Jetzt ist es amtlich: Die Nanotechnik kann nicht länger als attraktive "Zukunftstechnologie" nur verklärt werden. Der Bericht, den die von der Bundesregierung eingesetzte Nano-Kommission am 27. November vorgelegt hat ( Klicken Sie hier, um das pdf-Dokument zu öffnen ), ordnet sie auf der gleichen Ebene ein wie andere heiße Eisen, etwa Stammzellforschung oder Gentechnik. Und wie diese weist sie Licht und Schatten auf.

Nanotechnologien der ersten Generation sind längst mit Produkten am Markt. 800 gibt es schon, wöchentlich kommen drei bis vier neue hinzu. Auch die Erkenntnisse über mögliche toxische Auswirkungen von Nanomaterialien auf Mensch und Umwelt wachsen. Standards für Risikobewertungen und Kennzeichnung fehlen jedoch. Gleichzeitig ist der Begriff Nanotechnik weiterhin diffus. Es wird darüber gestritten, was denn eigentlich als Nanotechnologie gelten darf und was eine bloße Umetikettierung anderer Techniken ist.

In dieser Situation liefert der Bericht eine Positionsbestimmung, die für Deutschland eine Bedeutung erlangen könnte wie der einflussreiche britische Report der Royal Society und der Royal Academy of Engineering von 2004. In den drei Arbeitsgruppen der Kommission waren alle wichtigen Interessengruppen – neudeutsch: "Stakeholder" – vertreten. Keine wird fortan behaupten können, nicht gefragt worden zu sein.

Die Kommission definiert grob, dass Nanotechnologie der technische Umgang mit Objekten und Strukturen unter 100 Nanometer (milliardstel Meter) Ausdehnung ist, und nimmt wichtige Präzisierungen vor. Zum einen unterscheidet sie zwischen Nanoobjekten wie Kleinstteilchen, Fasern oder Spezialmolekülen und nanostrukturierten Materialien. Das ist nicht unerheblich: Erstere werden derzeit auch in Kosmetika und Nahrungsprodukten eingesetzt, was auf deutliche Vorbehalte von Verbrauchern stößt. Letztere hingegen sind typisch für die zahlreichen Beschichtungen, von kratzfest über selbstreinigend bis nichtbeschlagend, die bisher ein weitgehend positives Bild von Nanoanwendungen geprägt haben und (noch) wenig Anlass zur Besorgnis geben.

Nanomaterialien sollen zudem in die drei vorläufigen Gefährdungsklassen "wahrscheinlich", "möglich" und "unwahrscheinlich" eingeteilt werden, die jeweils eine eigene Risikobewertung benötigen. Das ist wichtig, will man nicht länger alle Nanoanwendungen in einen Risikotopf werfen. Die Kommission empfiehlt auch, die Finanzierung der Risikoforschung "deutlich zu erhöhen". Bisher ist sie nicht mehr als ein Feigenblatt.

Der Bericht bleibt aber nicht bei Risiken stehen, sondern streicht auch Potenziale von Nanotechniken für Umwelt, Energie und Klimaschutz heraus. So könnten Nanotechniken gemäß einer Studie der Universität Stuttgart bis 2030 helfen, in Deutschland jährlich 170 Terawattstunden an Energie einzusparen. Das wäre deutlich mehr, als wir derzeit aus Steinkohle oder Atomstrom gewinnen. Und in der Rechnung sind Nanolösungen für Solarenergie oder Energiespeicher noch gar nicht enthalten.

Klar ist nach diesem Bericht: "Nanodialoge" sind kein Selbstzweck. In den vergangenen Jahren ist viel geredet worden. Nun müssen die Vorschläge endlich angepackt werden.