Es dauert nicht lange, bis sich Dirk Zetsche in Begeisterung redet. »Wer in einem hochqualitativen Masterprogramm studiert, wird schon bald zur Spitze der Branche gehören«, sagt er. »So ein Titel kann sehr prestigeträchtig sein!« Die Euphorie gehört für Dirk Zetsche zum Geschäft, er ist Präsident der Düsseldorf Law School, einer Ausgründung der dortigen Universität – und er kann sich vor dem Ansturm auf die wenigen Studienplätze kaum retten. Der juristische Masterabschluss liegt in Deutschland voll im Trend, und die meisten Absolventen haben später beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Drei Buchstaben sind es, die hinter dem akademischen Erfolgsmodell stehen: Wer die Prüfung meistert, darf sich den Titel LL.M. hinter seinen Namenszug setzen. Legum Magister heißt das oder auch einfach Master of Laws – die englische Bezeichnung ist gebräuchlicher, weil der Abschluss international anerkannt wird und seine Wurzeln im Ausland hat. In Deutschland ist der LL.M. noch eine neue Erscheinung; erst seit einigen Jahren bieten die Universitäten den Abschluss an. Er ist allerdings kein Ersatz für die beiden Staatsexamina, die auch weiterhin das Juristenstudium beenden. Der LL.M. wird in Deutschland als Zusatzqualifikation gesehen.

Gerade für größere Kanzleien spielt er bei der Auswahl von neuen Mitarbeitern eine Rolle. Bislang schauten die juristischen Arbeitgeber fast nur auf die Note im Staatsexamen, andere Kriterien blieben außen vor. »Natürlich sind die Noten nach wie vor wichtig«, sagt Ulrike Guckes, Geschäftsführerin des Deutschen Anwaltvereins (DAV) und Expertin für Aus- und Weiterbildung. »Aber immer mehr Arbeitgeber verlangen konkretes Fachwissen, damit sie die Kandidaten nicht selbst erst aufwändig schulen müssen – und da hilft der Mastertitel entschieden weiter.«

Fast alle 40 juristischen Fakultäten in Deutschland bieten inzwischen spezialisierte Programme an. Einige haben dafür selbstständige Gesellschaften ausgegründet, die unter eigenem Namen die Kurse anbieten; andere gliedern die Weiterbildungssparte direkt an die Fakultät an. Die meisten Modelle haben bei allen Unterschieden eine Gemeinsamkeit: Die Studenten müssen bezahlen. Pro Semester werden da schon einmal 3000 Euro fällig, bei anderen Studiengängen sind die Kosten sogar fünfstellig. Wenn das Geld richtig verwendet wird, kommt das den Teilnehmern direkt zugute – statt des üblichen Massenbetriebs lassen sich mit den Studiengebühren individuelle Seminare mit renommierten Dozenten organisieren. »An manchen Universitäten sind die Kurse aber auffällig groß, obwohl die Gebühren hoch angesetzt sind«, sagt ein Branchen-Insider. »Da liegt schon der Verdacht nahe, dass einige damit einfach ein gutes Geschäft machen wollen.«

Zu diesem Geschäft gehört auch die Geheimniskrämerei. Viele Anbieter versuchen, der Konkurrenz gegenüber möglichst wenig von sich preiszugeben: Wie viele LL.M.-Absolventen es gibt, wird nirgendwo zentral erhoben. Selbst über die Zahl der Studiengänge in Deutschland kursieren nur Vermutungen, die von 70 bis 100 reichen. Eins jedoch steht fest: Es kommen laufend neue Angebote hinzu.

Schon vor dem Boom der juristischen Masterabschlüsse in Deutschland war der LL.M.-Titel heiß begehrt. Noch vor fünf Jahren allerdings musste zumeist ins Ausland, wer ihn erwerben wollte – gerade im angelsächsischen Raum hat er sich schon beinahe als Standardabschluss in den Rechtsberufen etabliert. »Wer sich früher mit diesem Titel in Deutschland beworben hat, konnte damit schon gleich seine internationale Erfahrung und seine Sprachkenntnisse belegen«, sagt Ulrike Guckes vom Anwaltverein. Gerade im Wirtschaftsrecht lässt sich damit punkten, weshalb bis heute viele Juristen an eine ausländische Hochschule gehen.

»Generell ist das Recht aber eine sehr nationale Angelegenheit«, sagt Dirk Zetsche von der Düsseldorf Law School. Wer also nach dem Abschluss in Deutschland arbeiten will und sich auch nicht auf ausländische Mandanten spezialisiert, für den könnte ein heimischer Abschluss hilfreicher sein. Das Angebot ist inzwischen so groß, dass es für beinahe jedes Fachgebiet ein maßgeschneidertes Programm gibt. Von Medizinrecht bis zu Wirtschaftsrecht, von gewerblichem Rechtsschutz bis Real Estate Law reichen die Angebote. Die Studiendauer liegt üblicherweise zwischen zwei und vier Semestern, einige Universitäten bieten auch berufsbegleitende Seminare an. Die Auswahl des richtigen Studiengangs ist da nicht ganz einfach. »Grundsätzlich sollte man sich die Studienbedingungen genau anschauen«, rät DAV-Expertin Ulrike Guckes. Wie viele Teilnehmer werden akzeptiert, wie ist das Betreuungsverhältnis, wie üppig ist die Bibliothek ausgestattet? Auf den Titel selbst hat das alles allerdings keinen Einfluss. Anders als im Ausland üblich, muss in Deutschland hinter dem LL.M. nicht der Name der Universität stehen, an dem er erworben worden ist. »Wir hoffen, dass diese Regelung auch bei uns bald kommt«, sagt Dirk Zetsche von der Düsseldorf Law School. Die renommierten Anbieter wollen sich damit einen Wettbewerbsvorteil sichern.