Ein Streit, der gerade in Oberösterreich tobt, lässt alle übrigen Probleme lächerlich winzig erscheinen. Es geht um die Wanddekoration der öffentlichen Kindergärten und Krabbelstuben. Die ÖVP will, wenig erstaunlich, das bewährte Kruzifix beibehalten. Im Namen der SPÖ ruft nun aber der Bürgermeister von Linz, Franz Dobusch, zu einem modernen Bildersturm. Er möchte, dass die Porträtfotos lokaler Potentaten die frühkindliche Entwicklung beflügeln. "Pühriner und Dobusch!", fordert er, sollen die nackten Mauern schmücken: Landesfürst und Stadtvater. Dieses derzeit verwaiste Thema, einst Kernkompetenz des verblichenen Liberalen Forums, sollte keineswegs leichtfertig abgetan werden. Wie Kinderpsychologen wissen, sind Bilder in diesem Lebensstadium prägend. Es kann nicht egal sein, ob Josef Pühringer oder beispielsweise Asterix eine Wand ziert. Beide sind zwar unermüdliche Kämpfer gegen ein übermächtige Bedrohungen, der Landeshauptmann gegen das tschechische AKW Temelin, der Gallier gegen die Römer. Doch Pühringer fehlt jener Zaubertrank, der die Probleme des bedrängten Landes lösen könnte. Ähnlich verhält es sich im Fall des Bürgermeisters. Erfüllte statt seines Konterfeis etwa ein Bild von Goofy, dem lustigen Hund, die Wände der Kindergärten mit Leben, wäre das ein beträchtlicher Unterschied, denn ein gezeichneter Tollpatsch ist allemal etwas anderes als ein abfotografierter. Außerdem würde so ein realer Trend veranschaulicht werden, und unsere lieben Kleinen lernten schon früh, dass Politiker problemlos durch Comicfiguren ersetzt werden können.