Computerspiele Spiel, Spaß, Spannung – schlau

"Serious Games" sind Computerspiele, die uns etwas beibringen wollen

Spiele, die Spaß machen und trotzdem klug sind

Spiele, die Spaß machen und trotzdem klug sind

DIE ZEIT: Lernen durch Computerspielen – ist das ernst gemeint?

Linda Breitlauch: Ja klar. Lernen ist einfach nachhaltiger, wenn man es gern tut. Nach dem Spiel stelle ich fest: Hey, ich kann Schreibmaschine schreiben. Wenn man sofort ein Erfolgserlebnis hat, bleibt das Erlernte auch länger im Kopf. Lernen muss eben nicht wehtun, wie viele meinen. Ein gutes Lernspiel belohnt einen dadurch, dass es Spaß macht.

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ZEIT: Wie macht Schreibmaschineschreiben Spaß?

Breitlauch: Das Drücken der Tasten wird verknüpft mit Levels, Zeitlimits, einem Highscore. Je mehr Wörter ich fehlerfrei in einer bestimmten Zeit tippe, desto mehr Punkte bekomme ich. Die Punkte werden gespeichert, so können Spieler auch gegeneinander antreten. Der Mensch neigt nun mal dazu, sich zu messen. Das macht ihm Spaß, und viele Serious Games nutzen das aus.

ZEIT: Was gibt es sonst noch für Lernspiele?

Breitlauch: Bei »learn2work« zum Beispiel lernen BWLer etwas über Produktionsabläufe. Es ist als Strategie-Aufbau-Spiel in einer Fabrik angesiedelt. Der Spieler muss dort Dinge produzieren und dafür das passende Material in den richtigen Mengen einkaufen. Die Metall- und Elektroindustrie bietet »Techforce« an, ein 3-D-Abenteuerspiel, das über Ausbildungsmöglichkeiten informiert. Man ist ein Pilot, der sein Flugzeug reparieren muss. Für jede Aufgabe aus der Elektronik oder Physik, die man löst, bekommt man beispielsweise ein Ersatzteil.

Leser-Kommentare
  1. Ob sowas wirklich eine Art neue Mode werden kann? Jemand, der mit Computerspielen groß geworden ist, wird solchen Spielen zur genüge begegnet sein, und bei diesem Gedanken eher gähnen, als dass er leuchtende Augen bekommt.
    Ich kann zumindest sagen, dass es zu der Zeit, als ich meine mittlere Reife gemacht hab noch hauptsächlich englischsprachige Computerspiele gab. Und seltsamerweise hatte ich dann in Englisch die beste Prüfungsnote, weil ich schon damals so ein Computerspielesüchtiger war.
    Und so ein klein wenig geschichtliches Wissen durch Civilisation, das kann sich schon auch ergeben. Bei Teil 4 lernt man dann auch immer bei jeder Erfindung einen schönen Spruch, Beispiel beim Fischen:
    Gib einem Menschen einen Fisch, und du ernährst ihn für einen Tag; bring ihm bei zu fischen, und du ernährst ihn ein Leben lang.

    ________________________________________________________________
    Man sollte auch bei Rot über die Ampel gehen dürfen, zumindest wenn kein Auto kommt und auf der anderen Straßenseite jemand Hilfe braucht.

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    sind wirklich ein schöner Sack voll kluger Sprüche. Der geneigte Leser findet sie hier
    http://crwld.org/main/200...

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  2. ich ahbe über age of empires 2 sehr viel über das mittelalter gelernt, weil ich aufgrund des spieles mehr wissen wollte, bücher gelesen habe und so weiter. ich glaube nicht, dass spiele, die einen aufgezwungenen lerneffekt haben, derart viel bringen. wie bereits gesagt, regelmäßige spieler werden müde gähnen..

  3. Denn beim Spielen lernt man sowieso etwas: Namen, Abläufe, (Augen-)Bewegungen, etc., aber mit dem Wissen aus einem normalen Game lässt sich eben im Reallife nix anfangen!

    Zur Umsetzung der "neuen" Lernspiele: vermutlich noch immens viel Verbesserungsbedarf! Ich kenne zwar nur das genannte "Genius Politik" von Cornelsen, vermute aber, bei den anderen Spielen könnte es ähnliche Probleme geben, nämlich: bloß leicht abgeänderte Optik bzw. ein Mischmasch aus erfolgreichen, bereits bestehenden Spielen (Siedler/SimCity) mit zwei oder drei zusätzlichen Politikspielsequenzen, die einem aber nicht wirklich was Wichtiges beibringen (z. B. die Bearbeitungsreihenfolge einer Stadtratverordnung), zudem ändert sich die eigene "Arbeit" nicht wirklich - egal ob Bürgermeister oder Regierungschef. Also: leider viel Augenwischerei bisher.

    Grundsätzlich halte ich den Einsatz von Lernspielen aber für zukunftsträchtig, sogar für den Einsatz in Schulen. Es wird aber wohl noch etwas dauern bis wirklich lehrreiches Material zum Einsatz kommt, schließlich ist Frau Breitlauch Deutschlands erste und einzige Gamedesign-Professorin, und zwar an der ziemlich bis sehr teuren Mediadesign Fachhochschule in Düsseldorf. Eine Schande, finden Sie nicht?

    Wenn Du etwas wissen willst, frag keinen Gelehrten, sondern einen Erfahrenen!

  4. Letztens mit einem Studenten der Archäologie im 9. Semester über mittelalterliche Geschichte gequasselt, der war beeindruckt dass ich als Ingenieur so viel weiß. Alles aus Computerspielen :)
    Neben erwähntem Age of Empires 2 ist hierfür Medieval und Civilization sehr zu empfehlen :)

  5. sind wirklich ein schöner Sack voll kluger Sprüche. Der geneigte Leser findet sie hier
    http://crwld.org/main/200...

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    Super---mir haben diese Zitate in meiner Deutschabiprüfung auch viel gebracht, Thema war Heldentum.

    Super---mir haben diese Zitate in meiner Deutschabiprüfung auch viel gebracht, Thema war Heldentum.

  6. Im Fall des Zehn-Finger-Tippens kann man über so ein Konzept ja noch diskutieren, aber allgemein ist das auch sehr gefährlich.

    Würde man versuchen, auf diese Weise, z. B. Geschichte zu vermitteln, wäre dies schlecht. Der Benutzer einer Software, die das Behalten von Geschichtswissen mit Punkten belohnt, neigt dazu, nicht aus Interesse zu versuchen, Zusammenhänge zu verstehen, sondern einfach das Auswendiglernen als notwendiges Übel anzusehen, um das Erfolgserlebnis High-Score zu erhalten.

    Aber auch beim Zehn-Finger-Tippen ist das Wetteifern mit anderen um einen High-Score nicht unbedingt gut: Es kann zwar motivierend wirken, allerdings auch demotivierend, wenn z. B. ein Freund sowieso immer einen besseren Punktestand erreicht. Dabei wird vergessen, dass es nicht um irgendwelche Punkte geht, sondern nur darum, in ordentlicher Geschwindigkeit zu tippen.
    Frau Breitlauch schreibt: »Der Mensch neigt nun mal dazu, sich zu messen. Das macht ihm Spaß«
    Ich möchte noch ergänzen: Es macht dem Menschen Spaß, sich zu messen, wenn sowohl er als auch die anderen eine realistische Chance haben, das Messen für sich zu entscheiden. Wenn ein professioneller Sprinter gegen einen alten Mann zum Hundert-Meter-Lauf antritt, hat keiner Spaß daran, sich aneinander zu messen, höchstens aus dem Laufen an sich.

    Bei vielen sog. Lernspielen hat leider das Lernen den Charakter eines notwendigen Übels, während das Spielen die eigentliche Absicht des Benutzers ist (das Beispiel aus dem Artikel mit den Ersatzteilen für gelöste Aufgaben erweckt einen starken Verdacht in dieser Richtung).
    Doch dabei wird das Spiel z. B. durch lästige Aufgaben gestört, während das Lernen nicht um des Lernens willen erfolgt. Dabei soll doch das Lernen Spaß machen (und nicht das Spielen).

    So ein Lernspiel kann sogar schädliche Auswirkungen auf das Lernverhalten haben, die Lernmotivation kann negativ beeinflusst werden für Fälle, in denen das zu Lernende nicht in einen Kontext eingebunden ist, der dauernd Belohnungen verspricht (und die belohnenden Erfolgs-Erlebnisse von Spielen sind sehr einfach zugänglich).
    Lernen in dieser Form hat etwas von der Dressur eines Tieres, das für das brave Ausführen der aufgetragenen Aufgabe ein Leckerli erhält. Wollen wir wirklich so unsere Kinder erziehen?

    Ich würde mir vielmehr wünschen, dass die Fähigkeit erlangt wird, etwas, das man lernen will, zu lernen, auch wenn sich nicht alle 10 Sekunden der Punktestand erhöht, dass (sofern möglich, bei motorischen Fähigkeiten wie dem Zehn-Finger-System geht das nicht so), aus Interesse gelernt wird, und nicht, um ein Leckerli in Form eines Erfolgserlebnisses serviert wird.

    Dabei will ich Lernspiele bzw. »Serious Games« nicht schlechtmachen. Sie können sehr gut sein und sehr sinnvoll sein. Pädagogik und Psychologie wissen schließlich längst darum, wie solche Programme gut gestaltet werden können, und wie Gefahren vermieden werden.
    Trotzdem gibt es auch unglaublich schlechte Software am Markt, die weder als Spiel richtig Spaß macht und noch dazu pädagogisch höchst fragwürdig ist. Bei solcher scheint es vor allem darum zu gehen, Eltern Geld aus der Tasche zu ziehen, die denken, sie würden ihrem Kind mit so einem Programm etwas Gutes tun.

    Am Schluss möchte ich noch ein Beispiel für ein m. E. gutes »Serious Game« geben:
    Cultivation
    Dabei kommt Cultivation einer Vorstellung von Spiel als freies Sich-Ausprobieren, als Tätigkeit, die ohne bewussten Zweck sondern um ihrer selbst Willen aus Freude an iher Ausübung oder anregenden Wirkung ausgeführt wird, sehr nahe, schafft es aber trotzdem, sehr anregend zu sein, eine Botschaft zu vermitteln.

    Aber auch bei anderen Spielen, die gar nicht auf das Lernen ausgerichtet sind, kann man viel lernen, z. B. Reaktionsfähigkeit, taktisches/strategisches Denken, oder, dass gewisse durch Spiele generierte Erfolgserlebnisse zwar gute Gefühle hervorrufen können, einen aber nicht weiterbringen.

    Noch ein anderes Beispiel: Das Spiel Caesar II bietet viel Wissen über Geographie, antike römische Kultur und Geschichte. Ein Teil wird fast beiläufig aufgenommen, weil er einfach Bestandteil der Spielwelt ist.
    Der größere Teil ist jedoch einfach nur da, auf Wunsch nachlesbar. Man kann diesen Teil beim Spielen komplett ignorieren, man muss keinen Text lesen vor dem nächsten Spielabschnitt, es gibt kein Abfragen, die Inhalte helfen einem nicht im Spiel. Aber wenn es das Spiel geschafft hat, durch die Simulation einer antiken Welt Interesse zu wecken, ist die Wahrscheinlichkeit nicht gering, dass jemand einfach Lust bekommt, sich noch weiter zu informieren.

    Und dann lernt er nicht aus Freude am Spiel sondern aus Freude darüber, mehr zu erfahren.

  7. Super---mir haben diese Zitate in meiner Deutschabiprüfung auch viel gebracht, Thema war Heldentum.

    Antwort auf "Die Zitate"
    • Welken
    • 18.04.2009 um 19:08 Uhr

    Vielleicht werden in ferner Zukunft alle möglichen Dinge über Lernspiele(besonders bei Kindern und Jugendlichen) gelehrt, und nicht wie heut vorwiegend über altertümlich wirkenden Frontalunterricht. Wobei anzumerken ist, dass, für den Moment, das Herstellen von Lernspielen, sogar nur schon bei recht simplen Themen, eher wenig ausgereift erscheint und noch vollkommen am Anfang steht.

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