Es begann mit zwei Planausschnitten des bekanntesten Walt-Disney-Zeichners Carl Barks. Einer aus der Geschichte Das Detektivspiel (1945) und der andere aus Zwei Streithähne (1953). Jürgen Wollina und Christian Pfeiler präsentierten sie vor elf Jahren auf dem D.O.N.A.L.D.-Kongress und schoben sie, zum Erstaunen aller, passend zusammen. Keiner der Kongressteilnehmer hätte gedacht, dass so etwas möglich sei.

Über eine Anzeige in der Zeitschrift der Donaldisten hatten sich der Ingenieur Wollina und Pfeiler, ein Stadtplaner, zuvor gefunden. Ihr Ziel: aus den Angaben der etwa 700 Donald-Geschichten von Barks erstmals einen vollständigen und plausiblen Stadtplan erstellen. 6500 Comicseiten mussten analysiert werden. Jede einzelne davon hat im Durchschnitt etwa 8 Bilder, zusammen also 52.000 Bilder. Pfeiler überließ die Materialforschung bald Wollina. Die wenigen Originalkartenstücke brachten sie auf einen einheitlichen Maßstab und ordneten sie zu einem Gesamtplan an. Natürlich gab es jede Menge Ungereimtheiten. Einmal entdeckten sie in einer deutschen Übersetzung eine irreführende Bezeichnung, die kartografisch nicht umsetzbar war. Erst mithilfe des amerikanischen Originals konnte Wollina das Problem lösen.

Bei der Erstellung des Plans arbeiteten sich Wollina und Pfeiler von der Westküste ins Landesinnere vor. Wollina zeichnete einzelne Kartenausschnitte von Hand vor, Pfeiler fertigte die Reinzeichnung an. Sämtliche Berge und Gebirge, Brücken, Donalds und Daisys Wohnsitze, die Werkstätten Daniel Düsentriebs, Denkmäler, Geldspeicher und vieles mehr sind eingearbeitet. "Jetzt kann ich wirklich jedes Heft aus der Feder von Carl Barks aufschlagen und im Plan nachschlagen, wo welches Haus liegt, logisch und nachprüfbar", sagt Pfeiler.

Er und Wollina wollen mit ihrer Arbeit dazu animieren, sich mit dem Plan zu beschäftigen – und ihn in gemeinsamer Arbeit auch zu verändern. So wurde etwa die Universität (H 6/7) südlich der "Sanduhrbrücke" noch nachträglich eingezeichnet und die Ortschaft "Schwartenkrachdorf" nach Hinweis eines kundigen Donaldisten kurzerhand gestrichen. Bei seiner Forschung hat Wollina auch viele Dinge entdeckt, die gar nichts mit dem Plan zu tun haben. Zum Beispiel, dass Donald mehr als die drei Neffen Tick, Trick und Track haben muss. Er veröffentlichte ein Brückenverzeichnis mit allen 61 Wasserquerungen in chronologischer Reihenfolge. Und einiges mehr.

Wollina ist davon überzeugt, dass Barks nie einen Gesamtplan von Entenhausen im Kopf hatte. Daher oblag es zum Teil auch seiner Fantasie, die Informationen entsprechend zusammenzufügen. Zu gerne hätte er sein Ergebnis dem großen Zeichner vorgelegt. Aber Carl Barks starb bereits im Jahr 2000.

Im April dieses Jahres waren Wollina und Pfeiler mit ihrer kartografischen Analyse wieder auf dem D.O.N.A.L.D.-Kongress vertreten. Als sie ihre Ergebnisse präsentiert hatten, standen die Teilnehmer auf und sangen als Zeichen der Hochachtung die offizielle Hymne der Donaldisten: "Und lieg ich der-einst auf der Bah-re, so denkt auch an mei-ne Gui-tah-re, und legt sie mir mit in mein Gra-hab."

Der Plan erscheint im DIN-A0-Format in einem Sonderheft der Zeitschrift für Donaldisten, Nr.55. Weitere Informationen unter www.donald.org/stadtplan