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Claude Lévi-Strauss wird heute 100 Jahre alt. Sein Denken ist aktuell wie nie. Kein anderer hat die zerstörerische Macht unserer Zivilisation so hellsichtig beschrieben wie er

© Foto [M]: Pascal Pavani/AFP/gettyimages
Claude Lévi-Strauss, eine Aufnahme aus dem Jahr 2005
Dieser Tage beginnt die Gelehrtenrepublik mit den Zurüstungen für seine Unsterblichkeit. Claude Lévi-Strauss wird einhundert Jahre alt, und die Festredner werden den Purpurglanz seines Ruhmes mehren und über ihn sagen, was zu sagen ist: Er sei der bedeutendste lebende Ethnologe und auch der bedeutendste Anthropologe, der Kronzeuge des 20. Jahrhunderts, ein überragender Intellektueller. Und natürlich ein Belletrist der Wissenschaft, der uns in unvergesslichen Büchern die »Naturvölker« nahegebracht hat.
Das alles ist richtig, und doch nur die halbe Wahrheit. Der Jubilar hat nämlich noch eine andere Entdeckung gemacht, und sie stürzt die Lobredner in Verlegenheit. Auf seinen Forschungsreisen stieß Lévi-Strauss auf eine Stammeskultur, die ihm reizbar und brandgefährlich erschien. Sie plünderte die Natur, verwüstete ganze Landstriche, verehrte affige Götzen, massakrierte ihresgleichen und war berüchtigt für ihre historischen Gemetzel. Inzwischen hat diese exotische Stammeskultur alle Mitbewerber aus dem Feld geschlagen und beherrscht die Welt. Ihr Name lautet »Zivilisation«.
Auch die zweite Botschaft, mit der Claude Lévi-Strauss in den fünfziger Jahren von sich reden machte, war eine Provokation. Der Mensch, gab er zu verstehen, sei eine »Maschine« mit »Milliarden von Nervenzellen unter dem Termitenhügel des Schädels«. Im Gegensatz zum instinktgeleiteten Tier habe die Menschmaschine jedoch einen angeborenen Nachteil: Um sich im Dschungel der Tatsachen und Widersprüche zurechtzufinden, brauche sie symbolische Handreichungen und erklärende Mythen.
Auf den ersten Blick sind die Mythen, die sich die Menschen seit Jahrtausenden erzählen, von verwirrender Vielfalt; tatsächlich aber, so behauptet Lévi-Strauss, folgen sie unsichtbaren Mustern und invarianten Strukturen. Fast alle Kulturen kennen die Geschichte vom geheimnisvollen Gral, und fast alle erzählen sich die Geschichte vom Sohn, der die Mutter begehrt und den Vater aus dem Weg räumen will. Oder die Geschichte von der Frau, die vom Jaguar durch den Urwald gejagt und von einer Kinderstimme gerettet wird. Die Figuren in solchen Geschichten sind austauschbar, es muss weder ein Jaguar noch ein Kind sein. Identisch jedoch sind die Strukturen, die sich unter der narrativen Oberfläche verbergen. Das aber kann nur heißen: Nicht Menschen denken sich in den Mythen, sondern Mythen denken sich in den Menschen. Und die neue Theorie, die die Strukturgesetze ans Licht brachte, hieß – Strukturalismus.
Bevor man Lévi-Strauss nun den akademisch handelsüblichen Vorwurf der »Subjektfeindlichkeit« macht, sollte man eines bedenken: Die strukturale, in den vier Bänden der Mythologica entfaltete Methode war zunächst ein unerhörter Akt der Gerechtigkeit, eine Ehrenrettung und späte Anerkennung der nichtwestlichen Kulturen. Denn wenn alle Gesellschaften denselben Strukturen »aufsitzen«, wenn der verschlungene Bilderkosmos der »Primitiven« ähnlich vielschichtig ist wie der der Hochkultur, dann verliert die westliche Zivilisation auf einen Schlag ihre kulturelle Überlegenheit. »Der Reichtum und die Kühnheit in den ästhetischen Erfindungen der Melanesier, ihre Gabe, noch die dunkelsten Produkte der unbewussten Aktivität des Geistes in das soziale Leben miteinzubeziehen, bilden einen der höchsten Gipfel, die die Menschen in dieser Richtung erreicht haben.« Der »Wilde« ist kein rückständiges Wesen, er ist ein gleichberechtigter Teilnehmer im Schauspiel der Menschheit, das in unvordenklicher Zeit auf diesem vom kosmischen Zufall begnadeten Planeten begann und irgendwann, von sich selbst erschöpft, an sein natürliches Ende gelangen wird.
Während sich die Sonne des Rationalismus langsam verdunkelt, lässt Lévi-Strauss das Genie der schriftlosen Kulturen leuchten, den Zauber von Kult und Magie. Zu leuchten beginnen auch die als »kindlich« belächelten Zeitalter, zum Beispiel die »neolithische Revolution«, die »ebenso ihren Pasteur hatte wie die anderen auch«. Zu allen Zeiten »haben die Menschen geliebt, gehasst, gelitten, geforscht und gekämpft. In Wirklichkeit gibt es keine kindlichen Völker; alle sind erwachsen, auch diejenigen, die keine Chronik ihrer Kindheit verfasst haben.«
Vom theoretischen »Herz« des Strukturalismus ist heute wenig übrig geblieben, und aus einer strengen Methode wurde eine possierliche Mode, die sogar ihrem Erfinder bald auf die Nerven ging. Verblasst ist auch der provokative Charme. Niemand wird sich heute mehr nonchalant über den Unterschied von Mythos und Religion hinwegsetzen oder den Eindruck erwecken, die menschliche Freiheit sei, nun ja: ein unbeträchtlicher Zwischenfall im Strukturtheater der Natur, kaum mehr als eine süße Fiktion, die man an die Gefängniswand pinselt, um die irdische Misere besser zu ertragen.
Pierre Bourdieu, einst sein Bewunderer, wandte sich deshalb von Lévi-Strauss ab; Jean-Paul Sartre beschuldigte ihn der »Geschichtsvergessenheit«. Ganz falsch war es nicht. Tatsächlich verwandelt Lévi-Strauss in den düsteren Passagen seines Werks die Weltgeschichte in ein Naturschauspiel, in einen Maskenzug mythischer Zeichen, der sich über den Erdball schleppt bis ans Ende aller Tage. »Naturalisierung der Verhältnisse«, riefen die Studenten im Pariser Mai 1968 und lästerten: »Strukturen laufen nicht auf der Straße herum.«
So aufwühlend der Streit auch war, so blieb er doch seltsam an der Oberfläche. Denn das Engagement des inzwischen berühmten Feldforschers war anderer Natur, es war viel radikaler, als die Revolutionäre sich das vorstellen konnten. Lévi-Strauss erforschte nämlich nicht nur das »wilde Denken« der »Naturvölker«; er verstand sich zugleich als ein Ethnologe der Moderne – als jemand, der sich gezwungen sieht, die »Natur« der Zivilisation zu ergründen. Denn wohin seine Reisen ihn auch führen, auf Schritt und Tritt stößt er auf die hässlichen Brandzeichen des Westens, während das »Ursprüngliche«, das Unberührte und Authentische unauffindbar ist, bestenfalls dunkel und opak.
»Was uns die Reisen zeigen, ist der Schmutz, mit dem wir das Antlitz der Menschheit besudelt haben.« Die Handvoll Indianer, die er noch trifft, sind Davongekommene, die ihre Ausrottung überlebt haben. Mehr und mehr wird die »Wildnis« zum Spiegel, der ihm die Wahrheit über das eigene, verwilderte Zeitalter enthüllt. »Wie der Indianer im Mythos bin auch ich so weit gelaufen, wie die Erde es zulässt, und am Ende der Welt angekommen, habe ich die Wesen und die Dinge befragt und dieselbe Enttäuschung erlebt wie er.«
Der Satz stammt aus Traurige Tropen, einem hinreißend geschriebenen, im Jahr 1955 veröffentlichten »Reisebericht« aus Brasilien, der alles zugleich ist: eine romantische Elegie, ein einzigartiges Denkmal der westlichen Kultur, deren Untergang es verkündet – und ein wehmütiger Abschiedsbrief, dessen Adressat niemand anderes ist als die ganze Menschheit.
Untröstlich sind die Tropen für Claude Lévi-Strauss im vielfachen Sinn. Ihr Leben lebt nicht mehr, sie sind auf Abschied gestimmt und gezeichnet von ihrem nahenden Tod. Nicht mehr lange, dann wird der majestätische Widerstand der Regenwälder gebrochen sein, und die Indianerstämme im Mato Grosso werden aussterben oder an Stadträndern vegetieren, zur Strecke gebracht von den Missionaren des Rationalismus, die mit der Fackel der Aufklärung durch den Busch rennen und seine Geheimnisse niederbrennen. »Nie wieder werden uns die Reisen, Zaubertruhen voll traumhafter Versprechen, ihre Schätze unberührt enthüllen. Eine überreizte Zivilisation stört für immer die Stille der Meere. Eine Gärung von zweifelhaftem Geruch verdirbt die Düfte der Tropen und die Frische der Lebewesen.« Die »polynesischen Inseln ersticken in Beton«, Barackenviertel »zerfressen Afrika«.
Die Welt hat ohne den Menschen begonnen. Und wird auch so enden
Das ist die endlose, herzzerreißende, nie kitschige Melodie der Traurigen Tropen, eines Requiems auf die westliche Kultur, die »große Schöpferin all der Wunder, an denen wir uns erfreuen« – eine Kultur, der es nicht gelungen sei, »diese Wunder ohne ihre Kehrseiten hervorzubringen«. Wie armselig sei ihr Mythos vom ewigen Fortschritt, das traumlose Recycling der eigenen Leere – und wie viel Erinnerung wohne den Ritualen der »Wilden« inne, die ihre Vergangenheit am Leben erhielten und in jedem Baum ihren Vorfahren begegneten. Der Westen habe kein Gespür dafür, dass sein Hochmut provinziell, seine Vernunft imperial und sein Wohlstand hohl seien. »Wir begreifen nicht, dass Prinzipien, die für unsere Entfaltung fruchtbar gewesen sind, von andern nicht so hoch verehrt werden, als dass sie veranlasst würden, sie für den eigenen Gebrauch zu übernehmen.«
Es ist nicht so, als seien die Wilden für Lévi-Strauss die besseren Menschen. Auch sie haben schwere Sünden begangen, vor allem die Azteken mit ihrem »manischen Durst nach Blut und Folter«. Doch im Wettbewerb der Weltzerstörung belegten die westlichen Gesellschaften, egal ob Kapitalismus oder Kommunismus, nun einmal den ersten Platz – was die Rituale der Grausamkeit angehe, die Summe der Massaker und Scheußlichkeiten, müsse man sie mit den Azteken vergleichen. Die Art und Weise wiederum, wie archaische Kulturen mit dem sozialen Regelbruch umgehen, nötigt ihm große Ehrfurcht ab. Der Westen sperre seine Verbrecher zu Tausenden hinter Gitter und lasse sie bei lebendigem Leib verfaulen – selbst Menschenfresser verhielten sich humaner. »Den meisten Gesellschaften, die wir primitiv nennen, würde diese Sitte tiefe Abscheu einflößen; sie würde uns in ihren Augen mit derselben Barbarei behaften, die wir ihnen anzulasten versuchen.«
Auch die westliche Wirtschaftsweise erscheint ihm seltsam exotisch. Sie sagt »Alles, was du tust – es muss sich lohnen«. Sie ist verhext vom Voodoo-Zauber des Wachstums und vernarrt in die geistlose Akkumulation von Gütern und Kapital. Ihr Wesen sei der Exzess, die zwanghafte »Steigerung von Energie«. Ihre Hexenmeister belohnten Leidenschaften, die archaische Kulturen zutiefst verachten, vor allem Maßlosigkeit und Gier. Und die »Primitiven«? Sie leben im Ausgleich mit der Schöpfung, sie wollen Gabe und Gegengabe.
Traurig sind die Tropen schließlich, weil sie dem Reisenden die Ahnung zur Gewissheit machen, dass die Zivilisation das Band mit der Natur zerschnitten und sich auf immer dem Kreislauf von Werden und Vergehen, Geburt und Tod entfremdet hat. Nur ein Philosoph habe das Unheil kommen sehen, nämlich Jean-Jacques Rousseau, »unser Lehrer, unser Bruder, dem wir nichts als Undankbarkeit erwiesen haben«. Ihn trägt Lévi-Strauss auf Händen durch sein Werk, ihm liegt er zu Füßen, denn Rousseau habe es gewusst: Es wäre für die Menschheit besser gewesen, sie hätte die Mitte gehalten zwischen der »Trägheit des primitiven Zustandes« und der »ungestümen Aktivität unserer Eigenliebe«. Nun »ist es zu spät«, die überhitzte Zivilisation kann ihre natürlichen Grundlagen nicht erhalten und wird verschwinden wie jene »prähistorischen Riesentiere«, deren Ausdehnung mit den »inneren Mechanismen ihrer Existenz« unvereinbar waren. Was kommt, sei Stillstand und Entropie. Erfolgreich arbeitet der Mensch an der »Auflösung der ursprünglichen Ordnung«, er jagt »organisierte Materie in einen Zustand der Trägheit« und »zerstört Milliarden von Strukturen, um sie in einen Zustand zu versetzen, in dem sie sich nicht mehr integrieren lassen«. Gibt es einen Trost im Herzen der Finsternis? Es gibt ihn. »Die Welt hat ohne den Menschen begonnen, und sie wird auch ohne ihn enden.«
Der Traum vom buddhistischen Leben und den Meditationen des Weisen
Mit der Reise in die Fremde »verfremdet« sich die Zivilisation zu einer wild gewordenen Stammeskultur, die alles mit ihren Wundmalen überzieht oder mit ihren patterns durchdringt. Seit dem Kolonialismus, »dieser Todsünde«, verachte der Westen das Unberührte, und »er wird erst Ruhe geben, wenn der Regenbogen der menschlichen Kulturen endlich im Abgrund unserer Wut versunken sein wird«. Ein letztes Mal öffnet der amazonische Urwald ihm die Augen für die Tragödie der westlichen Kultur, für die Epidemien der Unvernunft: Sie wollte Freiheit, doch sie erstickt an Unfreiheit – wie ein Sklave ihrer eigenen Lebensform liegt sie in den Ketten der Sachzwänge, und daran gemessen war das Leben der Wilden von paradiesischer Freiheit. Oder in einer grandiosen Formulierung: Die Moderne stopft die »klaffenden Risse in der Mauer der Notwendigkeit« zu – um ihr »Werk in demselben Augenblick zu vollenden«, da sie ihr »Gefängnis zuschließt«.
Gewiss, das war die Kulturkritik der fünfziger Jahre, der pessimistische Zauber einer Weltverdüsterungsprosa, die sich die Zukunft nur als Verfall vorstellen konnte, als betonierte Tristesse, als Grau in Grau sinnloser Progression und sinnloser Uniformität, kurz: als »abstrakte Menschheit«, die »nach Agfacolor lechzt« und alles Lebendige in den Warenkreislauf einspeist. Im Gegenzug träumt der Ethnologe von einer anderen, einer »buddhistischen« Moderne, in der sich der »Unterschied zwischen dem Sinn und dem Fehlen von Sinn« verflüchtigt und die erfüllt ist von den »Meditationen des Weisen am Fuß des Baums«.
Das ist sein schönster, sein menschenfreundlichster Widerspruch. Lévi-Strauss »exotisiert« die Zivilisation und beschreibt sie von ihrem Ende her – und genau dadurch wird sie ihm wieder vertraut und gewinnt sein Wohlwollen zurück. Mit dieser Denkbewegung beschließt der Ethnologe ein intellektuelles Abenteuer, für das ein großes Wort gerade groß genug ist: die Selbstreflexion der Moderne, den abenteuerlichen Versuch, das Ganze als Ganzes zu denken. Alles ist verloren, heißt es nun, »doch nichts ist verspielt. Wir können alles von vorn anfangen.« Eine andere Welt werde es nicht mehr geben, und darum bestehe die Aufgabe des Menschen darin, sich gegen den Verfall zu wehren und den Traum von einer »brüderlichen Menschheit« ins Werk zu setzen. Schon für diesen Satz darf man den Hundertjährigen rühmen.
- Datum 04.05.2009 - 10:55 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 20.11.2008 Nr. 48
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Die archaischen Bräuche von Azteken stehen vielleicht auch dadurch im Unterschied zu denen der westlichen Kultur, dass das schlechte Gewissen dort mythologisiert wird, während man es bei der westlichen Kultur einfach nur verdrängt.
Der Aztekenkönig hat die Grausamkeit direkt als Ruf in die Menge geschrien, die ehrfürchtig innehielt. Während Inquisition, kolonialistische Sklavenhändler und Naziärzte sich in ihren dunklen Kämmerchen versteckt hielten.
Wenn man heute in eine Justizvollzugsanstalt schaut, wird einem alles wie ein ordnungsgemäß durchgeplantes und abgesegnetes Procedere erscheinen. Doch alle Ordnung, alle Planung und aller Segen sind eben nur das dunkle Kämmerchen, in dem man versteckt, dass hier trotz allem noch einem Menschen Leid zugefügt wird, dadurch dass man ihm seine Freiheit raubt, egal ob dieser Mensch dieses Leid nun verdient hat oder nicht.
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Man sollte auch bei Rot über die Ampel gehen dürfen, zumindest wenn kein Auto kommt und auf der anderen Straßenseite jemand Hilfe braucht.
Machen wir uns doch nichts vor: Der Sozialdarwinismus ist die schlimmste Idiologie überhaupt, doch schreibt unsere Gesellschsft ihn fest trotz aller Verurteilungen. Der, der bescheißt, betrügt, hintergeht wird am Ende der Kluge sein und lacht am Ende dem "dummen" Moralischem, der sich an die Rgeln gehalten hat ins Gesicht. Wenn wir so eine Gesellschaft zulassen, hilft alles verleugnen und moralisieren nichts, dann bekommen wir so eine Gesellschaft.
Kapitalismus , in der Regelverletzungen nicht geandet werden ist Sozialdarwinismus in Reinkultur: der Starke diktiert die Spielregeln, und wenn er nicht gewinnt, werden halt die Regeln geändert. Wenn wir wirklich was ändern wollen, eine gerechte Welt wollen, müssen wir nicht Kapital, sondern ideelle Motivation als Ursache allem Handelns installieren.
Ich finde es zwar persönlich sehr traurig, aber das sieht mir alles nach einer Rückkehr der Religion aus....Vielleicht gehts den Menschen wirklich besser, wenn Europa in 50 Jahren islamisch ist, wer weiß das schon....
Moral braucht keine Religion, wohl aber Rituale. Auch kritische Selbstreflektion, Einsicht in ethische Prinzipien und gesellschaftliche Zusammenhänge, kann das leisten, was traditionell Aufgabe der Religion(en) war. Sie muss eben nur eingeübt werden, sich ihrer selbst und ihrer Funktionen immer wieder versichern und diese auch kritisch hinterfragen. Vor allem aber muss sich die Gesellschaft immer wieder der Notwendigkeit gewisser Verbindlichkeiten versichern: Gedenktage und -stunden, Feiern, Diskussionsrunden in denen wichtige Werte wie Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit, Respekt, Gnade, etc. geehrt und gelehrt werden - aber natürlich nicht nur dort, im exklusiven Raum und stillen Kämmerlein, sondern als Anregung, die man in den Alltag mitnimmt und die an dessen Erfahrungen anknüpfen. Früher nannte man das Predigt oder Gottesdienst (im besten Fällen war es aber: Mitmenschen-Dienst), und es fand einmal die Woche an einem Ort in der Gemeinde statt. Heute ist der Mensch in allerlei "Gemeinden" (communities) eingebunden, einen sozial zentralen Ort für Alle gibt es nicht mehr. Um so wichtiger wäre es, "Predigten" und Mitmenschen-Dienst (oder deren Äquivalent) überall zu installieren, wo Menschen zusammenkommen - in jeder community, an jedem Arbeitsplatz, in jeder Familie - undogmatisch aber um so wichtiger als Zeit füreinander, bei der jeder zu Wort kommen darf. Einen solchen Humanismus (er kann im einzelnen theistisch, atheistisch, agnostisch oder einfach pragmatisch ausfallen) im Kleinen halte ich in unserer (Post-)Moderne für weitaus geeigneter als die Rückkehr zu einem Diktat religiöser Dogmen. Die bewirken in der Regel nämlich eine nach außen zur Schau getragene Sittenstrenge, nach innen nur Druck, und für die Schwächsten der Gesellschaft (die ihre Verstöße gegen den Kodex am schlechtesten tarnen können) Stigma, Ausschluss und Tod. Das war in den meisten der mittlerweile ausgerotteten Kulturen schon so, zur Zeit der christlichen Inquisition im wesentlichen nicht anders, in den totalitären Regimes des Staatsrassismus und Staatsatheismus waren ebensolche Prozesse am Werk, und im Staatsislam heutiger Prägung sieht es kaum anders aus.
Wir werden solange um diese Geldtonne tanzen, bis wir merken, dass wir uns um den Inhalt nur solange streiten können, wie wir genug zu essen und trinken bekommen.
Moral braucht keine Religion, wohl aber Rituale. Auch kritische Selbstreflektion, Einsicht in ethische Prinzipien und gesellschaftliche Zusammenhänge, kann das leisten, was traditionell Aufgabe der Religion(en) war. Sie muss eben nur eingeübt werden, sich ihrer selbst und ihrer Funktionen immer wieder versichern und diese auch kritisch hinterfragen. Vor allem aber muss sich die Gesellschaft immer wieder der Notwendigkeit gewisser Verbindlichkeiten versichern: Gedenktage und -stunden, Feiern, Diskussionsrunden in denen wichtige Werte wie Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit, Respekt, Gnade, etc. geehrt und gelehrt werden - aber natürlich nicht nur dort, im exklusiven Raum und stillen Kämmerlein, sondern als Anregung, die man in den Alltag mitnimmt und die an dessen Erfahrungen anknüpfen. Früher nannte man das Predigt oder Gottesdienst (im besten Fällen war es aber: Mitmenschen-Dienst), und es fand einmal die Woche an einem Ort in der Gemeinde statt. Heute ist der Mensch in allerlei "Gemeinden" (communities) eingebunden, einen sozial zentralen Ort für Alle gibt es nicht mehr. Um so wichtiger wäre es, "Predigten" und Mitmenschen-Dienst (oder deren Äquivalent) überall zu installieren, wo Menschen zusammenkommen - in jeder community, an jedem Arbeitsplatz, in jeder Familie - undogmatisch aber um so wichtiger als Zeit füreinander, bei der jeder zu Wort kommen darf. Einen solchen Humanismus (er kann im einzelnen theistisch, atheistisch, agnostisch oder einfach pragmatisch ausfallen) im Kleinen halte ich in unserer (Post-)Moderne für weitaus geeigneter als die Rückkehr zu einem Diktat religiöser Dogmen. Die bewirken in der Regel nämlich eine nach außen zur Schau getragene Sittenstrenge, nach innen nur Druck, und für die Schwächsten der Gesellschaft (die ihre Verstöße gegen den Kodex am schlechtesten tarnen können) Stigma, Ausschluss und Tod. Das war in den meisten der mittlerweile ausgerotteten Kulturen schon so, zur Zeit der christlichen Inquisition im wesentlichen nicht anders, in den totalitären Regimes des Staatsrassismus und Staatsatheismus waren ebensolche Prozesse am Werk, und im Staatsislam heutiger Prägung sieht es kaum anders aus.
Wir werden solange um diese Geldtonne tanzen, bis wir merken, dass wir uns um den Inhalt nur solange streiten können, wie wir genug zu essen und trinken bekommen.
dann stelle ich für mich ein andere Sichtweise fest.
Dies hängt damit zusammen, dass ich als Nicht-Ethnologe nämlich als Physiker ganz automatisch die geschichtlichen Prozesse nicht erst von der Menschwerdung aus betrachte. Man zieht unwillkürlich die vorangegangenen Prozesse der Galaxienentstehung der Sternen- und Planetenbildung mit ein. Und sieht - ebenfalls ganz automatisch - den Planeten nicht als endgültige Heimstätte einer friedfertig gewordenen Gattung Mensch, der dort im Einklang mit der Natur lebt, bis, ja bis wann wohl?
Den Zauber der primitiven Gesellschaften hat er ersetzt durch den Zauber der Erfahrung, dass die Natur offensichtlich nach einem einheitlichen Muster (den Naturgesetzen) designed wurde. Diesen Zauberempfindet er beim gedanklichen Reflektieren als im höchsten Maße phantastisch. Das ist ihm Zauber genug.
Dass wir den Planeten Erde etwas strapazieren ist für ihn vergleichbar dem Zustand eines Vogelnestes kurz bevor die Vögel flügge werden. Der Planet muss das (und uns) aushalten.
Ich gestehe jedem eine andere Sichtweise zu, aber ich erwarte dann, dass man eine Lösung für die Zeiten bereitstellt, an denen der Planet Erde aus kosmischen Gründen (die mit dem Menschen also überhaupt nichts zu tun haben) lebensfeindlich wird.
Ein Physiker, der nachvollzieht, wie die komplexen Prozesse (mindestens) einer ganzen Galaxis ineinandergreifen, um Leben auf vielleicht nur einem Planten zu ermöglichen, wird Probleme haben, wenn Sie ihm ein dauerhaften Verbleiben des Lebens auf der Erde bis zum bitteren Ende schmackhaft machen wollen.
Er hätte damit eine kognitive Dissonanz; es erschiene ihm doch zu seltsam.
Und damit kommen wir zum zentralen Punkt, warum ich keine Probleme mit dem Barbarentum im Sinne von Levi-Strauss habe.
1. Wir müssen/mussten barbarische Züge haben, um die technischen Mittel für Raumfahrt und alles was damit zusammenhängt zu entwickeln.
2. Wir dürfen diese barbarischen Züge auch in Zukunft behalten, da sie jenseits des Erdorbits keinem mehr wehtun werden.
Und dies heißt auch, dass wir dem Menschen seine Aggressivität nicht wegzuzüchten brauchen.
Er kann so bleiben wie er ist.
Und deshalb bin ich mit meinem eigenen "Barbarentum" (diesmal doch in Anführungszeichen gesetzt) im Reinen.
Herzlichst Crest
Erstens nur weil wir uns damit abfinden muessen das die basis irgendwann fuer ein Leben nicht mehr reicht, heisst es nicht das der mensch das als Argument fuer seine Gewalt, Aggressivitaet und Ungerechtigkeiten nehmen darf.
Zweitens impliziert Ihre Aufzaehlung was dadurch alles moeglich wurde zB Raumfahrt, das der Mensch auch die andere Art ausprobiert hat und so messbar, wissenschaftlich sagen kann laut Fakt, so und so, dauert es unter Gerechten Zeiten laenger bis zu einem Fortschritt als wenn sich menschen gegenseitig leiden lassen.
Selbst Aristoteles sagte das Ganze ist mehr als die Summe seiner teile und ich glaube ihnen nicht das sie intelliegenter sind. So wie sie an die Sache herangegangen sind nehm ich Ihnen den Wissenschaftler nicht ab. Denn das heisst jede erdenkliche Art ausprobieren und fakten zusammentragen. Sie verteidigen plump von irgendjemandem begebracht etwas. Schade.
Maximus Successus
dass Harald Lesch an den nächsten 2-3 Sonntagen auf Bayern alpha 19Uhr15 bis 20 Uhr eine sehr interessante Reihe mit dem Titel " Denker des Abendlandes " startet.
Erste Sendung am 30.11.08 Passt zu diesem Thema
Herzlichst
Le Routier
... nicht aber in den Himmel.
Und selbst, wenn wir da gar nicht hinwollten, besitzt der Mensch nicht ohne Grund ein Empfinden für Moral und das, was man das Sittengesetz nennt. Mit "züchten" hat das nichts zu tun und auch nicht damit, daß die Ethik des Menschen in das Universum hineingeschrieben worden wäre, also ein Naturgesetz wäre, das Sie vermessen und berechnen könnten.
Wer oder was würde mich denn abhalten, unverzüglich zehn Mann zu requirieren, in Ihr Institut zu stürmen und Ihr Spektrometer zu zerlegen? Der Juppiter? Die Bahnexzentrizität? Die Schiefe der Ekliptik? Bestimmt nicht.
Ethik indes sehr wohl.
In einem haben Sie Recht: Den Planeten interessiert es nicht, daß wir seine Flora, Fauna und das Klima in einem Zustand erhalten, der es uns ermöglich, daß wir hier leben. Der Planet war die meiste Zeit seines Daseins heiß, staubig und jenseits der Gemütlichkeit für unsereins, und wir werden ihn auch nicht "zerstören", indem wir die Durchschnittstemperatur der Atmosphäre in ungeahnte Höhen treiben. Der Planet ist sicher auch dann noch da, "nur" wir nicht.
Aber darum geht es auch gar nicht. Den Planeten, ja das Universum selbst stört es nicht, ob wir es vermessen, kartographieren oder bereisen. Nichts könnte es weniger beschäftigen als unsere Existenz. Ob wir vor die Hunde gehen oder nicht ist für die Physik nicht von belang - scheinbar. Denn für wen betreiben Sie denn die Forschung? Wen interessiert denn, was Sie in Ihrem Institut den ganzen lieben langen Tag treiben? Den Mars - auch dafür hat er wenig Neigung, denke ich mir. Es ist ihm vermutlich ziemlich egal, ob wir ihn durchs Fernrohr beobachten oder nicht.
Auch die Physik ist kein Naturgesetz. Sie wird von Menschen betrieben und auch, wenn Sie den Menschen nur marginal im Fokus hat, so ist er doch der einzige, der sich dafür interessiert.
"Ich gestehe jedem eine andere Sichtweise zu, aber ich erwarte dann, dass man eine Lösung für die Zeiten bereitstellt, an denen der Planet Erde aus kosmischen Gründen (die mit dem Menschen also überhaupt nichts zu tun haben) lebensfeindlich wird."
Wie kommen Sie dazu, das zu erwarten?? Im Grunde sagen Sie ja, dass man den Planeten leider (zumindest die Bedingungen menschlichen Ueberlebens betreffend) so schnell wie moeglich zugrunderichten muss, um moeglichst viele Ressourcen zu haben, die Flucht von hier vorzubereiten - weil wir "irgendwann", sagen wir in 2 Millionen Jahren ohnehin abtreten muessen.
Um in Ihrer Logik zu bleiben, auch wenn sie zynisch ist:
Wenn wir so weiterwirtschaften und verbrauchen wie bisher, glaube ich kaum, dass man in 50 Jahren es noch noch irgendwie durchsetzen kann, viel Geld in Astronomie und Raumfahrt zu investieren. Wir werden alle in Verteilungskriege um Wasser und Oel verwickelt sein, viele Menschen werden so verelendet sein, dass sie nichts mehr zu verlieren haben, wenn sie gewalttaetig aufbegehren - es wird schlicht politisch nicht durchsetzbar sein, Unmassen in ein so ungewisses Projekt zu stecken und zugleich Millionen von Menschen dafuer verhungern und verdursten zu lassen. Zugleich ist es, seien Sie mal ehrlich, wohl nicht gerade wahrscheinlich, innerhalb der naechsten paar Jahrzehnte einen Planeten zu finden, der ueber eine erdaehnliche Atmosphere verfuegt - und dann auch noch das Problem geloest zu haben, wie man ihn mit einer grossen Anzahl von Menschen erreichen kann. Zudem wird niemand bereit sein, grosse Opfer fuer ein solches Projekt zu bringen, wenn Sie ihm nicht im Gegenzug zusichern, dass auch einer von seinen eigenen Nachkommen mit auf die Reise darf. Das Argument "hoer mal, die Erde wird nun leider schon in 70 Jahren statt in 40.000 JAhren nicht mehr fuer Menschen bewohnbar sein, deine Tochter sollte also besser keine Familie mehr gruenden, Geld in ihre Berufsausbildung zu stecken, lohnt sich auch nicht mehr - aber mach dir nichts draus, dafuer werden 30 Menschen, die du persoenlich nicht kennst in ein Raumschiff gesetzt- ist doch eine super Idee, oder?" Das wird keinen ueberzeugen.
Ausserdem: ist es nicht sehr, sehr schraeg, einen anderen Planeten zu suchen, dessen Umweltbedingungen vielleicht nicht optimal sind, solange zu "verbessern" bis er fuer uns passt - waehrend wir gleichzeitig als Preis dieser Umgestaltung unseren eigenen Planeten, auf dem eigentlich alles passt, immer unwirtlicher machen?
Und schliesslich, nehmen wir einmal an es klappt: 30 Menschen haben es geschafft - auf Kosten aller anderen Menschen haben sie ueberlebt - einige wenige sind vermutlich ausgewaehlt worden, weil sie fuer die Expedition unverzichtbar waren, einige sind durch Korruption oder Erpressung auf die Liste gekommen, alle wissen, dass ihre Freunde und Familien letztlich "fuer sie" sterben mussten - und nun landen sie in der Kolonie. Sie sagen, die alten Verbrechen spielten hier nun keine Rolle mehr??? Das zeigt nur, wie wenig Ahnung Sie als Physiker von der menschlichen Psyche haben! Von diesen 30 werden sich ein signifikanter Teil umbringen - die skrupellosesten und besten Verdraenger bleiben uebrig und pflanzen sich fort. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was diese Menschen - zudem unter der Bedingung, dass ja alles moeglich ist, weil es keine Gesetze mehr gibt, an ihre Kinder weitergeben. Nach heutigen Diagnosekriterien wuerden sie vermutlich allesamt hochpathologisch sein...totale Empathielosigkeit, schlimmste narzistische Stoerungen, bipolar, alle schwer traumatisiert - sie werden sich vielleicht in komplett durchgeknallte Sekten-Denksysteme gefluechtet haben, um das was sie getan haben und was ihnen passiert ist halbwegs einzuordnen: und gerade die sollen nun eine neue Gesellschaft gruenden? Na herzlichen Dank.
Mir jedenfalls waeren weitere 500.000 Jahre auf der Erde mit dem Abschluss einer kosmischen Katastrophe, bei der die Menschheit dann insgesamt eben verschwindet allemal lieber, als 70 Jahre auf einer immer unwirtlicheren Erde mit solchen Aussichten!
Und wer sollte auch der Zuchtmeister sein, der uns die Aggressionen wegzüchten wollte - der Pabst?
Gott verschone uns vor einem solchen!
Auch ich finde einen solch extremen Pessimismus, wie der von Levi-Strauss sehr traurig und nicht den Gesetzen der Evolution gerecht werdend.
Diese hatte das Ziel, Intelligenz hervorzubringen und zu fördern, bis wir zur nächsten, wahrhaft "erwachsenen" Stufe kommen, in der wir uns unseres Barbarentums mühelos entledigen werden.
Schönes neues Jahr!
Erstens nur weil wir uns damit abfinden muessen das die basis irgendwann fuer ein Leben nicht mehr reicht, heisst es nicht das der mensch das als Argument fuer seine Gewalt, Aggressivitaet und Ungerechtigkeiten nehmen darf.
Zweitens impliziert Ihre Aufzaehlung was dadurch alles moeglich wurde zB Raumfahrt, das der Mensch auch die andere Art ausprobiert hat und so messbar, wissenschaftlich sagen kann laut Fakt, so und so, dauert es unter Gerechten Zeiten laenger bis zu einem Fortschritt als wenn sich menschen gegenseitig leiden lassen.
Selbst Aristoteles sagte das Ganze ist mehr als die Summe seiner teile und ich glaube ihnen nicht das sie intelliegenter sind. So wie sie an die Sache herangegangen sind nehm ich Ihnen den Wissenschaftler nicht ab. Denn das heisst jede erdenkliche Art ausprobieren und fakten zusammentragen. Sie verteidigen plump von irgendjemandem begebracht etwas. Schade.
Maximus Successus
dass Harald Lesch an den nächsten 2-3 Sonntagen auf Bayern alpha 19Uhr15 bis 20 Uhr eine sehr interessante Reihe mit dem Titel " Denker des Abendlandes " startet.
Erste Sendung am 30.11.08 Passt zu diesem Thema
Herzlichst
Le Routier
... nicht aber in den Himmel.
Und selbst, wenn wir da gar nicht hinwollten, besitzt der Mensch nicht ohne Grund ein Empfinden für Moral und das, was man das Sittengesetz nennt. Mit "züchten" hat das nichts zu tun und auch nicht damit, daß die Ethik des Menschen in das Universum hineingeschrieben worden wäre, also ein Naturgesetz wäre, das Sie vermessen und berechnen könnten.
Wer oder was würde mich denn abhalten, unverzüglich zehn Mann zu requirieren, in Ihr Institut zu stürmen und Ihr Spektrometer zu zerlegen? Der Juppiter? Die Bahnexzentrizität? Die Schiefe der Ekliptik? Bestimmt nicht.
Ethik indes sehr wohl.
In einem haben Sie Recht: Den Planeten interessiert es nicht, daß wir seine Flora, Fauna und das Klima in einem Zustand erhalten, der es uns ermöglich, daß wir hier leben. Der Planet war die meiste Zeit seines Daseins heiß, staubig und jenseits der Gemütlichkeit für unsereins, und wir werden ihn auch nicht "zerstören", indem wir die Durchschnittstemperatur der Atmosphäre in ungeahnte Höhen treiben. Der Planet ist sicher auch dann noch da, "nur" wir nicht.
Aber darum geht es auch gar nicht. Den Planeten, ja das Universum selbst stört es nicht, ob wir es vermessen, kartographieren oder bereisen. Nichts könnte es weniger beschäftigen als unsere Existenz. Ob wir vor die Hunde gehen oder nicht ist für die Physik nicht von belang - scheinbar. Denn für wen betreiben Sie denn die Forschung? Wen interessiert denn, was Sie in Ihrem Institut den ganzen lieben langen Tag treiben? Den Mars - auch dafür hat er wenig Neigung, denke ich mir. Es ist ihm vermutlich ziemlich egal, ob wir ihn durchs Fernrohr beobachten oder nicht.
Auch die Physik ist kein Naturgesetz. Sie wird von Menschen betrieben und auch, wenn Sie den Menschen nur marginal im Fokus hat, so ist er doch der einzige, der sich dafür interessiert.
"Ich gestehe jedem eine andere Sichtweise zu, aber ich erwarte dann, dass man eine Lösung für die Zeiten bereitstellt, an denen der Planet Erde aus kosmischen Gründen (die mit dem Menschen also überhaupt nichts zu tun haben) lebensfeindlich wird."
Wie kommen Sie dazu, das zu erwarten?? Im Grunde sagen Sie ja, dass man den Planeten leider (zumindest die Bedingungen menschlichen Ueberlebens betreffend) so schnell wie moeglich zugrunderichten muss, um moeglichst viele Ressourcen zu haben, die Flucht von hier vorzubereiten - weil wir "irgendwann", sagen wir in 2 Millionen Jahren ohnehin abtreten muessen.
Um in Ihrer Logik zu bleiben, auch wenn sie zynisch ist:
Wenn wir so weiterwirtschaften und verbrauchen wie bisher, glaube ich kaum, dass man in 50 Jahren es noch noch irgendwie durchsetzen kann, viel Geld in Astronomie und Raumfahrt zu investieren. Wir werden alle in Verteilungskriege um Wasser und Oel verwickelt sein, viele Menschen werden so verelendet sein, dass sie nichts mehr zu verlieren haben, wenn sie gewalttaetig aufbegehren - es wird schlicht politisch nicht durchsetzbar sein, Unmassen in ein so ungewisses Projekt zu stecken und zugleich Millionen von Menschen dafuer verhungern und verdursten zu lassen. Zugleich ist es, seien Sie mal ehrlich, wohl nicht gerade wahrscheinlich, innerhalb der naechsten paar Jahrzehnte einen Planeten zu finden, der ueber eine erdaehnliche Atmosphere verfuegt - und dann auch noch das Problem geloest zu haben, wie man ihn mit einer grossen Anzahl von Menschen erreichen kann. Zudem wird niemand bereit sein, grosse Opfer fuer ein solches Projekt zu bringen, wenn Sie ihm nicht im Gegenzug zusichern, dass auch einer von seinen eigenen Nachkommen mit auf die Reise darf. Das Argument "hoer mal, die Erde wird nun leider schon in 70 Jahren statt in 40.000 JAhren nicht mehr fuer Menschen bewohnbar sein, deine Tochter sollte also besser keine Familie mehr gruenden, Geld in ihre Berufsausbildung zu stecken, lohnt sich auch nicht mehr - aber mach dir nichts draus, dafuer werden 30 Menschen, die du persoenlich nicht kennst in ein Raumschiff gesetzt- ist doch eine super Idee, oder?" Das wird keinen ueberzeugen.
Ausserdem: ist es nicht sehr, sehr schraeg, einen anderen Planeten zu suchen, dessen Umweltbedingungen vielleicht nicht optimal sind, solange zu "verbessern" bis er fuer uns passt - waehrend wir gleichzeitig als Preis dieser Umgestaltung unseren eigenen Planeten, auf dem eigentlich alles passt, immer unwirtlicher machen?
Und schliesslich, nehmen wir einmal an es klappt: 30 Menschen haben es geschafft - auf Kosten aller anderen Menschen haben sie ueberlebt - einige wenige sind vermutlich ausgewaehlt worden, weil sie fuer die Expedition unverzichtbar waren, einige sind durch Korruption oder Erpressung auf die Liste gekommen, alle wissen, dass ihre Freunde und Familien letztlich "fuer sie" sterben mussten - und nun landen sie in der Kolonie. Sie sagen, die alten Verbrechen spielten hier nun keine Rolle mehr??? Das zeigt nur, wie wenig Ahnung Sie als Physiker von der menschlichen Psyche haben! Von diesen 30 werden sich ein signifikanter Teil umbringen - die skrupellosesten und besten Verdraenger bleiben uebrig und pflanzen sich fort. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was diese Menschen - zudem unter der Bedingung, dass ja alles moeglich ist, weil es keine Gesetze mehr gibt, an ihre Kinder weitergeben. Nach heutigen Diagnosekriterien wuerden sie vermutlich allesamt hochpathologisch sein...totale Empathielosigkeit, schlimmste narzistische Stoerungen, bipolar, alle schwer traumatisiert - sie werden sich vielleicht in komplett durchgeknallte Sekten-Denksysteme gefluechtet haben, um das was sie getan haben und was ihnen passiert ist halbwegs einzuordnen: und gerade die sollen nun eine neue Gesellschaft gruenden? Na herzlichen Dank.
Mir jedenfalls waeren weitere 500.000 Jahre auf der Erde mit dem Abschluss einer kosmischen Katastrophe, bei der die Menschheit dann insgesamt eben verschwindet allemal lieber, als 70 Jahre auf einer immer unwirtlicheren Erde mit solchen Aussichten!
Und wer sollte auch der Zuchtmeister sein, der uns die Aggressionen wegzüchten wollte - der Pabst?
Gott verschone uns vor einem solchen!
Auch ich finde einen solch extremen Pessimismus, wie der von Levi-Strauss sehr traurig und nicht den Gesetzen der Evolution gerecht werdend.
Diese hatte das Ziel, Intelligenz hervorzubringen und zu fördern, bis wir zur nächsten, wahrhaft "erwachsenen" Stufe kommen, in der wir uns unseres Barbarentums mühelos entledigen werden.
Schönes neues Jahr!
Moral braucht keine Religion, wohl aber Rituale. Auch kritische Selbstreflektion, Einsicht in ethische Prinzipien und gesellschaftliche Zusammenhänge, kann das leisten, was traditionell Aufgabe der Religion(en) war. Sie muss eben nur eingeübt werden, sich ihrer selbst und ihrer Funktionen immer wieder versichern und diese auch kritisch hinterfragen. Vor allem aber muss sich die Gesellschaft immer wieder der Notwendigkeit gewisser Verbindlichkeiten versichern: Gedenktage und -stunden, Feiern, Diskussionsrunden in denen wichtige Werte wie Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit, Respekt, Gnade, etc. geehrt und gelehrt werden - aber natürlich nicht nur dort, im exklusiven Raum und stillen Kämmerlein, sondern als Anregung, die man in den Alltag mitnimmt und die an dessen Erfahrungen anknüpfen. Früher nannte man das Predigt oder Gottesdienst (im besten Fällen war es aber: Mitmenschen-Dienst), und es fand einmal die Woche an einem Ort in der Gemeinde statt. Heute ist der Mensch in allerlei "Gemeinden" (communities) eingebunden, einen sozial zentralen Ort für Alle gibt es nicht mehr. Um so wichtiger wäre es, "Predigten" und Mitmenschen-Dienst (oder deren Äquivalent) überall zu installieren, wo Menschen zusammenkommen - in jeder community, an jedem Arbeitsplatz, in jeder Familie - undogmatisch aber um so wichtiger als Zeit füreinander, bei der jeder zu Wort kommen darf. Einen solchen Humanismus (er kann im einzelnen theistisch, atheistisch, agnostisch oder einfach pragmatisch ausfallen) im Kleinen halte ich in unserer (Post-)Moderne für weitaus geeigneter als die Rückkehr zu einem Diktat religiöser Dogmen. Die bewirken in der Regel nämlich eine nach außen zur Schau getragene Sittenstrenge, nach innen nur Druck, und für die Schwächsten der Gesellschaft (die ihre Verstöße gegen den Kodex am schlechtesten tarnen können) Stigma, Ausschluss und Tod. Das war in den meisten der mittlerweile ausgerotteten Kulturen schon so, zur Zeit der christlichen Inquisition im wesentlichen nicht anders, in den totalitären Regimes des Staatsrassismus und Staatsatheismus waren ebensolche Prozesse am Werk, und im Staatsislam heutiger Prägung sieht es kaum anders aus.
Tja, die Frage ist doch nur, wie man das ohne Dogmen erreichen kann. Dogmen sind ja in erster Instanz Machtmittel. Ich bin der festen Überzeugung, das 95% aller Menschen gerne das richtigen tun und auch ohne Religion und den ganzen Schnick-Schnak ihren Mitmenschen helfen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten ein friedvolles Miteinander haben wollen. Leider gibt es da die machbewussten 5%, die alles dafür tun, damit sie Macht ausüben können. Dafür sind sie unglaublich kreativ und bedienen sich immer den Ansätzen, die erdacht wurden um die Welt friedlicher und besser zu machen. Die dann entstehenden Dogmen ordnen die Welt in gut und böse (läßt sich ja auch leichter drin leben) und schaffen so einen geeigneten Ansatz um Machtstrukturen aufzubauen. Erst durch die Freund-Feind-Unterscheidung wird das überhauüt nötig. Schauen sie sich mal alle Idiologien an, die Freund-Feind-Unterscheidung ist immer der zentralste Aspekt. U.a. auch bei unserer Vertragstheorie.
Tja, die Frage ist doch nur, wie man das ohne Dogmen erreichen kann. Dogmen sind ja in erster Instanz Machtmittel. Ich bin der festen Überzeugung, das 95% aller Menschen gerne das richtigen tun und auch ohne Religion und den ganzen Schnick-Schnak ihren Mitmenschen helfen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten ein friedvolles Miteinander haben wollen. Leider gibt es da die machbewussten 5%, die alles dafür tun, damit sie Macht ausüben können. Dafür sind sie unglaublich kreativ und bedienen sich immer den Ansätzen, die erdacht wurden um die Welt friedlicher und besser zu machen. Die dann entstehenden Dogmen ordnen die Welt in gut und böse (läßt sich ja auch leichter drin leben) und schaffen so einen geeigneten Ansatz um Machtstrukturen aufzubauen. Erst durch die Freund-Feind-Unterscheidung wird das überhauüt nötig. Schauen sie sich mal alle Idiologien an, die Freund-Feind-Unterscheidung ist immer der zentralste Aspekt. U.a. auch bei unserer Vertragstheorie.
Zwei Zitate aus dem Artikel:
"Traurig sind die Tropen schließlich, weil sie dem Reisenden die Ahnung zur Gewissheit machen, dass die Zivilisation das Band mit der Natur zerschnitten und sich auf immer dem Kreislauf von Werden und Vergehen, Geburt und Tod entfremdet hat."
und
"Eine andere Welt werde es nicht mehr geben, und darum bestehe die Aufgabe des Menschen darin, sich gegen den Verfall zu wehren und den Traum von einer »brüderlichen Menschheit« ins Werk zu setzen."
Die Gründung des Mythos "Früher war Natur, Ursprünglichkeit, Brüderlichkeit, lasst uns ins verlorene Paradies zurückkehren" ist wohl tatsächlich Rousseaus Verdienst.
Wir bilden uns ein, wir könnten einen "Urzustand" wiederherstellen, weil wir nicht wahrnehmen, dass längst auch unser Fühlen und Wollen zivilisiert ist. Nicht bloß unser materielles Leben.
Wir werden aber keine Ureuropäer, wenn wir auf elektrisches Licht verzichten und Kleider aus biologischer, selbst gesponnener Wolle tragen. Winnetou kommt nicht zurück, nur Karl May bleibt uns.
Tja, die Frage ist doch nur, wie man das ohne Dogmen erreichen kann. Dogmen sind ja in erster Instanz Machtmittel. Ich bin der festen Überzeugung, das 95% aller Menschen gerne das richtigen tun und auch ohne Religion und den ganzen Schnick-Schnak ihren Mitmenschen helfen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten ein friedvolles Miteinander haben wollen. Leider gibt es da die machbewussten 5%, die alles dafür tun, damit sie Macht ausüben können. Dafür sind sie unglaublich kreativ und bedienen sich immer den Ansätzen, die erdacht wurden um die Welt friedlicher und besser zu machen. Die dann entstehenden Dogmen ordnen die Welt in gut und böse (läßt sich ja auch leichter drin leben) und schaffen so einen geeigneten Ansatz um Machtstrukturen aufzubauen. Erst durch die Freund-Feind-Unterscheidung wird das überhauüt nötig. Schauen sie sich mal alle Idiologien an, die Freund-Feind-Unterscheidung ist immer der zentralste Aspekt. U.a. auch bei unserer Vertragstheorie.
Eine Religion kann man gebrauchen, indem man durch sie alltäglichen, dem Menschen gut dienenden Ritualen nachgeht. Man kann sie aber auch mißbrauchen, indem man Dogmen aus ihr macht.
Mit der Wissenschaft ist es aber gar nicht mal so viel anders. Wie Wernher von Braun es gesagt hat:
Die Wissenschaft hat keine moralische Dimension. Sie ist wie ein Messer. Wenn man sie einem Chirurgen und einem Mörder gibt, gebraucht es jeder auf seine Weise.
Auch Wissenschaft kann ge- oder mißbraucht werden. Und auch aus Wissenschaften können Dogmen entstehen. Nehmen wir einmal an, jemand würde sich auf die Wissenschaft berufen und den Menschen unter Androhung der Todesstrafe die Religion verbieten. Das wäre nichts anderes als ein wissenschaftliches Dogma.
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Man sollte auch bei Rot über die Ampel gehen dürfen, zumindest wenn kein Auto kommt und auf der anderen Straßenseite jemand Hilfe braucht.
Eine Religion kann man gebrauchen, indem man durch sie alltäglichen, dem Menschen gut dienenden Ritualen nachgeht. Man kann sie aber auch mißbrauchen, indem man Dogmen aus ihr macht.
Mit der Wissenschaft ist es aber gar nicht mal so viel anders. Wie Wernher von Braun es gesagt hat:
Die Wissenschaft hat keine moralische Dimension. Sie ist wie ein Messer. Wenn man sie einem Chirurgen und einem Mörder gibt, gebraucht es jeder auf seine Weise.
Auch Wissenschaft kann ge- oder mißbraucht werden. Und auch aus Wissenschaften können Dogmen entstehen. Nehmen wir einmal an, jemand würde sich auf die Wissenschaft berufen und den Menschen unter Androhung der Todesstrafe die Religion verbieten. Das wäre nichts anderes als ein wissenschaftliches Dogma.
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Man sollte auch bei Rot über die Ampel gehen dürfen, zumindest wenn kein Auto kommt und auf der anderen Straßenseite jemand Hilfe braucht.
lieber crest,
vieles, von dem sie sprechen, erinnert doch zumindest von der grundidee her an norbert elias und seine vorstellungen von zivilisation - auch wenn er seine argumente nicht naturwissenschaftlich unterlegte. aber sie (beide) haben recht, wenn sie sagen, das eine ("zivilisation" - im eliasschen sinne) ist ohne die preisgabe bestimmter ideale, motive, usw. - ohne veränderung - nicht zu haben.
allerdings gibt es keinen keine zwang, dass unsere zivilisation so kommen musste, wie sie kam. nein, um diese globale kontrolle und macht (der westlichen welt) zu erreichen bedurfte es nicht des historischen "barbarentums" (wie sie es bei punkt 1 behaupten): das zauberwort bleibt kontingenz und so können wir rückwärtsblickend diese prozesse beschreiben, ja erklären, aber doch bitte nicht als absolut bzw. sich immer wiederholend darstellen.
und auch die naturwissenschaften täten gut daran öfter zu reflektieren, dass sie von menschen gemacht sind, nach menschlichen definitionen gestaltet und durch vom menschen gebaute geräten postuliert/bestätigt werden - es ist ja gerade eine "rationale, empirische, objektive" und keine "poetische" herangehensweise an die welt, die als waffe gegen religiöse unterdrückung ins feld geführt wurde und schnell gegen seine herren schlug, so dass - wunderbare ironie der geschichte - wir wieder von den geistern träumen, die wir einst mit rationalen, empirischen (naturwissenschaftlichen) methoden versuchten zu verjagen.
ich meine damit nur, dass auch unsere ach so "objektiven, rationalen" naturwissenschaften eine deutungsgrenze haben und sie sich historisch (und nicht aufgrund einer tieferen "wahrheit") zur heutigen (globalen) messlatte alles seins entwickelten - wofür es sehr viele gute gründe gibt. aber die grenzen dieser menschlichen perspektive (ohne gleichzeitig einer religiösen zum munde zu reden!) müssen auch genannt werden, vielleicht sogar ein bißchen (mit levi-strauss) beweint werden.
Sie sagen: allerdings gibt es keinen keine zwang, dass unsere zivilisation so kommen musste. Das ist korrekt.
Andere Zeitfenster bei den Eis- und Zwischenwarmzeiten hätten die Emtwicklung des Menschen in eine andere Richtung leiten können.
Ein anderer Verlauf der Eskalationen im kalten Krieg hätten gut und gerne dazu führen können, dass ein Teil der Kontinente jetzt eine radioaktive Wüste sein könnte (wegen Cuba und Berlin).
In diesem Sinne können wir sagen, dass wir bisher Glück gehabt haben.
Und deshalb noch einmal: hier haben sie recht.
Nun war das aber nicht wirklich meine Behauptung, dass die Entwicklung zwangsläufig diesen Weg einschlagen musste. Was man aber sagen kann ist, dass ohne den technischen "Biss" das Leben auf diesem Planeten in einer Sackgasse ist. Und ich bin mir nicht sicher, ob eine friedliebendere Art dieselben technischen Errungenschaften hätte entwicklen können.
Was die Naturwissenschaften anbetrifft, da muss ich leider ganz undiplomatisch antworten: Nein, sie sind in einem ganz wichtigen Sinn keine menschlichen Artefakte. Sie sind real und sie sind objektiv.
Was gerne verwechselt wird, ist die (formale) Repräsentation der Gesetze mit den Gesetzen selbst. In der Repräsentation - das weiß jeder Informatiker - steht Ihnen in der Regel ein Spektrum äquivalenter Repräsentationen zur Verfügung. (In der klassischen Mechanik sind dies beispielsweise die Newtonschen Axiome versus den Hamiltonschen Variationsprinzipien.)
Ein Wechsel des Repräsentationsformalismus falsifiziert nicht wirklich das alte Gesetz, sondern macht es entweder leichter handhabbar oder erzeugt eine um einige Stellen höhere Genauigkeit. Letzeres geschehen im Wechsel von Newton auf Einstein. (Die NASA rechnet in ihren Planetenmissionen übrigens mit Newton, die zusätzlichen Dezimale durch Einstein sind erst beim GPS operationell von Bedeutung. )
Es ist eine Sache, - und das meinen Sie wohl mit Kontingenz - einer Messreihe im Nachhinein in eine Formel zu fassen (so etwas kann man in der Tat fast algorithmisieren). Es ist etwas völlig anderes, auf Grund einer Messreihe eine Formel zu finden, auf Grund dieser Formel eine Voraussage über des Ergebnis eines bisher noch nie durchgeführten Experimentes zu machen, und dann diese Voraussage erfüllt zu sehen.
Es liegt in der Natur der Geisteswissenschaften, dass ihnen solche Erfahrungen i.d.R. versagt bleiben, jedenfalls signifikant seltener sind, und dass deshalb zu hermeneutischen Zirkeln gegriffen wird.
Ich sehe also nicht wirklich einen Grund, Tränen zu vergießen.
Herzlichst Crest
Sie sagen: allerdings gibt es keinen keine zwang, dass unsere zivilisation so kommen musste. Das ist korrekt.
Andere Zeitfenster bei den Eis- und Zwischenwarmzeiten hätten die Emtwicklung des Menschen in eine andere Richtung leiten können.
Ein anderer Verlauf der Eskalationen im kalten Krieg hätten gut und gerne dazu führen können, dass ein Teil der Kontinente jetzt eine radioaktive Wüste sein könnte (wegen Cuba und Berlin).
In diesem Sinne können wir sagen, dass wir bisher Glück gehabt haben.
Und deshalb noch einmal: hier haben sie recht.
Nun war das aber nicht wirklich meine Behauptung, dass die Entwicklung zwangsläufig diesen Weg einschlagen musste. Was man aber sagen kann ist, dass ohne den technischen "Biss" das Leben auf diesem Planeten in einer Sackgasse ist. Und ich bin mir nicht sicher, ob eine friedliebendere Art dieselben technischen Errungenschaften hätte entwicklen können.
Was die Naturwissenschaften anbetrifft, da muss ich leider ganz undiplomatisch antworten: Nein, sie sind in einem ganz wichtigen Sinn keine menschlichen Artefakte. Sie sind real und sie sind objektiv.
Was gerne verwechselt wird, ist die (formale) Repräsentation der Gesetze mit den Gesetzen selbst. In der Repräsentation - das weiß jeder Informatiker - steht Ihnen in der Regel ein Spektrum äquivalenter Repräsentationen zur Verfügung. (In der klassischen Mechanik sind dies beispielsweise die Newtonschen Axiome versus den Hamiltonschen Variationsprinzipien.)
Ein Wechsel des Repräsentationsformalismus falsifiziert nicht wirklich das alte Gesetz, sondern macht es entweder leichter handhabbar oder erzeugt eine um einige Stellen höhere Genauigkeit. Letzeres geschehen im Wechsel von Newton auf Einstein. (Die NASA rechnet in ihren Planetenmissionen übrigens mit Newton, die zusätzlichen Dezimale durch Einstein sind erst beim GPS operationell von Bedeutung. )
Es ist eine Sache, - und das meinen Sie wohl mit Kontingenz - einer Messreihe im Nachhinein in eine Formel zu fassen (so etwas kann man in der Tat fast algorithmisieren). Es ist etwas völlig anderes, auf Grund einer Messreihe eine Formel zu finden, auf Grund dieser Formel eine Voraussage über des Ergebnis eines bisher noch nie durchgeführten Experimentes zu machen, und dann diese Voraussage erfüllt zu sehen.
Es liegt in der Natur der Geisteswissenschaften, dass ihnen solche Erfahrungen i.d.R. versagt bleiben, jedenfalls signifikant seltener sind, und dass deshalb zu hermeneutischen Zirkeln gegriffen wird.
Ich sehe also nicht wirklich einen Grund, Tränen zu vergießen.
Herzlichst Crest
@mhmmmm
Die Idee mit dem Europa das in 50 Jahren muslimisch sein könnte hat mich so zum Schmunzeln gebracht, dass ich ihnen einfach 5 Sterne geben musste.
Die humanistische Antwort von DirkRegai darauf, dass Moral keine Religion braucht, mag aus gewisser Sicht zwar stimmen, doch nur solange man die Religion ausschließlich als etwas sieht, das seine Grundsätze auf Übernatürlichem aufbaut. Moral braucht mit Sicherheit keinen Jesus, der in der Luft herumschwebt.
Aber Moral braucht durchaus gesellschaftliche Ideale, geschichtliche Ereignisse und Personen, aus denen sie lernt und wächst, aus denen sie sich formt. Der Altruismus eines Jesus spielt dabei durchaus eine große Rolle, und eben einen Jesus aufgrund dieses Altruismus zu mystifizieren und nicht aufgrund seiner Wundertaten, und dies als Religion zu sehen, heißt für mich dann doch: Die Moral hat diese Religion als Dünger gebraucht, um sich zu so etwas entwickeln, wie sie es heute in Zeiten des Humanismus auch ist.
@Crest:
Ich bin kein Physiker, trotzdem hab ich meine Probleme mit der Vorstellung, dass der Mensch irgendwann jenseits des Erdorbits weiterexistieren sollte. Das ist für mich eine genauso romantische Vorstellung, wie die eines schwebenden Jesus.
Dennoch sprechen sie mir aus der Seele, wenn sie sagen, dass man dem Menschen seine Aggressivität nicht wegzüchten bräuchte. Vielleicht sehen sie das aus anderem Grund so, aber für mich ginge dieses Wegzüchten der Aggressivität automatisch mit dem Wegzüchten des Gegenteils einher. Würde man dem Menschen seinen Hass abtrainieren, so würde man ihn damit auch seiner Liebe berauben, so einfach ist das.
Und ehrlich gesagt sind mir ein paar Jahrtausende aus Liebe und Hass eine sympathischere Vorstellung, als eine ewig währende nüchterne Neutralität.
Ist unsere Zivilisation wirklich so ein Greuel, wie es Levi-Strauss beschreibt? Oder ist es zeitgleich Greuel wie auch Wunder? Ich denke, das eine ginge nicht ohne das andere.
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Man sollte auch bei Rot über die Ampel gehen dürfen, zumindest wenn kein Auto kommt und auf der anderen Straßenseite jemand Hilfe braucht.
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