,

    inwiefern haben sich die Sachsen mit dem 12 jährigen Abitur durchgesetzt? Haben Thüringen Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern nicht alle seit 1991 ein Abitur nach 12 Jahren. passt aber gut in das Hohelied der sächsischen Bildung

    • ttob
    • 19.11.2008 um 22:45 Uhr

    "...dass Schule über Leistung definiert wird und auch Druck erzeugen kann, ist nichts, was Pädagogen mit ostdeutschen Biografien erst lernen mussten. Dieses System kannten sie gut. In der DDR wurde der Lehrer für das Versagen eines Schülers verantwortlich gemacht, da wagte es keiner, die Schuld auf die Dummheit des Schülers oder das sozial verwahrloste Elternhaus zu schieben. Es ging darum, jeden mitzunehmen. Und darum geht es in Sachsen auch heute."

    Sorry, DAS habe ich ganz anders erlebt. Es war im Gegenteil eher so, dass die mit DDR-Studium in unglaublichen Zynismus die Leistungsgesellschaft predigen und zwar die, die jeden Fehler bestraft und niemanden "mitnimmt". LEIDER muss sich heutzutage auch in Sachsen KEIN Lehrer für einen durchgefallenen Schüler sonderlich rechtfertigen, schon eher wenn keine durchfallen.

    "Hört Kristina Danz die Klagen über das »Turbo-Abitur« aus dem Westen, winkt sie mit leicht schadenfrohem Lächeln ab. Dass das Abitur kein Spaziergang sei, müsse doch jedem klar sein, sagt die Schulleiterin. »Für jeden, der dieses Ziel verfolgt, muss das die Hauptbeschäftigung sein. Da ist nebenbei nicht mehr viel möglich."

    Genau, DAS passt besser zu dem Bild was ich kenne. Wozu sollte ein Schüler auch Freizeit haben, er verbringt sie ja eh nur vor dem Fernseher, nicht wahr? Komischerweise hat uns das, trotz 38h-Woche (+ Freistunden + Fahrweg) keine Hausaufgaben gespart, eher im Gegenteil. Dass dagegen niemand aufbegehrt, liegt am ostdeutschen Fatalismus und weil man es nicht anders kennt. Dass das G8 auch in Sachsen 9 Jahre Schulstoff enthält, wissen überdies die Wenigsten, das G8 wird massiv von oben propagiert, weil es angeblich ein Vorteil ist, jüngere Absolventen zu haben. Das ganze nennt sich dann übrigens euphemistisch "leistungsorientiert", dass von meinem Abiturjahr etwa nur die Hälfte mit einem Abschluß rausgegangen ist, wird unter "Pech gehabt" verbucht.

    "»Aber die Schüler sind extrem leidensfähig, die bekommen vermittelt: Das Leben ist hart, Schule auch. Und das akzeptieren sie.«"

    Wie ich schon sagte, ostdeutscher Fatalismus und Abhängigkeit als Schüler. Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich Amok-Fantasien hatte, nicht umsonst war der Aufsehen erregende Amoklauf damals in Erfurt (Thüringen hat auch G8 und ähnlich menschenfeindliche Rausschmissregeln). Ich hab vollstes Verständnis für den Jungen.

    Sachsen ist einfach Sch***e und das sage ich, obwohl es mein Heimatland ist. Denn der selbe Dreck geht mit dem Studium weiter, meine BaWü-Kollegen schütteln nur den Kopf, wenn ich von meinen sächsischen Uni-Erfahrungen berichte. Kommentare über die verkniffene Mentalität von uns Sachsen und die offenbar geübte Patzigkeit verkneife ich mir, vielleicht ist es ja nur in Chemnitz so schlimm. Dazu kommt der ständige soziale Druck, eingebildet und tatsächlich, der einem realistisch das Bild vermittelt: wenn du hier versagst bleibt dir nur H4. Was oft gar nicht stimmt.

    Das Lobgehudel auf das sächsische Bildungssystem beweist nur die Kurzsichtigkeit von Pisa, mehr nicht. Tausendmal lieber würde ich meine Kinder nach Finnland schicken, als nach Sachsen. Das Land ist für mich längst gestorben, seit ich weiß: woanders lebt es sich besser, freundlicher und einfacher.

    [Anmerkung: Bitte achten Sie auf Ihre Ausdrucksweise. Danke. Die Redaktion/ew]

    • joguwi
    • 19.11.2008 um 23:22 Uhr

    "Die Kinder der Lego-Roboter-AG am Gymnasium in Taucha haben lange an diesem Roboter gebastelt und versucht, ihm die richtigen Befehle einzuspeisen. Er macht trotzdem nicht, was er soll. Jetzt haben alle rote Wangen, denn in wenigen Tagen schon ist der Regionalwettbewerb der First Lego League in Leipzig."

    Ei der Bübsch haben die es gut in Sachsen! Rote Wangen, wie süß!
    Hoffentlich kopieren wir das nun in Baden-Württemberg, ich möchte nämlich auch endlich mit den Lego-Robotern spielen, aber die Schwaben sind ja so sparsam! Es sei denn irgendwelche "Großkopfeten" sind in Geldnöten, wie der Markgraf Max von Baden, dann wird man spendabel.

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