Es kann jedem Kind passieren, im Klassenzimmer oder auf dem Schulhof, beim Sport oder auf dem Spielplatz. Eines Tages steht ein anderes vor ihm, allein oder in einer Gruppe. Es ist größer, stärker, es droht, schüchtert ein, schubst, kneift, schlägt. Und die anderen machen mit. Mit Worten, mit Händen und Füßen. Gewalt kennt viele Formen. Und viele reagieren noch immer hilflos. Dabei kommt diese Art von Gewalt selten aus heiterem Himmel. Zeichen sind zu erkennen, schon lange bevor es tatsächlich zum Mobbing oder Abziehen, zur Prügelei oder noch Schlimmerem kommt.

Von diesen Zeichen und der Kunst, sie zu lesen und ihnen ihre Macht zu nehmen, handelt Unschlagbar – Das Buch, das dich gegen Gewalt stark macht, eine Art Ratgeber, Handbuch, Trainingsprogramm für Menschen, die von der alltäglichen Gewalt unter alltäglichen Kindern und Jugendlichen betroffen sind. Sich gegen Gewalt stark machen, das ist das Ziel – denn wer stark ist, den greift man nicht an. Und wenn es doch passiert, dann wirft es ihn weniger um.

Doch wie geht das, und was heißt das überhaupt: stark? Das klar und übersichtlich strukturierte Buch gibt hier implizit eine Antwort. Stark heißt unter anderem schon einmal: nicht allein. Die Kinder- und Jugendbuchautorin Elisabeth Zöller, der Psychologe Andreas Schick und die Jugendtherapeutin Anne Bischoff haben Unschlagbar als ein Zusammen-Lese-Buch für Kinder und Erwachsene geschrieben, für die gemeinsame Beschäftigung mit dem Thema Gewalt und Prävention. Es ist ihnen eine klug aufgebaute Gesprächsvorlage für Eltern und Lehrer gelungen und alle, die sich mit solchen Fragen befassen.

Unschlagbar kombiniert leichthändig erzählte Szenen einer ganz alltäglichen Schul-Mobbing-Geschichte um Lukas, der von Marvin und seiner Clique belästigt und getriezt wird, mit Erklärungen zu den verschiedenen Gefühlen und Energien, die in den Szenen zum Ausdruck kommen. Täter – Opfer – Zuschauer, alle sind sie an dem Prozess beteiligt, alle beeinflussen ihn mit ihrem Verhalten. Und während sich in der Geschichte um Lukas und Marvin die An- und Übergriffe intensivieren, erörtern die Autoren Strategien und geben praxiserprobte Tipps und Tricks, wie die Leser sich solcher Angriffe erwehren könnten, ohne die Gewalt hochzuschaukeln.

Gute Präventionsarbeit unterscheidet nicht zwischen Täter und Opfer, sie stärkt die Selbstwahrnehmung aller möglicherweise Betroffenen schon weit im Vorfeld. Damit sie einerseits für ihre offenen und geheimen Gefühle einen angemessenen Ausdruck finden und lernen, mit der Angst umzugehen und mit der Wut. Damit sie lernen, sich selbst besser zu verstehen und damit schon den anderen. Große Schritte.

Andererseits entwickeln sie so genug Selbstbewusstsein, um im Falle eines Angriffes Verhaltensweisen anzunehmen, die der leisen Eskalation der Gewalt von vornherein den Nährboden entziehen. Oder um als Zeuge die Handlungsschwelle zu überwinden und umsichtig einzugreifen. Stefan Hentz