Es ist eine Geschichte über die Lügen der Bilder. Und über den Regisseur Wim Wenders, der sich aufmacht, das Kino vor diesen Lügen zu retten. In seinem Film The Palermo Shooting spielt der Tote-Hosen-Sänger Campino einen Fotografen, der sich seine Aufnahmen erschafft, wie er sie gerade braucht. Er montiert den Sonnenuntergang von Rio über die Sykline von Manhattan, lässt Schiffe vorbeifahren oder entfernt sie mit einem Mausklick. Finn lässt sich vom schnellen Geld der Modefotografie verlocken und hat seine Seele in einem geradezu faustischen Pakt an die Tricks der digitalen Bildverarbeitung verkauft. Wenders schickt ihn nach Palermo, auf eine Selbstfindungsreise, in eine Art Konfrontationstherapie mit dem sizilianischen Totenkult und dem Tod höchstselbst (gespielt von Dennis Hopper). In einer Krypta, vor dem todessehnsüchtigen Fresko eines einheimischen Malers und schließlich in den Armen einer schönen Restauratorin soll der Held zur Wahrhaftigkeit zurückfinden. Finn reiht sich ein in Wenders’ Kosmos der Männer, die nirgendwo zu Hause sind. Verlorene Söhne, einsame Tontechniker, Bildersammler auf der Suche nach der richtigen Einstellung. Die Kunst, die sie mit Wenders teilen, ist das Sehen. Wenders kämpft für seinen Traum vom Kino, als sei es die letzte Welt, für die es sich noch zu kämpfen lohnte. Doch sein Dilemma liegt im Bestreben, die Oberflächenschönheit des Kinos mit digitalen Effekten zu feiern und andererseits die Verführungskraft ebendieser Effekte zu beweinen.