Hören wir jemanden "Theaterdonner" sagen? Packende Dramaturgie war das. Schlag auf Schlag ging’s voran. Wenn jetzt daraus kein Kassenrenner wird! Zehn Fragen an das Salzamt, zehn Antworten von Radio Eriwan ("Im Prinzip ja, aber…") und demnächst statt eines Koalitionsabkommens eben zehn Gebote, die als Grundlage einer neuen Regierungsethik taugen müssen. Erstes Gebot: "Ich bin das Kleinformat, deine Zeitung. Du sollst keine andere Meinung haben neben der meinen…" Toll!

Die Theatermacher der österreichischen Politik halten offensichtlich nicht viel von ihrem Publikum. Engelsgeduld, vielleicht. Aber sonst? Abonnenten auf Lebenszeit, im Parkett träumen sie vor sich hin, schnarchen in den Logen, gähnen auf den billigen Plätzen. Wen wundert’s? Stücke, die eine Zumutung sind, müde Pointen, Possen, in denen garantiert niemand lacht, Regisseure ohne Konzept und Ideen, Darsteller zum Gotterbarmen, Statisten, die nur die Hand aufhalten, und Bühnenbild ist sich bei den Gagen auch keines mehr ausgegangen. Das kommt dabei heraus, wenn Provinz auf Staatstheater macht. Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben nannten Carl Merz und Helmut Qualtinger einmal eine Satire zu diesem Thema.

Damit wäre im Prinzip alles gesagt. Der Rest ist – Schweigen? Vorhang!

Versucht ein Zuschauer, sich in die Psyche dieser Theatermacher hineinzudenken, gar ihre Gedanken zu ergründen, so wird er diesen Versuch bald verstört wieder sein lassen. Was wollen sie ihm, für den angeblich der dramaturgische Aufwand getrieben wird und der alles bezahlt, eigentlich sagen? Strebt die Handlung einer Botschaft zu? Steht am Ende gar die Katharsis, eine Läuterung vermittels des Erlebens von Jammer und Schauder?

Keineswegs, jeder Akt endet so banal wie der vorangegangene. Es bedarf nun einer sehr österreichischen Lösung. Sie findet sich ausgerechnet bei Bertolt Brecht, dem einst die Staatsbürgerschaft dieser Republik verweigert wurde. Der Theatermacher (hilflos in seinem Kleinformat blätternd): "Verehrtes Publikum, jetzt kein Verdruss: / Wir wissen wohl, das ist kein rechter Schluss. / Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen. / Dabei sind wir doch auf Sie angewiesen / Dass Sie bei uns zu Haus sind und genießen / … / Der einzige Ausweg wär aus diesem Ungemach: / Sie selber dächten auf der Stelle nach / Auf welche Weis dem guten Menschen man / Zu einem guten Ende helfen kann. / Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluss! / Es muss ein guter da sein, muss, muss, muss!"

Noch Fragen? joachim riedl