Simbabwe gilt gemeinhin nicht als wirtschaftspolitisches Musterland. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpft, die Menschen hungern, die Währung ist beinahe wertlos. Und dennoch liefert ausgerechnet Robert Mugabes Schreckensregime im Süden Afrikas ein paar Anregungen für die nächste Runde im Kampf gegen die internationale Finanzkrise.

Eine Rezession muss mittlerweile als das erfreulichste Szenario für die Weltwirtschaft gelten. Inzwischen geht es darum, einen noch viel größeren ökonomischen Unfall zu verhindern: einen Ausbruch der Deflation. In einer Deflation sinken die Preise – und so angenehm das aus Verbrauchersicht klingt, ist es doch höchst gefährlich. Wenn Preise fallen, wird das Geld immer mehr wert, und damit steigt auch der Wert der Schulden. Also wird es für Firmen und Unternehmen immer schwerer, Kredite zurückzuzahlen: denn eine bestimmte ausgeliehene Summe entspricht dann einer immer größeren Menge von Gütern oder Arbeitsstunden.

In einer Deflation will also kein vernünftiger Mensch mehr Kredite aufnehmen. Ohne Kredite wird im Kapitalismus auch nicht investiert. Ein Preisverfall ist deshalb viel gefährlicher als eine Inflation – und fast überall, wo er auftritt, richtet er enorme Schäden an. So geschehen während der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre oder in Japan in den neunziger Jahren. Und heute? In den USA liegt die Teuerungsrate noch bei 3,7 Prozent, doch sie fällt rapide gegen null.

Ursache einer Deflation ist fast immer ein Einbruch der Nachfrage, der die Unternehmen dazu zwingt, ihre Preise anzupassen. So ist es auch jetzt – vor allem in den USA, dem Herd der Krise. Das liegt vor allem daran, dass die überschuldeten Konsumenten ihre Haushaltskassen in Ordnung bringen müssen. Das wird nach Schätzungen von Goldman Sachs in den kommenden Monaten zu einem Nachfrageausfall von etwa neun Prozent der Wirtschaftsleistung führen. Und dabei handelt es sich noch um ein optimistisches Szenario: Erfahrungsgemäß verstärken sich im Abschwung die Abwärtskräfte selbst. Die Konsumenten streiken, die Unternehmen entlassen Arbeitnehmer, die Verbraucher haben noch weniger Geld in der Tasche.

Keine Frage, hier wird der Preis für Exzesse bezahlt. Die Amerikaner haben lange über ihre Verhältnisse gelebt und werden sich einschränken müssen. Doch wenn die Anpassungkräfte ungestört walten, zerstören sie wertvolle wirtschaftliche und gesellschaftliche Substanz. Menschen, die lange arbeitslos sind, verlieren ihre Qualifikationen, die politische Stabilität ist in Gefahr. Der Verfall, auch das lehrt die Geschichte, kommt rasend schnell.

Die Politik ist deshalb gut beraten, früh und entschlossen gegenzusteuern. Die gute Nachricht ist, dass das möglich ist. Traditionelle Instrumente wie Zinssenkungen reichen allerdings nicht mehr aus. Die Banken sind so angeschlagen, dass sie niedrigere Zinsen nur begrenzt an die Wirtschaft weitergeben, und in den USA liegt der Leitzins schon fast bei null. Doch da gibt es eben noch die unkonventionellen Maßnahmen – die letzten Waffen der Wirtschaftspolitik.

US-Notenbankchef Ben Bernanke hat im Jahr 2002 – als die Amerikaner nach dem Platzen der Internetblase schon einmal vor einer Deflation standen – in einer bemerkenswerten Rede aufgezeigt, was in solchen Situationen noch möglich ist. Jede Zentralbank kann so viel Geld drucken und unters Volks bringen, wie sie will. Sie kann damit Unternehmensschulden, Hypothekendarlehen oder sogar Aktien aufkaufen. Sie kann so die Abwärtsspirale an den Märkten stoppen und die Finanzierungskosten noch weiter senken. Am Dienstag dieser Woche hat Bernanke diese Theorie in die Praxis umgesetzt – und angekündigt, mit Konsumentenkrediten und Hypotheken besicherte Wertpapiere zu erwerben.