WirtschaftspolitikMethode Mugabe

Mit konventionellen Mitteln lässt sich die Finanzkrise nicht stoppen. Die Wirtschaftspolitiker müssen die letzten Tabus brechen. Da lohnt sich ein Blick nach Simbabwe von 

Robert Mugabe führte Simbabwe in den ökonomischen Ruin. Nun liefert die "Methode Mugabe" Anregungen im Kampf gegen die internationale Finanzkrise

Robert Mugabe führte Simbabwe in den ökonomischen Ruin. Nun liefert die "Methode Mugabe" Anregungen im Kampf gegen die internationale Finanzkrise   |  © Chris Hondros/Getty Images

Simbabwe gilt gemeinhin nicht als wirtschaftspolitisches Musterland. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpft, die Menschen hungern, die Währung ist beinahe wertlos. Und dennoch liefert ausgerechnet Robert Mugabes Schreckensregime im Süden Afrikas ein paar Anregungen für die nächste Runde im Kampf gegen die internationale Finanzkrise.

Eine Rezession muss mittlerweile als das erfreulichste Szenario für die Weltwirtschaft gelten. Inzwischen geht es darum, einen noch viel größeren ökonomischen Unfall zu verhindern: einen Ausbruch der Deflation. In einer Deflation sinken die Preise – und so angenehm das aus Verbrauchersicht klingt, ist es doch höchst gefährlich. Wenn Preise fallen, wird das Geld immer mehr wert, und damit steigt auch der Wert der Schulden. Also wird es für Firmen und Unternehmen immer schwerer, Kredite zurückzuzahlen: denn eine bestimmte ausgeliehene Summe entspricht dann einer immer größeren Menge von Gütern oder Arbeitsstunden.

In einer Deflation will also kein vernünftiger Mensch mehr Kredite aufnehmen. Ohne Kredite wird im Kapitalismus auch nicht investiert. Ein Preisverfall ist deshalb viel gefährlicher als eine Inflation – und fast überall, wo er auftritt, richtet er enorme Schäden an. So geschehen während der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre oder in Japan in den neunziger Jahren. Und heute? In den USA liegt die Teuerungsrate noch bei 3,7 Prozent, doch sie fällt rapide gegen null.

Ursache einer Deflation ist fast immer ein Einbruch der Nachfrage, der die Unternehmen dazu zwingt, ihre Preise anzupassen. So ist es auch jetzt – vor allem in den USA, dem Herd der Krise. Das liegt vor allem daran, dass die überschuldeten Konsumenten ihre Haushaltskassen in Ordnung bringen müssen. Das wird nach Schätzungen von Goldman Sachs in den kommenden Monaten zu einem Nachfrageausfall von etwa neun Prozent der Wirtschaftsleistung führen. Und dabei handelt es sich noch um ein optimistisches Szenario: Erfahrungsgemäß verstärken sich im Abschwung die Abwärtskräfte selbst. Die Konsumenten streiken, die Unternehmen entlassen Arbeitnehmer, die Verbraucher haben noch weniger Geld in der Tasche.

Keine Frage, hier wird der Preis für Exzesse bezahlt. Die Amerikaner haben lange über ihre Verhältnisse gelebt und werden sich einschränken müssen. Doch wenn die Anpassungkräfte ungestört walten, zerstören sie wertvolle wirtschaftliche und gesellschaftliche Substanz. Menschen, die lange arbeitslos sind, verlieren ihre Qualifikationen, die politische Stabilität ist in Gefahr. Der Verfall, auch das lehrt die Geschichte, kommt rasend schnell.

Die Politik ist deshalb gut beraten, früh und entschlossen gegenzusteuern. Die gute Nachricht ist, dass das möglich ist. Traditionelle Instrumente wie Zinssenkungen reichen allerdings nicht mehr aus. Die Banken sind so angeschlagen, dass sie niedrigere Zinsen nur begrenzt an die Wirtschaft weitergeben, und in den USA liegt der Leitzins schon fast bei null. Doch da gibt es eben noch die unkonventionellen Maßnahmen – die letzten Waffen der Wirtschaftspolitik.

US-Notenbankchef Ben Bernanke hat im Jahr 2002 – als die Amerikaner nach dem Platzen der Internetblase schon einmal vor einer Deflation standen – in einer bemerkenswerten Rede aufgezeigt, was in solchen Situationen noch möglich ist. Jede Zentralbank kann so viel Geld drucken und unters Volks bringen, wie sie will. Sie kann damit Unternehmensschulden, Hypothekendarlehen oder sogar Aktien aufkaufen. Sie kann so die Abwärtsspirale an den Märkten stoppen und die Finanzierungskosten noch weiter senken. Am Dienstag dieser Woche hat Bernanke diese Theorie in die Praxis umgesetzt – und angekündigt, mit Konsumentenkrediten und Hypotheken besicherte Wertpapiere zu erwerben.

Es war wahrscheinlich nicht der letzte Tabubruch.

Trotz der niedrigen Zinsen investiert oder konsumiert kaum jemand, alle haben Angst vor der Zukunft. Deshalb muss der Staat selber investieren, selber Waren kaufen und dafür sorgen, dass neue produziert werden. Das darf die Zentralbank nicht, dass darf nur der Finanzminister. Woher soll er das Geld nehmen? Bisher kann er es sich noch problemlos am Kapitalmarkt ausleihen. Problemlos, weil die Investoren so verunsichert sind, dass sie ihr Geld sowieso fast nur noch dem Staat anvertrauen.

Doch je höher die Staatsschuld steigt, desto knapper wird das Kapital, desto nervöser werden die Anleger. Sie verlangen höhere Zinsen. Die Geldaufnahme wird teurer für die Regierung. Hier kommt die »Methode Mugabe« ins Spiel: Die Fed wirft die Notenpresse an und kauft die Anleihen mit frisch gedruckten Dollar auf. Solche zentralbankfinanzierten Ausgabenprogramme sind Tagesordnung in zerfallenden Staaten wie Simbabwe. In modernen Industrienationen wurden die Notenbanken in die Unabhängigkeit entlassen, um derlei zu verhindern.

Aus gutem Grund. Oft gehen solche Programme zulasten Dritter, denn bei unsachgemäßer Anwendung entsteht Inflation. Das wissen sie genau in Simbabwe: Die Preise steigen dort um zehn Millionen Prozent jährlich. Das Instrument wirkt also wunderbar – Preissteigerungen sind ja das Ziel, wenn man aus einer Deflation heraus will – ist aber mit äußerster Vorsicht zu benutzen. Bernanke lässt sich davon sicher nicht abschrecken. In seiner Rede hat er das Szenario gedanklich bereits durchgespielt.

Es kommt aber zugleich entscheidend darauf an, dass Regierungen und Zentralbanken die Zügel schnell wieder anziehen, wenn sich der Markt erst stabilisiert. Wenn es wieder aufwärts geht mit der Wirtschaft. Genau das haben sie versäumt, als sie nach der Jahrtausendwende mit Steuersenkungen und extrem niedrigen Zinsen erfolgreich gegen die Deflation kämpften. Sie haben damit das Fundament für den gegenwärtigen Schlamassel gelegt.

Denn die Lehre aus der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre ist, dass es in die Katastrophe führt, wenn der Staat nicht rechtzeitig gegensteuert. Die Lehre aus dem Platzen der Internetblase aber lautet, dass es ebenso gefährlich sein kann, der Wirtschaft die Stütze nicht rechtzeitig wieder zu entziehen.

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Leserkommentare
  1. "...in einer deflation sinken die preise – und so angenehm das aus verbrauchersicht klingt, ist es doch höchst gefährlich. Wenn preise fallen, wird das geld immer mehr wert, und damit steigt auch der Wert der schulden.
    "

    das ist so nicht korrekt.
    Wenn die preise fallen und wir uns in einer deflation sowie rezession befinden
    darf man nicht vergessen das das BIP auch drastisch fällt und somit
    das gesamteinkommen der verbraucher ;-)...
    ein eis wird zwar somit auf kurzfristiger bis mittelfristiger sicht billiger aber du hast auch weniger in der tasche (auf mittelfristiger sicht) ;-). nennt man auch lohndeflation.
    das gleicht sich somit zunächst einmal aus. davor würde ich jetzt keine Panik machen.

    und das der wert der schulden unmittelbar steigt ist auch nicht ganz korrekt.
    den die notenbanken werden die leitzinsen auf 0,.. senken und einfach noch paar Mrd an fiatgeld in umlauf bringt. Damit sinkt auch der durchschnittliche Zinssatz, da dieser vom eitzins abgeleitet wird. Zunot werden die Banken verstaatlicht wie 1937 in USA.

    nicht soviel panikmache, es gibt immer ein marktgleichgewicht, das pegelt sich von selbst ein und in deflationszeiten wie anfang des 1930ern werden wir so schnell nicht wieder kommen.

    was ich nur lustig finde sind die monetaristen... prädigen jahre lang das ja keine fiskalpolitik in gange kommt und jetzt schreien sie um hilfe lol.

    ich bin dafür das wir sie bluten lassen und keine Mrd in den interbankenmarkt pumpen, die haben die scheiße angerichtet, sollens nun auch selbst ausbaden...

    grüße

  2. ...und da kam die Zeit der Zweifel und der Erkenntnis in welcher Illusion ich lebe...

    ...wie intelligent doch unsere Ahnen waren als die Weisheit des Yin und Yang erkannt und auch akzeptiert wurde.... das wir nicht nur von sondern auch mit der Natur und unserer Umwelt leben... Nun schauen viele Ratlos zu wie das geschaffene Parallelsystem anfängt zusammen zu brechen...

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

  3. So oder ähnlich läuft es im Monet auf dem öffentlichen Parkett der Politik und mittlerweile ist es fast schon egal, aus welcher Ecke da Forderungen geworfen werden.

    Tabubrüche. Ja gerne, zum Beispiel könnte man versuchen, die Lage erst einmal in Ruhe zu sondieren und dann sein Gehrin einzuschalten.
    Aber sowas könnte ja den eigenen Pfründen schaden, da bläst man als Politiker doch lieber hohle Worthülsen ab und freut sich auf seine Pension und den Posten im Aufsichtsrat einer der Banken, denen man gerade Milliarden hinterher geworfen hat.

    Wer von einem Politiker die Lösung auch nur irgendeines Problems erwartet, hat schon lange den Knall nicht mehr gehört. Traurig, oder??

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • lef
    • 02. Dezember 2008 20:36 Uhr

    es wird immer so getran, als ob die hohen Energiepreise völlig unabhängig von der Finanz"krise" gesehen werden dürfen oder gar "Foge" sind,

    ich bin eher der Nmeinung, dass es umgekehrt ist, dass genau DA die Haupt URSACHE zu finden ist!

    Und dann hat die japanische Deflation nämlich überhaupt NICHTS mit der derzeitigen Situation zu tun, die war VÖLLIG anders begründet!

    IMHO hat speziell der irrsinnige Anstieg der Ölpreise im Jahr 2008 dazu geführt, dass weltweit Riesengeldmengen aus dem "normalen" Handel abgezogen wurden und in die Hände weniger Energfieverkäufer zu konzentrieren.
    Die wiederum haben diese Geldmengen verteilen müssen, aber sehr anders, als vorher,
    z.B. in Unternehmen und Staatsanleihen in den USA, womit dann wiederum die Immobilienblase finanziert wurde,
    z.B. in spekulative Unternehmungen, in Luxuskonsumgüter fff.

    DAS ist (war) die Ursache,
    aber jetzt stabilisiert sich der Handel wieder dank der wieder "normalen" Energiepreise - jetzt kann weltweit das Geld wieder dahin fließen, wo es vorher auch ausgegeben wurde.

    Zurück bleiben natürlich viele Verlierer (im Bereich der "bubbles" aller Art),
    und einige Gewinner. So etwas Ähnliches hatten wir in Deutschland in der Immobilienkrise 1983 auch - es dauerte ca. 5 Jahre, bis die leerstehenden Häuser wieder bewohnt waren.
    Etwas weniger Zeit wird es dauern, bis die Aktien wieder auf Normalniveau liegen.

    Und es bleibt natürlich: Fehlinvestitionen der letzten kurzen Zeit und Lerneffekte.
    In diese Kategorie gehören: der grandiose SUV-.Irrtum der us-amerikanischen Autoindustrie und das neuerliche Umschwenken zu sparsamen Kleinwagen.

    Alles in Allem jeden Falls kein Grund zur Panik.

    Panik WAR ja gerade die Ursache für den Anstieg der Rohstoffpreise 2008!
    Und deren Folgen.

    • lef
    • 02. Dezember 2008 20:36 Uhr

    es wird immer so getran, als ob die hohen Energiepreise völlig unabhängig von der Finanz"krise" gesehen werden dürfen oder gar "Foge" sind,

    ich bin eher der Nmeinung, dass es umgekehrt ist, dass genau DA die Haupt URSACHE zu finden ist!

    Und dann hat die japanische Deflation nämlich überhaupt NICHTS mit der derzeitigen Situation zu tun, die war VÖLLIG anders begründet!

    IMHO hat speziell der irrsinnige Anstieg der Ölpreise im Jahr 2008 dazu geführt, dass weltweit Riesengeldmengen aus dem "normalen" Handel abgezogen wurden und in die Hände weniger Energfieverkäufer zu konzentrieren.
    Die wiederum haben diese Geldmengen verteilen müssen, aber sehr anders, als vorher,
    z.B. in Unternehmen und Staatsanleihen in den USA, womit dann wiederum die Immobilienblase finanziert wurde,
    z.B. in spekulative Unternehmungen, in Luxuskonsumgüter fff.

    DAS ist (war) die Ursache,
    aber jetzt stabilisiert sich der Handel wieder dank der wieder "normalen" Energiepreise - jetzt kann weltweit das Geld wieder dahin fließen, wo es vorher auch ausgegeben wurde.

    Zurück bleiben natürlich viele Verlierer (im Bereich der "bubbles" aller Art),
    und einige Gewinner. So etwas Ähnliches hatten wir in Deutschland in der Immobilienkrise 1983 auch - es dauerte ca. 5 Jahre, bis die leerstehenden Häuser wieder bewohnt waren.
    Etwas weniger Zeit wird es dauern, bis die Aktien wieder auf Normalniveau liegen.

    Und es bleibt natürlich: Fehlinvestitionen der letzten kurzen Zeit und Lerneffekte.
    In diese Kategorie gehören: der grandiose SUV-.Irrtum der us-amerikanischen Autoindustrie und das neuerliche Umschwenken zu sparsamen Kleinwagen.

    Alles in Allem jeden Falls kein Grund zur Panik.

    Panik WAR ja gerade die Ursache für den Anstieg der Rohstoffpreise 2008!
    Und deren Folgen.

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