Hamburg sauber abgemischt

Nimm mein Mixtape, Babe, von der Platte Brichst du mir das Herz, brech ich dir die Beine.

Ein gutes Mixtape braucht gegensätzliche Pole, um zwischen ihnen Spannungsbögen ziehen zu können. Olli Schulz weiß, wie man solche Kassetten aufnimmt. Der Hamburger Sänger und Songwriter hat auch mal ein Lied darüber geschrieben:

Wie seine Tipps für Hamburg funktionieren die meisten Touren im Indie Travel Guide UK & Europa nach dem Prinzip gut abgemischter Sampler. Bands und Musiker der Independent-Szene entwerfen Trips durch ihre Städte, springen dabei von Trash zu Glamour, von Discokugeln auf grüne Wiesen, von der satten Mitte an die struppige Peripherie und wieder zurück, je nachdem, was die Orte ihres Alltags hergeben.

Fangen wir da an, wo es schmutzig ist. Nicht schick schmutzig, nicht hip schmutzig: Der Goldene Handschuh liegt wirklich da, wo unten ist, am Hamburger Berg, einer Seitenstraße der Reeperbahn, an einem der Pole des Schulzschen Universums. Später einmal werden wir unsere Enkel an Orte wie diesen führen und sagen: "Atmet tief ein – so haben früher Kneipen gerochen." Die Wandverkleidungen aus Holz sind von einem imposanten Dunkelbraun, wie es nur viele Jahre Licht- und Nikotineinwirkung hervorzubringen vermögen. Olli Schulz ist selbst Raucher. Und in nahezu allen Kneipen, die er empfiehlt, darf geraucht werden. Raucher werden ihn dafür lieben. Nichtraucher können die Tipps unter verkehrten Vorzeichen benutzen und die Locations weiträumig meiden. Vielleicht sollten sie das sogar tun.

Im Goldenen Handschuh sackt der Blick der Tresentrinker nur kurz, aber durchaus wohlwollend auf neue Gäste im Türrahmen, ehe er zum Bildschirm darüber zurückkehrt, wo das Fußballspiel St. Pauli gegen Freiburg läuft. Tonlos. Auch sonst ist wenig zu hören, dabei war im Internet für diesen Abend der "Oldietreff bei Gerd" angekündigt. Ein Kellner naht.